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Der Pfadfinder

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Bekannt geworden ist Felix Thönnessen durch seine Tätigkeit für die TV-Show „Die Höhle der Löwen“ auf Vox. Seit mehr als zehn Jahren hilft er Gründungswilligen beim Aufbau der eigenen Firma.

Schwarze Anzughose, klassische Lederschuhe, über dem schwarzen Hemd trägt er Hosenträger - sein Markenzeichen. Perfekt frisiert steht Felix Thönnessen auf der Bühne. Gebannt folgen die Besucher des Digital Demo Day in Düsseldorf Anfang Februar seinen Worten. Er erzählt, wie er jüngst in einem Matratzengeschäft mit Fragen überschüttet worden sei: Wie viele Latten sein Lattenrost habe, ob er auf der Seite schlafe, welche Einpresstiefe seine Matratze habe? Am Ende sei er sicher gewesen: Die perfekte Matratze für ihn könne es nicht geben. Gleichzeitig lobt er die Idee eines Start-ups, den Hang zur Individualisierung von Produkten umzukehren und die eine Matratze zu entwickeln, die für jeden passt.

Thönnessen ist 37 Jahre alt und trotzdem so etwas wie ein alter Hase. Vor allem, was das Gründen angeht. 23 Unternehmen hat er bisher selbst gegründet, 456 Businesspläne erstellt, insgesamt fast 1.400 Start-ups beraten – zuletzt auch Immoterminal vom Düsseldorfer Startplatz. Mittlerweile ist er auch selbst dort investiert. Angefangen hat alles damit, dass er sich nach seinem Marketingstudium als Berater in Viersen selbstständig macht. „‚Marketing aus Leidenschaft‘ stand in knall­grüner Schrift auf meinem Polo“, erzählt Thönnessen und grinst. „Die meisten meiner Kunden wussten gar nicht, was das bedeutet, und fragten, ob ich ihnen auch beim Erstellen einer Webseite helfen kann“, sagt er.

Es dauert nicht lange, da entscheidet er sich, vor allem gründungswilligen Menschen helfen zu wollen. „Jeder, der in Viersen auch nur ansatzweise vorhatte, sich selbstständig zu machen, war bei mir“, sagt Thönnessen. Dazu gehören ehemalige Konzernchefs, Hartz-IV-Empfänger, aber auch Menschen, die schon einmal selbstständig waren. „Auch ich habe in den Gesprächen viel gelernt“, so Thönnessen, der damals Mitte 20 war.

Der heutige Coach, Trainer und Keynote-Speaker erzählt gerne Geschichten aus dem Alltag. Meist aus seinem Alltag. Dass er während der Schulzeit Zeitungen austrägt, fürs Süchtelner Fitnessstudio Kaltakquise am Telefon betreibt. Dass er mit Anfang 30 im Viersener Stadtrat sitzt und sich wenig später dann doch wieder aus der Politik zurückzieht. „Der Stadtrat war im Durchschnitt 55 Jahre alt. Die glaubten damals, dass das Internet in zwei Jahren wieder verschwunden sein würde“, erklärt Thönnessen.

„Das war für uns eine Rakete, da müssen wir nicht drum herumreden“

Er erzählt auch davon, wie er Coach der Kandidaten bei der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ wurde. „Ich habe im Internet eine Anzeige gesehen, dass für eine TV-Show Start-ups gesucht werden.“ Die Möglichkeit wollte er seinen Kunden nicht entgehen lassen. Während der Gespräche schlägt er vor, die Teams für die Sendungen vorzubereiten. So kommt es, dass Thönnessen seit der ersten Staffel nicht nur Teams für die Show vorschlägt, sondern auch bei der Vorbereitung der Pitches hilft. „Nur wenige der Teams haben TV-Erfahrung.“ Ausgezahlt hat sich das Engagement für ihn. „Das war für uns eine Rakete, da müssen wir nicht drum herumreden“, sagt er. Zwei Bücher hat Thönnessen seitdem zudem geschrieben: „Erfolgreich Unternehmen gründen“ und „Arbeitsbuch Start-up“– jeweils erschienen zu den neuen Staffeln von „Die Höhle der Löwen“.

Seit 2011 wohnt der Unternehmensberater in Düsseldorf. „Ich mochte schon immer Städte, die an einem Fluss liegen, und ich mag die Mischung hier: Auf der einen Seite die Königsallee, wo du die Schickeria triffst, und auf der anderen Seite alternative Stadtteile wie Unterbilk oder Flingern. Düsseldorf ist eine Großstadt, aber eine überschaubare“, erklärt er. Auch die Start-up-Szene habe einen großen Schritt nach vorne gemacht: „Die Szene hat sich wirklich gut entwickelt – allein die vielen verschiedenen Standorte: Der Startplatz und der dort ansässige Digihub, die Factory, Super7000 und so weiter. Als ich vor zehn Jahren nach Düsseldorf kam, gab es die IHK und fünf Gründungsberater – das war’s“, stellt er fest.

