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„Ich habe eine abenteuerliche Vertriebsstruktur“

Die in Düsseldorf-Oberbilk lebende Modedesignerin Marion Strehlow joggt leidenschaftlich gerne, genauso wie VIVID-Herausgeber Rainer Kunst. Im Volksgarten haben sich die beiden zu einer gemeinsamen Laufrunde getroffen.

Kunst: Du bist eine sehr aktive Läuferin, läufst regelmäßig und weite Strecken, oder? 

Strehlow: Ja, ich laufe eigentlich immer zehn Kilometer. Das ist schon seit 20 Jahren der ideale Ausgleich für mich. Ich hatte eine Zeit lang auch einen sehr engagierten Joggingpartner. Wir sind gemeinsam zeitweise sogar jeden Tag gelaufen.

Kunst: Du gehörst in Düsseldorf zu den erfolgreichsten Designerinnen – wie bist du das geworden, was du heute bist?

Strehlow: Eigentlich habe ich einen ganz klassischen Weg eingeschlagen – ohne, dass ich den Plan gehabt hätte, Designerin zu werden. Ich wollte nach dem Abitur erst einmal eine Zeit ins Ausland. Dann fing ein Freund von mir aber eine Schneider-Ausbildung an. Ich habe schon zu Schulzeiten viel meiner Kleidung selbst genäht und er überredete mich, die Ausbildung zusammen zu machen. Er hat dann nach kurzer Zeit abgebrochen und ich habe den Abschluss als Damenschneiderin gemacht. Ich lernte damals aber nur nähen. 

Kunst: Also kein Design.

Strehlow: Ich weiß gar nicht, ob man Design tatsächlich lernen kann oder ob das nicht etwas ist, was aus einem selbst kommt. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass die Grundlagen sehr wichtig sind. Ich wollte die Schnitte beherrschen. Deshalb führte mich mein Weg dann an die Modeschule.  

Kunst: Und während der Zeit dort hast du bereits erfolgreich Mode gemacht und verkauft.

Strehlow: Da war ich noch superjung, habe aber schon sehr gut verkauft. Eine tolle Erfahrung! Ich konnte sehen, dass meine Ideen funktionieren. Und mit dem Abschluss der Modeschule bekam ich einen Fördervertrag. Das war ein Glücksgriff für mich, denn der beinhaltete PR-Betreuung, Messe-Ausstellungen und ich bekam dank des Vertrags auch ein Existenzgründer­darlehen. So wurde ich quasi in die Selbstständigkeit geschubst.

 Kunst: Du bist also in deinem Leben noch nie angestellt gewesen. Fehlt dir das?

Strehlow: Überhaupt nicht! Ich glaube, das ist auch gut so. Denn weil ich nicht weiß, wie angenehm und einfach es wahrscheinlich ist, als Angestellte zu arbeiten, kann ich es nicht vermissen. Ich glaube, nur so konnte ich immer weitermachen.

Düsseldorf hat eine große, wunderbare Käuferschaft.
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Kunst: Bei den großen Modekonzernen kommen mittlerweile gefühlt jeden Monat neue Kollektionen auf den Markt. Das hat mit deiner Welt im Grunde nichts zu tun, oder?

Strehlow: Das ist tatsächlich eine ganz andere Welt und ich glaube, dass sich dieses Konzept auf lange Sicht abnutzen wird. Diese Schnelllebigkeit kann und wird so nicht weitergehen. Hier musst du zwischen Modewirtschaft und Kreativwirtschaft unterscheiden. Viele Düsseldorfer Designer, so wie ich auch, zählen sich ganz klar zu Letzterem. 

Kunst: Wie viele solcher Designer gibt es in der Stadt?

Strehlow: Leider gibt es viel zu wenige Designer in Düsseldorf und ich würde mir wünschen, dass es mehr werden. Mit unserer „Behind the scene“-Tour besuchen wir momentan 5 bis 6 Designer mit eigenem Atelier. Es gibt natürlich noch ein paar mehr, aber nur wenige fertigen ihre Mode komplett selbst. Das ist schade. 

Kunst: Deine Mode ist noch immer tat­sächlich komplett allein dein Werk?

Strehlow: Ich arbeite am allerliebsten allein. Ich habe nur Praktikanten für jeweils drei Monate bei mir im Atelier. 

