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Passion for Fashion

Junge Konzepte aus Düsseldorf, die modisch mitmischen – wir stellen sie vor

Siebenhaar

Zwei Jahre lang hat die Modeeinkäuferin und Designerin Melanie Grünert aus Düsseldorf an ihrem modularen dreiteiligen Taschenkonzept gearbeitet. Die Taschen des Labels Siebenhaar lassen sich schnell den verschiedenen Alltagsbedürfnissen anpassen: Sie sind mit zwei auswechselbaren Einsätzen ausgestattet, mit denen jede Tasche von einer Reisetasche in eine Business- oder Sport-/Freizeittasche umfunktioniert werden kann. Die Einsätze sind ebenfalls separat tragbar. Das System ist patentiert. Die erste Produktion stammt aus einer italienischen Luxustaschenmanufaktur und ist limitiert.

www.siebenhaar-bags.com

Cano

Die Schuhkollektion des jungen Mode-Start-ups Cano umfasst traditionelle mexikanische Schuhe wie die sogenannten Huaraches sowie Damenschuhe und Boots. Alle Modelle werden in Mexiko handgefertigt, mit Materialien aus der Region. Der Clou: Mithilfe der sogenannten NFC-Technologie (Near Field Communication), die üblicherweise im bargeldlosen Zahlungsverkehr genutzt wird, können Daten zum Herstellungsprozess ausgelesen werden. Über die Cano-App erfahren Kunden zum Beispiel, welche Schuster und Handwerker an ihren Schuhen gearbeitet haben. „Mit der NFC-Technologie bieten wir absolute Transparenz für unsere Kunden und machen sie gleichzeitig darauf aufmerksam, dass jedes von uns getragene Kleidungsstück von Menschen gemacht ist“, sagt Philipp Mayer, der Cano zusammen mit Lukas Puender gegründet hat.

www.thecanoshoe.com

Roberta Organic Fashion

Nachhaltigkeit, Zeitlosigkeit und Stil: Mit diesen Grundgedanken hat Daniela Perak 2016 den Concept Store Roberta Organic Fashion in Pempelfort gegründet. Die Kleidung und Accessoires der Labels, die sie auswählt, erfüllen zwei Kriterien: Sie sind aus Naturfasern aus kontrolliert biologischem Anbau gemacht und unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt worden. Das Unternehmen unterstützt dabei auch Designer aus Düsseldorf und Umgebung: Bei der Eventreihe „Meet the Designer“ können sich einzelne Labels präsentieren, Kunden von Roberta können deren Produkte kennenlernen und im Laden erwerben. Zu den bisher vorgestellten Designern gehören Gesine Jost, Sharokina und Shipsheip.

www.roberta-thestore.com

Co Fashion Design Lab

Zohra Sandi will Transparenz und den Gemeinschaftsgedanken in der Modebranche vorantreiben. Die Idee der jungen Gründerin: das Co Fashion Design Lab, ein Coworking Space, der Modedesigner umfassend bei ihrer Arbeit begleitet – vom Brainstorming innerhalb eines transparenten Netzwerks, über die Erstellung von Prototypen, einer hausinternen Modeproduktion bis hin zu Verkaufsflächen. „Junge Mode-Designer finden in Deutschland keine einfache Infrastruktur für den ersten Markteinstieg“, sagt Zohra Sandi. „Sie müssen sich oft mit Themen beschäftigen, die kontraproduktiv zur Entfaltung von Kreativität sind.“ Das Lab soll das ändern. Aktuell steht Sandi noch in den Anfängen ihres Projekts, 2019 soll es praktisch umgesetzt werden.

www.cofashiondesignlab.com


Autor: Elena Winter

Fashion Force

Oft wird Düsseldorf gerade für eine seiner umsatzstärksten Branche belächelt.
Dabei wird jeder zehnte Euro des gesamtdeutschen Modeumsatzes in Düsseldorf gemacht.

In Berlin feiert 
man, in Düsseldorf werden die Geschäfte gemacht.

Auf der Kö laufen doch nur gelangweilte Ehefrauen und reiche Russen rum.“ „Berlin hat eine Fashion Week. In Düsseldorf passiert modetechnisch schon lange nichts mehr Neues.“ Das sind Aussagen, die man auf diversen Veranstaltungen gerne mal hört. Den Fakten entspricht das nicht. Vielleicht ist es eine Mischung aus Unwissenheit, Neid und Vorurteilen. Eine Branchen-Insiderin hat es auf den Punkt gebracht: „In Berlin feiert man, in Düsseldorf werden die Geschäfte gemacht.“

Das Alleinstellungsmerkmal und die daraus resultierende Kompetenz ist die Vielfalt, gepaart mit wirtschaftlicher Stärke.  11,7 Millionen Einwohner und potenzielle Kunden wohnen im Umkreis von einer Autostunde. Das überdurchschnittlichen pro Kopf Einkommen, ist nach Hamburg und München, das höchste in Deutschland, was die Umsatzzahlen positiv beeinflusst.

Die Moderiesen Peek & Cloppenburg, 
C & A, und Esprit haben in Düsseldorf ihren Hauptsitz, eine Adresse auf der Kö ist für internationale Luxuslabel wie eine Premium-Anzeige in der Vogue. Die Allee der Könige zählt übrigens fast 5000 flanierende Passanten pro Stunde und ist somit die meist frequentierte Luxusmeile Deutschlands ist.

