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Wir bespielen alle Facetten der Mode

Evelyn Hammerström und ihr Geschäftspartner Reinhard Haase bauten in den letzten 20 Jahren mit den JADES Stores und der Fashion-Agentur UNIFA ein Mode Imperium auf, dass weltweit bekannt ist. VIVID hat das Duo in ihren Düsseldorfer Geschäftsräumen in der Plange Mühle zum Interview getroffen.

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Made in USA war der Schlüssel unseres Erfolgs.

Die Showrooms der UNIFA GmbH sind weitläufig. Wir fragen uns bei den sehr hilfsbereiten Mitarbeitern durch und werden schließlich herzlich von Kappa empfangen. Der japanische Akita Hund führt uns zu seinem Besitzer, Reinhard Haase.Gemeinsam treffen wir uns mit Eveyln Hammerström zum Interview in einem der Showrooms. Die beiden sind ein eingespieltes Team, man merkt sofort, dass sie seit 20 Jahren zusammenarbeiten. „Bei uns war das immer schon eine perfekte Mischung. Ich hatte immer ein Gespür für Trends, Reinhard für Zahlen“, erzählt Hammerström. Vorher schon in der Modebranche aktiv, legten sie 1999 gemeinsam den Grundstein für heute circa 125 Mitarbeiter. Das kleine Ladenlokal an der Ecke der Heinrich-Heine-Allee hatte es ihnen angetan und wurde die erste JADES Dependance. 2000 gründen Haase und Hammerström die UNIFA GmbH, ihr Fokus liegt damals auf US Brands. 2002 landen sie mit dem amerikanischen Denim Label 7 for all Mankind einen großen Coup.

Wir haben die Marke nach Deutschland geholt, was soll ich sagen, sie schlug ein wie eine Bombe, alle wollten diese Jeans. Made in USA wurde damit für einige Zeit unser Schlüssel zum Erfolg. Das Zusammenspiel zwischen UNIFA und JADES war ein weiterer Erfolg. Wir konnten mit JADES als Einzelhändler auftreten und auf der anderen Seite mit Unifa die Marke europaweit vertreiben. Das hat dazu geführt, dass wir in den USA den Markt aufgerollt haben. Viele amerikanische Marken wünschten sich, dass wir ihre Distribution hier im Markt übernehmen. Wir haben viele Brands angeboten bekommen, hatten Victoria Beckham und Justin Timberlake mit ihren Kollektionen bei uns“, erinnert sich Haase. Die Agentur vertreibt in ihren Showrooms zahlreiche us-amerikanische und europäische Premium-Brands wie Kendall & Kylie oder Rag & Bone. Hammerström ordert pro Saison circa 300 verschiedene Label für JADES. Aus dem Eckladen an der Heinrich-Heine sind inzwischen mehrere Geschäfte, mit unterschiedlichen Schwerpunkten, geworden. 2007 starteten sie mit dem Online-Shop JADES 24. Ihre eigene Marke, JADICTED, wurde 2014 gelauncht. Außerdem hat die UNIFA Gruppe vor einem Jahr True Religion Deutschland übernommen. Das Unternehmen ist damit alleiniger Eigentümer des Premium-Denim Labels True Religion in DACH sowie den Beneluxländern.Vorher hielt die UNIFA lediglich 40 Prozent der Anteile. Die Mehrheit von 60 Prozent lag bislang im Besitz der US-Mutter True Religion Apparel Inc. Jetzt wird aus Düsseldorf designt, in der Türkei produziert und nach Europa und Amerika erkauft. „Wir sind vielseitiger als andere, das zahlt sich irgendwann aus“, erklärt Haase. „Wir sind Einzelhändler, wir sind Großhändler, wir sind eine Modeagentur und wir haben ein E-Commerce Business. Wir bespielen alle Facetten der Mode.“