Social Media sind mein Freund.

Kunst: Unabhängigkeit ist dir wichtig. Wie sieht das beim Verkauf deiner Mode aus?

Strehlow: Meine Vertriebsstruktur ist abenteuerlich. Denn ich verkaufe meine Mode mittlerweile ausschließlich bei mir im Atelier. Social Media sind mein Freund. Ein Beispiel: Zuletzt habe ich bei Instagram Bilder von zwei Mänteln gepostet und prompt drei Nachrichten bekommen. Ich habe dann sofort Termine vereinbart und die Mäntel waren verkauft. Und das ist keine Ausnahme. Das geht so weit, dass ich aktuell fast keine Posts mache, weil ich die Zeit für Verkaufstermine überhaupt nicht habe. 

Kunst: Das heißt, du produzierst, stellst die Kleidung ins Netz und dann kommen die Kunden und
kaufen. Einen Onlineshop hast du aber nicht. Warum?

Strehlow: Das ist eine ganz bewusste Entscheidung. Ich möchte verhindern, dass Menschen wie verrückt bei mir bestellen und dann alles wieder zurückschicken. Diese Mentalität ist nicht mein Ding. Wer etwas kaufen will, muss normalerweise mein Atelier besuchen. Wenn sich mal jemand meldet und ein Kleidungsstück geschickt haben möchte, mache ich das natürlich schon. Denn wer sich die Mühe macht, meine Kontaktdaten rauszusuchen und mich anruft, der möchte das Kleidungsstück wirklich haben. Und das ist mir wichtig.

Kunst: Bedienst du denn auch andere Kanäle als Instagram?

Strehlow: Nein, im Grunde bin ich nur dort aktiv. Eigentlich sehe ich Instagram auch überhaupt nicht als Vertriebskanal – obwohl er das ungeplant geworden ist. Ich poste meine Stücke dort, weil ich einfach stolz auf sie bin und sie zeigen möchte. Natürlich weiß ich um den Effekt, aber im Grunde ist das Vermarkten über Instagram ein Nebenprodukt. Ich verkaufe weiterhin vor allem an Kunden, die im Atelier vorbeikommen. 

Kunst: Düsseldorf ist Modemetropole. Was macht das mit einer Mode­designerin, in einer solchen Stadt zu Hause zu sein? Könntest du dein Geschäft auch in Köln, Essen oder München haben oder hat die Stadt eine besondere Bedeutung für dich?

Strehlow: Mir geht es hier in Düsseldorf extrem gut und ich bin mir sicher, dass es in einer anderen Stadt nicht so wäre. Düsseldorf hat eine große, wunderbare Käuferschaft. Ich weiß von Designern aus Berlin, die mit ähnlicher Originalität und basierend auf bestimmten Werten ihre Kleidung entwerfen, dass sie häufig nur die Hälfte ihrer Kollektionen verkauft bekommen. Da weiß ich ehrlich gesagt nicht, wie sie davon leben.Ich bekomme Anerkennung dafür, dass meine Mode hier entworfen und hier geschneidert wird. Das ist den Menschen echt etwas wert und das scheint in anderen Städten oft anders zu sein.

Kunst: Aber du hast auch schon durchklingen lassen, dass auch hier nicht alles rosig ist. Was müsste sich deiner Meinung nach am Modestandort Düsseldorf noch verbessern?

Strehlow: Der Nachwuchs muss viel stärker gefördert werden. Das wird derzeit in der Stadt fast gar nicht mehr gemacht. Das Land fördert derzeit Nachwuchsdesigner aus NRW, aber das reicht nicht aus. Um den Designer-Nachwuchs ernsthaft zu unterstützen, muss vor allem die Selbstständigkeit gefördert werden. Es herrscht eine gewisse Angst vor diesem Schritt. Designer haben aber gerade eine richtig gute Chance, selber an den Kunden heran­zukommen. Da ist die Selbstständigkeit ideal. Aber es braucht Unterstützung,
damit Nachwuchsdesigner sich das
trauen. •

Name
Marion Strehlow

Geboren am
08.08.1971

Familienstand
Verheiratet

Werdegang
Nach ihrer Ausbildung zur Damen-schneiderin absolvierte sie die Modeschule Düsseldorf als staatlich geprüfte Modedesignerin. 

