Volle Ladung Kultur

Vom 11. bis 30.September bringt das düsseldorf festival! zum 29. Mal außergewöhnliche Künstler in die Stadt und nimmt seine Gäste mit auf eine Reise durch die verschiedenen Welten und Kunstformen. Ein Gespräch mit den Festivalmachern Christiane Oxenfort und Andreas Dahmen.

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Warum sollten Gäste zum düsseldorf festival! kommen?

Mit unserem Festival wenden wir uns an Menschen, die neugierig sind und über die bekannten kulturellen Institutionen hinaus neue Formen kennenlernen möchten. Wir präsentieren in unserer Hauptspielstätte, dem Theaterzelt, große internationale Produktionen aus den Bereichen Neuer Zirkus, Urban Dance, Tanztheater und Musik. Oft handelt es sich um Deutschlandpremieren. Immer aber um Arbeiten renommierter Künstler, die sonst in der Region nicht zu erleben sind.

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Ihr seid eine gGmbH. Erklärt bitte warum und was das bedeutet?

Wir verstehen uns als private Kulturinstitution und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Eine kommerzielle Herangehensweise verträgt sich nicht mit unserer anspruchsvollen Programmgestaltung. Eine gemeinnützige GmbH muss genau wie ein gemeinnütziger Verein eine Satzung mit einem bestimmten Satzungszweck haben. Bei uns ist das natürlich die Förderung von Kunst und Kultur, insbesondere die Durchführung des düsseldorf festival!. Im Falle eines Überschusses fließt das Geld in die Rücklage für das kommende Festival. 

 

Es ist immer schwerer Sponsorengelder zu bekommen. Es gab doch bestimmt Leute, die zu Euch gesagt haben: Warum tut Ihr Euch den ganzen Stress immer wieder an? Was antwortet Ihr diesen Menschen?

Wir haben uns vor vielen Jahren entschieden, dieses Festival zu machen, weil wir davon geträumt haben, die kulturelle Welt nach Düsseldorf zu holen. Vieles bei uns erlebt man als Deutschlandpremiere und ist möglicherweise auch nur bei uns zu sehen. Die hohe künstlerische Qualität, die Andersartigkeit und Besonderheit treibt uns immer wieder an. Den Kopf in den Sand stecken gibt es nicht. Vielmehr versuchen wir, immer und immer wieder Unternehmen und Mäzene von der Wichtigkeit unseres Festivals zu überzeugen. Dabei stehen uns viele Menschen, wie zum Beispiel unser Kuratorium, zur Seite, sie helfen uns neue Kontakte zu bekommen. Das Netzwerken ist natürlich auch sehr wichtig, um potenzielle neue Sponsoren kennenzulernen. Die Begeisterung für die Programme und das Engagement dieser Mitstreiter treibt uns immer wieder aufs Neue an.


Wie verdient ihr Geld? Bleibt für Euch etwas hängen? Verdient Ihr damit Euren Lebensunterhalt?

Wir bekommen ein Geschäftsführergehalt. Dieses ist wahrscheinlich deutlich unter dem, was üblicherweise auch in einer gemeinnützigen GmbH angemessen ist. Mehr ist allerdings nicht drin, wenn wir die Kosten in einem realistischen Rahmen halten wollen.


Welchen finanziellen Aufwand habt ihr insgesamt? Was sind die unterschiedlichen Posten? Wie viel nehmt ihr durch Tickets ein?

Wir planen mit einem Budget von ca. 1.300.000€ an Geldmitteln. Darüber hinaus gibt es einen großen Bereich der Sachunterstützung, z.B. Hotelzimmer, Ausstattung des gesamten Zeltkomplexes, Catering etc., der dazu gerechnet werden muss. Das entspricht nochmal einer Summe von etwa 250.000€.

Der künstlerische Bereich nimmt mit 33% des Budgets den größten Teil ein, darauf folgt mit 19% der Teil der Veranstaltungskosten, insbesondere die Kosten des Theaterzeltes. 15% machen den Bereich Werbung/Marketing aus, 15 % die Gehälter, 8% Honorare. Die verbleibenden 10% verteilen sich auf unterschiedliche Posten, wie KFZ, Versicherungen, GEMA, Rechte, EDV etc.

Die Ticketeinnahmen sind nicht immer konstant. Es gibt sehr gute, aber auch schlechtere Jahre. Im Schnitt kann man von etwa 30 % des Budgets ausgehen.

70 % werden durch Sponsorengelder, öffentliche Gelder von Stadt und Land und Spenden erwirtschaftet.


Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Ihr und was sind deren Aufgaben? 

