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Im Dazwischen

Lars Terlinden umtriebig zu nennen, wäre glatt noch untertrieben. Er ist der Leiter des KomKuks, dem Kompetenzzentrum Kultur und Kreativwirtschaft in Düsseldorf. Wir trafen ihn in der Alten Kämmerei. In der Räumlichkeit versahen bis vor fünf Jahren Mitarbeiter der Stadtverwaltung ihren Dienst. Derzeit dient sie vorübergehend als Eventlocation. Für derartige Zwischennutzungen ist Terlinden der Experte.

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Die Alte Kämmerei hat insgesamt 14.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Warum wird nur ein kleiner Teil des Gebäudes zwischengenutzt?
Der Bau reicht über einen ganzen Block, vom Rathausplatz bis zum Uerige. Er stammt aus den 1950er-Jahren, mit entsprechendem Raumkonzept, veralteter Haustechnik, stillgelegten Sanitäranlagen und Rettungswegen, die nicht mehr zeitgemäß sind. Deshalb eignet sich heute auch nur ein Teil des Gebäudes für eine Zwischennutzung, etwa 500 Quadratmeter im Erdgeschoss.

Wer nutzt die Fläche derzeit?
Die Firma 0049 Events, die auch das Boui Boui Bilk macht, ist seit März 2018 Mieter der Teilfläche. 

Das Ganze ist eine klassische Zwischennutzung. Wie genau funktioniert der Deal?
Die Zukunft des Gebäudes ist noch offen, es läuft aktuell ein Investorenauswahlverfahren. Um die Zeit des Leerstands zu überbrücken, haben wir die Fläche bereits seit Mitte 2017 zur Nutzung im damaligen Zustand angeboten. Die Resonanz war überschaubar, weil das ehemalige, abgenutzte Großraumbüro für viele Nutzungen unattraktiv war. 0049 Events hat die Fläche dann angemietet und auf eigene Kosten als Eventlocation hergerichtet. Das unternehmerische Risiko liegt dabei allein beim Zwischennutzer, zumal offen ist, was aus dem Gebäude wird – und wann. Als städtischer Raumgeber haben wir mit 0049 vereinbart, den deutlich aufgewerteten Raum an mehreren Tagen pro Monat für Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft mietfrei anbieten zu können. Mietfrei heißt dabei nicht kostenfrei, denn es entstehen Kosten für Technik, Personal, Reinigung und so weiter. Mit diesem Konstrukt haben wir es geschafft, 500 Quadratmeter Leerstand ohne städtische Investition für einen befristeten Zeitraum für Projekte aus der Kultur- und Kreativwirtschaft zu erschließen. So unterschiedliche Nutzer wie das „düsseldorf festival“, Absolventen der Fotoklasse der Hochschule Düsseldorf, der Bundesverband Deutscher Startups und das „40 Grad Urban Art Festival“ haben davon bisher Gebrauch gemacht. 

Sie sind Leiter des KomKuK, des Kompetenzzentrums für Kultur und Kreativwirtschaft.
Das ist ein vierköpfiges Team, das bei der Wirtschaftsförderung angesiedelt ist. Eine ihrer Aufgaben sind Zwischennutzungen. Was für Anfragen erreichen Sie?
Komplett unterschiedliche. Aus den Reihen der Kulturszene sind in erster Linie Auftrittsorte gefragt. Auch nach Atelier- und Ausstellungsflächen wird ständig gesucht. Viele Anfragen kommen dabei aus dem studentischen Bereich, gesucht werden dann beispielsweise Drehorte für Abschlussarbeiten oder eine Präsentationsfläche. Aber auch größere Unternehmen aus Werbung oder Gamesbranche fragen bei uns an, auf der Suche nach ausgefallenen Orten für ungewöhnliche Formate.

Blick in die frühere Kassenhalle.

Blick in die frühere Kassenhalle.

Wie genau gehen Sie als KomKuK vor?
Wir hören uns zunächst an, wofür genau der Raum genutzt werden soll und überlegen dann, ob es dafür einen vorhandenen Raum gibt, der bereits geprüft und genehmigt ist. Der über Brandschutz verfügt, Parkplätze hat, ausreichend Toiletten bietet und und und. Häufig münden unsere Beratungsgespräche darin, dass wir vorhandene Räume vermitteln. Bestimmte Locations werden in der Stadt nämlich gar nicht richtig wahrgenommen. Das Weltkunstzimmer kennen zum Beispiel Kulturinteressierte, aber Leute aus dem Corporate-Bereich haben es oft gar nicht auf dem Zettel. Wenn etablierte Räume für den Bedarf nicht taugen, müssen wir meistens erstmal erklären, dass die Zwischennutzung eines bisher nicht genutzten Raums nicht immer billig ist und darüber hinaus nicht von jetzt auf gleich realisierbar. Das funktioniert nicht nach dem Motto: Hier ist der Schlüssel, leg los. Für die Stadt ist das Thema Sicherheit dabei sehr wichtig, vor allem natürlich bei öffentlichen Nutzungen mit Publikum. Das erfordert einen höheren Aufwand und ist daher auch mit mehr Kosten verbunden. Deshalb rechnet es sich für den Nutzer häufig nicht unter einer Mindestlaufzeit, gerade wenn wir über eine große Fläche sprechen. Generell gilt: Den einen Raum für jeden Bedarf gibt es so wenig wie den einen Kreativen. 

Stichwort Mindestlaufzeit: Wie lange dauern Zwischennutzungen in der Regel?
Ich tue mich mit dem Begriff Zwischennutzung grundsätzlich etwas schwer. Zwischennutzung gibt es baurechtlich nicht. Es gibt nur Nutzung oder keine Nutzung. Letztere kann einen Tag dauern. Oder eine Ausstellung lang. Manchmal ist der Korridor aber auch mehrere Jahre. Das Boui Boui Bilk beispielsweise war ursprünglich nur auf ein Jahr geplant. Mittlerweile ist es im sechsten Jahr. 

Die Stadt Düsseldorf ist nicht gerade für eine zurückhaltende Verkaufspolitik bekannt. Viele Orte, die von Kreativen genutzt wurden oder genutzt werden könnten, sind hier in den vergangenen zehn, zwanzig Jahren verkauft worden. Versucht ihr Team dem entgegenzuwirken?
Das kann ich so pauschal nicht bestätigen, zumal die Stadt nur da wirklich mitbestimmen kann, wo sie auch Eigentümer ist. Dennoch: Grundsätzlich werben wir dafür, dass einzelne Immobilien, städtisch wie in privater Hand, im Interesse des Kreativstandortes entwickelt werden könnten – ja: sollten. Mit dieser Agenda stehen wir jedoch relativ allein da, zumal es für Projektentwickler einfach lukrativer ist, Wohnraum, ein Shoppingcenter oder Büroimmobilien zu schaffen, als Immobilien für Kreative zu erhalten oder gar neu zu schaffen. Am Ende hängt es leider meistens von der Renditeerwartung ab, und nicht so sehr vom Bedarf.