Marion Strehlow designt unter ihrem Namen Strehlow Kleidung und Accessoires aus hochwertigen Materialien.


Text: Katja Joho

Fotos: Franz Schuier

WHY Düsseldorf


THOMAS RATH

Erfolgreicher deutscher Modeunternehmer, Fashiondesigner und Europäischer Design Botschafter:  Der Düsseldorf-Liebhaber Thomas Rath wohnt und lebt seit Jahren in der Metropole am Rhein und verwirklicht hier sein Motto „Live classy with a twist“ beruflich wie privat. Mit regelmäßigen Fashion Shows zu den Ordertagen fördert er aktiv den Modestandort Düsseldorf und macht Fashion erlebbar. Seit 2010 entwirft er die Thomas Rath Semi Couture Kollektion und zeigt hier seine herausragende Liebe zum Detail, geht gleichzeitig mit seiner THOM-Kollektion für QVC modernere Wege und überzeugte hier erst kürzlich mit einer neuen Männerlinie.

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Warum Düsseldorf?
Düsseldorf ist eine unglaublich schöne Stadt mit vielen traumhaften Plätzen. Ich wohne und lebe hier sehr gerne.  Von vielfältiger Gastronomie über ausgefallene Stores und großartige Hotels gibt es hier alles, was das Herz begehrt. Für mich als Unternehmer bietet der Modestandort optimale Möglichkeiten, mein Business zu gestalten, denn hier wird Mode gemacht und gelebt. Lebensqualität und Unternehmertum - Düsseldorf ist der perfekte Mix aus beidem.

Mein Lieblingssport zum Entspannen?
Entspannung ist für mich tatsächlich das Training im Fitnessstudio. Dabei kann ich richtig abschalten und mich auspowern und danach bin ich sehr entspannt und froh, etwas getan zu haben. Für mich der perfekte Start in einen produktiven Tag.

Mein Lieblingsort zum Essen?
Zum Dinner gehe ich am liebsten in die Brasserie 1806 im Breidenbacher Hof. Entspanntes Ambiente, stilvolles Interieur, fantastische Küche und ein herrlicher Ausblick auf die Düsseldorfer Altstadt – für mich der perfekte Ort zum Schlemmen und Entspannen. Die Hummercremesuppe mit gerösteten Macadamianüssen und Piment d’Espelette ist absolut fantastisch.  Hier gibt es außerdem das leckerste Beef Tartar in einer klassischen Kreation, dass ich je in meinem Leben gegessen habe.

Mein Lieblingsort für Kultur?
Ich bin kulturell sehr vielseitig interessiert, ob Kunst in der Kunstsammlung oder Konzerte aller Art in der Tonhalle. Gerne besuche ich Ausstellungen, die einen Bezug zu Mode haben oder schaue mir Kunst an, die den Zeitgeist einer bestimmten Epoche widerspiegelt. Das inspiriert mich sehr für meine eigenen Entwürfe.

Mein Lieblingsort zum Netzwerken?
Die besten Gespräche entstehen meiner Meinung nach ganz ungezwungen und spontan. Am liebsten netzwerke ich in einer Bar, wie dem Paris Club im 25 hours Hotel. Da kommen mir bei einem leckeren Cocktail in entspannter Atmosphäre und mit atemberaubendem Blick über Düsseldorf die ganz ungewöhnlichen Ideen. Hier treffen sich Leute das allen Branchen, das macht den Austausch umso spannender.

Mein absoluter Insidertipp?
Ich gehe gerne in das Restaurant Meuser in Niederkassel, das ist ein unscheinbares, altes Bierhaus, das etwas versteckt liegt. Dort gibt es bodenständige, aber unschlagbar gute Hausmannskost und die allerbesten Pfannkuchen. Sie sind die Spezialität des Hauses und werden entweder süß mit Konfitüre und Zucker oder herzhaft mit Gewürzgurken serviert.


Im Youtube-Kanal „Business in Düsseldorf“ stellt die Düsseldorfer Wirtschaftsförderung regelmäßig Manager, Start-ups und Unternehmen vor.

Wir bespielen alle Facetten der Mode

Evelyn Hammerström und ihr Geschäftspartner Reinhard Haase bauten in den letzten 20 Jahren mit den JADES Stores und der Fashion-Agentur UNIFA ein Mode Imperium auf, dass weltweit bekannt ist. VIVID hat das Duo in ihren Düsseldorfer Geschäftsräumen in der Plange Mühle zum Interview getroffen.