Nicht nur die Zahlen sprechen für sich, auch Branchen-Insider und Fashion Unternehmer haben im Gespräch mit VIVID betont, dass Düsseldorf nach wie vor, der wichtigste Modestandort der Republik ist. •

Im Youtube-Kanal „Business in Düsseldorf“ stellt die Düsseldorfer Wirtschaftsförderung regelmäßig Manager, Start-ups und Unternehmen vor: bit.ly/whyduesseldorf.


Daten und Fakten

  • Modewirtschaft: Jeder zehnte Euro 
des gesamtdeutschen 
Modeumsatzes

  • 18
 Milliarden Euro 
Umsatz in der 
Modewirtschaft

  • 7,6% 
der Düsseldorfer 
Wirtschaft
 (Deutschland 3 %)

  • 3.056 Modewirtschafts-
unternehmen

  • 11,4% 
der deutschen
Großhandelsumsätze

  • Wichtiger 
Showroom-Standort 
mit 800 
permanenten 
Showrooms

  • als meistbesuchte 
Luxusmeile Deutschlands: 
4.775 
Passanten/St.


Autor: Britt Wandhöfer

Licht ins Dunkel
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Ein Abendspaziergang durch den Düsseldorfer Hofgarten hat etwas Geheimnisvolles. Auch wegen des schummrig-schönen Lichts, mit dem die alten Gaslaternen den Weg weisen. 14.300 von ihnen sind insgesamt im Stadtgebiet verteilt. Sie geben vielen Straßen ein nostalgisches Flair. Die Anfänge der historischen Leuchten gehen nach Angaben der Stadtwerke zurück bis ins 19. Jahrhundert. Die ältesten Modelle, die heute noch in Betrieb sind, sind mehrere Jahrzehnte alt. Sie weiter zu betreiben ist allerdings schwierig, da nur wenige Ersatzteile erhältlich sind. Hinzu kommen das Sicherheitsrisiko bei einem möglichen Gasaustritt, die vergleichsweise hohen CO2-Emissionen und der Energieverbrauch.

In diesen Punkten ist LED für viele ein Zauberwort. Die Technik gilt als Revolution – nicht nur in Sachen Straßenbeleuchtung: LEDs („Licht emittierende Dioden“) sind besonders energieeffizient, da für ihre Leistung nur eine vergleichsweise geringe Wattzahl nötig ist. Durch den geringen Stromverbrauch sind LED-Lampen drei- bis fünfmal umweltfreundlicher als etwa Halogenlampen. Mit bis zu 50.000 Stunden haben sie außerdem eine relativ lange Lebensdauer. Ihre starke Leuchtkraft und Helligkeit sind weitere Vorteile. Vor allem aber sind LEDs vergleichsweise sparsam. Das spricht gerade in einer Stadt wie Düsseldorf für den Einsatz der Technik. „Energiekosten sind ein dickes Haushaltspaket. Um das in den Griff zu bekommen, brauchen wir ein fortschrittliches Beleuchtungskonzept“, sagt Planungsdezernentin Cornelia Zuschke. Die Stadt investiert daher schon seit Langem in die Technik. Knapp zehn Prozent der 50.000 strombetriebenen Straßenleuchten in der Stadt funktionieren mittlerweile mit LEDs.

LED-Technik gilt als 
Revolution – nicht nur 
in Sachen Straßen-
Beleuchtung.

Auch der Kö-Bogen wurde bei seiner Erneuerung lichttechnisch umgerüstet. Schmale Lichtstelen sind entlang des Wasserverlaufs aufgestellt. Andere, kleine LEDs sind in die gläserne Landskronenbrücke integriert. So wird die Freifläche bei Dunkelheit in ein gleichmäßiges Licht getaucht. Die Stadt will damit die Sicherheit auf dem öffentlichen Platz gewährleisten und ein einheitliches modernes Design etablieren. Gemeinsam mit der Netzgesellschaft Düsseldorf, die als Stadtwerketochter die Straßenbeleuchtung betreibt, arbeitet sie an weiteren Ideen, wie man LED-Technik sinnvoll einsetzen kann. Auch die Verkehrssicherheit und die Senkung der CO2-Emissionen spielen dabei eine Rolle. „Die Technik entwickelt sich rasant weiter. Hier werden wir in den nächsten zehn Jahren sicher große Fortschritte machen“, sagt die Planungsdezernentin. Intelligente Schaltungen, wie sie schon bei vielen Ampeln eingesetzt werden, gehören ebenfalls dazu.

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“Altes bewahren- und gleichzeitig fortschrittlich handeln.”

Damit ließe sich in manchen Straßen im Bedarfsfall oder je nach Jahreszeit und Wetter mal mehr, mal weniger Licht schalten – und damit Energie einsparen.

Auch die Gaslaternen standen einmal für Fortschritt. Fast ein Jahrhundert lang hatte Düsseldorf mit ihnen ein Netz an Beleuchtung, das sich quer durch die Stadt spannte. „Die Laternen sind damit im wahrsten Wortsinn ein verbindendes historisches Element“, sagt Cornelia Zuschke. Aber: Sie sind auch ein großes Streitthema. Bürgerinitiativen machen sich seit Jahren für den Erhalt der Leuchten stark. „Die Gaslaternen prägen mit ihrem warmen Licht das Erscheinungsbild der Stadt. Sie sind ein Stück Heimat, ein Denkmal der Industriekultur im Rheinland, das wir unbedingt bewahren sollten“, sagt Lutz Cleffmann von der Initiative Düsseldorfer Gaslicht. Als Alleinstellungsmerkmal von Düsseldorf seien sie für das Stadtmarketing und damit auch für den Tourismus enorm wichtig. Finanzielle Gründe sprächen ebenfalls dafür, die Gasbeleuchtung zu erhalten. So müsste bei einer Umrüstung jeweils die komplette Laterne erneuert und dazu die Straßen aufgerissen werden. „Der Ersatz der Gaslaternen amortisiert sich nie”, sagt Lutz Cleffmann. Mit seiner Initiative setzt er sich dafür ein, dass möglichst viele Leuchten erhalten bleiben.

