VIVID Magazin
Passion for Business

Stories

Alle Artikel aus der VIVID

Posts tagged Mobilität
Future Tends

Das Digitalstudio Parasol 
Island aus Düsseldorf und Berlin veröffentlicht mit „Radar“ ein internationales Business-Bulletin, das Innovationen aus den Bereichen Mobility, Food, Retail, Fashion und Beauty vorstellt. Für VIVID hat Radar drei Trends aufgespürt, die den urbanen Alltag verändern werden.

The only way is up

Wenn es unten in den Straßenschluchten immer enger zugeht, soll der Stadtverkehr in die Luft gehen, darauf setzen Firmen wie der Mobilitätsdienstleister Uber. Man hat es ja auch schon in vielen Science-Fiction-Filmen gesehen, aber endlich, in 2019, gibt es das erste fliegende Auto zu kaufen. Das aktuelle Modell der Firma Terrafugia kommt mit seinen ausfahrbaren Flügeln allerdings noch etwas archaisch daher. Aber seit die Firma im Besitz a Geely ist, dem Konzern, der auch Volvo kontrolliert, könnte sich bis zum Marktstart der Chinesen noch einiges ändern – auch in puncto Design. 

Ganz anders der Aston Martin Volante Vision (Foto). Hier stimmen Look und Feel: Die britische Luxusschmiede setzt bei ihrem Fluggefährt auf die bewährte DNA aus Luxus und Sportlichkeit. Drei Personen finden in dem mit Cranfield Aerospace Solutions und Rolls-Royce entwickelten Gleiter in Leder-Karbon-Schalensitzen  Platz. Gestartet wird vertikal, bevor der Hybrid-Antrieb für den Vorwärtsflugmodus wechselt. Auch wenn Andy Palmer, der CEO von Aston Martin, kürzlich auf der Farnborough Air Show die Vorzüge des Volante Vision für den Stadtverkehr gerühmt hat, werden noch einige Jahre vergehen, bis man den Flitzer über Londons Skyline sehen kann. Wer nicht warten kann – angeblich soll der Volante Vision schon im nächsten James-Bond-Film zum Einsatz kommen.

Roboter-Küche

Seit Sommer 2018 kann man in San Francisco im ersten Restaurant des Start-ups Creator einen Hamburger kosten, der von Robotern gebraten wird. An der Ostküste der USA, in Boston, geht eine Ausgründung der Technikschmiede MIT weiter: Auch im neuen Spyce Restaurant (Foto) werden alle Speisen vollautomatisch zubereitet, aber die Rezepte sind komplexer und das Essen gesünder. Verschiedene Gerichte wie Huhn mit Reis oder eine Thai-Bowl  werden frisch zubereitet mit Zutaten aus der Region, das meiste davon in Bioqualität und mit glutenfreien und veganen Optionen im Angebot. Die jeweils 7,50 US-Dollar teuren Gerichte sollen spätestens fünf Minuten nach der Bestellung per Touchscreen fehlerfrei beim Gast stehen.  Dafür sorgt ein integriertes System mit vernetzten Küchenrobotern, welches das Schnellrestaurant vollautomatisch steuert. Michael Farid ist einer der Gründer: „Als robotikbesessene Ingenieure wollten wir eine neue und effiziente Art zu kochen entwickeln.“ Damit auch die kulinarische Komponente nicht zu kurz kommt, holte sich das Unternehmen den New Yorker Sternekoch Daniel Boulud ins Team.

On-Demand- Mobilität

Flexibilität ist die herausragende Idee hinter dem 
Vision URBANETIC. Bei dem Mobilitätskonzept von Mercedes-Benz Vans wird die Trennung von Personenbeförderung und Gütertransport aufgehoben. Dabei soll ein autonom fahrendes, elektrisch betriebenes Chassis unterschiedliche Wechselaufbauten für Personenbeförderung oder den Gütertransport tragen. Als Ride-Sharing-Fahrzeug kann der Vision URBANETIC bis zu zwölf Passagiere befördern, im Cargo-Modul können bis zehn EPAL-Paletten transportiert werden. Das Konzept soll außerdem auf eine Daten-Infrastruktur zurückgreifen, die in Echtzeit Angebot und Nachfrage in einem definierten Mobilitätsraum analysiert. Interessantes Detail: Mittels eines Außendisplays soll das Fahrzeug mit seiner Umwelt kommunizieren. Fußgänger zum Beispiel, die vor ihm die Straße überqueren, werden durch spezielle Animationen informiert, dass sie vom System wahrgenommen wurden.


