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Der Mann mit dem Bauchgefühl

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Peter König ist das Enfant terrible der Düsseldorfer Brauereiszene: Der Füchschen-Chef liebt Männer (vor allem einen), war 2001 Düsseldorfer Karnevalsprinz und produziert als Altbierbrauer seit einem Jahr sogar Pils.

Peter König ist ein viel beschäftigter Mann. Es ist gar nicht so einfach, einen Interviewtermin mit dem Brauereichef zu vereinbaren. Wenn er einem dann schließlich doch in seinem Büro gegenübersteht, schafft er mit nur einem Satz eine entspannte und persönliche Atmosphäre. „Ich heiße übrigens Peter, wie heißt du?“

Als moderner (Geschäfts-)Mann führt König ein traditionelles Unternehmen: Seit 1848 wird bei der Brauerei im Füchschen Bier gebraut, seit 1908 ist sie in Familienbesitz. Königs Urgroßeltern Louise und Theodor hatten einen Spirituosenhandel, als sie die Brauerei übernahmen. Sein Großvater wie auch sein Vater waren Braumeister, und auch Peter König hat Koch und Brauer und somit sein Tagesgeschäft von der Pike auf gelernt. Als er im Jahr 1995 das Familienunternehmen übernimmt, tritt er gerne in die Fußstapfen seines Vaters. „Mir war schon als Kind klar, dass ich einmal Chef werde“, erzählt er lachend. Was nicht heißt, dass er sich nicht auch einen anderen Lebensweg hätte vorstellen können. Nachdem er seine Ausbildungen abgeschlossen hatte, verpflichtete er sich erst einmal für zwei Jahre beim Bund. Fast hätte er noch eine Ausbildung zum Hotelkaufmann begonnen, stattdessen fing er im Füchschen an. „Mein eigentlicher Traumberuf war Flugbegleiter, das hätte ich gerne mal eine Zeit lang gemacht.“ Diesen Traum lebt jetzt stellvertretend sein Mann, der tatsächlich Flugbegleiter ist. Seine Augen leuchten, wenn er von ihm erzählt. Seit knapp anderthalb Jahren sind die beiden glücklich verpartnert, im Januar 2018 heirateten sie auch standesamtlich.

Aber nicht nur privat, sondern auch geschäftlich hat König alles im Griff. „Als ich die Brauerei übernahm, gingen die Geschäfte nicht besonders gut. Es war Zeit, mit alten Gewohnheiten zu brechen und das Unternehmen zu modernisieren“, erzählt er. Seinerzeit lag der Ausstoß bei 9.000, derweil produziert das Füchschen circa 37.000 Hektoliter Bier im Jahr. Dieses wird allerdings nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in der näheren Umgebung, zum Besispiel. in Duisburg, Essen, Wuppertal, Neuss, Krefeld und sogar in Köln verkauft. Die Steigerung der Produktion war allerdings nicht die einzige Aufgabe, der sich Peter König damals stellte. Der neue Chef brachte noch weitere Ideen mit ins Unternehmen, die er umsetzen wollte. Die 65 Mitarbeiter, inzwischen sind es 115, mussten teilweise erst noch von seinen neuen Konzepten überzeugt werden. Eine seiner ersten und offensichtlichsten Amtshandlungen war eine neue Corporate Identity für das Füchschen. „Meine Hobbys sind Werbung und Grafikdesign, daher war es für mich extrem wichtig, das Erscheinungsbild der Brauerei zu modernisieren“, so König. Aus Rot-Weiß wurde Schwarz-Rot, dazu kam das neue und bunte Logo. Bis heute macht die Brauerei immer wieder mit kreativen Werbekampagnen von sich reden. Diese entstehen immer in Kooperation mit einer Agentur, derzeit ist es Castenow. Als Werbefigur fungiert dabei selbstverständlich der Fuchs, der schon in die verschiedensten Rollen geschlüpft ist und dem gerne auch mal zweideutige Sprüche ins Maul gelegt werden. An der Entwicklung ist Peter König immer maßgeblich beteiligt, und die Anzeigen haben somit oft einen persönlichen oder auch aktuellen Bezug. „Manchmal sind wir auch ein bisschen frech und frivol. Das macht mir großen Spaß“, freut sich König.

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"Mir war schon als Kind klar, dass ich einmal Chef werde"'

 

Zum 60-jährigen Thronjubiläum der Queen kreierte der Royalsfan zum Beispiel eine Anzeige mit dem Fuchs als Elizabeth II., mit seinen Augen und Königspudel versehen sowie dem Claim „Bier Royal!“ Dazu gab es eine goldene Fünf-Liter-Dose, die er kurzerhand in den Buckingham Palace schickte. Zurück kam ein Dankesschreiben von der Queen höchstpersönlich, das selbstverständlich in seinem Büro hängt und welches er stolz präsentiert.

