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Kredite ohne Bank

Vor elf Jahren ging Auxmoney in Hilden an den Start – mittlerweile ist das damalige Start-up längst keines mehr, sondern hat sich zu einem erfolgreichen Unternehmen gewandelt, das in Düsseldorf mehr als 235 Mitarbeiter beschäftigt. Auch nach elf Jahren haben die Gründer noch viel vor.

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Eine Milliarde Euro“ steht an der Wand in dem Saal. Davor fliegen Konfetti und Luftschlangen. Es herrscht Partystimmung bei Auxmoney und das lässt das Düsseldorfer Unternehmen die Welt wissen: „We did it!“, lautet die Bildunterschrift bei Instagram.

Auf ihrer Plattform vermittelte Kredite im Wert von einer Milliarde Euro seit der Gründung des Unternehmens 2007 – das feiert Auxmoney Anfang August 2018. In den vergangenen Monaten hat sich das Wachstum stark beschleunigt. Allein im ersten Halbjahr 2018 waren es rund 33.000 neue Kredite mit einem Volumen von 255 Millionen Euro. Bis Ende 2019 hat CEO Raffael Johnen die nächste Milliarde im Visier. Es läuft.

Wir wollten eine Lösung finden, an Geld zu kommen – ohne eine Bank, nur mithilfe von Technologie

Elf Jahre ist es her, dass Raffael Johnen, Philipp Kriependorf und Philip Kamp Auxmoney gründeten. „Philip Kamp, den ich schon seit der Grundschule kenne, ist damals zur Bank gegangen, weil er einen Kredit benötigte“, erzählt Philipp Kriependorf. Trotz drei Jahren Erfahrung im Unternehmertum sei es für ihn als Selbstständigen schwer gewesen, einen Kredit zu bekommen. „Wir haben beschlossen: Das muss anders gehen. Wir wollten eine Lösung finden, an Geld zu kommen – ohne eine Bank, nur mithilfe von Technologie“, so Kriependorf. Die Idee eines digitalen Marktplatzes, auf dem Kreditnehmer und Anleger zusammenkommen, war geschaffen, auch wenn das Ziel, es ohne Bank zu schaffen, nicht ganz klappt. Seit Beginn kooperiert Auxmoney mit der SWK Bank, die die Kreditabwicklung zwischen dem Kreditsuchenden und den Anlegern übernimmt.

Die erste Webseite entsteht innerhalb von einer Woche. „Den ersten Kredit hat Philip selbst aufgenommen, weil er kaum glauben konnte, dass es tatsächlich funktioniert“, sagt Kriependorf. Doch ganz so einfach war der Start nicht: „Zu Beginn haben wir viele Kreditanfragen von Menschen erhalten, die dringend Geld benötigten. Da lernt man sehr schnell sehr viel darüber, wie man die Kreditwürdigkeit von Menschen bewertet, die Schwierigkeiten haben, einen Kredit bei der Bank zu bekommen“, so Kriependorf. Doch auch auf der Anlegerseite war es nicht so einfach: „Die häufigste Frage war: ‚Ist das legal?‘ Unser Angebot war zur damaligen Zeit noch ziemlich erklärungsbedürftig.“

Nach drei Jahren in Hilden entscheidet das Team, nach Düsseldorf umzuziehen. „Wir waren ein kleines Start-up, das schon ein bisschen was vorzuweisen hatte, aber für uns war es fast unmöglich, gute Leute nach Hilden zu holen“, erzählt Kriependorf. Seit 2014 hat Auxmoney seinen Sitz in der dritten Etage der Kö-Galerie. „Wir wollten eine Immobilie, in der wir viele Mitarbeiter auf einer Ebene unterbringen konnten, wir wollten nah beieinandersitzen – das zu finden war nicht einfach. Gleichzeitig stand die Frage im Raum, ob es opportun sei, als Start-up auf die Königsallee zu ziehen“, so Kriependorf.

Eine Milliarde Euro ausgezahlte Kredite – innerhalb von elf Jahren. Das klingt auf den ersten Blick nicht nach ganz so viel, auch angesichts des Gesamtmarkts der in Deutschland ausgezahlten Konsumentenkredite von 102 Milliarden Euro in 2017. Doch hatten viele Branchenkenner nicht damit gerechnet, dass Auxmoney gerade jetzt so viel Fahrt aufnimmt und ins Feld der relevanten Player am Markt rückt. Zum Vergleich: Die Commerzbank verleiht pro Jahr Konsumentenkredite zwischen zwei und 2,5 Milliarden Euro.