Den einen Raum für jeden Bedarf gibt es
so wenig wie den einen kreativen.
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In anderen deutschen Großstädten ist Zwischennutzung schon länger ein Thema, zum Beispiel in Frankfurt/Main, Bremen oder natürlich Berlin. Hat Düsseldorf, was das angeht, zu lange geschlafen?
Ja und nein. Man kann die Immobilienmärkte der Städte gerade in Bezug auf Zwischennutzung nur sehr schwer vergleichen. Es gibt Städte mit sehr viel Leerstand. Die sind natürlich dankbar für jede Nutzung. Da wird sogar Geld für Zwischennutzungen bereitgestellt, um eine Bespielung, also Leben in der Stadt, zu gewährleisten. In Düsseldorf besteht aber eher ein Mangel an bezahlbaren Räumen. Daher kommt hier der Ruf nach mehr Zwischennutzung, zum Beispiel aus der Subkultur, wo meist wenig Budget für Räumlichkeiten vorhanden ist. Demgegenüber erreicht uns aus der Kreativwirtschaft recht selten die Klage nach fehlenden Räumen - da heißt es eher: Die vorhandenen Räume sind nicht interessant oder sexy genug.

Jetzt haben wir ja ziemlich viel über Bedarfe möglicher Nutzer gesprochen. Lassen Sie uns mal zur anderen Seite kommen. Was versprechen sich Eigentümer, die ihre Räume für Zwischennutzungen zur Verfügung stellen, davon? Zum Beispiel der Projektentwickler Catella. Der hat ja für das alte Postverteilzentrum zwischen Kölner und Erkrather Straße aktiv jemanden gesucht, der es bespielt.
Stimmt, soweit mir bekannt ist in diesem Fall der Eigentümer direkt auf die späteren Betreiber zugegangen. Eine derartige Zwischennutzung macht aus mehreren Gründen Sinn: Zum einen hat der Besitzer eines leerstehenden Geländes natürlich kein Interesse daran, dass das Gebäude durch Vandalismus oder gar Menschen durch Unfälle zu Schaden kommen, wie es zum Beispiel bei der Papierfabrik im Hafen der Fall war. Zudem kann ein Eigentümer seine laufenden Kosten reduzieren, und die sind, gerade bei einer großen Fläche, auch bei einem Leerstand erheblich. Außerdem spielen Marketingaspekte eine Rolle: Die ehemalige Paketpost firmierte als Zwischennutzung unter „postPost – Grand Central“, und damit wurde der Name des Wohnprojekts, das Catella an dieser Stelle baut, schon frühzeitig bekannt gemacht. 

Klingt alles gut. Trotzdem stellt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit. Denn egal, wie lange sie auch dauern, wir sprechen ja stets über vorübergehende Nutzungen.
Sie sagen es. Das ist die eigentliche Herausforderung. Natürlich freue ich mich über jede vorübergehende Nutzung, besonders, wenn sie einen kostengünstigen Zugang zu Räumlichkeiten ermöglicht. Mindestens genauso wichtig ist es aber, in Düsseldorf auch Orte zu schaffen, an denen sich Kreativität langfristig und wirtschaftlich entfalten und etablieren kann. Nur wenn wir beides zusammen denken und realisieren, sind wir als Kreativstandort gut aufgestellt. •


KOMKUK-
Enabling Creativity in Düsseldorf

Das KomKuK unterstützt die kreativen Branchen in Düsseldorf als städtischer Lotse, Raumgeber und Botschafter, um den Kreativstandort insgesamt zu stärken. >> WWW.KOMKUK.DE


Text: Alexandra Wehrmann

Fotos: Franz Schuier

Neues Wahrzeichen im Norden

 Bis zum Herbst 2019 entsteht auf dem Messegelände neben der neuen multifunktionalen Halle 1 mit Konferenzräumen ein spektakulärer Eingangsbereich, der sogar aus luftiger Höhe bewundert werden kann. Düsseldorfs gesamte Wirtschaft soll von dem Bauwerk profitieren.

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Die aktuelle Großbaustelle im Düsseldorfer Norden lässt nur erahnen, welche Dimensionen das annehmen wird, was Ende nächsten Jahres Realität werden soll. „Das Gebäudeensemble wird die internationale Anziehungskraft der Messe Düsseldorf weiter erhöhen und ihre Funktion als zentralen Treffpunkt für verschiedenste Industrien stärken“, versichert Werner M. Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf. Das Großprojekt ist ein weiterer Meilenstein des „Masterplans 2030“, um das Messegelände wettbewerbsfähig zu halten.

Als ein neues Düsseldorfer Wahrzeichen neben Fernsehturm und Co. wird schon jetzt der spektakuläre Eingangsbereich gehandelt. „Die markante und dynamische Form des Vordachs ist eine unverwechselbare Adresse für den Eingang Süd und ein neues Gesicht für die gesamte Messe“, sagt Jurek M. Slapa, einer der Geschäftsführer des für den Bau verantwortlichen Düsseldorfer Büros slapa oberholz pszczulny I sop architekten. In 20 Metern Höhe wird das Konstrukt eine vieleckige Fläche von stolzen 7.800 Quadratmetern einnehmen und spitz Richtung Süden zulaufen. Wichtig war den Architekten, möglichst viele Funktionen unter dem Dach zu integrieren: Es wird dort einen Busbahnhof, Taxivorfahrten und einen Eingang zu einer Tiefgarage geben, damit Besucher bequem und immer trockenen Fußes zur Messe kommen; außerdem wird genug Platz zum Verweilen vorhanden sein und bei Bedarf können auch Events dort stattfinden. Geschickt und sensibel einbezogen in die Raumsituation wird ebenso das benachbarte Kongress-Center CCD Süd, das renoviert wird. Raffiniert sind die Struktur und Materialien des Vordachs: Insgesamt 94 rautenförmige speziell beschichtete Glasfaserkissen werden für eine stets helle und freundliche Tageslicht-Atmosphäre unter dem Dach sorgen. Bei Einbruch der Dunkelheit werden die Membranen per LED illuminiert – was vor allem beim Landeanflug auf Düsseldorf ein atemberaubendes Bild abgeben dürfte. „Mit dem Vordach wollen wir die Leichtigkeit des Baukörpers betonen. So entstand die Idee mit den transluzenten Kissen aus Glasfasergewebe.

