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"5G ist die Zukunft"

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Herausgeber Rainer Kunst läuft Marathons, genauso wie Alexander Saul, Geschäftsführer für den Bereich Firmenkunden bei Vodafone. Gemeinsam drehen sie für VIVID eine Runde am Rhein.

Treffpunkt 7 Uhr. Theodor-Heuss-Brücke. Es herrscht bereits Betrieb auf der Laufstrecke Richtung Norden entlang am Rhein. Per Hand­shake begrüßen sich Alexander Saul und Rainer Kunst. Sie kennen sich seit fast 16 Jahren, treffen sich hin und wieder auf Veranstaltungen. Und obwohl beide leidenschaftliche Läufer sind, zusammen waren sie so noch nie unterwegs. Beide im schwarzen Laufshirt und schwarzer Hose, als hätten sie sich abgesprochen. Nur ihre Laufschuhe sind unterschiedlich bunt.

SAUL: Ich würde diese Strecke hier eigentlich gerne jeden Tag laufen, aber ich schaffe es nur dreimal die Woche.

KUNST: Wann läufst du normalerweise?

SAUL: Genau um diese Zeit. Dann schaffe ich es, um neun im Büro zu sein.

KUNST: Was ich faszinierend finde: Du läufst ja nicht nur einfach Marathons, du bist ja auch den Two-Oceans-Marathon gelaufen. Wie kam’s?

SAUL: Der Two-Oceans-Marathon ist ein kurzer Ultramarathon mit 56 Kilometern – herausfordernd daran sind aber die anderthalbtausend Höhenmeter. Wirklich einer der schönsten Marathons der Welt – in Kapstadt, Südafrika. Ich fand’s so schön, dass ich das jetzt schon zweimal gemacht habe.

KUNST: Du bist ja Geschäftsführer bei Vodafone für den Bereich Geschäftskunden. Du bist seit dem Jahr 1999 bei Vodafone. Wie schafft man es, so lange in einem Konzern zu sein?

SAUL: Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal 19 Jahre lang bei Vodafone arbeite. In dieser Zeit hat sich nicht nur das Unternehmen ständig neu erfunden, auch ich habe mich alle zwei, drei Jahre mit etwas komplett Neuem beschäftigt: Ich habe im Finanzbereich angefangen, dann Marketing, Vertrieb, schließlich Geschäftsführer.

KUNST: Das Vodafone von heute ist nicht mehr mit dem von früher vergleichbar.

SAUL: Gestartet als Mannesmann Mobilfunk und weitergeführt nach der Übernahme durch Vodafone haben wir uns in den vergangenen 20 Jahren zu einem deutschlandweit aktiven Dienstleister für Telekommunikation gewandelt. Wir sind zum Komplettanbieter für Mobilfunk und Festnetz aufgestiegen, der sowohl Privatkunden- als auch Geschäftskundenseite seine Services erfolgreich anbietet und in etlichen Bereichen Marktführer ist.

KUNST: Warum ist Glasfaser so wichtig für Vodafone?

SAUL: Glasfaser ist die Voraussetzung, um Deutschland zur Gigabit-Gesellschaft zu machen. Denn Glasfaser kann Bandbreiten von deutlich mehr als einem Gigabit ermöglichen und beispielsweise Firmenkunden auch bestimmte Bandbreiten garantieren. Noch ein Vorteil von Glasfaser: Wenn wir das jetzt in die Erde legen, haben wir die nächsten 40 bis 50 Jahre Ruhe. Das Material verrottet nicht, du musst nur die Komponenten am Anfang und am Ende der Glasfaser aufrüsten, um höhere Bandbreiten zu generieren und du hast praktisch unbegrenzte Bandbreite. Und darum ist Glasfaser als Anbindung für unsere Basisstationen auch die Grundlage, um im Mobilfunk Gigabit-Geschwindigkeiten zu ermöglichen.

KUNST: Ihr habt angekündigt, in diesem Jahr 2.000 Gewerbegebiete mit Glasfaseranschlüssen zu versorgen. Wie kommt ihr da voran?