„Alles, was ich mache, hat mit dem Thema Start-ups zu tun“

Seine eigenen Aktivitäten hat Thönnessen noch breiter gestreut. Neben seiner Beratungsfirma gründete er 2016 eine eigene Investmentfirma. „In den vergangenen zwei Jahren habe ich jede Erfahrung gemacht: ein Start-up verkauft und gut daran verdient, eins musste Insolvenz anmelden und eins wurde wegen Erfolglosigkeit liquidiert. Es gibt so viele Gründe, warum etwas nicht funktioniert.“ Warum sollte es einem Start-up-Coach da anders ergehen? Und wie sieht der Arbeitsalltag von Felix Thönnessen aus? „Alles, was ich mache, hat mit dem Thema Start-ups zu tun“, sagt er. Ob Innovationen in Form von Trainings in Unternehmen zu bringen, eine Keynote zum Thema Digitalisierung zu halten, beratend tätig oder selbst in diversen Firmen investiert zu sein, das Betätigungsfeld ist vielfältig. Und dafür ist er viel unterwegs. Die Gründung einer eigenen Familie stand bisher nicht auf dem Plan. Doch das würde er gerne ändern. „Ich würde schon gerne mal heiraten und Kinder bekommen“, so Thönnessen.

Doch bevor dieser Abschnitt beginnt, will Thönnessen noch zwei Projekte an den Start bringen. Das erste: der Start seiner neuen TV-Sendung „Zahltag – ein Koffer voller Chancen“, bei der er für RTL Menschen in die Selbstständigkeit verhilft. Im Frühsommer soll es losgehen. An seinem zweiten Projekt arbeitet er derzeit noch: „Ich schreibe gerade ein Kinderbuch, angelehnt an meine eigene Jugend bei den Pfadfindern“, erzählt er. Mit zwölf Jahren in Norwegen beim Zelten einen Bären gesehen zu haben, das habe ihn geprägt. Er scheint damit recht zu haben. ●

Text: Franziska Bluhm 


Sechs Gründer-Tipps von Felix Thönessen

1.) Fokussieren

  • Gründungswillige haben häufig eine Vielzahl von Ideen, die sie am liebsten gleichzeitig und sofort umsetzen wollen. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, einen Fokus zu setzen. Wer immer wieder nach links und rechts abschweift, kommt nirgendwohin. Wer etwas erreichen will, muss sich ein Ziel setzen.

2.) Flexibel bleiben

  • Erfolg ist keine gerade Linie. Auch ich habe in meinem Berufsleben oft Entscheidungen getroffen, die sich im Nachhinein als falsch herausgestellt haben. Jeder, der gründet, muss sich darüber im Klaren sein: Um Ziele zu erreichen, musst du auch mal Umwege gehen. Gründer müssen damit leben können, auch mal hinzufallen, enttäuscht zu werden oder auch mal zu scheitern. Entscheidend ist, was du aus diesen Niederlagen machst.

3.) Verkaufen können

  • Was mir persönlich am meisten beim Gründen meiner Firma geholfen hat: die drei Jahre, die ich für das Fitnessstudio bei uns im Ort gearbeitet habe. Ich musste Leute anrufen, die ich nicht kannte, und ihnen Fitnessverträge verkaufen. Die wenigsten Gründer haben schon einmal etwas verkauft – sei es an der Tankstelle oder in einem Supermarkt. Dabei ist das eine der wichtigsten Fähigkeiten.

4.) Mut zum Risiko

  • Jeder Gründer muss den Mut aufbringen, seinen ganz persönlichen Weg einzuschlagen – sicher ist dieser meist nicht. Mein Motto: Habe keine Angst vorm Scheitern, sondern glaube daran, dass aus dem eingegangenen Risiko etwas Gutes entsteht. Und sei stolz darauf, den Mut aufgebracht zu haben, den steinigen Weg zu gehen.

5.) Finanzierung sichern

  • Die meisten Start-ups scheitern, weil sie falsch oder schlecht kal­kulieren. Denkt von Anfang an daran, genügend Kapital zu beschaffen – Möglichkeiten dazu gibt es viele. Der größte Fehler, den ein Start-up machen kann: Starten, merken, dass das Geld ausgeht, dann versuchen, Geld zu bekommen. Meist ist es dann bereits zu spät.

6.) Bonustipp: Reden

  • Viele fahren engstirnig ihren Weg, tauschen sich kaum aus. Dabei ist der umgekehrte Weg viel empfehlenswerter. Wenn ich ein Start-up in Düsseldorf gründen würde, dann würde ich in den ersten drei Wochen nur Termine machen: bei der IHK, der Wirtschaftsförderung, beim Hightech-Gründerfonds, bei der Deutschen Bank, der NRW.Bank, der Sparkasse und drei Gründungsberatern. Das hilft, die eigene Idee zu testen und weiterzuentwickeln, sich zu vernetzen und im besten Fall die Finanzierung zu sichern.

Sabrina Schauder