Gegenüber Glas ist es wesentlich leichter, seine Membran ist schmutzabweisend wie Teflon, es ist wirtschaftlicher und hat zudem energetische Vorteile“, erklärt Jurek M. Slapa. Denkbar wäre zudem, Bilder oder Filme anlässlich von Events auf das transparente Dach zu projizieren. Im Konzept berücksichtigt wird auch die einzigartige Lage der Messe Düsseldorf zwischen den beiden riesigen Grünanlagen Rheinufer und Nordpark: So soll sich das Grün nahtlos bis unter das Vordach ziehen und die Wege zum Rhein werden erweitert, um zum Relaxen an der Promenade einzuladen.

Das Gebäudeensemble wird die internationale
Anziehungskraft der Messe Düsseldorf weiter erhöhen.
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Vom beeindruckenden Messevorplatz aus werden die Gäste zunächst in das 17,5 Meter hohe Foyer gelangen. Der über 2.100 Quadratmeter große komplett verglaste und daher lichtdurchflutete Raum kann ebenso als Veranstaltungsort genutzt werden. Ein echter Blickfang wird hier eine „Konferenzsuite“ sein: Mit gelochtem Messingblech verkleidet, ragt sie im ersten Obergeschoss in das Foyer hinein. Insgesamt sechs dieser Konferenzboxen wird es geben, alle teilbar und mit jeweils 200 Quadratmetern Fläche für je rund 200 Personen geeignet. Eine trans-parente Brücke soll außerdem die Konferenzebene im ersten Obergeschoss mit dem bestehenden CCD Congress Center verbinden. Das wird seine Kapazitäten im Rahmen des Bauprojekts auf 16.000 Personen erweitern. Hilmar Guckert, Geschäftsführer von Düsseldorf Congress, ist erfreut: „Mit dem Neubau, der erhöhten Kapazität und der besseren Aufenthaltsqualität rüstet sich das CCD Congress Center Düsseldorf noch besser für die Anforderungen großer Kongresse, Tagungen und Firmenevents. Das ist ein wichtiger Schritt in die Zukunft des internationalen Kongressgeschäfts in der Landeshauptstadt.“ Das Kernstück des Messe-Großprojektes – die neu errichtete multifunktionale Halle 1 – wartet dann nochmal mit Superlativen auf. Mit einer Nutzfläche von über 12.000 Quadratmetern wird sie größer sein als die bisherigen Hallen 1 und 2 zusammen. Sie kommt komplett ohne Stützen aus und erlaubt Veranstaltern dadurch viel Gestaltungsfreiheit. Praktisch sind auch die sogenannten „Spatenkanäle“: Alle fünf Meter kann an Wasser- und Stromquellen angedockt werden, was den Messebau sehr flexibel macht. Außerdem werden alle drei Meter Aufhängungen an der Hallendecke möglich sein.

Mit Blick auf das imposante Bauprojekt sagt Oberbürgermeister Thomas Geisel, Aufsichtsratsvorsitzender der Messe Düsseldorf GmbH: „Das ist nicht nur ein Gewinn für Messe und Düsseldorf Congress, sondern auch ein Gewinn für die Stadt Düsseldorf. Die internationalen Kunden der Düsseldorfer Messen und Kongresse geben im Jahr schließlich mehr als eine Milliarde Euro in der Stadt aus, sie sichern mehr als 16.600 Arbeitsplätze in Düsseldorf und sorgen für knapp ein Drittel aller Übernachtungen in der Stadt. All das führt zu einem jährlichen Steueraufkommen von mehr als 36 Millionen Euro. Die Neue Messe Süd wird dazu beitragen, diesen Erfolg zu sichern und auszubauen.“ Dabei bezieht er sich auf eine Studie, die das unabhängige Münchner ifo Institut 2017 veröffentlicht hat. Vor allem der Düssel-dorfer Dienstleistungssektor – Hotel und Gaststätten, Handwerksbetriebe, Taxi- und Einzelhandelsunternehmen – profitieren demnach, wenn Gäste aufgrund der Messen und Tagungen in die Landeshauptstadt kommen. Erstrecht, wenn das Publikum aus dem Ausland anreist und mehrere Tage bleibt. 

 Damit das passiert, müssen sich die Besucher wohlfühlen – und sich auch positiv an die Location erinnern: „Sehr wichtig ist, dass so ein prominentes Gebäude nicht nur modern, sondern vor allem nachhaltig konzipiert wird und die Menschen es auch in ein paar Jahrzehnten noch gut finden“, sagt Jurek M. Slapa, der genau diese Mischung bei der Messe Süd berücksichtigt hat. Wie es sich für ein richtiges neues Wahrzeichen eben gehört. •

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Die neue Messe Süd
in Zahlen

Die Neue Messe Süd ist Teil des Masterplans Messe Düsseldorf 2030, der das Gelände mit zahlreichen Bau- und Sanierungsmaßnahmen attraktiv und wettbewerbsfähig hält.

Baubeginn: Juni 2017
Fertigstellung: Herbst 2019
Kosten: rd. 140 Mio. EUR
Beteiligte: Kunde: Messe Düsseldorf GmbH;
Architekten: slapa oberholz
psczulny I sop architekten;
Hoch- und Tiefbau:
Köster GmbH; zahlreiche
Subunternehmen

Halle 1

Fläche: 12.027 qm
Veranstaltungsmöglichkeiten: Halle: bis zu 10.000 Personen
6 Konferenzräume à 200 qm
für 198 Personen, mittig teilbar
Übergang zum CCD im 1. OG

Eingang Süd und Foyer Vordach

Fläche Foyer: 2.112 qm
Fläche Vordach: 7.800 qm
Material Vordach: lichtdurchlässiges Glasfasergewebe mit LED-Beleuchtung


Autor: Tom Corrinth

Die Teekenner - von Düsseldorf in die Welt

Auf dem Produktionsgelände in Heerdt hat Teekanne vor vier Jahren die
nach eigenen Worten modernste Teefabrik Europas in Betrieb genommen.
Eine Investition in die Zukunft und den Standort Düsseldorf.