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Made in USA war der Schlüssel unseres Erfolgs.

Die Showrooms der UNIFA GmbH sind weitläufig. Wir fragen uns bei den sehr hilfsbereiten Mitarbeitern durch und werden schließlich herzlich von Kappa empfangen. Der japanische Akita Hund führt uns zu seinem Besitzer, Reinhard Haase.Gemeinsam treffen wir uns mit Eveyln Hammerström zum Interview in einem der Showrooms. Die beiden sind ein eingespieltes Team, man merkt sofort, dass sie seit 20 Jahren zusammenarbeiten. „Bei uns war das immer schon eine perfekte Mischung. Ich hatte immer ein Gespür für Trends, Reinhard für Zahlen“, erzählt Hammerström. Vorher schon in der Modebranche aktiv, legten sie 1999 gemeinsam den Grundstein für heute circa 125 Mitarbeiter. Das kleine Ladenlokal an der Ecke der Heinrich-Heine-Allee hatte es ihnen angetan und wurde die erste JADES Dependance. 2000 gründen Haase und Hammerström die UNIFA GmbH, ihr Fokus liegt damals auf US Brands. 2002 landen sie mit dem amerikanischen Denim Label 7 for all Mankind einen großen Coup.

Wir haben die Marke nach Deutschland geholt, was soll ich sagen, sie schlug ein wie eine Bombe, alle wollten diese Jeans. Made in USA wurde damit für einige Zeit unser Schlüssel zum Erfolg. Das Zusammenspiel zwischen UNIFA und JADES war ein weiterer Erfolg. Wir konnten mit JADES als Einzelhändler auftreten und auf der anderen Seite mit Unifa die Marke europaweit vertreiben. Das hat dazu geführt, dass wir in den USA den Markt aufgerollt haben. Viele amerikanische Marken wünschten sich, dass wir ihre Distribution hier im Markt übernehmen. Wir haben viele Brands angeboten bekommen, hatten Victoria Beckham und Justin Timberlake mit ihren Kollektionen bei uns“, erinnert sich Haase. Die Agentur vertreibt in ihren Showrooms zahlreiche us-amerikanische und europäische Premium-Brands wie Kendall & Kylie oder Rag & Bone. Hammerström ordert pro Saison circa 300 verschiedene Label für JADES. Aus dem Eckladen an der Heinrich-Heine sind inzwischen mehrere Geschäfte, mit unterschiedlichen Schwerpunkten, geworden. 2007 starteten sie mit dem Online-Shop JADES 24. Ihre eigene Marke, JADICTED, wurde 2014 gelauncht. Außerdem hat die UNIFA Gruppe vor einem Jahr True Religion Deutschland übernommen. Das Unternehmen ist damit alleiniger Eigentümer des Premium-Denim Labels True Religion in DACH sowie den Beneluxländern.Vorher hielt die UNIFA lediglich 40 Prozent der Anteile. Die Mehrheit von 60 Prozent lag bislang im Besitz der US-Mutter True Religion Apparel Inc. Jetzt wird aus Düsseldorf designt, in der Türkei produziert und nach Europa und Amerika erkauft. „Wir sind vielseitiger als andere, das zahlt sich irgendwann aus“, erklärt Haase. „Wir sind Einzelhändler, wir sind Großhändler, wir sind eine Modeagentur und wir haben ein E-Commerce Business. Wir bespielen alle Facetten der Mode.“

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Den Facettenreichtum setzt Hammerström auch bei ihren Mitarbeitern um. Sie ist beruflich oft in den USA und schätzt die Offenheit und Freundlichkeit der Amerikaner. Das vermisst sie im deutschen Einzelhandel und sucht ihre Mitarbeiter, auch Style-Adviser genannt, ganz genau aus. „Viele Menschen möchten nicht im Department-Store einkaufen und suchen nach einer ganz besonderen Stimmung, wenn sie hochwertig shoppen gehen. Diese Stimmung existiert bei uns, wir haben unser Personal danach ausgerichtet. Wir haben hier keine normalen Verkäufer. Unsere Mitarbeiter sind internationale Charakterköpfe, die dem Kunden in Erinnerung bleiben“, beschreibt die Unternehmerin. Aber auch Hammerström und Haase müssen auf die stetigen Veränderungen im Markt reagieren. Durch die Digitalisierung und die dadurch resultierende Globalisierung ist das Geschäft mit der Mode nicht unbedingt einfacher geworden.  Auch wenn sie selber im Online-Handel aktiv sind: „E-Commerce hat auch sehr viel kaputt gemacht. Dadurch ist die Kundenstruktur für einen Agenten oder Distributor erheblich geschrumpft. Es gibt immer weniger kleine Läden, dadurch ist die Hälfte der Kunden weg. Vielen Kunden sind überinformiert und werden übersättigt“, erklärt Haase. 