Nach jahrelangen Diskussionen mit Befürwortern und Gegnern hat die Stadt eine Methode für den Umgang mit den Gaslaternen entwickelt. Ihre Pläne und Überlegungen hierzu hat sie unter den Titel „Masterplan energieeffiziente Straßenbeleuchtung“ gestellt. Anfang September sind anlässlich des „Tags des offenen Denkmals“ bei einem Workshop endlich alle Beteiligten – von den Bürgerinitiativen über die Stadtwerke bis hin zu Sicherheitstechnikern, Sachverständigen und Historikern – an einen Tisch gekommen und haben die erarbeitete Methode gemeinsam auf den Prüfstand gestellt. Die Ergebnisse aus dem Workshop sollen ab Anfang 2019 in konkrete Pläne übersetzt und schrittweise umgesetzt werden. „Es geht nicht um eine bestimmte Anzahl von Laternen, um die man feilschen muss“, sagt Cornelia Zuschke. Auch über die Kosten für die Umrüstung lasse sich nicht pauschal diskutieren, da diese vom Zustand jeder einzelnen Laterne und ihrer jeweiligen Umgebung abhängen. Daher müsse man sich in jedem Einzelfall die Frage stellen: Erhalten, ergänzen oder umrüsten? „Unsere Methode bezieht die Denkmalpflege und heimatbezogene Aspekte genauso mit ein wie die Themen Sicherheit der Bürger und Energieeffizienz. Davon sollen auch die nächsten Generationen etwas haben“, so Zuschke. „Die Gaslaternen möchten wir dort erhalten, wo sie als technisches Denkmal einzigartig sind und das städtebauliche Erscheinungsbild von Düsseldorf identitätsstiftend mitprägen.“

Also: Altes bewahren und gleichzeitig mit den technischen Entwicklungen und Anforderungen mithalten. Für den Hofgarten ist der Fall schon mal klar: Seit 1998 steht der Park mit seinen Skulpturen, Denkmälern und der Beleuchtungsanlage unter Denkmalschutz. Hier wird man abends auf einem Spaziergang also wohl noch weiterhin die historischen Leuchten bewundern können. ●

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Das spricht für LED-Technik


Gute Ökobilanz

Durch LEDs kann der CO2-Ausstoß gesenkt werden. Sie sind drei- bis fünfmal umweltfreundlicher als etwa Halogenlampen und enthalten kein schädliches Quecksilber.

Lange Lebensdauer

LED-Lampen brennen bis zu 
50.000 Stunden.

Leuchtkraft

LED-Lampen strahlen sofort nach dem Anschalten ohne Verzögerungen 
hundertprozentig hell.

Minimale Wärmeentwicklung

LED-Lampen beziehen ihre Leuchtkraft aus Strom, nicht aus Wärme, und werden daher nicht heiß. Das bedeutet: keine Verbrennungsgefahr.

Keine UV-Strahlung

LED-Lampen eignen sich auch zur 
Beleuchtung lichtempfindlicher Objekte.

Hohe Effizienz

Für die gleiche oder bessere Leistung brauchen LEDs eine geringere Wattleistung. Das reduziert die Energiekosten.


Text: ELENA WINTER


DIALOG IM NRW-FORUM

Eine klassische Ausstellungsfläche ist das NRW-Forum Düsseldorf schon 
lange nicht mehr. Sein künstlerischer Kopf Alain Bieber hat das Haus 
zu einer Plattform gewandelt, die Fotografie, Pop und digitaler Kultur ein 
Forum bietet.

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Ein Sonntag Anfang März im NRW-Forum. Im Obergeschoss malen erwachsene Menschen Pizzen. Und gleich nebenan werden die Bilder Wirklichkeit – ein echter Pizzabäcker backt die Kunstwerke nach. Ein Raum weiter erklärt ein Historiker, wie die Pizza nach Deutschland kam. Die Ausstellung „Pizza is God“ im Untergeschoss des Düsseldorfer NRW-Forums wird dabei zur Nebensache.

Die Pizzacon ist nur eine von vielen verschiedenen Veranstaltungen, die das NRW-Forum mal begleitend zu den Ausstellungen, mal völlig unabhängig ausrichtet. „Das NRW-Forum soll ein Prototyp für das Museum der Zukunft werden. Eine Ideenfabrik für die ganze Familie, eine Agora der zeitgenössischen Kultur, ein sozialer Ort, ein Raum für Experimente und Dialog“, erklärt Alain Bieber seinen Anspruch. Heißt konkret: Fotografie, Pop und digitaler Kultur ein Forum bieten.