  • Teekanne ist Marktführer im deutschen Teemarkt

  • Sie erreichen mit seinen Teeprodukten fast 40% aller deutschen Haushalte

  • Die gesamte Teekanne Gruppe produziert ca. 7,5 Milliarden Teebeutel jährlich

  • Der gruppenweite Umsatz betrug in 2017/18 rund 425 Mio. Euro

Wasser kochen. Beutel aufgießen. Ziehen lassen. Fertig! Tee liegt voll im Trend. Denn kaum ein anderes Lebensmittel verbindet Gesundheit und Genuss so schmackhaft miteinander wie das kalorienarme Traditionsgetränk. Fast schon ein Synonym für die deutsche Teebeutelkultur ist die Marke Teekanne. Bereits vor 136 Jahren vermarktete der Familienbetrieb erstmals abgepackte Teemischungen in gleichbleibender Qualität als Markenartikel, damals noch in einem kleinen Teegeschäft in Dresden. Die Vision der Gründer, Tee für jeden zugänglich zu machen. Heute produziert die gesamte Teekanne Gruppe ca. 7,5 Milliarden Teebeutel jährlich – und ist damit weltweit führend. Dabei ist Innovation einer der entscheidenden Schlüssel für den Erfolg des Unternehmens mit Sitz in Düsseldorf. Erfindungen wie der Doppelkammerbeutel, mit dem heute weltweit Tee zubereitet wird, gehen ebenso auf das Konto des größten deutschen Teehändlers wie die Teekapselmaschine.  

„Unsere ambitionierte Innovationsquote erreichen wir, weil wir eine offene Kultur leben, die die Interaktion und den Austausch zwischen den verschiedenen Unternehmensbereichen fördert sowie jeden Mitarbeiter einlädt Ideen einzubringen“, sagt Teekanne Marketingleiter Jesper Petersen. Gerade wurde mit dem Arbeitsort der Düsseldorfer Marketingabteilung ein wichtiger Bereich für Innovationen umgebaut. Umgesetzt wurde ein modernes Open Space-Konzept mit dem Ziel, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen und gleichzeitig die Interaktion und Kommunikation noch stärker zu fördern, um neue Ideen und Innovationen hervorzubringen. „Unser Unternehmen befindet sich kontinuierlich im Wandel. Über das Thema New Work wird mehr denn je geredet und wir haben viele Ideen, wie wir anders miteinander arbeiten wollen, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden“, sagt Jesper Petersen. 

Basierend auf Megatrend-Studien zum Thema Ernährung und Zielgruppen wird bei Teekanne kontinuierlich an neuen Produkten geforscht. Gesundheit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Globalisierung bestimmen die neuesten Trends auf dem Teemarkt. „Aus Ideen, die dem Verbraucher einen Mehrwert bieten, entwickelt Teekanne ein physisches Produkt und die dazugehörige Verpackung. Bevor das Produkt auf den Markt gebracht wird, wird sorgfältig geprüft, ob der Geschmack bei den Verbrauchern ankommt“, beschreibt Jesper Petersen den Entstehungsprozess. Eine Vielfalt von unterschiedlichen Rezepturen wird durch interne Screenings nach und nach auf eine kleine Anzahl möglicher Geschmäcker reduziert. Erfüllt der finale Geschmack des Produkts die Erwartungen, die durch das Design erweckt werden, kann die Markteinführung erfolgen.

Besonders gerne trinken die Deutschen Kräuter- und Früchtetee, ganz vorne bei den Abverkäufen sind Klassiker wie Pfefferminze und Fenchel. „Zunehmend entdecken die Verbraucher Kreationen, die Wellness oder den Trend zu exotischen Geschmackserlebnissen aufgreifen. Türkischer Apfel, Innere Ruhe und die klassische Minze gehören zu den derzeit beliebtesten Produkten“, so Petersen. Dank der zunehmenden Affinität zum Kochen erfreuen sich auch Gewürze wie Ingwer, Kurkuma und Salbei im Teebeutel zunehmender Beliebtheit. Überproportional wächst der Markt für Bio-Tees. Besonders jüngere Zielgruppen wie die Millennials achten verstärkt auf Nachhaltigkeit. Mit den Teekanne Organics hat das Unternehmen jüngst eine erste Bio-Range in die Teeregale gebracht. Als erste deutsche Teemarke unterstützt sie die Arbeit der Rainforest Alliance, einer Organisation, die sich für nachhaltigen Teeanbau einsetzt. „Wir arbeiten seit vielen Jahren, teilweise sogar seit Jahrzehnten, mit unseren Lieferanten eng zusammen und können so eine hohe Transparenz in unserer Lieferkette sicherstellen“, betont Jesper Petersen.  

In der 2014 neu in Betrieb genommenen Teefabrik in Düsseldorf-Heerdt werden aus den Rohstoffen aus Indien, China oder Afrika auf 9.000 qm Fläche jedes Jahr bis zu 3 Milliarden Teebeutel in hochmodern vernetzten Produktionsanlagen hergestellt. Die Produktions-Geschwindigkeiten an den 50 Teebeutelmaschinen werden vollautomatisch computergesteuert: Die Maschinen kennen immer den jeweiligen Produktionszustand und passen die Geschwindigkeiten wie von Geisterhand an. Das Ergebnis: Eine optimal ausgelastete Produktion bei geringerem Energieverbrauch. Möglich wird das durch intelligente digitale Vernetzung aller Maschinen und durch Erfassung und Analyse aller Daten in Echtzeit aus dem Produktionsumfeld. Mit dem Umbau der neuen Teefabrik wurde bereits an die weitere Zukunft gedacht. Erweiterungsmöglichkeiten wurden eingeplant, so dass laut Teekanne die Herstellung von Teebeuteln für viele Jahre gesichert ist. Jesper Petersen betont: „Düsseldorf ist die Heimat von Teekanne. Wir fühlen uns der Stadt sehr verbunden und wollen weiter in die Produktion in Düsseldorf investieren.“ •

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Firma Teekanne
seit 16. Juli 1882
Geschäftsführer Frank Schübel
Mitarbeiter 1.500
www.teekanne.de


Autor: Karolina Landowski

Ich hatte nie einen Businessplan!

Perfektion, Passion und ein gesunder Pragmatismus haben Dr. Barbara Sturm dort hingebracht, wo sie heute ist. Sie betreibt eine Praxis für ästhetische Schönheitsmedizin auf der Königsallee und eine weltweit erfolgreiche Beautybrand. Wie sie das geschafft
und was Hollywoodstar Nick Nolte damit zu tun hat…

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Dr. Barbara Sturm hat in Bochum, Essen und Düsseldorf Medizin und Sport studiert. Ihre Promotion schrieb sie im Fachbereich Orthopädie: „Schäden am Bewegungsapparat bei Profi-Skiläufern“. Dass sie irgendwann mal eine erfolgreiche Pflegeserie lancieren würde, war zu diesem Zeitpunkt nicht ansatzweise absehbar. Während ihres Medizinstudiums wurde sie mit Mitte 20 Mutter ihrer Tochter Charly. Mit 27 Jahren trennte sie sich von ihrem ersten Ehemann, er nahm ihre Ambitionen, eine erfolgreiche Medizinerin zu werden, nicht ernst.