Ich liebe diesen Job, Mode macht Spass, das ist meine Leidenschaft und das wird auch nicht weniger.

Trotz Digitalisierung und dem natürlichen Wandel in Unternehmensmodellen, existiert eine Konstante, die sich laut der beiden Fashionexperten auch nicht so schnell ändern wird: „Düsseldorf ist Modestandort Nummer eins in Deutschland. In Berlin gibt es Messen, Partys und Shows, aber hier wird gearbeitet und das Geld verdient. Die wahre Fashionweek ist hier, wenn geordert wird“, sagt Hammerström. „Berlin hat es versucht, München hat es versucht, mit der Bread & Butter und anderen Messen. Die sind auch toll, aber unsere Showrooms sind ganzjährig geöffnet, wir brauchen dort nicht hin. Ich bin sogar der Meinung, dass der Modestandort Düsseldorf durch seine jahrelange Beständigkeit noch wichtiger geworden ist“, ergänzt Haase. 

Die beiden leben und lieben ihre Arbeit. Hammerström ist 63 Jahre alt, Haase 67 Jahre. Ihre Tochter lebt schon lange in London und arbeitet als Fotografin, Haases Söhne sind in der Medizin zu Hause, keines ihrer Kinder wird das Mode-Imperium übernehmen. Klar haben sie schon über Ausstiegsmöglichkeiten nachgedacht, aber in den nächsten fünf Jahren ist das nicht geplant. Haben sie nicht sowieso schon alles erreicht und könnten sich zur Ruhe setzen? „Nein, mit dieser Einstellung wären wir nicht so weit gekommen.  Mein Mann sagt immer: ,Evelyn, betrachte jeden Tag als neuen Anfang. Du musst immer am Ball bleiben´“, resümiert Hammerström. •

 

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IN ZAHLEN

2000:
UNIFA Gründung
Showrooms:
Düsseldorf
München
Salzburg

2000:
JADES Gründung
Läden:
JADES und moreJADES

2007:
Online-Shop:
www.jades24.com


Autor: Britt Wandhöfer

Fotos: Marina Weigl

Modemacht? Mode macht...

Gebündelte Mode-Expertise: Mit Fashion Net haben sich Vertreter der Branche,
die Messeveranstalter Igedo und The Supreme Group sowie die Stadt Düsseldorf zusammengeschlossen. Über die Ziele des Vereins und die Zukunft der Mode
spricht Angelika Firnrohr, Geschäftsführerin von Fashion Net. 

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In diesem Jahr feiern Sie zehn Jahre Fashion Net. Herzlichen Glückwunsch! Ihr Verein setzt sich für die Förderung des Modestandortes Düsseldorf ein. Was heißt das konkret? Mit Fashion Net möchten wir Düsseldorf für die Modebranche attraktiv machen und Entscheider miteinander vernetzen. Dazu sind wir auf mehreren Feldern aktiv. Modeeinkäufer aus aller Welt können sich etwa über unsere Website und die App über Showrooms und Marken erkundigen, die in der Stadt vertreten sind. Sie können ihre persönliche Order-Route planen oder an den Messetagen einen kostenlosen Shuttle-Service buchen. Auch über Store-Eröffnungen und Modenschauen informieren wir. Unseren aktuell 64 Mitgliedern bieten wir mit Fashion Net Bite eine eigene Veranstaltungsreihe an, die besondere Einblicke in die Branche gibt. Der Modebusiness Award gehört ebenfalls dazu. Der Preis wird jährlich an Persönlichkeiten der Branche vom Oberbürgermeister Thomas Geisel verliehen. Beliebt ist auch unser Branchentreff zur CPD. Zu der Abendveranstaltung laden wir gemeinsam mit Gastgebern aus der Branche gegen Ende der Messetage Einkäufer, Showroom-Betreiber, Markeninhaber und andere Branchenvertreter ein. All das sind für die Teilnehmer gute Gelegenheiten, um Kontakte zu knüpfen und um neue Trends und Vertriebskanäle kennenzulernen.

