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Vier mal Yummy aus Düsseldorf

Neue Ideen und Konzepte. VIVID stellt vier Genuss-Unternehmen vor.

JUST SPICES
GUT GEWÜRZT

Ole Strohschnieder ist Vegetarier, Florian Falk hasst Scharfes und Bela Seebach isst alles. Über die Liebe zum Kochen kam das Trio auf die Idee, die Online-Gewürzmanufaktur „Just
Spices“ für Hobbyköche und Kochprofis zu gründen. Inzwischen sind 120 Reingewürze und 140 Gewürzmischungen aus aller Welt mit entsprechenden Rezepten zum Nachkochen auf dem Markt: Von Cajun-Mix aus Louisiana über feurig-scharfe indische Curry­gemische bis zur Geheimrezeptur der „Pasta Lucia“. Jedes Produkt wird in originelle aromadichte Pappdosen verpackt, die mit ihrem ausgefallenen Design auch Farbe in die Küche bringen.

ww.justspices.de

MIO OLIO
KLEINE PORTION

Taner Gecer und Gino Luigi Stella essen gern Pikant-Scharfes mit würzigem Knoblauch. Bei einem Fertigpizza-Essen fehlte ihnen mal wieder das gewisse Etwas aus frisch eingelegtem Knoblauch- und Chiliöl. „Wieso gibt es kein Öl, portioniert für eine TK-Pizza, damit die Pizza so wie im Restaurant schmeckt?“, fragten sie sich, und die Idee war geboren: 2017 gründeten
Stella (41) und Gecer (39) das Mio Olio, wurden zu Ölprodu­zenten und verkaufen ihre Produkt-Neuheit jeweils in zehn Portionsbeuteln à 7,5 Milliliter für 1,99 Euro.

www.MIO-OLIO.de


LAKRIDS
SÜSSHOLZ RASPELN

Als Süßigkeit aus der bunten Tüte sind sie bekannt. Aber als Premiumprodukt für Gourmets? Aus dem Wurzelextrakt des echten Süßholzes wurde Lakrids by Johan Bülow geformt und gezeigt, dass Lakritze nicht schwarz und zur Schnecke aufgerollt sein muss. Inzwischen lassen sich Liebhaber von Dubai bis Detmold diese Nascherei zum Premiumpreis auf der Zunge zergehen. Es gibt sie in Geschmacksrichtungen wie Habanero Chili oder Ingwer oder sie heißen Orange Love oder sie werden in einen Schokomantel gewickelt, in Rosenwasser getaucht und mit Goldpuder bestäubt.

www.lakrids.de

SOUL SODA
IM VINTAGE-LOOK

Soul Soda prickelt zwar, aber ist anders als übliche taurinhaltige Energydrinks, Cola-Varianten, Fassbrausen oder Bitter- und Lemongetränke. „Soul Soda besteht aus natürlichen Zutaten und zehn Prozent Fruchtgehalt“, sagt Albert Isakson. In seiner Limonaden-Manufaktur werden Ginger Cola und Apple-Almond-Sprizz, Veilchenblüten, Minze, Feige und Kokos mit Koffein als Muntermacher oder Erfrischer für zwischendurch oder als Zutat für Longdrinks und Cocktail-Kreationen in 0,25-Liter-Glasfläschchen mit Vintage-Look und Pin-up-Girl als Logo abgefüllt.

www.soul-soda.com


Autor: Dagmar Haas-Pilwat

Es gibt immer eine Lösung

Gemeinsam mit deutschen Unternehmern und Entscheidern reiste VIVID nach 
Tel Aviv. Fünf Tage, vollgepackt mit Start-up-Besuchen, Networking-Events, Meet-up-Terminen, der DLD-Innovations-Konferenz, einem Besuch in Jerusalem und einer Podiumsdiskussion mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

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Welcome to Israel“, begrüßt ein Schild am Ben Gurion Airport in Tel Aviv. Auf einer Fläche so groß wie Hessen leben circa 8,5 Millionen Einwohner, es gibt 6.500 Start-ups, das gibt es sonst nirgendwo. Tel Aviv ist das High-Tech-Zentrum des Staates, aber auch die 3000 v. Chr. gegründete Hauptstadt Jerusalem ist gerade im Bereich Biotechnologie ein absoluter Hotspot. Ungefähr 850.000 Einwohner zählt die „heilige“ Stadt, über 600 Start-ups aus den Bereichen Pharma, Biotech und Medizin sind dort ansässig. Mit einer von der Düsseldorfer IHK organisierten Delegation reisen wir nach Tel Aviv und werden direkt zu Beginn, von der lokal ansässigen Deutsch-Israelischen Außenhandelskammer herzlich in Empfang genommen. Außerdem bekommen wir eine Einführung in das israelische Mindset, das spielt eine große Rolle im Gründerparadies. Schon im Kindergarten bekommt jeder Israeli beigebracht, dass es immer einen Weg gibt, dass Scheitern okay ist und dass ,Kann ich nicht‘ keine Ausrede ist“, erzählt uns Grisha Alroi-Arloser, Geschäftsführer der Außenhandelskammer.