SAUL: Wir haben ein zwei Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm und gehen nach drei Kriterien vor. Erstens: Wir suchen nach Gewerbegebieten, die unterversorgt sind. Zweitens: Wir suchen Gewerbegebiete, die nicht schon ein Wettbewerber erschlossen hat. Und drittens: die Nähe zu unserem Netz. Wir haben mehrere hundert Gebiete identifiziert und sind mitten in den Gesprächen mit den jeweiligen Kommunen und Gemeinden.

7.32 Uhr: Kleiner Zwischenstopp am Trink-wasserbrunnen an Rheinkilometer 749: Zeit für ein bisschen Wasser und das Richten der Schnürsenkel. Weiter geht’s rheinabwärts.

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„Mit Glasfaser wird Deutschland zur Gigabit-Gesellschaft“

KUNST: Als wir uns 2003 kennengelernt haben, hattet ihr gerade einige Jahre vorher für Vodafone D2 die UMTS-Lizenzen ersteigert. Und jetzt steht mit 5G die nächste Versteigerung ins Haus. Habt ihr eine andere Wahl als mitzusteigern?

SAUL: 5G ist die nächste Mobilfunk-generation, also die Zukunft. Alle bereits denkbaren und auch bisher nicht angedachten Mobilitätsservices basieren darauf. Die Möglichkeiten mit 5G sind faszinierend: Die Latenzzeiten sind ein Fünfzigstel von dem, was derzeit Standard ist, und es wird auch möglich sein, auf Basis dieser Mobilfunktechnologie feste Bandbreiten zu garantieren. 

KUNST: Eigentlich ja schon ein Widerspruch: Durch das Versteigerungsverfahren werden Preise künstlich in die Höhe getrieben und gleichzeitig reden alle von notwendigen Investitionen in die Digitalisierung.

SAUL: Geld, das für Lizenzen ausgegeben wird, wird dem gesamten Telekommunikationsmarkt quasi entzogen. Eigentlich absurd, wenn man sieht, wie zum Beispiel China damit umgeht. Da wird die Lizenz zur Verfügung gestellt und der Ausbau der Basisstationen zusätzlich noch subventioniert.

KUNST: Wenn 5G kommt, was passiert dann mit den alten Antennen?

SAUL: Wir haben keine alten Antennen, denn unser Netz wurde erst gerade komplett modernisiert und dabei auch schon fit für 5G gemacht. Unsere Basisstationen werden wir also für 5G nutzen, aber sicher werden wir weitere bauen.

KUNST: Fassen wir mal alles zusammen: Ihr seid gerade dabei, mit der Übernahme von Unitymedia das Kabelnetz zu erweitern. Ihr legt Glasfaser in den Gewerbegebieten und ihr habt das 5G-Thema. Jedes Thema für sich ist eine Großbaustelle. Wie kriegt ihr das gestemmt?

SAUL: Ja, das sind Riesenaufgaben und gleichzeitig macht auch die Digitalisierung nicht vor uns selbst halt: Parallel läuft gerade ein internes großes Programm, das unsere Prozesse auf eine digitale Plattform bringt. Das ist viel, aber alles andere wäre langweilig.

7.54 Uhr: An der Autobahnbrücke kurz vor Kaiserswerth machen die beiden kehrt. Sie nutzen die Gelegenheit, die Beine zu lockern, und blicken auf den Rhein. „Gibt es etwas Schöneres, als morgens laufen zu gehen?“, fragt Saul.

KUNST: Ihr fahrt regelmäßig ins Silicon Valley. Erst kürzlich wart ihr in China. Was bringt das?

SAUL: Du musst einfach im Silicon Valley unterwegs gewesen sein, um zu spüren, was dort für eine Innovationskraft, gepaart mit Investitions- und Risikobereitschaft, herrscht. Die geht uns in Deutschland oft ab. Zweitens: Gerade in China faszinierte mich, mit welcher  Selbstverständlichkeit die verfügbaren Bandbreiten einfach genutzt werden. Der Hunger nach Bandbreite ist praktisch nicht zu stillen. Wir in Deutschland diskutieren stattdessen, ob
50 Megabit ausreichen oder nicht. Da prallen Welten aufeinander.