Bieber führt seit 2015 die Geschäfte des NRW-Forums und ist künstlerischer Kopf des Hauses. Gerade das Thema digitale Kultur nehmen Bieber und Team sein sehr ernst. Gleich Ende 2015 zog mit „Ego Update“ eine Ausstellung ein, die dem Selfie huldigte. Seit 2016 ist das NRW-Forum Heimat für das Games-Festival „Next Level“ und es gibt wohl nur wenige andere Ausstellungshäuser oder Museen, in denen die „Deuscthland-Ausstellung“ des Humoristen Jan Böhmermann und seiner Produktionsfirma Bildtonfabrik möglich gewesen wäre. Die Ausstellung lockte immerhin 30.000 Besucher. Das Beispiel der Pizzacon zeigt auch, dass es in Alain Biebers Kunstbegriff nicht nur um das Betrachten von Ausstellungsstücken geht. Deshalb gibt es seit 2017 auch ADA, die Akademie der Avantgarde, ein neues Vermittlungsformat, das durch die Unterstützung der Prof.-Otto-Beisheim-Stiftung auch kostenlos für alle angeboten wird. „Wir machen hier keine klassische Museumspädagogik“, so Pressesprecherin Irit Bahle. So finden neben Vorträgen zur Popkultur immer wieder auch Workshops statt, sodass sich Besucher selbst erproben und direkt etwas mitnehmen können. Bei „Foodporn“ wurden Kniffe verraten, wie Essensfotos mit ein paar Kniffen „instagrammable“ – also für den Social-Media-Dienst Instagram optimiert – werden, es wird gemeinsam diskutiert, wie Magazine eine Zukunft haben können. Teilnehmer von Veranstaltungen der Akademie der Avantgarde können mittlerweile auch Scheine sammeln und sich anderweitig fortbilden. Zu den Veranstaltungen kommen in der Regel zwischen 50 und 100 Menschen, bei Konferenzen auch deutlich mehr. „Erwünscht sind alle Altersgruppen und Schichten – überwiegend sind unsere Besucher im Alter zwischen 25 und 60“, erklärt Bahle.

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Konsequent auch, dass das NRW-Forum Düsseldorf im Mai Heimat für das neue Digitalfestival Meta-Marathon war. Ab September wird man sich am Rhein dann unter dem Titel „Im Zweifel für den Zweifel“ Verschwörungstheorien und dem Thema Fake News widmen – wiederum ein digitales Phänomen, gleichzeitig aber auch mit der Bauhaus-Ausstellung klassischer unterwegs sein.

Für 2019 hat Bieber noch eine andere Vision: „Wir starten mit unserem neuen Projekt NRW X einen Inkubator für Technologie, Kunst und Wirtschaft. Wir bieten ausgewählten Start-ups direkt im NRW-Forum Düsseldorf einen Coworking-Space im kreativen Umfeld und ein maßgeschneidertes Mentorenprogramm. Das Ziel ist ein künstlerisches Forschungs- und Produktionslabor, ein Kulturinkubator und Weiterbildungsprogramm.“ Gleichzeitig soll auch eine Art Agentur entstehen, mit der Start-ups, Mentoren und Alumni für Unternehmen und Bildungs- und Kultureinrichtungen Innovationen, vom Konzept bis zum Prototyp, entwickeln. ●


NRW-FORUM 
IM CHECK

LOCATION?

Ehrenhof 2.
40479 Düsseldorf

WANN?

Dienstag bis Freitag 11–18 Uhr
Samstag 10–21 Uhr
Sonntag 10–18 Uhr

WER KOMMT?

Menschen, die sich für 
zeitgenössische Kunst, 
insbesondere zu den Themen Fotografie, Pop und digitale Kultur, interessieren.

BESONDERHEIT
?
Wenn das NRW-Forum im kommenden Jahr das Projekt NRW X startet, könnte es noch spannender fürs Networking werden. Der Inkubator für Technologie, Kunst und Wirtschaft soll ausgewählten Start-ups einen Coworking-Space im kreativen Umfeld und ein maßgeschneidertes Mentorenprogramm bieten. Gleichzeitig sollen Innovationen bis hin zum Prototyp entwickelt werden.

WIE TRÄGT SICH DAS 
NRW-FORUM?

Das NRW-Forum Düsseldorf ist eine gemeinnützige GmbH, die zu 100 Prozent durch die Stadt Düsseldorf gefördert wird. Haus- und Projektpartner unterstützen die Ausstellungen und Veranstaltungen. Einnahmen über Eintritt, Shop und Vermietungen sind wichtig, genauso wie die Gelder aus zusätzlichen Anträgen bei Stadt, Land und Bund.


Text: Franziska Bluhm

Düsseldorf: Startup City

“Düsseldorf hat das Potenzial, eine bedeutende Start-up-Metropole zu werden.“ Die Worte von Thomas Geisel hallen auch dreieinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt als Oberbürgermeister nach.

Seitdem hat sich einiges getan. Längst reichen beide Hände nicht aus, um die unterschiedlichen Initiativen an den Fingern abzuzählen. Die Gründung der Start-up-Unit in der Wirtschaftsförderung, die Gründung des Digihubs mit seinem Fokus, Start-ups mit dem breit aufgestellten Mittelstand und den international aufgestellten Corporates vor Ort zu vernetzen. Das große Angebot an Coworking-Spaces und Business Center. Nicht nur Startplatz, Super7000 und Factory haben sich etabliert, es scheint sogar Platz für weitere Anbieter zu sein, Tribes will den Graf-Adolf-Platz erobern, SPACES das Andreasquartier.

Die Initiativen zur Vernetzung des Nachwuchses: „Wenn die Betriebswirte der WHU mit den Biowissenschaftlern der Heinrich-Heine-Universität und den Designern der Hochschule Düsseldorf zusammentreffen, können großartige Innovationen entstehen“, ist Uwe Kerkmann, Chef der Wirtschaftsförderung, überzeugt. Stellvertretend für die Fülle an unterschiedlichen Veranstaltungen in der Stadt sei die Startup-Woche erwähnt, die 2018 in die dritte Runde geht. Auch hier liegt der Schwerpunkt auf der Vernetzung von Groß und Klein. Düsseldorfs großer Vorteil im Vergleich zu Berlin: Hier gibt es die Möglichkeit, wirklich Business zu machen, weil hier die großen Wirtschaftspartner sitzen.