Kunst trifft Dopheide

„Wir haben die mobilste Zielgruppe der Welt“

Frank Dopheide, Geschäftsführer bei der Verlagsgruppe Handelsblatt, setzt sich gerne mal auf sein Rennrad, um Düsseldorf zu erkunden. Herausgeber Rainer Kunst sitzt auch nicht zum ersten Mal im Sattel. Für VIVID machen sie eine kleine Tour durch Düsseldorf.

unbenannt-09782.jpg

Treffpunkt 7:30 Uhr in der Carlstadt. Kunst und Dopheide kennen sich seit vielen Jahren. Dass beide gerne Rennrad fahren, ist erst bei der Planung für diesen Termin herausgekommen. Gemeinsam cruisen sie durch den Hofgarten, über die Königs­allee und bis zum neuen Sitz der Verlagsgruppe Handelsblatt auf die Toulouser Allee.

Kunst: Wie oft fährst du Rennrad?

Dopheide: Einmal in der Woche. Den Rhein runter und wieder hoch. Wenn ich keine Zeit habe: 25 Kilometer. Wenn ich Zeit habe: 40 Kilometer. Mit dem Fahrrad sehe ich mehr, als wenn ich nur jogge.

Kunst: Wie sieht für dich ein typischer Tag aus?

Dopheide: Ich stehe um halb sieben auf und frühstücke mein Kräuterquarkbrot. Dann schwinge ich mich auf mein Sparta Hollandrad, ein Erbstück meines Vaters, und radle zum Verlag. Dort sitze ich am Empfang und lese erst mal unsere Zeitungen und habe jeden Morgen eine Stunde Zeit, um mit Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Viele Themen sind kein Geschäftsführungsmeeting wert, liegen den Mitarbeitern aber auf dem Herzen. So bekomme ich ein viel besseres Gefühl für unser Unternehmen. Ich spüre, wenn was nicht in Ordnung ist.

Ich habe kein Büro, ich bin da, wo das Thema ist.
unbenannt-09318.jpg

Kunst: Ihr seid umgezogen von der Kasernenstraße in die Toulouser Allee: Wie wichtig war dieser Umzug für die Verlagsgruppe?

Dopheide: Das alte Gebäude hatte mehrere Probleme. Es hatte keine Sichtbarkeit. Niemand wusste, dass das Handelsblatt seit Jahrzehnten in Düsseldorf sitzt. Wir stehen für Innovation – aber das wurde nicht ausgestrahlt. Wir wollen uns öffnen, eine Gemeinschaft zur Verbreitung wirtschaftlichen Sachverstands sein und der Empfang wirkte wie ein Hochsicherheitstrakt. Die Reputation unserer Marken ist groß und das Gebäude hat diese in der Wahrnehmung geschrumpft. Kurz vor Schluss haben wir Kundenbesuchsverbot erteilt.

Kunst: Stand es jemals zur Debatte, aus Düsseldorf wegzugehen?

Dopheide: Unser ehemaliger Herausgeber Gabor Steingart sieht Berlin als Hauptstadt, in der alles passiert. Unser Verleger Dieter von Holtzbrinck findet Frankfurt interessant, die Metropole der Finanzindustrie. Ich liebe Düsseldorf. Die Lebensqualität ist hoch, die Wege sind kurz. Unsere Kernzielgruppe ist der Mittelstand und der ist hier zu Hause. Und mit 1.109 Mitarbeitern umzuziehen, wäre kein leichtes Unterfangen. Düsseldorf hatte viele überzeugende Argumente.

Kunst: Nach welchen Kriterien wurde der neuer Standort gestaltet?

Dopheide: Wir sind alle unter einem Dach – aber haben unterschiedliche Marken. Handelsblatt, Wirtschaftswoche, IQ, Fachmedien, planet c, Euroforum – jede Marke muss ihre eigene Identität bewahren. Andere Segmente müssen dagegen zusammenwachsen, alle für einen – einer für alle. Wir haben Wände eingerissen – auch im Kopf. Wir haben die Kraft der Ressorts Print, digital, social an einem großen Tisch gebündelt. Und wir haben Pepper, unseren Roboter, eingestellt. Sie begrüßt dich jeden Morgen und lacht, wenn du ihr über den Kopf streichelst. Sie dokumentiert: Wir sind zukunftsgewandt. Es ist interessant, wie viele Mitarbeiter morgens mit ihr sprechen.