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„Die Chinesen sind mit einer sehr strategischen und fokussierten Dampfwalze
unterwegs“

KUNST: Gibt es etwas, was dich in China besonders beeindruckt hat?

SAUL: Ich bin wirklich beeindruckt, mit welcher generalstabsmäßigen Planung Märkte erschlossen werden. Beispiel: der Autobauer Geely, der vor 20 Jahren gestartet ist und von den europäischen Herstellern immer belächelt wurde. Inzwischen gehören Volvo, Lotus und London Taxi zu Geely. Vor Kurzem wurde bekannt, dass der Eigentümer mit etwa 10 Prozent mittlerweile der größte Einzelaktionär bei Daimler ist. All diese Aktivitäten und Zukäufe haben dafür gesorgt, dass auch die eigene Marke immer mehr aufgewertet wurde. Oder das Start-up Nio, spezialisiert auf Elektroautos. Die bringen innerhalb von drei Jahren ihr erstes Auto auf den Markt und positionieren es im Segment genau zwischen den günstigen chinesischen Elektroautos und Tesla. Nun eröffnen allerorten Showrooms direkt neben denen von Tesla.

KUNST: Komisch: Alle reden vom Silicon Valley, aber müssten wir uns nicht eigentlich damit beschäftigen, dass uns China technologisch überrollt?

SAUL: Spannende Frage, auch weil die Vorgehensweisen so unterschiedlich sind. Die Amerikaner gehen sehr individualisiert vor und entwickeln dadurch natürlich auch eine unglaubliche Kreativität und Kundennutzen. Die Chinesen sind hingegen eher mit einer sehr strategischen und fokussierten Dampfwalze unterwegs. Hohe Bandbreiten werden die Basis sein für alles technologische Wachstum, also wird kräftig investiert, auch wenn ihnen dabei Kreativität verloren geht. Aber ich bin mir sicher, dass sich das Innovationsgleichgewicht in den kommenden Jahren nach Asien verschieben wird.

8.29 Uhr: Die beiden sind wieder an der Theodor-Heuss-Brücke eingetroffen. Zeit für eine letzte Fragerunde, bevor sich ihre Wege trennen: Rainer Kunst fährt nach Unterbilk, Alexander Saul läuft den letzten Kilometer nach Derendorf alleine weiter.

KUNST: Lass uns noch mal zurück nach Düsseldorf gehen: Vor fünf Jahren seid ihr auf den Vodafone-Campus gezogen, mit Open-Space-Lösungen und keinen festen Schreibtischen mehr, der Auflösung von optischen Hierarchien. Wie hat sich das entwickelt?

SAUL: Sehr positiv, für meinen Geschmack könnten wir aber noch radikaler sein. Einer der Vorteile, wenn man keinen eigenen Schreibtisch hat: Du bist am Ende des Arbeitstages noch mehr unter den Menschen gewesen und hast mitbekommen, was wirklich passiert.

KUNST: Wie organisierst du deinen digitalen Tag?

SAUL: Ich versuche weitestgehend auf Papier zu verzichten. Ich bin schon ziemlich gut, letztlich habe ich mein Büro immer dabei. Nur beim Laufen gönne ich mir da noch eine Auszeit. Ich mache alles mit Mobiltelefon, Laptop und iPad.

KUNST: Was verbindet Vodafone mit Düsseldorf?

SAUL: Das ist unsere Heimat, unsere DNA. Hier ist die Zentrale von Vodafone Deutschland und das wird auch so bleiben. ●


Steckbrief

Name Alexander Saul

geboren am 24. Januar 1968

Familienstand geschieden,  zwei Kinder (14 und 16 Jahre)

Werdegang Seit 1999 bei Vodafone. Nach Stationen in Controlling und Verkauf drei Jahre für die Geschäftskunden der Amsterdamer Zentrale verantwortlich. Seit 2016 leitet er den Geschäftskundenbereich bei Vodafone.

 

 

Sabrina Schauder