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Revolution mit Blockchain

Blockchain wird derzeit heiß diskutiert. Die Technologie hat das Potenzial, unserWirtschaftssystem nachhaltig zu verändern. Auch in Düsseldorf gibt es einige Projekte, die auf Blockchain aufsetzen.

1. Was ist die Blockchain?

Stellen wir uns einmal einen Sekretär vor, der jeden Tag sehr viele Überweisungen macht und diese auf ein Blatt Papier schreibt und in einem großen Ordner abheftet. Die Blockchain könnte man als einen solchen Ordner sehen, der noch andere tolle Features hat: eine digitale Datenbank, die gleichzeitig auf vielen Tausenden Rechnern liegt und durch ein Verschlüsselungsverfahren gegen Manipulation geschützt ist. Diese dezentrale Datenbank enthält eine stetig wachsende Zahl von Datensätzen, die chronologisch erweitert wird – vergleichbar mit einer Kette, der ständig neue Elemente hinzugefügt werden können. Oder einem Ordner, in den ständig neue Blätter Papier geheftet werden. Jeder Block bezieht sich auf den vorhergehenden Block und kann nicht verändert werden, ohne dass auf allen weiteren Blocks auch Änderungen vorgenommen werden müssen. Um beim Beispiel des Sekretärs zu bleiben: Wird nun eine Überweisung manipuliert, würde diese Manipulation sofort sichtbar werden, weil sie Auswirkungen auf den Übertrag aller folgenden Blätter haben würde. Der Vorteil also: Manipulationen sind somit nahezu ausgeschlossen oder zumindest sehr aufwendig.

2. Warum reden alle darüber?

Die Kryptowährung Bitcoin basiert auf der Blockchain-Technologie und entstand 2008, inmitten der Finanzkrise. Sie wurde erfunden, um ein Geldsystem zu ermöglichen, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert und günstiger und schneller ist als bisherige Transaktionssysteme. Dass darin Potenzial stecken könnte, erkannten bald auch Spekulanten. Im Jahr 2017 führte das zu starken Kursbewegungen: Lag der Kurs für einen Bitcoin Anfang 2017 noch bei rund 1.000 US-Dollar, stieg er im Januar 2018 zeitweise auf über 19.000 US-Dollar.

Durch den Hype erhielt die Technologie Aufmerksamkeit und viele erkannten das Potenzial: Eine dezentrale Struktur und der daraus resultierende Schutz vor Manipulation ermöglicht theoretisch viele verschiedene Anwendungen. Jede Form von Transaktion kann ohne dazwischengeschaltete Institutionen sicher und jederzeit nachprüfbar abgewickelt werden. Ob Buchführung, die Speicherung von Tachoständen, Grundbuchämter, das Speichern vertraulicher Krankenakten oder Unternehmensdokumente – all das könnte durch Blockchain erheblich vereinfacht werden.

„Eigentlich ist Blockchain ein sehr deutsches Thema, weil es verschiedene Aspekte berücksichtigt, die gerade uns sehr wichtig sind: Sicherheit, Eindeutigkeit, Regeln und technische Innovation“, ordnet Nicolas
Biagosch, Initiator des ersten Kryptowährungsfonds, die Technologie ein.

3. Was könnte sich wirklich verändern?

Das ist noch nicht ganz klar, denn noch steht die Blockchain-Technologie vor einigen Herausforderungen. So arbeitet die Bitcoin-Blockchain beispielsweise derzeit sehr ineffizient: Nur wenige Transaktionen sind pro Sekunde möglich und diese verbrauchen noch Unmengen an Energie. Selbst Staaten wie China versuchen einzugreifen, da bereits die Stromversorgung des Landes durch das energieintensive Schürfen von Bitcoins beeinträchtigt wird. Der Analyst Alex de Vries schätzt, dass die Rechner, die derzeit für die Technologie im Einsatz sind, zusammen so viel Strom verbrauchen wie Nigeria, ein Land mit 186 Millionen Einwohnern. Ethereum, eine andere auf der Blockchain-Technologie basierende Kryptowährung, versucht andere, weniger energieintensive Mechanismen zu nutzen und wickelt bereits viermal so viele Transaktionen wie Bitcoin ab.

Unklar ist auch, ob es gelingt, weltweite Standards für Blockchain-Anwendungen zu finden – Bitcoin und Ethereum gehören zu den bekannteren, es gibt unzählige andere, zum Beispiel Ripple, Bitcoin Cash, EOS oder Litecoin. Fakt ist: Sollte sich Blockchain durchsetzen, um Buchungsprozesse, die Prüfung von Eigentumsverhältnissen und den Abschluss von Verträgen abzuwickeln, also klassische Sachbearbeitung, dann könnte das auch Folgen für den Arbeitsmarkt haben.

„Die Blockchain-Technologie wird sich da durchsetzen, wo die Vorteile der Dezentralität zum Tragen kommen. Dort, wo sich viele Parteien auf eine gemeinsame Datenbasis verlassen müssen, kann Blockchain-Technologie Vertrauen schaffen“, prognostiziert Nicolas Biagosch.

4. Was geht denn schon?

Es gibt kaum eine Branche, die sich nicht mit der Technologie beschäftigt: Banken, Unternehmensberater, Konzerne – alle investieren, um ihre Systeme umzurüsten, um alle möglichen Transaktionen schneller, einfacher und vor allem sicherer zu machen. So stellt die australische Börse einen Teil ihrer Systeme gerade auf die Blockchain-Technologie um. Goldman Sachs lotet Geschäftsmöglichkeiten rund um die virtuellen Währungen aus, Amazon Web Services will Blockchain-Plattformen für Unternehmenskunden anbieten und selbst Facebook arbeitet angeblich an einer eigenen Kryptowährung.