Peter König ist aber nicht nur ein kreativer, sondern auch ein spiritueller Mensch. „Ich meditiere zweimal täglich, jeweils eine halbe Stunde. Es ist wichtig für mich, die Dinge langsam angehen zu lassen. Man kann nichts erzwingen, sondern alles muss sich fügen. So ein Unternehmen ist wie ein kleiner Staat. Ich möchte, dass es meinen Mitarbeitern gut geht, und ich fühle mich für jeden einzelnen von ihnen verantwortlich“, erklärt er. In den vergangenen 23 Jahren hat er die Füchschen-Brauerei von der kleinsten zur fast größten Hausbrauerei in Düsseldorf gemacht. Maßgeblich für seinen Erfolg war, dass er sich nie gescheut hat, neue Wege zu beschreiten – und zwar in allen Bereichen. Woher er seine Ideen nimmt? „Ich bin viel unterwegs. Da ich mit offenen Augen durchs Leben gehe, begegnen mir ständig neue Dinge, die ich natürlich auch in meinem Unternehmen umzusetzen versuche. Dazu kommt ein nachhaltiges Bewusstsein. Ich glaube an Schicksal und dass alles im Fluss ist. Es ist für mich sehr wichtig, auf mein Bauchgefühl zu hören“, erzählt er.

Doch wer jetzt glaubt, dass König in anderen Sphären schwebt, irrt. Seinen Führungsstil beschreibt er als bodenständig. „Auch hier vertraue ich vor allem auf meinen Bauch“, so der Brauereichef. „Wir bei Füchschen sind eine große Familie. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich mich um meine Mitarbeiter kümmere.“ Sein Verantwortungsgefühl schlägt sich folgerichtig auch in den Modernisierungsmaßnahmen der Brauerei nieder. So hat König beim Umbau Roboter in die Produktionsstätte integriert, die die Angestellten entlasten, indem sie zum Beispiel schwere Bierfässer transportieren. Und was macht König, wenn mal etwas nicht nach Plan läuft? „Wenn irgendetwas ins Stocken gerät, versuche ich ruhig zu bleiben. Stress ist kein guter Ratgeber“, ist er sich sicher. Entspannungsphasen seien wichtig. „Ich bin gerne mit meinem Mann auf Ibiza und genieße dort die Sonne, das Wasser und das Licht, das Dasein im Sein.“

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"Wir springen nicht auf jeden Trend auf“

Früher stand König gerne in der Öffentlichkeit: Acht Jahre war er im Düsseldorfer Karneval aktiv, im Jahr 2001 sogar als Karnevalsprinz. „Für einen schwulen Mann ist es nicht einfach in so traditionsbehafteten Bereichen wie der Brauerei-Szene und dem Karneval. Es wurde vorher schon viel geredet und gemutmaßt, und auch Teile meines Personals hatten nach meinem Outing zunächst Schwierigkeiten, aber im Endeffekt haben alle toll reagiert“, erzählt er.

„Publicity hat immer zwei Seiten“, weiß Peter König. Eine Erfahrung, die er vor allem beim Rückzug des Füchschens von der großen Rheinkirmes gemacht hat. Bereits 2011, nach der Tragödie bei der Love Parade in Duisburg, hatte die Brauerei kein Zelt auf der Festwiese, da sie die Sicherheitsmaßnahmen nicht erfüllen konnte. Der Anschlag auf den Breitscheidplatz in Berlin 2016 bewog ihn schließlich dazu, sich komplett von der Rheinkirmes zurückzuziehen. „Ich bin verantwortlich für meine Gäste und Mitarbeiter. Der Rückzug ist mir nicht leichtgefallen. Aber die Angst war größer. Es war sehr schwierig für mich, wie Teile der Presse auf meine Ankündigung reagiert haben. Denn es ging mir wirklich nicht ums Geld, sondern um die Sicherheit aller Beteiligten.“ Ein Comeback auf der Rheinkirmes gibt es 2018 trotzdem. Wenn auch nicht mit einem eigenen Zelt, sondern mit dem Verkauf von Füchschen-Bier im Zelt der St.-Sebastianus-Schützen. „Die Anfrage hat mich sehr gefreut. Es ist mir natürlich wichtig, dass auf der Kirmes vor allem Düsseldorfer Bier verkauft wird, wegen der Tradition“, so König.

Apropos Tradition: Seit Sommer 2017 braut Füchschen nun auch Pils. „Das Füchschen-Pils bin ich. Ich weiß, das macht man eigentlich nicht als Altbier-Brauerei, aber ich schon“, lacht König. Das Pils sei durch eine Spielerei in der Entwicklung entstanden. „Mein Mann und ich haben es probiert, und es hat uns hervorragend geschmeckt. Und dann habe ich gesagt: Lasst es uns machen! Das entspricht voll meinem Mantra: dass man open-minded sein muss. Wir springen jetzt aber nicht auf jeden Trend auf“, so König.

Gibt es vielleicht sogar bald ein Füchschen-Kölsch? „Nein, es ist gesetzlich verboten, Kölsch außerhalb von Köln zu brauen. Aktuell bauen wir das Füchschen-Eck, dazu habe ich das an das Füchschen grenzende Eckhaus gepachtet. In der Umsetzung werden wir allerdings sehr traditionell bleiben. Die Eröffnung ist für Ende 2019 geplant. Ansonsten: Man weiß es nicht! Mal sehen, was mir demnächst so alles begegnet“, lacht Peter König. ●


Steckbrief

Name Peter König

Job Koch, Brauer, Geschäftsführer

Firma Brauerei im Füchschen

Alter 51

Sabrina Schauder