Sechs Jahre arbeitete sie unter anderem mit Professor Peter Wehling im Zentrum für molekulare Orthopädie auf der Königsallee zusammen. Dieser hatte eine Methode entwickelt, um die Volkskrankheit Arthrose zu stoppen. Vielen bleibt nur ein neues Knie oder eben ein Besuch in der Düsseldorfer Klinik. Bei der sogenannten Orthokin-Methode wird dem Patienten ein stark vermehrtes, aus seinem eigenen Blut gewonnenes Protein direkt in das erkrankte Gelenk injiziert. Vor 14 Jahren suchte ein bekannter Hollywoodstar Hilfe in der Praxis auf der Königsallee.

„Nick Nolte stand bei uns am Empfang und ich hatte einen Urlaub auf Sylt mit meiner Tochter geplant. Ich sagte ihm, er solle in zwei Wochen noch mal wiederkommen. Er entschied sich, mit uns nach Sylt zu kommen und sich danach von mir behandeln zu lassen. Auf Sylt trafen wir zufällig die Journalistin Inga Griese, die sich fragte, warum Nick Nolte auf Sylt war und was ich damit zu tun hatte. Sie schrieb einen Artikel über mich. Der wurde in der ,Welt am Sonntag‘ gedruckt, danach rannten sie uns in der Praxis die Bude ein“, erzählt Sturm.

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Schon damals hatte Sturm ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Orthopädie um die Wirkung körpereigener Proteine in den kosmetischen Bereich übertragen. Sie besuchte ein Seminar, fing alsbald auch an, ihre Patientinnen zu unterspritzen. Schnell entwickelte sie aufgrund ihrer Erfahrungen eigene Unterspritzungstechniken. Diese sprachen sich bis nach Hollywood herum. In Deutschland war die ästhetische Schönheitschirurgie zu dieser Zeit noch ein Nischenprodukt. Die damals 34-Jährige war somit eine Pionierin in ihrem Bereich. 2006 entschied sie sich, ihre eigene Praxis auf der Königsallee zu eröffnen, unterhalb der orthopädischen Gemeinschaftspraxis. Ihre Schwerpunkte: molekulare Medizin, nicht operative ästhetische Verfahren, minimal-invasive Feltenbehandlungen.

Ich schaue immer, 
was um mich herum passiert, ich gehe 
auf Menschen zu 
und stelle Fragen. 
Man sollte 
neugierig bleiben.

„Ich hatte damals einen guten Preis für die Räume ausgehandelt, den Innenausbau habe ich mit meinem Vater alleine gemacht. Zu Beginn hatte ich manchmal keinen Patienten am Tag, aber ich hielt an meinem Traum fest. Erst kamen auch noch orthopädische Patienten, aber dann ging es immer mehr um die Haut“, sagt Sturm.

Sturm litt selber jahrelang unter einer empfindlichen Haut. Mithilfe ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse rührte sich die Medizinerin dann ihre eigene Gesichtscreme an. Immer mehr ihrer Patienten fragten sie nach guten Hautpflegeprodukten. Da sie nicht wusste, was sie den Damen empfehlen sollte, entschloss sie sich, ihre eigene molekulare Pflegeserie ohne Mineralöle und Duftstoffe auf den Markt zu bringen. Das war 2008.

„Ich hatte keinen Businessplan, das ist alles irgendwie organisch gewachsen. Die Bank hat mir trotzdem Geld gegeben. Ich bin das Risiko eingegangen, weil ich an die Idee geglaubt habe und mit absoluter Hingabe am Produkt gearbeitet habe. 2011 hatte ich den Keller voller Produkte, jetzt musste ich sie auch noch verkaufen und ich bin eine schlechte Verkäuferin, obwohl ich von meinem Produkt zu 100 Prozent überzeugt bin“, erinnert sich Dr. Barbara Sturm.

Ihre Kunden kauften ihre Produkte, aber sie dachte noch etwas größer. Sie wollte ihre Pflegeserie bei dem Online-Versandhandel für Luxuslabel „Net-A-Porter“ verkaufen. Ewig musste sie auf einen Termin warten. Inzwischen mit dem amerikanischen Anwalt Adam Waldman verheiratet, der sie immer motivierte, ihr Ding zu machen, und hochschwanger mit ihrer zweiten Tochter Pepper, bekam Sturm endlich die ersehnte Chance in New York City. Sie konnte die Verantwortlichen bei „Net-A-Porter“ überzeugen. Sie wurde die erste Beautybrand des Onlinestores und gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten. In ihrem eigenen Shop verkauft sie circa 500 Produkte pro Woche, die Pflegeserie ist weltweit in über 300 Läden erhältlich. Die Hauptmärkte sind USA, Deutschland und Großbritannien. Australien, Asien, Russland und weitere Launchs sind geplant. 2018 lag das Wachstum ihrer Firma im dreistelligen Bereich. Luxusretailer wie Bergdorf Goodman, Neiman Marcus, Lodenfrey oder Aldo Coppola gehören zu ihren Partnern. Weltweit arbeiten circa 30 Menschen für sie.

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Ich bin das Risiko 
eingegangen,
weil 
ich an die Idee 
geglaubt habe.

Auch wenn Sturm selber nur noch selten in Düsseldorf ist und manchmal nicht mehr weiß, in welcher Stadt sie vor zwei Wochen war, möchte sie den Standort am Rhein nicht aufgeben. „Düsseldorf ist meine Homebase. Ich finde den Rhein toll, ich wohne in Oberkassel und fahre sehr gerne über die Brücke und sehe dann diese wirklich schöne Stadt. Ich hätte die Praxis auch dichtmachen können, aber mir liegen die Patienten am Herzen. Ich bin sehr viel unterwegs, aber Dr. Jennifer Peters (Ärztin für Schönheitsmedizin und ästhetische Dermatologie) gehört zu meinem Team, das funktioniert großartig“, erzählt Sturm. In Zukunft plant sie, weniger zu arbeiten, möchte Aufgaben abgeben, um auch mehr Zeit mit ihrer vierjährigen Tochter zu verbringen.

