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If You Want to be a Billionaire, Help a Billion People

Mit VIVID haben wir zu Beginn des Jahres unsere erste Inspiration Tour ins Silicon Valley gestartet, dem Hotspot der IT- und Hightech-Industrie. Und ohne zu übertreiben: Wir wissen jetzt, was es mit diesem besonderen Blick auf die Dinge, von dem alle reden, auf sich hat. Visionen leben, Probleme lösen. Fünf Tage haben wir uns auf eine abenteuerliche Expedition begeben: Besuche bei Facebook, Google und Co., inspirierende Vorträge, selbstfahrende Autos, beeindruckende Insider-Führungen, eine Spritztour im neuen Tesla, fleischlose Burger, eine Vorlesung in Stanford und einen fantastischen Blick auf die Golden Gate Bridge.

Und weil wir nicht genug bekommen können, planen wir für September den nächsten Trip ins Digital-Tal. Wir würden uns freuen, wenn du mitkommst. Jetzt informieren.

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Dr. Mario Herger , Autor von “Das Silicon Valley Mindset”

Dr. Mario Herger, Autor von “Das Silicon Valley Mindset”

Nach gefühlten zehn Filmen landen wir in San Francisco. Jahrelang bekannt wegen der berühmten roten Brücke, der Gefängnisinsel Alcatraz und den Hippies aus Haight Ashbury. Circa eine Stunde von diesen Touristenattraktionen entfernt, liegt ein weiteres Highlight: das Silicon Valley. Eigentlich ein beschauliches Tal, wären hier nicht drei von den fünf Firmen zu Hause, die zusammen mehr wert sind als alle Firmen, die im DAX gelistet sind. Google, Facebook und Apple. Was läuft hier anders, warum denken die Menschen anders und warum sind sie damit so unglaublich erfolgreich?! Wie bei jeder Expedition in unbekanntes Terrain braucht man einen Insider, einen Tourguide, der einen mit den richtigen Leuten zusammenbringt und das Ding mit dem Mindset erklärt. Dr. Mario Herger lebt seit 2001 im Valley. Der ehemalige Entwicklungsleiter und Innovationsstratege bei SAP forscht heute nach Technologie-Trends, hat mehrere Bücher geschrieben und leitet ein Beratungsunternehmen.

TAG 1

Zwischen Blockchain, Facebook, Google, der Stanford University und einem kalifornischen Traubensaft

Wir besuchen das Cryptowerk, dessen CEO ist der Deutsche Dirk Kanngiesser. Der Unternehmer und VC-Geber hat unter anderem den German Accelerator gegründet, der deutschen Firmen und Start-ups den Eintritt in den US-amerikanischen Markt ermöglicht.

Das Cryptowerk benutzt die Blockchain Technologie und hilft Firmen, nicht autorisierte Datenmanipulationen zu erkennen und zu verhindern, indem sie eine manipulationssichere Überwachungskette konzipiert. Cryptowerk stattet die Daten ihrer Kunden mit einem digitalen Siegel aus und erstellt digitale Fingerabdrücke, die mit den Originaldaten verglichen werden können, um die Echtheit zu überprüfen. Durch den intensiven Austausch mit dem gebürtigen Dortmunder erlangen wir erste Eindrücke davon, was mit dem Silicon Valley Mindset eigentlich gemeint ist: Immer neugierig sein, wenn man Probleme sieht, Lösungen finden und von Anfang an groß denken.

Apropos groß, circa 10.000 Menschen arbeiten in der Facebook-Zentrale im Menlo Park in Palo Alto. Ein Touri-Foto vor dem weltbekannten Daumen darf natürlich nicht fehlen. Auf dem riesigen Parkplatz gibt es direkt vor dem Gebäude reservierte Stellflächen für schwangere Mitarbeiterinnen. Sheryl Sandberg, das Geschäftsgehirn von Facebook, kam hochschwanger zur Arbeit und fand keinen Parkplatz. Sie sprach mit ihrem Boss Mark Zuckerberg, umgehend wurden die Parkplätze eingerichtet.