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Den Facettenreichtum setzt Hammerström auch bei ihren Mitarbeitern um. Sie ist beruflich oft in den USA und schätzt die Offenheit und Freundlichkeit der Amerikaner. Das vermisst sie im deutschen Einzelhandel und sucht ihre Mitarbeiter, auch Style-Adviser genannt, ganz genau aus. „Viele Menschen möchten nicht im Department-Store einkaufen und suchen nach einer ganz besonderen Stimmung, wenn sie hochwertig shoppen gehen. Diese Stimmung existiert bei uns, wir haben unser Personal danach ausgerichtet. Wir haben hier keine normalen Verkäufer. Unsere Mitarbeiter sind internationale Charakterköpfe, die dem Kunden in Erinnerung bleiben“, beschreibt die Unternehmerin. Aber auch Hammerström und Haase müssen auf die stetigen Veränderungen im Markt reagieren. Durch die Digitalisierung und die dadurch resultierende Globalisierung ist das Geschäft mit der Mode nicht unbedingt einfacher geworden.  Auch wenn sie selber im Online-Handel aktiv sind: „E-Commerce hat auch sehr viel kaputt gemacht. Dadurch ist die Kundenstruktur für einen Agenten oder Distributor erheblich geschrumpft. Es gibt immer weniger kleine Läden, dadurch ist die Hälfte der Kunden weg. Vielen Kunden sind überinformiert und werden übersättigt“, erklärt Haase. 

Ich liebe diesen Job, Mode macht Spass, das ist meine Leidenschaft und das wird auch nicht weniger.

Trotz Digitalisierung und dem natürlichen Wandel in Unternehmensmodellen, existiert eine Konstante, die sich laut der beiden Fashionexperten auch nicht so schnell ändern wird: „Düsseldorf ist Modestandort Nummer eins in Deutschland. In Berlin gibt es Messen, Partys und Shows, aber hier wird gearbeitet und das Geld verdient. Die wahre Fashionweek ist hier, wenn geordert wird“, sagt Hammerström. „Berlin hat es versucht, München hat es versucht, mit der Bread & Butter und anderen Messen. Die sind auch toll, aber unsere Showrooms sind ganzjährig geöffnet, wir brauchen dort nicht hin. Ich bin sogar der Meinung, dass der Modestandort Düsseldorf durch seine jahrelange Beständigkeit noch wichtiger geworden ist“, ergänzt Haase. 

Die beiden leben und lieben ihre Arbeit. Hammerström ist 63 Jahre alt, Haase 67 Jahre. Ihre Tochter lebt schon lange in London und arbeitet als Fotografin, Haases Söhne sind in der Medizin zu Hause, keines ihrer Kinder wird das Mode-Imperium übernehmen. Klar haben sie schon über Ausstiegsmöglichkeiten nachgedacht, aber in den nächsten fünf Jahren ist das nicht geplant. Haben sie nicht sowieso schon alles erreicht und könnten sich zur Ruhe setzen? „Nein, mit dieser Einstellung wären wir nicht so weit gekommen.  Mein Mann sagt immer: ,Evelyn, betrachte jeden Tag als neuen Anfang. Du musst immer am Ball bleiben´“, resümiert Hammerström. •

 

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IN ZAHLEN

2000:
UNIFA Gründung
Showrooms:
Düsseldorf
München
Salzburg

2000:
JADES Gründung
Läden:
JADES und moreJADES

2007:
Online-Shop:
www.jades24.com


Autor: Britt Wandhöfer

Fotos: Marina Weigl

Der Ausstatter der Herren

Deutschlands Herrenmodespezialist wird 30. Die von Peek& Cloppenburg gegründete Anson’s Herrenhaus KG mit Sitz in Düsseldorf feiert 2019 runden Geburtstag. Vivid sprach mit Stefan Jakobs,
Divisional Director Buying, über die größten Herausforderungen der Branche und
das Shoppingerlebnis der Zukunft.