Die Ärztin ist oft in Los Angeles, dort unterstützt man sich gegenseitig und freut sich für andere, wenn deren Business funktioniert, diese Einstellung findet sie in Düsseldorf nur vereinzelt. Neid und Eifersucht sind laut Sturm in Deutschland sehr weit verbreitet. Viele denken auch, sie hätte sich ihr Unternehmen durch die zahlungskräftige Hilfe ihres Mannes aufgebaut. „Ich finde, dass erfolgreiche Frauen mehr Respekt verdient haben. Ich habe nie Geld von einem Mann genommen. Nicht mal jetzt, er kann mir gerne Diamanten schenken, wenn er möchte, aber ich lebe von meinem eigenen Geld“, betont Sturm.

„Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist“, einfach weitermachen und an den nächsten Zielen arbeiten. Genauso wenig wie sie zurückschaut, will sie in die Zukunft schauen „Ich möchte gar nicht wissen, was in zehn Jahren ist, ich freue mich auf die unterschiedlichen Optionen. Ich schaue immer, was um mich herum passiert, ich gehe auf Menschen zu und stelle Fragen. Man sollte neugierig bleiben“, resümiert die Düsseldorferin. Wir gehen davon aus, dass es spannend bleibt! ●

www.dr-barbara-sturm.de
www.molecular-cosmetics.de


Name
Dr. Barbara Sturm

Erlernter Beruf
Orthopädin

Studium
Medizin und Sport

Verheiratet seit
2013 mit Adam Waldman

Kinder
zwei Töchter


Autor: Britt Wandhöfer
Fotos: Marina Weigl

Arbeitsschutz 4.0

Im Juli 2018 hat JSP, ein britischer Spezialist für Arbeitsschutzprodukte, eine voll automatisierte Produktionshalle in Düsseldorf-Heerdt eröffnet – und setzt mit „made in Europe“ ein klares Signal.

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Schutzhelme, Schutzhandschuhe, Schutzbrillen und noch viel mehr – Arbeitssicherheit ist ein großes Thema in Deutschland. Dass ein Hersteller aber auch auf unserem Kontinent und nicht etwa in Asien produziert, das ist eher ungewöhnlich. So wie JSP. Der britische Spezialist für persönliche Schutzausrüstung und Arbeitsschutz hat am 12. Juli 2018 eine ultramoderne 5.000 Quadratmeter große Produktionshalle auf der Wiesenstraße in Düsseldorf-Heerdt eröffnet. Das Besondere der JSP Safety GmbH: Die komplette Produktion läuft hier vollautomatisch ab! Den Aufbau der Automatisierung realisiert das derzeit 15-köpfige Team mit einem JSP-Spezialisten aus Großbritannien, wo die digitale Produktion schon funktioniert.

Für JSP eignet sich die Herstellung besonders gut in Deutschland, weil es der bei Weitem größte Markt für Schutzausrüstung in Europa ist. „Düsseldorf hat sich dabei als der Standort mit dem größten Potenzial herausgestellt. In der Stadt findet alle zwei Jahre die internationale Weltleitmesse für Arbeitsschutz A + A statt. Die sehr gute Verkehrsanbindung mit dem Flughafen und Neuss-Düsseldorfer Hafen und natürlich auch die Erreichbarkeit sehr vieler potenzieller Abnehmer in einem Radius von wenigen Kilometern haben uns überzeugt“, zählt Dr. Tilo Weiß, General Manager der JSP Safety GmbH, auf.

Im Testbetrieb ist derzeit eine 80 Quadratmeter große voll automatisierte Produktionszelle für Schutzhelme, die ab September dann in Serie herstellen soll. Die einzelnen Komponenten eines Helmes werden mit unterschiedlichen Maschinen im Spritzgussverfahren an den vier Ecken der Produktionszelle hergestellt. In der Mitte der Zelle stehen Roboter, die die Komponenten dann zusammentragen und zu einem Ganzen montieren, über ein Förderband nimmt ein Mitarbeiter die fertigen Helme schließlich in Empfang. „Wir planen im ersten Jahr mit einer Los-
größe zwischen 250.000 und 300.000 Exemplaren. Danach wollen wir sukzessive bis auf 800.000 Helme jährlich kommen“, erklärt Weiß. Ein direkter Vergleich mit rein manueller Produktion sei sehr schwer, aber man würde schätzungsweise zehn Mal so viel Personal benötigen, um einen Helm in derselben Zeit (zwischen 30 und 40 Sekunden) herstellen zu lassen. In Zukunft sollen noch eine weitere Produktionszelle für Helme und schließlich eine Zelle für Gehörschutz und eine für Atemschutz folgen, um die Halle komplett auszulasten. ●


Firma SP Safety GmbH
Wiesenstraße 57, 40549 Düsseldorf
Gründer und Geschäftsführer 
Dr. Tilo Weiß
Seit 018
www.jspsafety.com


Text: Tom Corrinth

Die Innovationsmacher

Digitale Hörspiele für Kinder, ein Rundum-Service für Medikamente, ein bargeldloses Bezahlsystem fürs Parken: Das sind nur einige der Ideen, mit denen junge Unternehmenin Düsseldorf den Alltag ihrer Kunden erleichtern. Wir stellen sechs vor.

  1. Pillbox

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Rundum-Service
für Medikamente

PILLBOX
ERKRATHER STRASSE 401, 40231 DÜSSELDORF
GRÜNDER PASCAL EVECEK, CHRISTIAN LENSKI

SEIT 2016

WWW.PILLBOXGO.DE


Es ist eine Zahl, die durchaus erschreckt: „Bis zu 500.000 Menschen müssen jedes Jahr wegen vermeidbarer Medikamentenfehler ins Krankenhaus“, sagt Pascal Evecek. Unter anderem deshalb hat er vor zwei Jahren mit seinem Geschäftspartner Christian Lenski das Unternehmen Pillbox gegründet. Die Idee: Patienten bekommen einmal im Monat für einen Festpreis von 19,95 Euro alle Medikamente, die sie benötigen, vorsortiert nach Hause geliefert. Pillbox arbeitet eng mit ausgesuchten Apotheken und den Ärzten der Patienten zusammen, um Risiken durch mögliche Wechselwirkungen und Unverträglichkeiten auszuschließen. „Obwohl es um ein so zentrales Thema wie die Gesundheit geht, hapert es oft an der Kommunikation zwischen Patienten, Ärzten und Apothekern. Hier setzen wir mit unserem ganzheitlichen Konzept an. Unsere Kunden bekommen alle 28 Tage ihre Lieferung und können absolut sicher sein, dass diese alles beinhaltet, was sie brauchen“, sagt Evecek.