Es tut sich was in Düsseldorf. Ideen werden verfolgt und kommen ans Laufen, wie die Beispiele IOX Lab, Welect oder Compeon zeigen (Seite 10), ansässige Konzerne wie beispielsweise Henkel bauen Netzwerke auf (Seite 14) und der Oberbürgermeister denkt nicht daran, sich auf dem Erreichten auszuruhen (Seite 18).

Und auch wenn die Statistikzahlen für sich sprechen – so stieg die Zahl der Start-ups von 135 in 2015 auf zuletzt rund 300, 3.760 Arbeitsplätze sind in diesem Segment angesiedelt, 2016 waren es noch 3.008 – es gibt noch ein paar Baustellen.


Finanzierung
Zwar gibt es dank der ansässigen NRW.Bank und Stadtsparkasse viele Finanzierungsangebote, gerade für Neugründer. Trotzdem nutzt Oberbürgermeister Thomas Geisel immer wieder die Gelegenheit, um an deren Investitionsbereitschaft zu appellieren. „Ich sehe, dass wir uns viel mehr mit dem Thema Acceleration beschäftigen müssen“, so Kerkmann.

Vernetzung
Zwar scheint sich so langsam der Gedanke durchzusetzen, dass das gesamte Rhein-Ruhr-Gebiet gewinnen würde, wenn es überall boomt. Immerhin leben im Umkreis von 100 Kilometern mehr als elf Millionen Menschen. Gleichzeitig profitieren Städte und Unternehmen in Nordrhein-Westfalen gleichermaßen von jedem Talent an den Standorten Düsseldorf, Aachen, Duisburg, Essen, Dortmund oder Köln, das nicht aus NRW abwandert. Doch echte Vernetzung der Städte untereinander und ein gemeinsamer Auftritt nach außen laufen nur langsam an. Zählt bei allen Aktivitäten am Ende doch immer noch, was in der eigenen Tasche landet.

Spezialisierung
Bisher zielten alle Aktivitäten der Stadt darauf ab, den Standort grundsätzlich zu stärken. Doch für was steht die Start-up-City neben dem Vernetzungsgedanken und „Business“ machen zu können? „Wir haben hier eine so große Schnittmenge von Handwerk, Start-ups und herstellender Industrie, ich würde mir wünschen, wenn Düsseldorf zu einem Zentrum fürs ‚Doing‘ wird. Prototyping, Maker Spaces im größeren Stil und so, dass alle davon profitieren können“, wünscht sich Kerkmann.


Von heute auf morgen wird das nicht zu leisten sein. Denn die paar Jahre Vollgas schaffen längst noch kein funktionierendes Ökosystem. Allerdings: Erste Pflänzchen sind gesät. Wir von VIVID werden in den nächsten Ausgaben berichten, ob daraus Bäume werden. ●


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Warum Frank Schrader, Chef der Düsseldorf Marketing, auf den Claim „Nähe trifft Freiheit“ setzt: drei Fragen, drei Antworten.

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Warum braucht Düsseldorf den Claim „Nähe trifft Freiheit“?
Mit „Nähe“ und „Freiheit“ bilden zwei Aspekte den Kern der Stadtmarke, die unsere Stadt und das Lebensgefühl in ihr seit Jahrhunderten tatsächlich prägen. Ihr Zusammenwirken ist einzigartig und lässt eine Stadt entstehen, in der man sich immer und sofort verbunden fühlt, mit der Welt und miteinander. Für Menschen ist diese Positionierung sympathisch und relevant. Zudem ist sie noch frei und wird nicht von anderen Großstädten besetzt.

Was bedeutet der Claim für die Düsseldorfer Wirtschaft?
Die derzeitige Lage in der Welt führt uns die Bedeutung der Freiheit für Wachstum und Fortschritt eindrucksvoll vor Augen. Das gilt nicht nur für freien Handel und freies Wirtschaften. Das gilt auch und vor allem für die Freiheit des Geistes in der Wirtschaft und der Kultur. Das Thema Nähe schließt darüber hinaus weit mehr Faktoren ein als die zentr­ale geografische Lage Düsseldorfs in Deutschland und Europa. Besonders für Unternehmen kann es sehr positiv wirken, denn sie können konstruktiv die eigenen Unternehmensziele unterstützen.

Glauben Sie, dass sich auch Gründer und Start-ups angesprochen fühlen?
Die Positionierung Düsseldorfs ist für sie sehr attraktiv. Denn sie beschreibt einen realen Standort, an dem kreative und progressive Persönlichkeiten alle Freiheiten finden, sich zu entfalten. Ein Standort, an dem es leicht fällt, Netzwerke aufzubauen. Kurz gesagt: Düsseldorf ist eine Zukunftsstadt, die vernetzt und innovative Projekte gedeihen lässt. ● 

Kronleuchter und Marmor kann jeder
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Der Breidenbacher Hof prägt seit 200 Jahren die Geschichte Düsseldorfs. In diesem Sommer feiert das Luxushotel sein Zehnjähriges nach der Wiedereröffnung. Das Interieur hat sich verändert, der Anspruch nicht.