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Seit ihrer Gründung 1989 hat sich die Anson’s Herrenhaus KG zu einem der größten deutschen Textileinzelhändler entwickelt: Mit 19 Häusern an insgesamt 16 Standorten, Verkaufsflächen zwischen 750 und 4.500 qm und einer Auswahl von Trend bis Klassik erwirtschaftete Anson’s im vergangenen Geschäftsjahr 155 Mio. Euro Umsatz. Ein Mix aus internationalen Designer-Labels, Streetwear und Eigenmarken, individuelle Beratung und überraschende Events sollen das Unternehmen auch in Zukunft konkurrenzfähig machen. Denn kaum eine Branche ist so sehr im Wandel, wie der Modehandel. Oder, Herr Jakobs?

Wie hat sich die Modelandschaft in den vergangenen 30 Jahren verändert? 
Die Digitalisierung hat, wie so viele Bereiche auch, die Modebranche stark beeinflusst und viele Herausforderungen mit sich gebracht. Heute ist der Online-Shop als Vertriebskanal nicht mehr wegzudenken. Der Kunde kann dadurch eine Shoppingtour erleben ohne auch nur vom Sofa aufzustehen. Um ihn dennoch in die stationären Verkaufshäuser zu locken, muss ihnen ein zusätzlicher Mehrwert geboten werden. Heute erwartet der Kunde bereits ein gewisses Maß an Entertainment oder besondere Kauferlebnisse im stationären Handel. 

Wie haben sich die Vertriebswege bei Anson’s umsatzanteilig verschoben? 
Der E-Commerce hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Aus diesem Grund überarbeitet Anson’s in naher Zukunft seinen Onlineshop. 

Wie reagieren Sie mit ihrem Sortiment auf die wachsende Beschleunigung der Branche? 
Wir planen vor allem in den modischen Bereichen vorsichtiger, um mit kurzfristigen Kundenwünschen so flexibel wie möglich umgehen zu können. Insbesondere die Anteile der Vororderkollektionen schieben wir immer weiter nach hinten und sprechen, falls notwendig, ggf. neue Lieferanten an, die uns die benötigte Ware liefern können. 

Was sind derzeit die größten Herausforderungen der Modebranche? 
Zu den wohl größten Herausforderungen zählt wohl das vielfältige Angebot auf dem Markt. Bei der täglichen Informationsflut und den unzähligen Rabattaktionen – online wie stationär – fällt dem Kunden die Orientierung schwer.  

Wie grenzen Sie sich gegen Vertikale und Online Pure Player ab? 
Wir schneiden unser Sortiment noch genauer auf die Zielgruppe zu, um für diese interessanter zu werden. Zudem bieten wir unseren Kunden besondere Kauferlebnisse in unseren Verkaufshäusern. Ob eine perfekte Rasur in einem Pop-up Barbershop, einen frisch gebrühten Kaffee von einem Coffee Bike oder zahlreiche Gewinnspiele – bei Anson’s kann der modeinteressierte Mann eine außergewöhnliche Shoppingtour erleben.  

Der Schlüssel zum Erfolg
heißt unserer Meinung nach Kundennähe.
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Was sucht der Modekunde von heute? 
Der modische Mann von heute und Kunde von Anson’s sucht vermehrt nach einzelnen besonderen Artikeln, die ein klassisches Outfit individuell machen und hervorstechen lassen. 

Haben Sie einen absoluten Bestseller? 
Das hängt natürlich immer von der jeweiligen Kollektion ab. Momentan sind Streetwear-Artikel von Marken wir Ellesse, Nike, Alpha und Champion sehr beliebt. Insbesondere Sweatshirts mit großen Markenlogos sowie modische Hosen sind bei unseren Kunden gerade gefragt.  