Kunst: Du verzichtest bei der Handelsblatt Media Group auf ein Büro.

Dopheide: Der Trainer gehört ans Spielfeld und nicht in die Präsidentenlounge. Deshalb habe ich kein Büro – sondern komme dorthin, wo das Thema ist. Den Großteil meines Tages arbeite ich mit Kunden. Eine Mittagspause mache ich meist nicht. Drei Tage die Woche bin ich abends auf Veranstaltungen und erst um 23 Uhr zu Hause. Sonst meist gegen 20 Uhr, um dann noch eine Stunde lang Mails zu beantworten.

Kunst: Wie sieht bei euch agiles 
Arbeiten aus?

Dopheide: Wir haben die Agenda-Freiheit ausgerufen. Arbeite, wo du willst. Das Weltgeschehen findet nicht in Düsseldorf statt – zumindest nicht jeden Tag. Die guten, schlauen Köpfe lassen sich nicht mehr ins Büro sperren. Da unsere Produktion viel mit Schreiben und Denken zu tun hat, geht das natürlich. Trotzdem brauchen die physische Begegnung. Um im direkten Gespräch in den Augen und zwischen den Zeilen zu lesen – das muss bleiben.

Kunst: Du kommst von Grey 
Worldwide. Mit welcher Vision führst du als Werber ein Verlagshaus?

Dopheide: Wir sind ein altehrwürdiges Verlagsunternehmen. Die Wirtschaftswoche gibt es seit 93 Jahren, das Handelsblatt seit 73 Jahren. Ich habe kaum eine innovationsärmere Branche in meinem gesamten Leben gesehen als die Zeitungsbranche. Die erste Tageszeitung kam 1650 in Leipzig auf die Welt. Schwarze Buchstaben auf Weiß, sechs Tage die Woche, handliches Format. Da frage ich mich: Was haben wir 368 Jahre lang gemacht? Höchste Zeit, die Zeitung neu zu erfinden.

Kunst: Wie unterscheiden sich die Entscheidungsfreiheiten bei Network­agenturen von der Verlagsgruppe Handelsblatt?

Dopheide: Große Networkagenturen sind systematische Organisationen. Sie sind nicht flexibel, nicht inspirierend und nicht lernfähig. Das Gegenteil von menschlich. Familiengeführte Unternehmen sind da anders. Es gibt vom Verleger eine klare Richtung: Sorgt dafür, dass es auch in den nächsten 93 Jahren die Wirtschaftswoche gibt. Die Erlöse werden wieder in das Unternehmen investiert. Verbreitet wirtschaftlichen Sachverstand und achtet auf die Demokratie.

unbenannt-09486.jpg

“Der Trainer gehört ans Spielfeld und nicht in die Präsidentenlounge.”

Kunst: Auf welchen Säulen basiert die Verlagsgruppe?

Dopheide: Das Gedruckte bleibt weiter wichtig. Und digital heißt nicht: gedruckt mit anderen Mitteln. Dieselbe Information, digital transportiert, wirkt anders. Digital ist aktivierend, informierend. Das Begreifen braucht schon das gedruckte Wort. Und wenn es wirklich kompliziert wird, brauchst du jemanden, der dich an die Hand nimmt und durch das Thema führt. Mit Konferenzen, Seminaren und Jahrestagungen, die neueste Trends beleuchten. Wir nennen das „Journalismus live“. Auf diesen drei Säulen stehen wir – und das haben wir auch in 
unserem neuen Markenzeichen dokumentiert: Gedruckt, digital und live. Weil es einfache Themen gibt, über die du informiert wirst. Schwierige, die du begreifen musst. Und wenn du ins Handeln kommen willst, brauchst du Journalismus live.

Kunst: Wie wird die Gewichtung in zehn Jahren sein?

Dopheide: Dieses Jahr haben zum ersten Mal die digitalen Erlöse die gedruckten überholt.