Wilhelm Breidenbach hat keinen eigenen Wikipedia-Eintrag. Da- bei ist er ein bekannter Mann. Viele Prominente und reiche Menschen kennen den Düsseldorfer Gaststättenbetreiber. Breidenbachs Name ist weltweit eine Visitenkarte für Düsseldorf. Sein Verdienst: Der Altstadtwirt ersteigerte 1806 am Rande der Stadt ein Grundstück, auf dem er ein Hotel für Reiche und Mächtige errichtete. Damals eine verrückte Aktion, denn die Idee des Grandhotels war gerade erst in London geboren worden. Der Visionär kämpfte Jahr- zehnte für seinen Erfolg. Erst 1840, als die Rheinschifffahrt boomte und die Eisenbahn nach Düsseldorf kam, füllte sich auch das Gästebuch des Luxushotels mit prominenten Namen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Wilhelm Breidenbach das Hotel schon verkauft – doch sein Name blieb.

„Dieses Hotel – an diesem spezifischen Platz – hat in diesen zwei Jahrhunderten zahlreiche Höhen und Tiefen erlebt“, sagt Cyrus Heydarian. Der 47-Jährige führt seit zehn Jahren den Breidenbacher Hof als General Manager. „Der Blick auf die Historie zeigt, dass hier viele Visionäre am Werk waren“, ergänzt er. Nun könnte Heydarian die Anekdoten erzählen, die mit den ruhm- reichen Zeiten des Breidenbacher Hofs verknüpft sind. Dass Udo Lindenberg hier als Liftboy arbeitete, dass der russische Zar Alexander II., König Juan Carlos von Spanien, andere Adelige und prominente Wirtschaftsführer im Hotel nächtigten oder dass internationale Stars hier ihre Filmpremieren feierten.

Über Erfolg wird gern gesprochen. Doch die Geschichten über Probleme sind manchmal interessanter. Denn der Breidenbacher Hof stand mehrmals vor dem Aus. In der Bombennacht am Pfingstsamstag 1943 wurde der Prachtbau in Schutt und Asche gelegt. Immerhin hatte Hoteldirektor Georg Linsen- meyer große Teile des wertvollen Interieurs vorher bei einem Freund in Rheinberg in Sicherheit gebracht und damit für die Wiedereröffnung sieben Jahre später gerettet.

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„ICH MUSS JEDEN TAG REFLEKTIEREN. WENN ICH DAS NICHT TUE, KANN ICH NICHT BESSER WERDEN“

1999 wäre der traditionsreiche Ort fast einen stillen Tod gestorben. Eigentlich sollte das Hotel nur zur Verbesserung des Brandschutzes geschlossen werden, doch die Bausubstanz erwies sich als schlecht. Eine Renovierung war nicht möglich. Das Gebäude stand lange Jahre leer und verfiel langsam. Das Schmuckstück mutierte zum Schandfleck. Die Düsseldorfer diskutierten offen darüber, ob das Filet-Grundstück nicht für einen besseren Zweck genutzt werden sollte.

„Wir haben uns sehr gefreut, dieses Kulturgut wiederbeleben zu dürfen“, erinnert sich Cyrus Heydarian. Der Mann, der das Geld für Abriss und Neubau organisierte, hieß Horst Schulze. Er hatte das Ritz-Carlton in die internationale Weltspitze geführt, bis 2002, dann verließ er das Ritz. Der Manager, den Branchenkollegen, den Hotelphilosophen nannten, mochte sich aber mit dem plötzlichen Ruhestand nicht anfreunden. Horst Schulze kämpfte um den Breidenbacher Hof. 2005 hatte er die kuwaitischen Eigentümer über- zeugt und Schulzes US-Gesellschaft „Capella Hotels & Resorts“ übernahm das Management des Hotels.

Bemerkenswert, dass damit zwei Männer an der Spitze des Luxushotels standen, die den alten Breidenbacher Hof noch aus Kinder- tagen kannten. Horst Schulze erzählte in einem Interview, dass er als 16-Jähriger bei einem Ausflug der Berufsschule von der Mosel nach Düsseldorf zum ersten Mal vor dem Luxushotel stand. Da will ich rein, habe er damals gesagt und die Mitschüler hätten gelacht.

Doch manchmal werden solche Aussagen und Träume ja Wirklichkeit. Cyrus Heydarian kannte den Breidenbacher Hof von den Besuchen auf der Kö. Sein Vater, ein Arzt aus Gelsenkirchen, fuhr gern nach Düsseldorf. Er stöberte dann mit seiner Mutter in der Lebensmittelabteilung im Kaufhaus gegenüber. „Wir hatten immer viele Gäste, die meine Mutter gern bewirtet hat“, sagt Heydarian. Vielleicht ist das der Grund, warum der Breidenbacher Hof immer noch den Namen eines Düsseldorfer Altstadtwirts trägt und nicht den einer Hotelkette. Mit dem Neubau kamen auch neue Ideen, die die klassische Hotellerie verändern sollen. „Das war eine große Chance für uns. Absolut“, erklärt Heydarian. Das Führungsteam wertete Studien aus, was Reisende sich im 21. Jahrhundert von ei- nem teuren Hotel wünschen. Luxus und moderne Technik bilden einen Teil der Antwort, der andere Teil ist ausgezeichneter Service und Herzlichkeit. „Wir machen unseren Gästen keine Angebote, wir wollen ihre Erwartungen übertreffen“, erklärt der General Mana- ger. Ein persönlicher Assistent ruft die Gäste schon vor der Anreise an und erfragt ihre Wünsche. „Das Einzige, was wir nicht tun, sind Dinge, die moralisch und ethisch verwerflich sind.“ Seine 160 Mitar- beiter haben vor allem eine Aufgabe: Menschen glücklich zu machen. „Glück ist etwas, was man nicht kaufen kann“, sagt Heydarian.

