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Im Auftrag des guten Geschmacks

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Der Name Zurheide steht für viele in Düsseldorf und im Ruhrgebiet für Einkaufsgenuss und hochwertige Lebensmittel. Die Brüder Marco und Rüdiger Zurheide führen die Firma gemeinsam mit Vater Heinz. Das Crown ist der neueste Markt der geschäftstüchtigen Familie – ein Mammutprojekt.

Wie der Vater so die Söhne? „Nicht ganz. Bei uns hat jeder andere Stärken“, sagt Rüdiger Zurheide. Der 38-Jährige kümmert sich beim Lebensmitteleinzelhändler „Zurheide Feine Kost“ häufig um Personalfragen. „Wir drei sind uns einig, dass ich ein Händchen dafür habe und am besten Mitarbeitergespräche führen kann.“ Sein älterer Bruder Marco ist Verhandlungsprofi und übernimmt unter anderem viele Aufgaben im Wareneinkauf und im Marketing für das Familienunternehmen. Und Heinz Zurheide, der Seniorchef? „Er lässt sich, wenn er unterwegs ist, oft von neuen Konzepten inspirieren und steckt uns mit seinen Ideen an“, sagt sein Sohn. Aus dem Tagesgeschäft hat sich der Vater heute weitgehend zurückgezogen.

Vor 41 Jahren hat er das Unternehmen aufgebaut. Den Anfang machte ein 650 Quadratmeter großer Markt in Bottrop, den er in Kooperation mit der Edeka-Gruppe eröffnete: der entscheidende Schritt in die Selbstständigkeit. Und der Anfang der Firmengeschichte von Zurheide Feine Kost. Ende der 90er Jahre begannen die beiden Söhne Rüdiger und Marco ihre Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Unternehmen. Marco machte zusätzlich noch den Handelsfachwirt. Anschließend stiegen die Brüder jeweils als Marktleiter ins Familienunternehmen ein. „Uns beiden war schon früh klar, dass wir uns nicht auf unserem ‚Sohn-Sein‘ ausruhen konnten, sondern uns durch unsere Leistung erst einmal beweisen mussten“, sagt Rüdiger. „Die Mitarbeiter sollten nicht den Eindruck bekommen, dass wir bevorzugt behandelt werden.“

Mit dem Einstieg der Söhne wuchs das Unternehmen schnell weiter. Anfang der 2000er Jahre brachte Zurheide Feine Kost als einer der ersten Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland Gastronomie auf die Verkaufsfläche. Den Anfang machte ein kleiner Kochpoint am Standort Oberhausen, an dem Erbsensuppe, Pasta und andere Gerichte zubereitet wurden. Nach und nach folgten Bistros und weitere Gastronomie-Angebote.

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„Einkaufen soll bei uns zum Erlebnis werden“

Heute können Kunden in Kaffeelounges, Gourmet-Bistros und exklusiven Wein- und Spirituosenwelten schwelgen. Wer seinen Einkaufswagen durch die großzügigen Gänge schiebt, hat die Wahl aus über 50.000 verschiedenen Artikeln. Darunter auch Lebensmittel aus Eigenproduktion, zum Beispiel frische Pasta, aber auch feine Torten, Pralinen und Konfekt. So mancher Kunde, der eigentlich „nur schnell noch was besorgen wollte“, dürfte hier den Feinschmecker in sich entdecken und noch ein bisschen verweilen. „Einkaufen soll bei uns zum Erlebnis werden“, sagt Rüdiger Zurheide. „Wir möchten, dass Kunden unsere frischen Produkte auch direkt im Markt probieren und genießen können.“

Die aktuellen Entwicklungen des Online-Handels nehmen die Zurheides eher gelassen. 2017 kauften Verbraucher in Deutschland nach Angaben des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh) Waren für 58,5 Milliarden Euro im Internet, eine Steigerung von knapp elf Prozent. Der Umsatz mit Lebensmitteln im Internet hat dabei erstmals die Milliardengrenze überschritten. Kommentar vom Zurheide-Junior: „Das sehen wir nicht ganz so kritisch. Weil wir uns ohnehin nicht mit dem klassischen Handel vergleichen.“ Einzelhandelskonzepte mit ähnlichen Ansätzen sieht er eher im Ausland und führt als Beispiel die Feinkostkette Eataly an.

Heute ist Zurheide Feine Kost achtmal an Standorten im Ruhrgebiet und Düsseldorf vertreten. Das neueste Projekt: der große Lebensmittelmarkt im „The Crown“, so der Name des Gebäudekomplexes im ehemaligen Kaufhof an der Berliner Allee in Düsseldorf.

Wir möchten, dass die Kunden unsere Produkte auch direkt im Markt
probieren können“

Zusätzlich zu einem breiten Warenangebot, das zum Beispiel auch eine 800 Quadratmeter große Bio-Abteilung umfasst, erwarten den Kunden insgesamt sieben Gastronomieinseln, darunter ein Grillpoint mit internationalen Fleischspezialitäten und ein fernöstlicher Bereich mit Nudelangeboten, Sushi und Suppen. An der Champagner-Club-Bar sind etwa 30 Champagnerhäuser vertreten. Um die 200 Vollzeit-Mitarbeiter sind im Markt im Einsatz.

Das Crown ist neben dem Standort in Reisholz der zweite Zurheide-Markt in Düsseldorf. Und was für die einen ein Schlaraffenland in Stadtlage, das ist für die anderen ein Mammutprojekt. „Wir wollen zeigen, was wir können“, sagte Zurheide einmal in einem Interview. Stillstand sei Rückstand.

Der Vater und seine zwei Söhne waren schnell davon überzeugt, dass sie es gemeinsam stemmen wollten. „Die Planungen haben uns in den letzten Jahren sehr auf Trab gehalten“, sagt Rüdiger Zurheide. Die Kölner
Koerfer-Gruppe, der die Immobilie gehört, hatte den Zurheides ursprünglich ein Angebot fürs Untergeschoss des Gebäudes gemacht. Eine Fläche, die jedoch als Markt zu klein gewesen wäre. „Mein Vater hatte etwas Größeres im Sinn“, erinnert sich Rüdiger Zurheide. So kam auch das Obergeschoss hinzu. Macht heute zusammen: 12.000 Quadratmeter Fläche zum Einkaufen, Probieren und Genießen. Damit ist der Markt der mit Abstand größte im Zurheide-Portfolio. Der Mietvertrag läuft über 15 Jahre. Die Familie investierte einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Eine Investition, die für das Familienunternehmen eine große Herausforderung ist. Gegenüber der Westdeutschen Zeitung sagte Rüdiger Zurheide: „Wenn dieses Projekt scheitert, dann steht unsere gesamte Existenz auf der Kippe.“

Mit dem Crown in Düsseldorf kommt zu Rüdiger Zurheides Route im täglichen Berufsverkehr nun noch eine weitere wichtige Station hinzu. Je nachdem, welche Aufgaben wo auf ihn warten – von Mitarbeitergesprächen bis hin zu Terminen mit Lieferanten – pendelt er zwischen seinem Wohnort Mülheim und den Zurheide-Standorten in Düsseldorf, Essen und Oberhausen hin und her. Ein Arbeitsalltag, den es gut zu koordinieren gilt. Das ist ihm und seinem Bruder, der mit seiner Familie in Bottrop lebt, bisher aber gelungen. „Wir stimmen uns gut ab“, sagt Rüdiger Zurheide. So gut, dass auch noch Zeit bleibt fürs Privatleben mit Ehefrau und Kind. Oder auch für einen ausgiebigen Einkauf. ●

Sabrina Schauder