Wie wichtig sind heute Marken? 
Namenhafte Marken, wie Lacoste, Gant, Tommy Hilfiger und Calvin Klein, um nur einige zu nennen, sind ein wichtiger Pfeiler für Anson’s. Unsere Kunden fragen gezielt nach diesen Artikeln und nicht selten gehören sie zu unseren Bestsellern. 

Wie stellt sich ein Traditionsunternehmen wie Anson’s für die Zukunft auf?
Der Schlüssel zum Erfolg heißt unserer Meinung nach Kundennähe. Wir versuchen stets die Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen unserer Kunden im Blick zu haben und unser bisheriges Handeln zu hinterfragen. So können wir nicht nur unser Sortiment, sondern auch das Shoppingerlebnis für unsere Kunden verbessern. 

Wie sieht das Einkaufserlebnis der Zukunft aus? Wie kaufen wir in 30 Jahren ein? 
Ein Blick in die Zukunft prophezeit, dass der stationäre Handel und die Online-Welt noch näher ineinandergreifen müssen. Die Synergien können und müssen zukünftig noch intensiver genutzt werden, um die sich verändernden Kundenbedürfnisse stillen zu können. 

Ist Curated Shopping für Sie ein Thema? 
Wir versuchen möglichst flexibel auf die Kundenbedürfnisse einzugehen und stehen dabei für Stilsicherheit und ausgesuchten Geschmack. Bereits unsere Einkäufer wählen die besten Artikel aus den Kollektionen aus und haben dabei stets den Kundenwunsch im Blick. Diese Kundennähe wird auf der Fläche mit einer ausführlichen Beratung von unseren Verkäufern weitergeführt. 

Mit welchen Strategien werden Sie jüngere Zielgruppen ansprechen? 
Um die junge Zielgruppe anzusprechen, setzen wir auf starke und interessante Marken. Darüber hinaus müssen wir unseren Kunden in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung mehr bieten als nur die reine Bedarfsdeckung. Wir sind davon überzeugt, dass speziell das Einkaufen im stationären Handel als Erlebnis verstanden werden muss. So versuchen wir unseren Kunden durch besondere Events und die persönliche Beratung einen Anreiz zu bieten.  

Was waren Ihre persönlichen Meilensteine in der Anson’s Historie? 
Um den heutigen Kundenwünschen in der sich stets wandelnden Modebranche gerecht zu werden, haben wir in den letzten Jahren eine ganzheitliche Reorganisation der Marke Anson’s vom Bereich Einkauf über den Verkauf bis hin zum Marketing angestoßen. Diese Umstrukturierung hat zum Ziel Anson’s jünger, moderner und zeitgemäßer werden zu lassen und somit näher an den Kunden zu bringen. Die Arbeit an diesem Prozess war auch für mich persönlich ein spannender Meilenstein.

Welche Bedeutung hat der Standort Düsseldorf für Anson’s? 
Düsseldorf ist ein wichtiger und guter Standort für Anson’s. Gleichzeitig liegt in der dichtbesetzten Innenstadt auch eine hohe Wettbewerbsdichte vor. Um für unsere Zielgruppe interessant zu bleiben, müssen wir uns stetig weiterentwickeln und selbst hinterfragen. Da wird es nie langweilig. 

Wie feiern Sie das 30-jährige Jubiläum? 
Wir freuen uns, unseren Kunden zu unserem 30-jährigen Jubiläum viele spannende Aktionen und interessanten Aktivitäten am POS bieten zu können. In diesem Rahmen wird es exklusive Kollektionen und Fashionteile mit unseren Marken und Partnern geben. Zu viel wollen wir allerdings noch nicht verraten, lassen Sie sich überraschen.  •

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IN ZAHLEN

Seit: 1989
Sitz: Düsseldorf
155 Mio. Euro Umsatz 2017)
CEOs: Oliver Bach,
Catharina Cloppenburg,
Harro Uwe Cloppenburg,
John Cloppenburg,
Patrick Cloppenburg
19 Häuser an insgesamt 16 Standorten