Kann man immer noch von der „Modemetropole Düsseldorf“
sprechen?
Auf jeden Fall. Das zeigen natürlich die renommierten Messe- und Ordertage wie die CPD – aber auch zum Beispiel die Situation in der Innenstadt, in der man als Kunde so viele unterschiedliche Konzepte vorfindet. Die Königsallee ist noch immer die Vorzeigestraße im Luxussegment. Hinzu kommen die Altstadt mit ihren besonderen Concept-Stores und die Schadowstraße mit ihrem Angebot für eine breite Konsumgruppe. Eine solche Vielfalt finden Sie in Deutschland nur in wenigen Städten. Und wenn man Studien aus dem Immobilienbereich heranzieht, sieht man ebenfalls, dass Düsseldorf neben München die beliebteste Stadt auch bei internationalen Marken ist. Alle wichtigen Labels sind hier vertreten.

Wie hat sich Düsseldorf als Modestadt im Laufe der letzten Jahre entwickelt?
Die Stadt hat sich dem weltweiten Trend entsprechend verändert. Da kommen viele Faktoren zusammen: Viele privat geführte Einzelhändler – ob auf der Kö oder anderswo – haben den großen Marken-Stores Platz gemacht. Denn die können die steigenden Mieten überhaupt stemmen und rechnen die Ausgaben dafür zum Teil in ihr Marketingbudget mit ein. Hinzu kommt, dass bei einigen Einzelhändlern die
Nachfolgegeneration fehlt. Da wird die eigene Immobilie dann vermietet. Kleine Städte sterben dadurch aus. Aber auch Düsseldorf ist davon zum Teil betroffen. 

Der Online-Handel hat sicher ebenfalls starke Auswirkungen, oder?
Selbstverständlich. Noch nie zuvor konnte der Verbraucher auf so vielen Kanälen Produkte sehen und kaufen. Preisvergleiche sind somit einfacher und auch die Rabattschlachten nehmen zu – online, aber auch stationär. Vertikale Konzepte sind hier ganz klar die Gewinner.

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Wie schätzen Sie Mode als Wirtschaftsfaktor für Düsseldorf ein?
Düsseldorf ist Mode. Viele Touristen, die hierherkommen, denken als erstes an die Kö. Warum? Weil sie für Shopping steht. Auch die Modeschulen (s. Seite 24) machen Düsseldorf attraktiv. Hinzu kommt die Bedeutung für die Händler und die Marken: Keine deutsche Stadt bietet dem Modebusiness eine so große Orderplattform. Messen dienen ja zunächst der Information und sind auf ein paar Tage im Jahr beschränkt – geordert wird aber viel häufiger. Die großen Marken haben mindestens vier Order-Phasen pro Jahr. Kunden aus Österreich und Deutschland zum Beispiel verweilen insgesamt bis zu 60 Tage zur Order in Düsseldorf. Russische Kunden, ein weiteres wichtiges Standbein für die Düsseldorfer Showrooms, bleiben zu jeder CPD bis zu drei Wochen lang in der Stadt. Das alles wirkt sich positiv aus – auch auf Hotels, Caterer, Taxis oder Restaurants. 

Inwiefern beobachten Sie andere Modestädte, zum Beispiel Berlin mit seiner Fashion Week? Vergleicht sich Düsseldorf damit? 
Mit Berlin vergleichen wir uns nicht mehr. Vor zehn Jahren war das noch ein Hype. Da galt Berlin als die zukünftige Mode Hauptstadt mit den großen Schauen, den Prominenten und einem großen
Medienrummel. Das hat sich verändert, die Besucherzahlen gehen zurück. Denn auch die Berliner Messen leiden unter der Schließung der Einzelhandelsgeschäfte. Die Einkäufermannschaften sind deutlich reduziert. Heute berichten uns Messeaussteller, dass viele Einkäufer die Berliner Messen für eine erste Trendinfo ablaufen und dann sagen: „Wir sehen uns in Düsseldorf, da haben wir mehr Zeit und Ruhe.“