Für die Gründer ist das die Konsequenz ihrer Arbeit. „2012 haben wir angefangen, unser eigenes Scoring zu entwickeln, um mithilfe von Daten und Technologie die Kreditwürdigkeit der Kunden besser beurteilen zu können“, erzählt Kriependorf. „Wir sind in der Lage, anders und vor allem besser als Banken zu beurteilen, wer einen Kredit bekommen kann und zu welchen Konditionen das geht.“ 2016 ermittelte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC, dass mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland zu Unrecht keinen Kredit erhalten – ein Gesamtmarkt von rund 22 Milliarden Euro. Diese Menschen hat das Fintech unter anderem im Visier: „Zu den klassischen Daten von Auskunfteien kommen weitere hinzu: Neben Anmeldedaten analysieren wir auch Verhaltens- und Webdaten, die wir auf intelligente Weise miteinander verbinden und so Rückschlüsse auf die Kreditwürdigkeit ziehen können. Wie genau – das ist unsere Coca-Cola-Formel“, so Kriependorf.

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„Wir haben gezeigt, dass mit diesem Geschäft Geld zu verdienen ist.“

Das Modell funktioniert schon bald so gut, dass es Auxmoney gelingt, auch institutionelle Investoren zu gewinnen, darunter große Venture-Capital-Geber wie Index Ventures, Union Square Ventures, Foundation Capital und Partech Ventures. Anfang 2017 entsteht die Partnerschaft mit dem niederländischen Versicherer Aegon, der 1,5 Milliarden Euro in Kredite auf dem Marktplatz investieren will. Weitere Wachstumstreiber sind die Partnerschaften mit Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken wie beispielsweise N26. „Am Anfang wollten klassische Banken mit uns nichts zu tun haben, mittlerweile wollen viele von ihnen mit uns kooperieren“, so Kriependorf nicht ohne Stolz. Und mittlerweile sind die Konditionen von Auxmoney konkurrenzfähig.

Ende 2017 konnte Auxmoney erstmals schwarze Zahlen schreiben. Doch die Baustellen sind angesichts der guten Nachrichten nicht weniger geworden. „Wir arbeiten gerade sehr intensiv daran, dass unsere Unternehmenskultur erhalten bleibt“, so Kriependorf. Aufgrund des starken Wachstums auf der Plattform ist auch die Zahl der Mitarbeiter in den vergangenen Monaten stark gewachsen. Allein in den vergangenen zwölf Monaten wurden über 100 neue Mitarbeiter eingestellt. Noch immer sind 30 Stellen ausgeschrieben. Eine zweite Baustelle ist die ständige Verbesserung der bestehenden Produkte: „Wir wollen noch besser werden: noch schneller, noch komfortabler, mit noch besseren Vorhersagen und Datenquellen.“ Die dritte Baustelle ist die geplante Erweiterung des Produktportfolios. Kriependorf und Co. sind überzeugt, dass sie mehr können, als nur eine Plattform für die Vermittlung von Konsumentenkrediten zu sein. Ihre Fähigkeit, Informationen zu bewerten, der Umgang mit Technologie, gepaart mit dem Know-how im Finanzbereich – man muss nicht lange nachdenken, um daraufzukommen, dass eine so ausgeklügelte Bewertungsmatrix auch für andere Branchen, beispielsweise die Versicherungsbranche, interessant sein könnte.

Bei der Investorenstruktur läge ein Börsengang doch eigentlich nahe. „Da wir venture-finanziert sind, steht möglicherweise irgendwann ein Exit an. Wie der allerdings aussehen könnte, dafür gibt es viele Szenarien“, so Kriependorf: „Wir haben gezeigt, dass profitables Wachstum mit unserem Geschäftsmodell möglich ist. Aber bevor wir über einen Exit nachdenken, wollen wir zeigen, dass wir auch in weiteren Segmenten erfolgreich sein können.“ Derzeit sieht es nicht so aus, als ob sie jemand stoppen könnte. ●

Firma uxmoney
Unternehmenssitz Düsseldorf
Ceo Raffael Johnen
Auszahlungsvolumen (2017) 315 Mio. €
www.auxmoney.com


Text: Franziska Bluhm