Außerdem schnitten die Breidenbacher ein paar klassische Zöpfe ab. Alle Gäste genießen den gleichen Service, die Minibar gehört zum Zimmerpreis, Check-out-Zeiten wurden gestrichen. „Ich sage ausdrücklich nicht, dass wir dadurch besser sind“, erklärt Heydarian, „wir sind einfach anders. Kronleuchter und Marmor kann jeder bauen.“ Tradition bedeute nicht die Übernahme von Möbeln, sondern die Bereitschaft der Mitarbeiter, eine Beziehung zwischen dem Haus und seinen Gästen aufzubauen. Dafür stehe der Name und das sei der Kern seiner Erfolgsgeschichte.

Trotzdem verlief der Start des Hotels in den dritten Frühling im Mai 2008 alles andere als glücklich. Zum einen hatte drei Jahre zuvor das Interconti als neues Luxushotel an der Königsallee eröffnet. Zum anderen war die allgemeine wirtschaftliche Lage angespannt. Neun Monate vor der Eröffnung war gerade die Immobilienblase in den USA geplatzt und die Welt schlitterte in eine große Wirtschaftskrise. Spätestens als die US-Bank Lehman Brothers Konkurs anmeldete, mussten sich auch Luxushotels Sorgen um ihre Klientel machen. Selbst der Festakt zur offiziellen Eröffnung des Neubaus entwickelte nicht den strahlenden Glanz, wie Cyrus Heydarian es sich gewünscht hätte. Die Inszenierung schien gut geplant, denn der damalige Bauleiter konnte auch Klavier spielen. „Er saß am Flügel auf einem Podest im Eingang, trug einen Bauhelm und spielte zur Eröffnung Beethoven“, erinnert sich der Hoteldirektor. Journalisten, Ehrengäste, sie alle warteten vor dem roten Band, das durchschnitten werden wollte.

„Links von uns stand ein Bagger, und genau in dem Moment, als die Ehrengäste zur Schere griffen, begann der Baggerfahrer mit seiner Arbeit“, erzählt Heydarian. „Ich dachte, das kann nicht sein Ernst sein.“ Die Baustelle blieb dem Hotelbetrieb acht Jahre erhalten, der Bagger machte den ersten Aushub für die Wehrhahnlinie. Mahdi Heyder, Oberhaupt der Eigentümerfamilie aus Kuwait, machte aus seiner Empörung im Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung keinen Hehl. „Rund um das Hotel nur Baustellen und Lärm. Das hat die Stadt anders versprochen. Ich werde schauen, wie es hier läuft, und dann entscheiden, ob ich in Düsseldorf noch einmal investiere“, ärgerte sich der Investor. Luxusgäste erwarten ein anderes Ambiente vor der Haustür als eine nicht enden wollende Baustelle.

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„WENN EIN UNTER- NEHMEN TESTEN WILL, WIE INNOVATIV ES IST, MUSS ES ERST EINE VISION HABEN“

Rückblickend bewertet der Hoteldirektor diese Zeit weniger nega tiv. „Das war damals unsere stärkste Leistung“, berichtet er, „wir sind zusammengewachsen.“ Ein Indiz dafür: Das aktuelle Führungsteam besteht noch heute aus damaligen Mitarbeitern. „Das gibt es in keinem anderen Hotel dieser Art“, sagt Heydarian. „Für uns war klar, dass der Breidenbacher Hof als auferstandene Ikone der deutschen und vielleicht auch der europäischen Hotellerie für sich diesen Platz auch wieder beansprucht“, beschreibt er die Stimmung in der Führungsetage. „Egal, was vor der Tür passiert – wir haben das vom ersten Tag an nicht als Ausrede gelten lassen“, sagt Heydarian. Die Stadt hatte angekündigt, die Baustelle bleibe 18 Monate. „Hätten wir von vornherein gewusst, dass es acht Jahre werden, hätten wir diese Energie vielleicht gar nicht aufgebracht“, urteilt der Hoteldirektor heute.

Schon legendär ist der Canon mit den Capella Servicestandards, der seit zehn Jahren täglich immer wieder im Team besprochen wird. „Wir sind Weltführer in der Dienstleistungsbranche“, steht in dem kleinen Heftchen. 24 Regeln hat der Konzern aufgestellt, generelle Werte und eine Mission formuliert. Bei anderen Unternehmen dümpeln solche Leitlinien für die tägliche Arbeit irgendwo in der Schreibtischschublade herum. Die Breidenbacher tragen das Unternehmenscredo zusammengefaltet zur Größe einer Scheckkarte in der Tasche ihrer Uniform. „Das ist der eleganteste und kürzeste und faltbarste Strategieplan der Welt, den kann jedes Unternehmen für sich anwenden.“ Die Frage sei jedoch, wie stetig eine Firma in der Ausübung dieser Philosophie ist. „Ich muss jeden Tag reflektieren. Wenn ich das nicht tue, kann ich nicht besser werden“, erklärt Heydarian den Aufwand, den er dafür betreibt.

Die ersten drei Jahre waren hart für die neuen Eigentümer. Andere Hotels suchten nach Wegen, um Kosten zu sparen. Der Breidenbacher Hof blieb stur auf Kurs. „Wenn wir Luxus verkaufen, können wir nicht sparen“, erklärt Heydarian.