Es bricht eine neue Ära an. Die stärkste Dynamik sehen wir im Bereich live. Die Themen werden komplexer und jede Industriebranche muss sich neu erfinden und braucht dafür neue Plattformen. Digital wird deutlich weiterwachsen. Wir haben die mobilste Zielgruppe der Welt, die erreicht man am Schreibtisch kaum mehr. Print wird eine Statusfunktion haben. Wie eine teure Armbanduhr, die sich längst von der Funktion zur Reputation emanzipiert hat. Der Live-Bereich wächst auch, weil Networking zunehmend wichtiger geworden ist. Früher haben wir von der Kanzel herab gepredigt. Das ist vorbei.

Kunst: Wie hat sich Düsseldorf in 
deinen Augen in den letzten Jahren verändert?

Dopheide: Ich bin 1983 zum Studieren hergekommen. Damals hatte Düsseldorf wenig Profil und kaum Attraktivität. Düsseldorf hat unglaublich an Qualität gewonnen mit seiner Kreativität, seiner Professionalität, seiner Kultur und Architektur. Ich finde es sensationell. Die Nähe, die räumliche und menschliche, kommt erst jetzt zum Tragen. Hier herrscht ein energetischer Dreiklang aus Erfolg, Nähe und Kunst. Hier wird Zukunft gestaltet. ●


Name
Frank Dopheide

geboren am
29. Juli 1963

Familienstand
Verheiratet, 3 Kinder

Werdegang
Seit 2014 bei der Handelsblatt Media Group. Frank Dopheide ist Sprecher der Geschäftsführung. Zuvor war er Chairman bei Grey Worldwide. 2011 gründete er die Deutsche Markenarbeit, die sich auf das Thema Manager als Marke konzentriert.


Text: Karolina Landowski

Fotos: Franz Schuier

Die Mobilität von morgen

Jeden Werktag pendeln 300.000 Menschen nach Düsseldorf, um hier zu arbeiten. Gleichzeitig verlassen 100.000 Menschen jeden Tag die Stadt, um zur Arbeit zu fahren. 75 Prozent der Autofahrer sitzen dabei alleine in ihrem Auto. Das soll sich ändern.

Die ideale Stadt der Mobilität 
bedeutet Lebensqualität. Mehr Bewegungsfreiheit für die Bürger, flexible und unkomplizierte Verbindungen durch die Stadt, weniger Lärm, sauberere Luft – und innovative Mobilitätskonzepte, die dann auch gerne genutzt werden. Deshalb müssen gute Ideen her: Wie können wir Carsharing weiterdenken? Wo müssen Transportlücken geschlossen werden, wegen denen Bürger lieber das eigene Auto nehmen? Welche Rolle spielt die Digitalisierung der Stadt? Ließe sich der Nahverkehr nicht besser vernetzen? Wie kann die derzeitige Diskussion um Fahrverbote von Autos oder den kostenlosen öffentlichen Nahverkehr positiv genutzt werden? Um das zu beantworten, braucht es eine Vision.

Daran arbeitet Düsseldorf. „Wir müssen an die Gesamtsituation heran“, sagt Verkehrsdezernentin Cornelia Zuschke. Sie spricht von „der Stadt der kurzen Wege“, multifunktionalen Straßen und barrierefreien und leichten Umstiegsmöglichkeiten von einem Verkehrsmittel auf das andere. Kurzum: mehr flexible Mobilität für die Menschen. Von heute auf morgen ist so etwas nicht umzusetzen.

„Was brauchen die Bürger, um mobil zu sein – das ist die zentrale Frage, die wir uns stellen“, sagt auch Martin Giehl. Er ist Leiter der Abteilung „Technik, Umwelt und Qualitätssicherung“ bei den Stadtwerken Düsseldorf und gehört zu einem Team, das an neuen Mobilitätskonzepten für Düsseldorf arbeitet. Dieses Projekt haben die Stadtwerke Düsseldorf, die Rheinbahn und die Stadt gemeinsam angestoßen. Ziel: ein gesamtheitliches Mobilitätsangebot schaffen, das barrierefrei und digital funktioniert.