Ein Blick in die Zukunft! Wohin wird sich die Modebranche in den nächsten zehn Jahren entwickeln? 
Die Modebranche wird sich rasant verändern. Heute bestimmen oft Blogger und Follower, was Trend ist. Das muss in kurzer Zeit umgesetzt werden. Da ist Schnelligkeit gefragt. In der Produktentwicklung und in den Lieferketten. Die Digitalisierung in den unterschiedlichen Bereichen zu nutzen – das ist für viele Unternehmen eine immense Aufgabe. Einige werden sicher daran scheitern. Die veränderte Klimasituation spielt ebenfalls eine Rolle: Die Themen Nachhaltigkeit und Recycling werden immer wichtiger. Zumindest in Teilen der Bevölkerung wird der bewusstere Konsum zunehmen. Auch darauf muss die Branche reagieren. Mit Qualität und einer überzeugenden Markenidentität.  •

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Angelika Firnrohr
Jahrzehntelang war sie fürs Marketing der Marken Gerry Weber und Esprit in führender Position tätig. Beim Modehersteller Ahlers hatte sie für Marken wie Pierre Cardin, Baldessarini und Otto Kern Retail-Verantwortung. Seit 2016 ist sie Geschäftsführerin von Fashion Net.


Interview: Elena Winter

Fashion Force

Oft wird Düsseldorf gerade für eine seiner umsatzstärksten Branche belächelt.
Dabei wird jeder zehnte Euro des gesamtdeutschen Modeumsatzes in Düsseldorf gemacht.

In Berlin feiert 
man, in Düsseldorf werden die Geschäfte gemacht.

Auf der Kö laufen doch nur gelangweilte Ehefrauen und reiche Russen rum.“ „Berlin hat eine Fashion Week. In Düsseldorf passiert modetechnisch schon lange nichts mehr Neues.“ Das sind Aussagen, die man auf diversen Veranstaltungen gerne mal hört. Den Fakten entspricht das nicht. Vielleicht ist es eine Mischung aus Unwissenheit, Neid und Vorurteilen. Eine Branchen-Insiderin hat es auf den Punkt gebracht: „In Berlin feiert man, in Düsseldorf werden die Geschäfte gemacht.“

Das Alleinstellungsmerkmal und die daraus resultierende Kompetenz ist die Vielfalt, gepaart mit wirtschaftlicher Stärke.  11,7 Millionen Einwohner und potenzielle Kunden wohnen im Umkreis von einer Autostunde. Das überdurchschnittlichen pro Kopf Einkommen, ist nach Hamburg und München, das höchste in Deutschland, was die Umsatzzahlen positiv beeinflusst.

Die Moderiesen Peek & Cloppenburg, 
C & A, und Esprit haben in Düsseldorf ihren Hauptsitz, eine Adresse auf der Kö ist für internationale Luxuslabel wie eine Premium-Anzeige in der Vogue. Die Allee der Könige zählt übrigens fast 5000 flanierende Passanten pro Stunde und ist somit die meist frequentierte Luxusmeile Deutschlands ist.

Nicht nur die Zahlen sprechen für sich, auch Branchen-Insider und Fashion Unternehmer haben im Gespräch mit VIVID betont, dass Düsseldorf nach wie vor, der wichtigste Modestandort der Republik ist. •

Im Youtube-Kanal „Business in Düsseldorf“ stellt die Düsseldorfer Wirtschaftsförderung regelmäßig Manager, Start-ups und Unternehmen vor: bit.ly/whyduesseldorf.


Daten und Fakten

  • Modewirtschaft: Jeder zehnte Euro 
des gesamtdeutschen 
Modeumsatzes

  • 18
 Milliarden Euro 
Umsatz in der 
Modewirtschaft

  • 7,6% 
der Düsseldorfer 
Wirtschaft
 (Deutschland 3 %)

  • 3.056 Modewirtschafts-
unternehmen

  • 11,4% 
der deutschen
Großhandelsumsätze

  • Wichtiger 
Showroom-Standort 
mit 800 
permanenten 
Showrooms

  • als meistbesuchte 
Luxusmeile Deutschlands: 
4.775 
Passanten/St.


Autor: Britt Wandhöfer