5. Gibt es spannende Projekte in Düsseldorf?

Laut einer Untersuchung der Unternehmensberatung LSP, die Anfang Mai veröffentlicht wurde, gibt es die meisten Blockchain-Start-ups in Berlin (64), gefolgt von München (13) und Frankfurt (10). Einen Überblick über die Vielfalt bietet die Internetseite chain.de. Auch in Düsseldorf gibt es eine kleine, aber feine Szene, die sich mit der Technologie beschäftigt. Am zweiten Montag jedes Monats trifft sich die Blockchain-Community im Startplatz Düsseldorf zum sogenannten Kryptomonday, den KI-Decentralized-Gründer Andrei Martchouk organisiert – mehr als 100 Sympathisanten zählt die Community mittlerweile. Webseiten wie Tokendaily.co, deren Macher auch aus der Umgebung von Düsseldorf kommen, sind Plattform für Entwickler, Investoren, und Interessenten der Szene.  Auch Unternehmen entstehen hier.


 

Investieren in Kryptowährungen

„Jeder, der sich praktisch oder theoretisch für Finanzmärkte interessiert, sollte Krypto-Assets kennen“, wird Nobelpreisträger Harry Markowitz auf der Webseite von Postera Capital zitiert. Nicht ohne Grund: Die Düsseldorfer Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft hat vor wenigen Wochen einen Fonds für professionelle und semi-professionelle Investoren herausgebracht, der vorwiegend in Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum oder Litecoin investiert. Dadurch erhalten Investoren erstmals über ein reguliertes Vehikel Zugang zu dieser Anlageklasse. „Krypto-Assets sind als Portfolio-Beimischung interessant, weil sich die Kurse weitestgehend unabhängig von Aktien- und Anleihemärkten bewegen.“, erklärt Nicolas Biagosch, Mitgründer von Postera. „Darüber hinaus sind hohe Renditen möglich und die Anlagen sind liquide handelbar – in dieser Kombination findet man das sonst nicht.“

Unternehmen Postera Capital

Heinrichstraße 73, 40239 Düsseldorf

Gründer Nicolas Biagosch, David Finkenstädt, Martin Schmidt, Christoph Schüler, Christian Weber

Seit 2017

www.postera.io

 

Transparenz für programmatische Werbung

Kann Blockchain das Onlinemarketing transparent und betrugsfrei machen? Diese Frage beschäftigt viele, aber noch ist die Technologie nicht fortgeschritten genug, um das zu leisten. Das im Düsseldorfer Hafen ansässige Start-up Online Media Transparency nutzt Blockchain allerdings, um auf diesem Weg einen Schritt weiterzukommen: nämlich wie Mediabudgets optimal auf Kanäle und Zielgruppen ausgesteuert werden können. Kunden sollen mit Mediaagenturen auf Augenhöhe sprechen können, so die Macher von OMT.Dafür wurde ein Dashboard entwickelt, das ständig einen Überblick über das bisher ausgegebene Budget liefert und darüber, was damit erreicht wurde. Die OMTler vereinen mit Managing Director Frieder Neidlinger technische Expertise mit langjähriger Mediaerfahrung; mit Frank Kluge und Zoja Paskaljevic stehen zwei alte Hasen aus der  Agenturszene beratend zur Seite. ●

Unternehmen Online Marketing Transparency

PlangeMühle 1, 40221 Düsseldorf

Managing Director Frieder Neidlinger

Seit 2017

www.onlinemediatransparency.com

 


 

DAS BLOCKCHAIN

ABC

Die wichtigsten Begriffe im Überblick

 

Bitcoin

Bitcoin ist eine digitale Währung, die auf der Blockchain-Technologie basiert. Gleichzeitig steht der Name für ein dezentral organisiertes Zahlungssystem, das mithilfe eigener Software verwaltet wird. Die maximale Geldmenge liegt bei 21 Millionen Bitcoins.

Konsensverfahren

Das Konsensverfahren schützt die Blockchain vor Manipulationen: Bei jeder Transaktion werden Daten des Netzwerks automatisch untereinander ausgetauscht. Erst wenn eine Mehrheit der angeschlossenen Nodes signalisiert, dass die Angaben innerhalb des Blocks gleich sind, wird der Wert dem Block hinzugefügt.

Mining

Mining ist das Durchführen von komplexen mathematischen Berechnungen, um Bitcoin-Transaktionen zu bestätigen und die Sicherheit im Netzwerk zu erhöhen. Durch das Mining werden neue Blöcke in der Blockchain erzeugt. Dieser Vorgang ist sehr rechenintensiv. Wenn ein neuer Block gefunden wurde, wird er an alle Bitcoin-Nodes im Netzwerk als neue, längere Blockchain verbreitet.

Node

Jeder User kann seinen Computer zu einem Node, einem Knotenpunkt, im Bitcoin-Netzwerk machen. Diese Knotenpunkte sind die Bausteine des dezentralen Netzwerks und speichern die Blockchain.

Satoshi

Die kleinste Einheit der Bitcoin-Währung wird Satoshi genannt. Ein Satoshi ist ein Millionstel eines Bitcoins, sprich: 0,000001 Bitcoin.

Satoshi Nakamoto

Satoshi Nakamoto ist ein Pseudonym. Unter diesem Namen wurde 2008 das Bitcoin-Konzept vorgeschlagen.

Smart Contracts

Das derzeit wichtigste Anwendungsfeld der Blockchain sind smarte Verträge. Ein solcher Vertrag ist selbst in der Lage zu überprüfen, ob die im Vertrag stehenden Voraussetzungen erfüllt sind. Notare sind nicht mehr notwendig.

Text : Franziska Bluhm

Heft 02Sabrina Schauder