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These Bags are Made of Plastic

Wir ertrinken in Plastikmüll. Kunststoffe zu recyceln, ist eine Option, den Müll
nutzbringend zu beseitigen. Insbesondere die Textilindustrie hat recyceltes PET als
Rohmaterial entdeckt, von H&M über Adidas bis hin zu Tchibo finden sich Produkte aus recyceltem PET in den Kollektionen. Das Kölner Start-up ‚Fond of’ hat bereits rund 120 Millionen PET-Flaschen aus der Umwelt eliminieren können und daraus unter anderem die Schultaschen von Ergobag und Satch hergestellt. Wir haben mit Sven-Oliver Pink, Mitgründer und CEO von ‚Fond of’, über PET-Recycling gesprochen.

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Oliver Steinki, Florian Michajlezko und Sie haben 2010 mit den Schulrucksäcken Ergobag und Satch das Start-up ‚Fond of’ gegründet. Mittlerweile sind fünf weitere Marken dazu-gekommen. Was verbindet die Brands?
Elementar für alle unsere Taschenlabels sind die Materialien aus recyceltem PET. Darüber hinaus gilt: Nachhaltigkeit, Funktionalität und einzigartiges Design. Jedes Label hat einen eigenen Look. Das gilt für Affenzahn, Ergobag und Satch, die Rucksäcke für Kids, ebenso wie für die anderen Brands. Als wir beispielsweise vor vier Jahren Pinqponq gegründet haben, hat uns jeder einen Heritage-Look empfohlen, weil es gerade angesagt war. Aber wir wollten natürlich etwas Eigeneständiges machen. Pinqponq, das ist Fashion und Lifestyle. Aevor ist unsere sportliche Streetwear-Marke. Die Aussage ist sportlich, jung und urban. Salzen ist unsere Business-Marke, hier setzen wir auch Leder ein. Funktion Schnitt ist unser erster Fashion Brand und gehört seit 2018 zum Unternehmen.

Back to the roots: Was war der Anstoß‚ Fond of’ zu gründen?
Florian, Oliver und ich wollten in erster Linie etwas zusammen aufbauen und gemeinsam arbeiten. Wir haben über zwei, drei Jahre Ideen gewälzt, als uns aufgefallen ist, dass Kinder in einer stark vorneüber gebeugten Haltung zur Schule gehen, weil sie sonst von dem Gewicht der Schultasche nach hinten gezogen werden. Wer schon mal ein Trägersystem für den Bergsport ausprobiert hat, der weiß, man kann das Gewicht von den Schultern auf die Hüften verlagern. Das macht einen enormen Unterschied. Wir haben sofort Feuer gefangen und das ergonomische Konzept von Trekkingrucksäcken auf Schultaschen übertragen. 

 Aus welchem Grund haben Sie sich für recyceltes PET als Material entschieden?
Das war gar nicht Teil unserer Gründungsidee. Der ursprüngliche Gedanke war dort zu produzieren, wo gute Arbeitsbedingungen herrschen. Das haben wir durch gründliche Recherche sichergestellt. Florian hat sehr viel Zeit in China verbracht und sich Betriebe angeschaut. Er war während der Produktion alle zwei, drei Woche dort, um zu gewährleisten, dass alles optimal läuft. Kurz darauf haben wir herausgefunden, dass die für uns besseren Lieferanten in Vietnam sind. Unsere intensive Suche hat uns schließlich zu Lieferanten geführt, die mit Stoffen aus recyceltem PET produzieren. Das haben wir dann 2011 eingeführt. Wir hatten einen regelrechten Wow-Moment, als wir merkten, wir können mit unseren Produkten nachhaltig sein. 

Woher bezieht ‚Fond of’ das PET und wie wird es zu Stoffen verarbeitet?
Unsere beiden Hauptstofflieferanten sind in Taiwan. Dort gibt es kein Pfandsystem, das heißt die Flaschen werden weggeschmissen. In Taiwan hat sich daraus eine Recycling-Industrie gebildet. Die PET-Flaschen werden gesammelt und zu Garn recycelt, das in einer Weberei zu Stoff verarbeitet wird. Der fertige Stoff  wird nach Vietnam transportiert, wo dann unsere Rucksäcke und Taschen gefertigt werden. 