Im Herbst 2016 erhielten die ersten Patienten in Düsseldorf ihre auf sie zugeschnittene Medikamentenbox, inzwischen arbeitet Pillbox bundesweit. „Am Anfang sind wir noch selbst gefahren, nun arbeiten wir mit UPS zusammen“, erzählt der Gründer. Er erlebe immer wieder, welch eine Entlastung es für die Kunden sei, sich nicht mehr um jedes Rezept selbst kümmern zu müssen. „Häufig sind es Angehörige, die uns beauftragen, um ihre Eltern zu versorgen und sich auch selbst zu entlasten. Aber auch Berufstätige, die an einer chronischen Krankheit leiden und Zeit und Nerven sparen wollen, weil sie sich nicht mehr um die Rezepte oder den Gang zum Apotheker kümmern müssen, nutzen unseren Service.“ Das Team von Pascal Evecek besteht inzwischen aus fünf Leuten. „Unser nächstes Ziel ist es, unsere IT zu verbessern, sodass wir noch mehr Vorgänge automatisieren können.“

2. Boxine

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Hörspiele


aus dem
Würfel

BOXINE
GRAFENBERGER ALLEE 120, 40237 DÜSSELDORF
GRÜNDER PATRIC FASSBENDER, MARCUS STAHL

SEIT 2013

WWW.TONIES.DE

Vor einigen Jahren merkte Patric Faßbender, dass in deutschen Kinderzimmern etwas fehlt: ein passendes Medium für Musik und Hörspiele. „Anfang 2013 realisierte ich bei meinen Töchtern (damals drei und fünf Jahre alt), dass CDs ein denkbar ungünstiges Medium für kleine Kinder sind, da sie schnell zerkratzen. Auf der Suche nach einer Alternative erkannte ich, dass es eigentlich kein wirklich kindgerechtes Audiosystem gibt, und entschied, es einfach selbst zu machen.“ Gemeinsam mit seinem Co-Geschäftsführer Marcus Stahl gründete er die GmbH „Boxine“, die eine Art digitales Abspielgerät samt Zubehör fernab von CD-Playern und alten Kassettenrekordern bietet. Das Abspielgerät ist die sogenannte Toniebox, ein würfelförmiges Gerät, das sich einfach bedienen lässt, per Akku aufladbar ist und als bunter Quader in verschiedenen Farben in jedes Kinderzimmer passt.

Um eine Audiodatei zu hören, werden auf die Box Tonies gesetzt, kindgerechte Figuren, die von der Box erkannt werden. Eine Benjamin-Blümchen-Figur sorgt dann zum Beispiel dafür, dass das Gerät eine Folge dieses Hörspielklassikers abspielt, das Ganze funktioniert per WLAN und ist in diversen Variationen möglich: Kinder-Hörspiele, Musik, Hörbücher, je nach Tonie und der auf dieser Figur gespeicherten Datei. Der Erfolg hat Patric Faßbender und Marcus Stahl, die sich über die gemeinsame Kita ihrer Kinder kennengelernt haben, überrascht. „Die Bilanz ist extrem positiv, der Umsatz lag 2017 bei rund 18 Millionen Euro. Durch das starke Wachstum der letzten Monate gilt es nun, vor allem uns als Unternehmen so aufzustellen, dass wir die Herausforderungen und Ideen, die vor uns liegen, auch stemmen können. Wir sind in recht kurzer Zeit auf über 70 Mitarbeiter angewachsen“, sagt Patric Faßbender.

3. Mapudo

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Marktplatz
für
Stahl

MAPUDO
ERKRATHER STRASSE 162 40233 DÜSSELDORF
GRÜNDER NIKLAS FRIEDERICHSEN,
MARTIN BALLWEG, SEBASTIAN GRETHE, MARKUS WEILAND

SEIT 2014

WWW.MAPUDO.COM

Es gibt wohl wenige Branchen, bei denen der Zusatz „traditionsreich“ besser passt als bei der Stahlindustrie. Bis vor wenigen Jahren war sie sogar so traditionsreich, dass es nicht möglich war, Werkstoffe online zu bestellen.Vier Brancheninsider aus Düsseldorf haben diesen Mangel erkannt. „Wir haben festgestellt, dass es für kleinere Bestellungen keine effizienten Vertriebswege gab. Der Markt war intransparent, und die Interessenten mussten sich ihre Werkstoffe mühsam zusammensuchen und telefonisch oder per Fax bestellen“, sagt Niklas Friederichsen, Wirtschaftsingenieur und einer der beiden Geschäftsführer von Mapudo.

Auf ihrer Plattform gibt es nun anbieterübergreifend ein breites Angebot an Materialien rund um Stahl, das besonders kleinen und mittelständischen Unternehmen die Möglichkeit bietet, sich ihren individuellen Werkstoff-Warenkorb zusammenzustellen. „Mapudo verbindet als Online-Marktplatz eine klassische Branche wie den Stahlhandel mit den modernen Möglichkeiten der Digitalisierung“, sagt Peter Güllmann, Bereichsleiter Unternehmens- und Infrastrukturfinanzierung der NRW.BANK, die zu den Investoren des Start-ups gehört. Das 2014 gegründete Unternehmen hat inzwischen15 Mitarbeiter.

4. Evopark

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Bargeldlos
parken

EVOPARK
SEDANSTRASSE 31–33, 50668 KÖLN
GRÜNDER MARIK HERRMANN, SVEN LACKINGER, MAXIMILIAN MESSING, TOBIAS WEIPER

SEIT 2014

WWW.EVOPARK.DE

Sie hatten eine Vision, und wo ließe die sich besser umsetzen als in der Einkaufsstadt Düsseldorf? „Wir wollten den Parkvorgang digitalisieren und damit vereinfachen, sowohl für den Kunden als auch den Parkhausbetreiber“, sagt Marik Herrmann, Geschäftsführer des Unternehmens Evopark. Autofahrer können eine Parkkarte für die berührungslose Einfahrt und das bargeldlose Parken nutzen. „Wir sind eigentlich eine Kölner Firma, hatten zu dem Thema aber so viele Anfragen aus Düsseldorf, dass wir das System dort zuerst eingeführt haben“, sagt Herrmann. Inzwischen hat sich der Fokus vom Endkunden auf die Parkhausbetreiber selbst und Anbieter wie Porsche oder Mercedes verlagert. „Wir bieten nun ausschließlich B2B-Lösungen an. Die Parkhausbetreiber erhalten unsere Software, ähnlich wie Microsoft Office, und sie können ihre Vorgänge digitalisieren. Ein anderer Geschäftszweig sind Kooperationen mit Unternehmen wie zum Beispiel Porsche. Im neuen Cayenne ist unsere Software bereits integriert, und der Fahrer kann mit der Parkkarte Parkhäuser anfahren und dort bargeldlos parken.“ In Düsseldorf machen inzwischen 21 Parkhäuser mit, darunter Häuser an Carlsplatz, Schadow-Arkaden, Medienhafen, Kö und Flughafen.