Ich habe diese Geschichte unterschiedlichen Menschen aus meinem beruflichen und privaten Umfeld erzählt. Keiner sagte: „Das ist aber eine tolle Idee.“ Alle echauffierten sich darüber, dass man anstelle solcher Parkplätze besser den Mutterschutz einführen sollte. Und genau das ist unser Problem, unsere Weltanschauung, die sich grundlegend von denen der US-Amerikaner unterscheidet. Man kann sicherlich darüber diskutieren, dass dem US-amerikanischen Arbeitsrecht deutsche Mutterschutzgesetze nicht schaden würden, aber darum geht es hier nicht. Hätte Sheryl Sandberg keine Lust gehabt hochschwanger zu Arbeit zukommen, dann hätte sie das mit Sicherheit nicht getan. Hierzulande hätten bei einer Firma dieser Größe erst mal diverse Betriebsratgremien getagt, bevor das Anliegen über die Buchhaltung bis in die Chefetage vorgedrungen wäre. Das Kind der Dame, die bei uns den Antrag gestellt hätte, wäre wahrscheinlich schon auf einer weiterführenden Schule, bevor man sich endlich dazu hätte durchringen können, die Schilder aufzustellen. Aber zum Teufel mit diesen Gedanken, wir sehen die Dinge positiv und treffen Markus Orlitsch, der gebürtige Österreicher arbeitet seit zehn Jahren für Google und gibt uns einen detaillierten Einblick in seine Arbeit beim Suchmaschinen Riesen. Jeder Mitarbeiter hat bis zu sieben Vorstellungsgespräche, bevor es zu einer Anstellung kommt.

Weiter geht’s an die private Stanford University. Trotz des Regens die schönste Universität, die ich jemals gesehen habe. In ihrem Wappen findet sich ein deutsches Motto „Die Luft der Freiheit weht“. Dieser Spruch ehrt den deutschen Humanismus und zeigt, welchen Einfluss das Land der Dichter und Denker damals, bei der Gründung der amerikanischen Hochschule, hatte. Diese Worte stehen für Toleranz und Unabhängigkeit, Lehre und Forschung sind frei von staatlichen Restriktionen. 30 Lehrkräfte der Universität sind Nobelpreisträger, Stanford-Absolventen gründeten im Anschluss unter anderem Intel, Google, Yahoo, Paypal, Hewlett Packard. Die ehemaligen Studenten sind ihrer Uni dankbar und spenden, Stanford verfügt über 18 Milliarden Dollar Stiftungsvermögen und einem Jahresbudget von fünf Milliarden Dollar. Damit ist sie die reichste Universität der Welt. Wir hatten das große Glück und durften uns eine Vorlesung aus der Reihe Stanfordeuropreneurs anhören: „Berlin: „Mobile Banking Unicorns EU GDPR Personal Data Privacy Update & Roadmap 2019“. Der New Yorker CEO, der in Berlin gegründeten Online-Bank N26 war Gastredner der Vorlesung. N26 wurden Februar 2013 gegründet, das Unternehmen ist einen Direktbank und hat sich auf die Kontoführung via Smartphone spezialisiert. 500 Mitarbeiter kümmern sich über zwei Millionen Kunden, knapp 60 Prozent der Kunden sind unter 35 Jahren alt.

Mehr Infos findet ihr hier: http://www.stanfordeuropreneurs.org/ Nach diesem Inspirationstornado schmeckt der Wein aus dem kalifornischen Napa Valley zum Dinner besonders gut.

TAG 2

Eine Business-Lesson by Niki Ernst, ein fleischloser Burger, autonome Vehikel und eine Testfahrt im Tesla

Auch wenn alles rund um San Francisco vor Hightech-Fortschritt glüht, der Verkehr tut es nicht, Stau gehört hier zum Alltag. Am nächsten Morgen machen wir uns schon früh auf den Weg nach San Francisco, gönnen uns ein Heißgetränk bei Blue Bottle Coffee und freuen uns auf unsere Verabredung mit Business-Therapist Niki Ernst. Der ehemalige Werber und TED-Ambassador, der seit einigen Jahren zwischen Wien, San Francisco und der Welt pendelt, empfängt uns im Co-Working Space WeWork. Niki hält einen einprägsam-brillanten Vortrag darüber, was Unternehmen passieren kann und passiert ist, wenn man den Anschluss verpasst und nicht realisiert, dass wir in einer von Daten bestimmten Welt leben. Ob uns das nun passt oder nicht, es ist so. Es sei nur soviel gesagt: Unter den weltweit besten Kutschenbauern gab es niemanden, der das Auto erfunden hat. Was ist eigentlich aus Nokia geworden?

Mit einer Vielzahl von Gedanken im Kopf gönnen wir uns zum Lunch den sogenannten Impossible Burger. Der Fleischgeschmack des Burgers wird durch Pflanzen reproduziert. Der Burger schmeckt nach Fleisch, ist aber vegetarisch. Die Firma, die hinter diesem Ding steckt, heißt Impossible Foods und kommt, oh Wunder, aus Kalifornien. Mit dem pflanzlichen Fleischklops im Magen machen wir uns auf die Jagd. Wir suchen autonom fahrende Autos. Wir müssen nicht lange warten. Mehr als 50 Firmen lassen ihre fast 1000 selbstfahrenden Vehikel über die Straßen von Mountain View gleiten. Noch sitzt jemand hinter dem Steuer, aber eigentlich ist die Technologie bei vielen Unternehmen so ausgereift, dass das nicht mehr nötig wäre. Die weiße Flotte von Waymo, einer Schwesterfirma von Google, begegnet uns an fast jeder Ecke rund um Palo Alto. Zur Krönung gönnen wir uns dann alle eine Testfahrt im neuen Tesla Model 3. Elon Musks Firma hat im 4. Quartal 2018 übrigens mehr Autos in den USA verkauft als Mercedes.  