 Trotzdem hat auch ein hochwertiger Rucksack eines Tages ausgedient. Am Ende entsteht also erneut Müll aus Kunststoff. Habt ihr Ideen, wie man das lösen kann?
Unser Team für Corporate Responsibility arbeitet tatsächlich an einem Projekt, das sich damit beschäftigt. Eine Überlegung ist, dass man den Rucksack zurückschickt, wenn man ihn nicht mehr braucht. Die Frage ist natürlich, was wir dann damit machen und ich muss gestehen, wir haben noch keine gute Lösung. Ideal wäre ein Kreislauf, dazu bräuchten alle Materialien aus einer Tasche den gleichen Schmelzpunkt. Rein theoretisch könnte man dann beispielsweise einen Satch komplett in einer Hitzekammer einschmelzen und die daraus erhaltene Masse zum Beispiel zu einer Yogamatte verarbeiten. An der Stelle wären wir gerne Vorreiter. Ganz konkret arbeiten wir an PFC-freien Stoffen. Greenpeace hat eine Kampagne namens ‚Detox Outdoor’ ins Leben gerufen. Die Kampagne hat zum Ziel PFC aus Outdoor-Bekleidung und Produkten wie Rucksäcken zu eliminieren. PFC sind per- und polyfluorierte Chemikalien, die eingesetzt werden um Outdoor-Materialien zu imprägnieren also in erster Linie schmutz- und wasserabweisend zu machen, besonders kritisch sind die Fluortelomere auf Basis von Fluorcarbonen mit entweder sechs oder acht Kohlestoffatomen. Mit der Zeit waschen sich diese Imprägniermittel raus und landen im Grundwasser. Unsere Rucksäcke von PinqPonq sind bereits auf C0, also frei von den kritischen Kohlestoffen. Bei unseren anderen Brands arbeiten wir unter Hochdruck an der Umstellung auf eine PFC-freie Lösung. 

 Im Sinne der Nachhaltigkeit muss man sich wünschen, dass Kunststoffe langfristig ausgeschlichen werden. Das hieße auch kein PET mehr. Würden Sie das dennoch begrüßen?
Dann ist zwar unser Geschäftsmodell weg, aber ja, sicher. Ich bin froh, wenn es eine andere Lösung gibt. Klar, wollen wir viele Taschen verkaufen, denn nur wenn wir hohe Umsätze machen, können wir in die Produktentwicklung investieren und in gute Arbeitsplätze. Wir möchten möglichst viel Geld verdienen und gleichzeitig etwas Sinnhaftes tun. Im Moment ist Plastikmüll das Thema. Die Weltmeere sind voll damit. Sollte es irgendwann keine PET-Flaschen mehr geben, arbeiten wir einfach mit anderen Materialien. 

Wo seht ihr euch in zehn Jahren?
Wir verzichten bewusst auf eine Vision. Unser Ziel ist, dass wir das Beste aus unserem Potenzial machen. Wir sind natürlich ehrgeizig. In unserem Business-Plan steht, dass wir 2020 eine Million Taschen verkaufen wollen, daran arbeiten wir und wir sind ziemlich gut auf Kurs. •

Oliver Steinki, Florian Michajlezko und Sven-Oliver Pink (v.l.n.r.)

Oliver Steinki, Florian Michajlezko und Sven-Oliver Pink (v.l.n.r.)

‚FOND OF‘ TASCHENLABELS

2010 lanciert das Kölner Start-up Ergobag. 2011 folgt Satch. Gemeinsam mit Affenzahn deckt ‚Fond of‘ das Segment Kids ab. Pinqponq ist 2014 die erste Lifestyle orientierte Brand bei ‚Fond of‘ – gefolgt von Aevor und Salzen.

‚Fond of‘ recycling Erfolge

120 Mio. PET-Flaschen (0,5 Liter) recycelt. 12.500 Barrels Öl*, 270.319 m3 Wasser* und 12.143 Tonnen CO2 eingespart.*

*Im Vergleich zu Standardstoffen aus Rohöl

 

Firma: Fond of GmbH
Gründer und Geschäftsführer: Oliver Steinki, Florian Michajlezko und Sven-Oliver Pink 
Standort: Köln
Vertrieb in 35 Ländern
Mitarbeiter Weltweit: 230
Seit: 2010
www.fondof.co


Text: Cynthia Blasberg