Interview mit Stefan Jakobs, Divisional Director Buying


Interview: Karolina Landowski

These Bags are Made of Plastic

Wir ertrinken in Plastikmüll. Kunststoffe zu recyceln, ist eine Option, den Müll
nutzbringend zu beseitigen. Insbesondere die Textilindustrie hat recyceltes PET als
Rohmaterial entdeckt, von H&M über Adidas bis hin zu Tchibo finden sich Produkte aus recyceltem PET in den Kollektionen. Das Kölner Start-up ‚Fond of’ hat bereits rund 120 Millionen PET-Flaschen aus der Umwelt eliminieren können und daraus unter anderem die Schultaschen von Ergobag und Satch hergestellt. Wir haben mit Sven-Oliver Pink, Mitgründer und CEO von ‚Fond of’, über PET-Recycling gesprochen.

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Oliver Steinki, Florian Michajlezko und Sie haben 2010 mit den Schulrucksäcken Ergobag und Satch das Start-up ‚Fond of’ gegründet. Mittlerweile sind fünf weitere Marken dazu-gekommen. Was verbindet die Brands?
Elementar für alle unsere Taschenlabels sind die Materialien aus recyceltem PET. Darüber hinaus gilt: Nachhaltigkeit, Funktionalität und einzigartiges Design. Jedes Label hat einen eigenen Look. Das gilt für Affenzahn, Ergobag und Satch, die Rucksäcke für Kids, ebenso wie für die anderen Brands. Als wir beispielsweise vor vier Jahren Pinqponq gegründet haben, hat uns jeder einen Heritage-Look empfohlen, weil es gerade angesagt war. Aber wir wollten natürlich etwas Eigeneständiges machen. Pinqponq, das ist Fashion und Lifestyle. Aevor ist unsere sportliche Streetwear-Marke. Die Aussage ist sportlich, jung und urban. Salzen ist unsere Business-Marke, hier setzen wir auch Leder ein. Funktion Schnitt ist unser erster Fashion Brand und gehört seit 2018 zum Unternehmen.

Back to the roots: Was war der Anstoß‚ Fond of’ zu gründen?
Florian, Oliver und ich wollten in erster Linie etwas zusammen aufbauen und gemeinsam arbeiten. Wir haben über zwei, drei Jahre Ideen gewälzt, als uns aufgefallen ist, dass Kinder in einer stark vorneüber gebeugten Haltung zur Schule gehen, weil sie sonst von dem Gewicht der Schultasche nach hinten gezogen werden. Wer schon mal ein Trägersystem für den Bergsport ausprobiert hat, der weiß, man kann das Gewicht von den Schultern auf die Hüften verlagern. Das macht einen enormen Unterschied. Wir haben sofort Feuer gefangen und das ergonomische Konzept von Trekkingrucksäcken auf Schultaschen übertragen. 

 Aus welchem Grund haben Sie sich für recyceltes PET als Material entschieden?
Das war gar nicht Teil unserer Gründungsidee. Der ursprüngliche Gedanke war dort zu produzieren, wo gute Arbeitsbedingungen herrschen. Das haben wir durch gründliche Recherche sichergestellt. Florian hat sehr viel Zeit in China verbracht und sich Betriebe angeschaut. Er war während der Produktion alle zwei, drei Woche dort, um zu gewährleisten, dass alles optimal läuft. Kurz darauf haben wir herausgefunden, dass die für uns besseren Lieferanten in Vietnam sind. Unsere intensive Suche hat uns schließlich zu Lieferanten geführt, die mit Stoffen aus recyceltem PET produzieren. Das haben wir dann 2011 eingeführt. Wir hatten einen regelrechten Wow-Moment, als wir merkten, wir können mit unseren Produkten nachhaltig sein. 