Zusätzlich zu uns beiden Geschäftsführern haben wir zwei fest angestellte Mitarbeiter. Der eine hat die Festivalbüroleitung inne und ist auch sehr stark ins Sponsoring involviert, der andere ist verantwortlich für den gesamten Bereich Ticketing. Die Verantwortlichen für die Bereiche Presse, Technik, Organisation und Produktion sind Selbstständige, die temporär für uns arbeiten. Darüber hinaus beschäftigen wir drei Praktikanten zur Vorbereitung des Festivals ab April und mindestens noch 12 weitere ab Spätsommer zur Durchführung des Festivals. Die Praktika werden selbstverständlich bezahlt. Das Team wird komplettiert durch eine große Zahl von ehrenamtlichen Helfern, die in unserer Festivalmensa alle Künstler und das Team mit Essen versorgen. Insgesamt arbeiten in der Festivalzeit etwa 70 Personen an diesem großen Projekt.

 

Gibt es eine Anekdote/Geschichte, die erklärt, warum Ihr immer wieder aufs Neue startet und ein Festival plant?

Vor zwei Jahren bin ich kurz vor Ende der Deutschlandpremiere der letzten Produktion der Compagnie Les 7 doigt de la main aus Kanada ins Theaterzelt gekommen. Da wir zeitgleich noch ein Konzert an einem Veranstaltungsort hatten, konnte ich nicht früher da sein. Der Saal war mucksmäuschenstill, auf der Bühne spielte sich eine sehr leise Szene ab, die mit einem Black endete. In dem Moment, als die Scheinwerfer wieder angingen, sind alle 900 Personen wie von der Tarantel gestochen aufgesprungen und haben ihre Begeisterung in einem unglaublichen Applaus entladen. Das war magisch und dann weiß man, warum man immer wieder neu startet. Und es ist ja auch immer wieder neu.

Gibt es eine Anekdote/Geschichte, wo leider etwas schiefgelaufen ist und Ihr darüber nachgedacht habt, alles hinzuschmeißen?

Es gibt viele Anekdoten, aber daran alles hinzuschmeißen, haben wir noch nie gedacht. 1996 haben wir unsere erste Produktion aus dem Bereich Neuer Zirkus gezeigt. QueCirQue hieß die Compagnie. Sie sind mit einem eigenen kleinen Zirkuszelt gekommen. Drei Artisten haben eine für damalige Verhältnisse wunderbar neue Theaterform geschaffen. Kurz nach dem Aufbau erreichte uns ein Anruf des Produktionsleiters, ob wir wüssten, wo einer der drei Artisten sei. Auch wir konnten ihm die Frage nicht beantworten. Alle waren nervös. Kurze Zeit später bekamen wir die Nachricht, dass er frisch operiert nach einem Blinddarmdurchbruch im Krankenhaus lag. Da war guter Rat teuer. Nach einem langen Krisengespräch haben sich die beiden übrig gebliebenen Artisten bereit erklärt, aus einem Dreierbeziehungsstück ein Duo zu konzipieren. Ein Ausfall hätte uns sicher Kopf und Kragen gekostet. Die Besonderheit der Situation hat dazu geführt, dass die Produktion, obwohl arg verändert, das Publikum auf eine Art und Weise erreicht hat, die kaum zu beschreiben ist. Auch hier würde ich wieder das Wort magisch benutzen wollen. Ja, es war magisch.

 

Welche Eigenschaften muss man mitbringen, wenn man als Unternehmen fast 29 Jahre dieses große Kulturfestival organisiert?

Ein großes Durchhaltevermögen verbunden mit dem Motto: Ich gebe niemals auf, und natürlich Offenheit für Neues, Ungwöhnliches, Spannendes.

 

Was könnte besser laufen: Was wünscht ihr Euch von Düsseldorfer Menschen, Firme, etc.?

Eine stärkere Neugier in Bezug auf das Unbekannte. Denn wenn man mal da war, kann man sich der Begeisterung für das Festival kaum entziehen. Viele können sich nicht vorstellen, was sie erwartet, egal, welchen Bereich des Festivals man betrachtet. Mehr Mut, Unbekanntes zu unterstützen. Im internationalen Kontext spielen wir mit unserem Festival in einer hohen Liga. Lokal wird das nicht so richtig wahrgenommen. Diese Wahrnehmung wünschen wir uns nicht nur von den Düsseldorfer Unternehmen, sondern auch von den Medien und insbesondere auch von der Politik.

 

Was wolltet ihr immer schon mal loswerden?

Ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen. Auch an unser tolles Publikum, das so begeisterungsfähig ist.


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Die Intendanten Christiane Oxenfort und Andreas Dahmen übernehmen die Programmgestaltung und als Geschäftsführende Gesellschafter der gemeinnützigen Festival GmbH auch das Management des Düsseldorf Festivals. Als Musiker und Teil des international erfolgreichen ViF Flötenquartetts sind sie neugierig auf neue Tendenzen in der Kunst und lieben es zu experimentieren - das alles auf hohem künstlerischen Niveau.

Mehr Infos zum Festival auf duesseldorf-festival.de

KulturSabrina Schauder