Doch neben Wirtschaftskrise und Baustelle kämpften die Breidenbacher gegen ein weiteres sehr lokales Problem: An den ersten Ta- gen bildeten sich lange Schlangen für die Führungen durchs Hotel. Die Düsseldorfer waren neugierig auf den neuen Breidenbacher Hof, aber sie mochten ihn nicht. „Die Erwartungshaltung in der Stadt war immens“, erinnert sich Heydarian. Und dann kam der große Knall. Viele der Stammgäste, die ihre Taufen, Hochzeiten und andere Feste in den Sälen zwischen mächtigen Kronleuchtern, antiken Möbeln und alten Gobelins gefeiert hatten, kamen rein und waren enttäuscht. Sie fremdelten, obwohl Innenarchitekt Peter Silling weder bei Materialien noch Aufwand gespart hatte. „Die Düsseldorfer haben ihre Oberkellner und die vertrauten Räume, in denen die alten Familienfotos entstanden waren, nicht mehr gefunden“, erzählt Heydarian, „das fehlte ihnen.“ Die Erinnerungen blieben, und der Service auf bekanntem Niveau überzeugte auch die Skeptiker.

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„OHNE STARKEN TEAMGEIST
KÖNNTEN WIR
DAS ALLES NICHT LEISTEN“

Heute sind diese Wehwehchen verheilt. Der Breidenbacher Hof ist zurück, aber das Hotel will sich nicht ausruhen. Die Eigentümer denken bereits darüber nach, eine Hoteletage mit 1.000 Quadratmetern zu einem Luxusbereich der Extraklasse umzubauen. „Unser Erfolg steht und fällt mit dem Maß der Identifikation der Mitarbeiter“, sagt Heydarian. Wie groß der Erfolg ist, erfahren die Mitarbeiter täglich von ihrer Führungscrew. Die Gäste können auf einer Skala bis zehn angeben, ob sie wiederkommen werden. Mehr als 93 Prozent drücken ihre Zufriedenheit mit einer „Neun“ oder einer „Zehn“ aus. Die Mitarbeiter halten diesen Druck aus. Die Belegschaft des Hotels habe eine Turnover-Rate von zehn Prozent, der Branchenschnitt liege bei über 50 Prozent, berichtet Heydarian voller Stolz. „Ohne starken Teamgeist und ein positives Arbeitsumfeld könnten wir all das nicht leisten“, erklärt er, „unsere Mitarbeiter spüren, dass sie gebraucht werden.“

Sein Rat deshalb an Unternehmensgründer: Der Glaube an die Sa- che, die man bewegen will, ist für den Erfolg von entscheidender Bedeutung. Das sei auch der Treiber für Innovation. Im Breidenbacher Hof gibt es ständig Neues: Die aus einem Stück gebaute Showküche, die nur mit einem Schwerlastkran von der Seite ins Hotel geschoben werden konnte und auf deren roter Tür Rolling- Stones-Sänger Mick Jagger den Dank an den Koch mit schwarzem Stift verewigt hat. Badezimmerspiegel, die gleichzeitig als Fernseher funktionieren. Die neu gestaltete Barkarte mit Motiven aus der Welt der Manga-Comics. „Wenn ein Unternehmen testen will, wie innovativ es ist, muss es erst eine Vision haben, wohin es eigentlich will“, sagt der General Manager.

Nicht alles, was im Hotel passiert, kann Cyrus Heydarian beeinflussen. Welchen Gast, der noch nicht da war, würde der General Manager gern begrüßen? „Thomas Geisel“, antwortet er spontan. Der Oberbürgermeister habe noch nie im Breidenbacher Hof über- nachtet. „Wir freuen uns sehr über Gäste aus Düsseldorf, die einmal Urlaub in ihrer eigenen Stadt machen wollen“, ergänzt er.


DATEN UND FAKTEN

Der Breidenbacher Hof bietet 85 Gästezimmer und
21 Suiten. Die kleinsten Zimmer haben 41 Quadrat- meter; die Royal Suite für 14.000 Euro pro Nacht misst 400 Quadratmeter, verteilt über drei Schlaf-, drei Bade- und zwei Wohnzimmer sowie zwei Essbereiche. Die Badezimmer sind mit Naturstein oder Marmor ausgestattet, die Fußböden bestehen aus Walnussparkett.

Der Breidenbacher Hof beherbergte seit der Wiedereröffnung vor zehn Jahren mehr als 500.000 Hotelgäste. Der längste Aufenthalt eines Gastes dauerte 438 Tage. Welche Prominenten im Hotel übernachtet haben, verrät das Hotel aus Gründen der Diskretion nicht – es sei denn, die Promis legen Wert darauf.

Das Hotel bewirtete die Gäste mit 22.667 Flaschen Taittinger-Champagner und hat 125 Zigarrensorten in einem begehbaren Humidor zur Auswahl. Küchenchef Philipp Ferber lädt regelmäßig andere Starköche zur Küchenparty ein. Zum „Afternoon Tea“ werden täglich ab 15 Uhr Scones und hausgemachte Torten serviert. In der Lobby Lounge erwartet ein Pianist die Gäste an einem Bechsteinflügel, der speziell für das Hotel gefertigt wurde.

Text: Rainer Kurlemann

Bilder:

  • Wikipedia / Der Breidenbacher Hof: eine Düsseldorfer Legende; seine Kunst und seine Geschichte. Herausgegeben vom Hotel Breidenbacher Hof Düsseldorf anässlich seines 175-jährigen Bestehens, Düsseldorf 1991, S. 260

  • Stadtarchiv Düsseldorf, 127-371-025 / Foto: Erna Hehmke-Winterer, 1945

  • Stadtarchiv Düsseldorf, 421-103-015 / Foto: Dolf Siebert, 1953

  • Stadtarchiv Düsseldorf, 021-103-007 / Foto: Julius Söhn

  • Stadtarchiv Düsseldorf, 021-103-008 / Foto: Julius Söhn, 1902

  • Stadtarchiv Düsseldorf, 421-104-008 / Foto: Dolf Siebert, 30.05.1954

  • Foto: Raphael Janzer