Dafür sollen bis zum Jahresende zwei Konzepte der Düsseldorfer Mobilitätsexperten realisiert werden. Teil eins ist die digitale Vernetzung aller Angebote, die innerhalb Düsseldorfs mobil machen: „Wir brauchen dazu eine App, über die sich die Bürger über Mobilitätsangebote informieren, sie auch buchen und auch bezahlen können“, sagt Giehl. „Dabei sollen der Nahverkehr und die verschiedenen Sharing-Produkte, die es heute gibt oder in Zukunft geben wird, miteinander verknüpft werden.“

Wir schaffen eine
Stadt der kurzen Wege

Vom öffentlichen Nahverkehr über Bikesharing und Elektroroller bis zum Carsharing bietet Düsseldorf bereits eine große Palette an Mobilitätsangeboten – und die sollen gebündelt in einer App für Düsseldorf angezeigt und gebucht werden können. Frei von Konkurrenzdenken soll für die Düsseldorfer und für Besucher der Stadt der gesamte Sharing-Markt auf diesem Weg gebündelt werden: „Die Idee ist es, das Angebot farbenfrei und offen zu machen“, sagt Giehl. „Wir rechnen damit, dass weitere Produkte dazu kommen und wir wollen wirklich das komplette Programm für Düsseldorf bieten – dafür muss es für alle Mobilitätsangebote offen sein.“

Ein fertig ausgearbeitetes Konzept für die App liegt bereits vor – nun muss programmiert werden: „Wir wollen bald in die Umsetzung gehen“, sagt Giehl. Wer das übernehmen wird, steht noch nicht fest – in den Reihen von Stadtwerke, Rheinbahn und Stadt sind entsprechende Programmierer eher weniger zu finden. „Ich denke, dass es schon eine Reihe von Produkten am Markt gibt, die man für unser Konzept nutzen könnte“, sagt Giehl. „Es wird wohl eine Kombination aus eigenen Ideen und externer Unterstützung sein.“

Wenn alles gut läuft, wird im Herbst für eine ausgewählte Gruppe eine erste Testversion verfügbar sein. „Wir gehen davon aus, dass wir das Angebot 2019 für die Düsseldorfer starten können“, sagt Giehl.

Mit einer App alleine ist es aber nicht getan. Sharing-Angebote und zugehörige Apps gibt es schließlich bereits zahlreiche in der Stadt – mal mehr, mal weniger gut genutzt. Sie auf einem Marktplatz zusammenzubringen, ist jedoch nur der halbe Weg zur Vision von einem mobilen Düsseldorf. Wo es in Sachen urbane Mobilität heute noch hakt, sind die Anschlüsse zwischen den Mobilitätsangeboten: „Die Umsteigemöglichkeiten müssen optimiert werden“, sagt Giehl. „Wir haben heute einen Verbesserungsbedarf von der ersten Meile auf den öffentlichen Nahverkehr und vom ÖPVN auf die letzte Meile – also die letzten hundert oder tausend Meter bis zur Arbeit oder Zuhause. Und da wollen wir ein flexibles Angebot schaffen“, erklärt er.

Stadt, Rheinbahn und Stadtwerke sehen dafür sogenannte Mobilitätsstationen als Lösung. Dafür soll es konkrete Flächen in der Stadt geben, die als solche gekennzeichnet sind. Diese Mobilitätsstationen liegen nahe bei mindestens einer stark frequentierten Nahverkehrshaltestelle und sollen Haltepunkte für Sharing-Anbieter sein. Dadurch soll das Umsteigen von Bus und Bahn auf E-Roller, Fahrrad oder Auto einfacher und praktischer werden. „Die Mobilitätsstationen muss man sich wie Umschlagplätze vorstellen, durch die ein möglichst effizienter Umstieg von einem Sharing-Produkt auf den ÖPNV oder andersherum geschaffen wird“, beschreibt es Giehl.

Wir müssen das Umsteigen optimieren

Hier liegt das fertige Konzept bereits auf dem Tisch: „Wir wissen, wie diese Stationen aussehen müssen und was sie kosten werden“, sagt Giehl. Auch welche Rheinbahn-Haltestellen sich als hochfrequentierte Umstiegspunkte anbieten würden, ist durch Analysen bereits ermittelt worden. „Nun suchen wir gerade nach geeigneten Flächen“, sagt Giehl. Mögliche Standorte wären laut Verkehrsdezernentin Zuschke zum Beispiel in Bahnhofsnähe, an den Arkaden in Bilk und Am Seestern.