Woher bezieht ‚Fond of’ das PET und wie wird es zu Stoffen verarbeitet?
Unsere beiden Hauptstofflieferanten sind in Taiwan. Dort gibt es kein Pfandsystem, das heißt die Flaschen werden weggeschmissen. In Taiwan hat sich daraus eine Recycling-Industrie gebildet. Die PET-Flaschen werden gesammelt und zu Garn recycelt, das in einer Weberei zu Stoff verarbeitet wird. Der fertige Stoff  wird nach Vietnam transportiert, wo dann unsere Rucksäcke und Taschen gefertigt werden. 

 Trotzdem hat auch ein hochwertiger Rucksack eines Tages ausgedient. Am Ende entsteht also erneut Müll aus Kunststoff. Habt ihr Ideen, wie man das lösen kann?
Unser Team für Corporate Responsibility arbeitet tatsächlich an einem Projekt, das sich damit beschäftigt. Eine Überlegung ist, dass man den Rucksack zurückschickt, wenn man ihn nicht mehr braucht. Die Frage ist natürlich, was wir dann damit machen und ich muss gestehen, wir haben noch keine gute Lösung. Ideal wäre ein Kreislauf, dazu bräuchten alle Materialien aus einer Tasche den gleichen Schmelzpunkt. Rein theoretisch könnte man dann beispielsweise einen Satch komplett in einer Hitzekammer einschmelzen und die daraus erhaltene Masse zum Beispiel zu einer Yogamatte verarbeiten. An der Stelle wären wir gerne Vorreiter. Ganz konkret arbeiten wir an PFC-freien Stoffen. Greenpeace hat eine Kampagne namens ‚Detox Outdoor’ ins Leben gerufen. Die Kampagne hat zum Ziel PFC aus Outdoor-Bekleidung und Produkten wie Rucksäcken zu eliminieren. PFC sind per- und polyfluorierte Chemikalien, die eingesetzt werden um Outdoor-Materialien zu imprägnieren also in erster Linie schmutz- und wasserabweisend zu machen, besonders kritisch sind die Fluortelomere auf Basis von Fluorcarbonen mit entweder sechs oder acht Kohlestoffatomen. Mit der Zeit waschen sich diese Imprägniermittel raus und landen im Grundwasser. Unsere Rucksäcke von PinqPonq sind bereits auf C0, also frei von den kritischen Kohlestoffen. Bei unseren anderen Brands arbeiten wir unter Hochdruck an der Umstellung auf eine PFC-freie Lösung. 

 Im Sinne der Nachhaltigkeit muss man sich wünschen, dass Kunststoffe langfristig ausgeschlichen werden. Das hieße auch kein PET mehr. Würden Sie das dennoch begrüßen?
Dann ist zwar unser Geschäftsmodell weg, aber ja, sicher. Ich bin froh, wenn es eine andere Lösung gibt. Klar, wollen wir viele Taschen verkaufen, denn nur wenn wir hohe Umsätze machen, können wir in die Produktentwicklung investieren und in gute Arbeitsplätze. Wir möchten möglichst viel Geld verdienen und gleichzeitig etwas Sinnhaftes tun. Im Moment ist Plastikmüll das Thema. Die Weltmeere sind voll damit. Sollte es irgendwann keine PET-Flaschen mehr geben, arbeiten wir einfach mit anderen Materialien. 

Wo seht ihr euch in zehn Jahren?
Wir verzichten bewusst auf eine Vision. Unser Ziel ist, dass wir das Beste aus unserem Potenzial machen. Wir sind natürlich ehrgeizig. In unserem Business-Plan steht, dass wir 2020 eine Million Taschen verkaufen wollen, daran arbeiten wir und wir sind ziemlich gut auf Kurs. •

Oliver Steinki, Florian Michajlezko und Sven-Oliver Pink (v.l.n.r.)

Oliver Steinki, Florian Michajlezko und Sven-Oliver Pink (v.l.n.r.)