5. NEU - Gesellschaft für Innovation

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Die
Ideenmacher

NEU – GESELLSCHAFT FÜR INNOVATION
HOFFELDSTRASSE 88, 40235 DÜSSELDORF
GRÜNDER SABINE RINGS, JØRN RINGS

SEIT 2014

WWW.NEU-INNOVATION.DE

Nach mehr als 20 Jahren Berufserfahrung mit der eigenen Kommunikationsagentur war für Sabine Rings klar: Am besten funktionieren Ideen, wenn sie in den Unternehmen selbst entstehen und nicht von außen an sie herangetragen werden. „Wir haben es mehr als einmal erlebt, dass Ideen von externen Partnern im Unternehmen gescheitert sind. Deshalb haben wir beschlossen, unser Know-how zu bündeln und damit die Unternehmen zu befähigen, eigene Ideen zu entwickeln.“ Diese „Werkzeuge für Ideenkultur“ können ganz unterschiedlicher Art sein. Zum einen gibt es Workshops und Seminare, um die Mitarbeiter zu ermutigen, die eigene Kreativität besser zu nutzen, zum anderen diverse Hilfsmittel, die sich einfach in den Büroalltag integrieren lassen.„Um kreatives Denken ins Tagesgeschäft der Unternehmen zu bringen, setzen wir ein von uns entwickeltes Baukastensystem ein. Die einzelnen Bausteine basieren auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen zur Ideenentwicklung. Einfach gesagt: Wir übertragen den Ideenprozess, der im Gehirn stattfindet, auf Abläufe und Arbeitsumgebungen im Unternehmen“, erklärt Sabine Rings. Dabei setzt NEU auf haptische Werkzeuge wie etwa ein White Board auf Rollen, magnethaftende Gegenstände oder Sitzsack und Hängematte. „Natürlich analysieren wir immer erst, was für eine Kultur in dem jeweiligen Unternehmen herrscht und was die Branche aufrütteln könnte“, sagt Rings, die zusammen mit ihrem Mann ein vierköpfiges Team führt.

6. Projektschmiede

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Architektonische


Visionen

DIE PROJEKTSCHMIEDE
AM KALDENBERG 6, 40489 DÜSSELDORF
GRÜNDER JAN HINNERK MEYER, HAGEN LIPPE-WEISSENFELD

SEIT 2017

WWW.PROJEKTSCHMIEDE.GMBH

Stadt muss sich also stetig neu erfinden? Wovon braucht sie mehr und wovon braucht sie weniger? Sie muss flexibel, aber auch funktional sein. Angemessener Wohnraum ist essenziell. Es braucht Grünflächen, kulturelle Begegnungsstätten und Naherholungsgebiete. Schaut man auf Düsseldorf, dann war der Stadtstrand „Monkey Island“ so eine Oase in der Stadt. 2006 musste es wegen des Hyatt-Hotels weichen. Noch heute wünschen sich die Düsseldorfer ihren Strand im Medienhafen zurück.

Und da kommt die Projektschmiede ins Spiel. Architekt Jan Hinnerk Meyer und Hagen Lippe-Weißenfeld verstehen sich als Berater und Dienstleister. Ihr erklärtes Ziel: die Stadt verschönern. Hauptberuflich leiten Meyer und Lippe-Weißenfeld ein Architekturbüro mit mehr als 50 Angestellten. Lippe-Weißenfeld war früher kaufmännischer Direktor der Kunstsammlung NRW, kennt sich also im kulturellen Bereich bestens aus. Mit der Projektschmiede möchten beide als Ideengeber fungieren und mit ihren Entwürfen Diskussionen anstoßen – Diskussionen darüber, wie Düsseldorf sich architektonisch weiterentwickeln kann.

Visualisiert hat die Initiative mittlerweile vier Projekte: einen neuen Stadtstrand, eine neue Oper, ein gastronomischer Pavillon am Schwanenspiegel und ein Fotozentrum. Die Vision der Projektschmiede beschreibt Hagen Lippe-Weißenfeld wie folgt: „Gutes im Sinne der Tradition bewahren, Neues im Sinne der Zukunft ermöglichen.“ Da wäre zum Beispiel die Skizze für ein neues Opernhaus im Medienhafen. Die Oper an der Heinrich-Heine-Allee ist in die Jahre gekommen. Ein „Fass ohne Boden“, eine Sanierung würde Millionen kosten und das Gebäude trotzdem nicht retten können.

„Architektur ist immer der Raum, die Hülle, die große Kunst umgibt. Das zeigen doch prominente Beispiele wie das Guggenheim Bilbao, die Elbphilharmonie oder die Kopenhagener Oper. Architektur dient der Kunst zur Nutzung, hat aber seit alters her auch repräsentative, stadtbildprägende Strahlkraft“, sagt Lippe-Weißenfeld. Deshalb auch die Idee für ein Fotozentrum, das, geht es nach der Projektschmiede, gegenüber dem NRW-Forum auf dem Betriebshofgelände des Gartenamts entstehen könnte.

Die Düsseldorfer Fotoschule genießt weltweit einen exzellenten Ruf, doch es fehlt ein Ort, der das verdeutlicht und diese Kunst festhält. Anfang des Jahres luden Meyer und Lippe-Weißenfeld zum Gespräch in den Malkasten ein, um die Stadt daran zu erinnern, dass ein Fotozentrum gut für Düsseldorf ist. Es soll das Erbe der Düsseldorfer Fotokünstler in der Stadt halten, da Sammlungen schon in andere Städte abgewandert sind. „Die Visualisierungen der Projektschmiede sind sehr inspirierend“, erklärte die Leiterin des Stadtplanungsamtes Ruth Orzessek-Kruppa. Aber die Umsetzung liegt ja nicht alleine in Händen der Stadt. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle.

Es geht zunächst um die Vision und darum, das Gespräch darüber aufrechtzuerhalten: „Wir erfassen Bedarfe und erwirken durch unsere Lösungen Verbesserungen für Städte und Kommunen, für Institutionen aus Bildung, Wissenschaft, Kultur und Soziales. Und natürlich für unsere Investoren, denen wir neben einer sehr guten Rendite einen echten Social Impact und damit ein wirklich nachhaltiges Investment ermöglichen“, so die Projektschmiede.

Text: Gesa von der Meyden & Britt Wandhöfer