Im ersten Schritt möchten die Initiatoren zum Projektstart im nächsten Jahr zwei bis sechs Stationen bereits aufgebaut haben. „Perspektivisch sollen es natürlich mehr werden – da haben wir, grob gesagt, einen mittleren zweistelligen Bereich als Ziel im Blick“, sagt Giehl. Er ist sich sicher: Die Konzepte, die jetzt erarbeitet werden, seien so realistisch, dass sie zeitnah umgesetzt werden können.

„Über gute Projekte und über Meilensteine können wir einen breiten Weg der Verbesserung entwickeln“, sagt Verkehrsdezernentin Zuschke. Und auch wenn vielleicht nicht alles zur Perfektion gelänge und nicht alle Konzepte so funktionierten, wie geplant: „Die Hauptsache aber ist, wir machen uns auf den Weg.“


DREI MOBILE KONZEPTE FÜR DÜSSELDORF

Smarte Logistik für Pakete

Nicht nur der Pendlerverkehr verstopft die Straßen und verschmutzt die Luft in Düsseldorf. Auch der Lieferverkehr hat erheblichen Anteil daran. Ein Konzept für die Zukunft soll den reduzieren. Mit einer einfachen Idee soll der Düsseldorfer Logistikverkehr reduziert werden. Das Ziel: Paketlieferungen smarter und vor allem effizienter und emissionsärmer machen. Schließlich ist davon auszugehen, dass Paketlieferungen aufgrund des boomenden Online-Handels weiter zunehmen werden. Um die Paketflut effizient abzuwickeln und den Lieferverkehr durch elektrische Fahrzeuge emissionsarm zu gestalten, wurde das Konzept der sogenannten „Microhubs“ entwickelt, eine Art von smarten Umschlagplätzen. Von dort aus sollen Pakete ihrem Zielort entsprechend umverteilt werden. Anschließend sollen sie optimal sortiert zu den Häusern geliefert werden – natürlich in Fahrzeugen mit elektrischen Antrieben. Laut Stadtwerke-Verkehrsexperten Martin Giehl könnte das Konzept zügig realisiert werden: „Im Moment tun sich allerdings die Branchenbeteiligten noch schwer, aber wir hoffen, dass wir auch dort irgendwann einen Durchbruch haben werden, sodass diese Idee umgesetzt werden kann.“

Ein Vorbild gibt es bereits: In der Hamburger City werden bereits heute in einem Projekt des Paketlieferanten UPS und der Stadt Hamburg jeden Tag Pakete auf diese Art ausgeliefert. Von vier vorsortierten Containern aus verteilen E-Autos die Pakete im Viertel. UPS und die Stadt Hamburg bewerten das Projekt bereits als Erfolg.

Sensoren für die 
Parkplatzsuche

Wie kann Verkehr optimiert und der Verkehrsfluss effizienter gestaltet werden? Derzeit werden gerade so genannte Verkehrssensoren konzipiert. Sie sollen an Straßenlaternen und Häuserwänden angebracht werden und so Straßen und Parkplätze scannen können. Mithilfe einer passenden Applikation können Autofahrer so leichter einen Parkplatz finden. Gerade die Suche nach Parkplätzen erhöht noch einmal die Emissionsbelastung in der Stadt enorm – ganz zu schweigen von der Zeitverschwendung und dem Stress für die Autofahrer.

Der e-Roller als sharing-Produkt

Eddy heißt der Elektroroller, den die Stadtwerke Düsseldorf seit August 2017 als Sharingprodukt anbieten. Eddy ist eine Kooperation mit dem Berliner Start-up Emmy, das in der Hauptstadt ein vergleichbares E-Roller-Sharing anbietet. Gemietet wird über eine App. Bezahlt wird nach Minuten- oder Kilometertarif. Parken ist in der erweiterten Düsseldorfer Innenstadt möglich. Mörsenbroich, Eller und Lörick liegen aber jenseits der Eddy-Grenze. Die Stadtwerke sind mit der Auslastung zufrieden: 4000 Kunden würden das Angebot aktiv nutzen. Deshalb planen die Stadtwerke das Geschäft auch weiter auszubauen. Die Flotte von derzeit 100 E-Rollern soll bis zum Jahresende auf 500 vergrößert werden. Perspektivisch sollen es dann noch mehr werden.

www.eddy-sharing.de

Text: Katja Joho