‚FOND OF‘ TASCHENLABELS

2010 lanciert das Kölner Start-up Ergobag. 2011 folgt Satch. Gemeinsam mit Affenzahn deckt ‚Fond of‘ das Segment Kids ab. Pinqponq ist 2014 die erste Lifestyle orientierte Brand bei ‚Fond of‘ – gefolgt von Aevor und Salzen.

‚Fond of‘ recycling Erfolge

120 Mio. PET-Flaschen (0,5 Liter) recycelt. 12.500 Barrels Öl*, 270.319 m3 Wasser* und 12.143 Tonnen CO2 eingespart.*

*Im Vergleich zu Standardstoffen aus Rohöl

 

Firma: Fond of GmbH
Gründer und Geschäftsführer: Oliver Steinki, Florian Michajlezko und Sven-Oliver Pink 
Standort: Köln
Vertrieb in 35 Ländern
Mitarbeiter Weltweit: 230
Seit: 2010
www.fondof.co


Text: Cynthia Blasberg

Fashion Force

Oft wird Düsseldorf gerade für eine seiner umsatzstärksten Branche belächelt.
Dabei wird jeder zehnte Euro des gesamtdeutschen Modeumsatzes in Düsseldorf gemacht.

In Berlin feiert 
man, in Düsseldorf werden die Geschäfte gemacht.

Auf der Kö laufen doch nur gelangweilte Ehefrauen und reiche Russen rum.“ „Berlin hat eine Fashion Week. In Düsseldorf passiert modetechnisch schon lange nichts mehr Neues.“ Das sind Aussagen, die man auf diversen Veranstaltungen gerne mal hört. Den Fakten entspricht das nicht. Vielleicht ist es eine Mischung aus Unwissenheit, Neid und Vorurteilen. Eine Branchen-Insiderin hat es auf den Punkt gebracht: „In Berlin feiert man, in Düsseldorf werden die Geschäfte gemacht.“

Das Alleinstellungsmerkmal und die daraus resultierende Kompetenz ist die Vielfalt, gepaart mit wirtschaftlicher Stärke.  11,7 Millionen Einwohner und potenzielle Kunden wohnen im Umkreis von einer Autostunde. Das überdurchschnittlichen pro Kopf Einkommen, ist nach Hamburg und München, das höchste in Deutschland, was die Umsatzzahlen positiv beeinflusst.

Die Moderiesen Peek & Cloppenburg, 
C & A, und Esprit haben in Düsseldorf ihren Hauptsitz, eine Adresse auf der Kö ist für internationale Luxuslabel wie eine Premium-Anzeige in der Vogue. Die Allee der Könige zählt übrigens fast 5000 flanierende Passanten pro Stunde und ist somit die meist frequentierte Luxusmeile Deutschlands ist.

Nicht nur die Zahlen sprechen für sich, auch Branchen-Insider und Fashion Unternehmer haben im Gespräch mit VIVID betont, dass Düsseldorf nach wie vor, der wichtigste Modestandort der Republik ist. •

Im Youtube-Kanal „Business in Düsseldorf“ stellt die Düsseldorfer Wirtschaftsförderung regelmäßig Manager, Start-ups und Unternehmen vor: bit.ly/whyduesseldorf.


Daten und Fakten

  • Modewirtschaft: Jeder zehnte Euro 
des gesamtdeutschen 
Modeumsatzes

  • 18
 Milliarden Euro 
Umsatz in der 
Modewirtschaft

  • 7,6% 
der Düsseldorfer 
Wirtschaft
 (Deutschland 3 %)

  • 3.056 Modewirtschafts-
unternehmen

  • 11,4% 
der deutschen
Großhandelsumsätze

  • Wichtiger 
Showroom-Standort 
mit 800 
permanenten 
Showrooms

  • als meistbesuchte 
Luxusmeile Deutschlands: 
4.775 
Passanten/St.


Autor: Britt Wandhöfer