TAG 3

Design-Thinking bei SAP, der fortschrittlichste Supermarkt der Welt, Hallo Apple Campus!

Am letzten Tag unserer Reise starten wir mit einem Besuch bei SAP, eigentlich der einzige deutsche global Player im Valley. SAP ist der weltweit größte Anbieter im Bereich der High-End-IT-Technologie. Weltweit beschäftigt das Unternehmen fast 100.000 Mitarbiter. Einer von ihnen ist Uwe Palm, er führt uns durch die Geschäftsräume, in denen früher Steve Jobs mit seiner Firma NEXT zu Hause war. Im Unternehmen glaubt man, dass sein Geist hier immer noch zu spüren ist. Design Thinking ist bei SAP ein großes Thema, so entwickeln sich immer wieder neue Lösungsansätze, und die Mitarbeiter kommen so zu Ergebnissen, die vorher nicht möglich waren. Bei unserer Führung hören wir immer wieder „das war Hassos Idee, das hat Hasso sich ausgedacht“. Hasso heißt mit Nachnamen Plattner, ist der CEO und Gründer von SAP, der mit seiner „Design School“ zum Neudenken anregt.

Zum Lunch besuchen wir Amazon Go, den weltweit fortschrittlichsten Supermarkt. Über einen QR-Code checken wir ein. Verkäufer oder Kassen gibt es hier nicht. Wir shoppen ein paar Kleinigkeiten. Über die sogenannte „Sensor-Fusion-Technik“ erkennt Amazon, welche Produkte aus den Regalen genommen werden, danach verlassen wir den Laden durch eine Schranke und haben unsere Rechnung für den Einkauf schon in unserer App. Nächster Halt unserer Tour: der Apple Campus. Fünf Milliarden Dollar soll der Park gekostet haben, der seinen Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zieht. Leider ist Besuchern der Zutritt nicht gestattet, aber direkt neben dem Park befindet sich das Visitor Center, was nicht minder beeindruckend ist. Mithilfe von Augmented Reality kann man den Campus in einem 3-D-Modell erkunden.

Bei unserem Farewell Dinner mit Blick über die Bucht von San Francisco frage ich mich: Verstehen wir wirklich, was auf uns zukommt? Wahrscheinlich nicht. Dabei haben diese Menschen hier nicht das große Glück, auf einer Goldader zu sitzen. Diese positive, mutige Weltanschauung, gepaart mit Neugier und Unvoreingenommenheit, führt zu Ideen, die auch wir hätten haben können, aber aus den unterschiedlichsten Gründen bisher nicht hatten. Ist die Idee ausgearbeitet, geht es um die Umsetzung: Das Ziel ist die Skalierung mit exponentiellem Wachstum. Networking spielt dabei eine ungemeine Rolle. Kontakte sind nicht exklusiv, wie das hierzulande manch armer Tropf immer noch glaubt. Ein Teil des Erfolgsrezepts ist die gegenseitige Hilfe. „Ich kenne jemand der dir weiterhelfen könnte, oder der deine Hilfe gebrauchen könnte, ich bringe euch zusammen“, ein Satz, den man hier überall hört. Es geht beim Silicon Valley Mindset und der daraus resultierenden Weltanschauung gar nicht darum, dem einen oder anderen Recht zu geben, bei dieser Einstellung gibt es kein richtig und kein falsch. Fakt ist allerdings, dass die Menschen dort zufriedener sind und zumindest auf den ersten Blick in den letzten Jahren größere Dinge geschaffen haben als wir in den letzten Jahrzehnten.

Text: Britt Wandhöfer

Hast Du Lust, mit uns ins Silicon Valley zu kommen? Melde Dich jetzt an, denn die Plätze sind begrenzt. Wir reisen in kleinen Gruppen, dann sind wir flexibel und jeder bekommt seinen ganz persönlichen Input. Interessierst Du Dich eher für ein Special-Thema, wie Mobility, Fintech oder New Work? Dann schreib uns einfach an vivid@cocoandbill.com. Denn wir haben auch Custom-made-Trips in unserem Programm.

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Hast du lust, mit uns ins silicon valley zu kommen?

16.09.2019 - 18.09.2019

Sabrina Schauder