Auf unserer Reise fragen wir uns immer wieder: Warum brennt der Gründergeist hier so unglaublich? Was läuft hier anders? Antworten bekommen wir überall, manchmal offensiv, manchmal versteckt. Aber irgendwie fügt sich am Ende alles zusammen. Vielleicht liegt es daran, dass der Staat Israel ja quasi auch ein Start-up ist. Vor 70 Jahren gründete Ben Gurion Israel, jeder dritte Einwohner Tel Avivs ist zwischen 18 und 35 Jahre alt. Förmliche Kleidung sieht man selten, genauso wenig wird man gesiezt, sehr angenehm. Es gibt keine Bodenschätze, die Zeiten der berühmten Jaffa-Orangen sind längst vorbei und ein Handel mit den Nachbarstaaten ist nahezu ausgeschlossen. Das wichtigste Kapital des Landes sind also seine klugen Bewohner. Während man in Deutschland direkt nach dem Abitur mit dem Studium beginnt und von einer sicheren Anstellung träumt, geht man in Israel mit 18 Jahren erst mal zum Militär, Männer drei Jahre und Frauen zwei Jahre. Top ausgebildet gründen viele von ihnen Tech-Start-ups mit dem Ziel eines Exits. Israel und seine Nachbarstaaten pflegen keine freundschaftlichen Beziehungen, deshalb sind die besten Leute des Landes beim Militär zu finden. Permanent werden neue Technologien entwickelt, um sich zu verteidigen und Gefahren frühzeitig zu erkennen. Die Hierarchien sind flach, man arbeitet im Team. Man könnte das Militär auch als Start-up-Universität bezeichnen. Dort ist man nicht nur Soldat, sondern bekommt seine erste Lektion als Manager. In Israel lebt es sich aufgrund der politischen Lage gefährlicher als hierzulande, auch deshalb ist die Risikobereitschaft wahrscheinlich etwas größer, die Sorge, ein Start-up gegen die Wand zu fahren, kleiner.

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Durchs Militär perfekt vorbereitet, beginnt der junge Israeli zu gründen und alleine das läuft aufgrund der Marktgegebenheiten völlig anders als in Deutschland. Auf unserer Reise besuchen wir unter anderem das Start-up Zeek. Auf dieser Plattform kann man Gutscheine, die man geschenkt bekommen hat, wieder verkaufen oder zu einem vergünstigten Preis erwerben. Während seiner Präsentation erläutert uns CEO Daniel Zelkind Folgendes: „Israel bietet nicht wirklich einen Markt für Start-ups, unsere Nachbarländer auch nicht, deshalb denken wir von Anfang an international. Wir entwickeln eine Lösung nicht für uns, sondern für alle. Wir sind in Großbritannien sehr erfolgreich und eröffnen demnächst auch ein Office in Deutschland.“ Mobil­eye ist ein perfektes Beispiel für ein Start-up aus dem Hightechbereich für autonome Fahrtechnologien. Das Jerusalemer Unternehmen, das seinen Deutschlandsitz übrigens in Düsseldorf hat, wurde in diesem Jahr für 15 Milliarden Euro vom Chip-Produzenten Intel gekauft.

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Global denken, etwas entwickeln, was die Welt besser macht. Nicht umsonst investiert der Staat jährlich 4,3 Prozent der Wirtschaftsleistung in Forschung und Entwicklung neuer Technologien. Kein Land gibt dafür so viel aus, Deutschland investiert circa 3 Prozent. Es scheint zu funktionieren, denn immer mehr internationale Konzerne eröffnen Büros in Israel. Über 320 Unternehmen haben sich dort niedergelassen, BASF, Bosch, Siemens und Daimler sind nur einige der großen Namen. Das Ziel des israelischen Gründers ist der erfolgreiche Exit. Dafür arbeitet er hart und schnell. „The fastest way to the second-best solution“ ist so ein Satz, den man hier öfter hört. Scheitern gehört genauso wie erfolgreich gründen zum Unternehmertum. Gescheitert ist das Gutscheinunternehmen Zeek auf jeden Fall nicht. Es eröffnet sein erstes Deutschland-Office bald in Düsseldorf und hat sich ganz bewusst für die Landeshauptstadt entschieden. „Ich habe mir vor Ort selbst ein Bild gemacht und finde Düsseldorf toll. Die Direktverbindung Düsseldorf–Tel Aviv ist ein echter Benefit. Kurze Wege inmitten der Stadt und zum Flughafen und eine gute Infrastruktur sind genauso gegeben wie eine sichere Umgebung, ein angenehmes Klima und eine Internationalität sowohl bei Konzernen wie auch in der Bevölkerung. Das hat mich überzeugt“, erläutert Gründer Daniel Zelkind seine Standortentscheidung.

Auf unseren Kaffeebechern im Hotel konnten wir jeden Morgen ein Zitat des Staatsgründers Ben Gurion lesen.

„Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“ Vielleicht beschreibt es die Mentalität, die wir auf unserer Reise erleben durften, ganz gut und gilt als Inspirationsquelle, um das eigene Mindset stetig zu überdenken und zu erweitern. ●


Autor: Britt Wandhöfer

Kredite ohne Bank

Vor elf Jahren ging auxmoney in Hilden an den Start – mittlerweile ist das damalige Start-up längst keines mehr, sondern hat sich zu einem erfolgreichen Unternehmen gewandelt, das in Düsseldorf mehr als 235 Mitarbeiter beschäftigt. Auch nach elf Jahren haben die Gründer noch viel vor.

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Eine Milliarde Euro“ steht an der Wand in dem Saal. Davor fliegen Konfetti und Luftschlangen. Es herrscht Partystimmung bei Auxmoney und das lässt das Düsseldorfer Unternehmen die Welt wissen: „We did it!“, lautet die Bildunterschrift bei Instagram.

Auf ihrer Plattform vermittelte Kredite im Wert von einer Milliarde Euro seit der Gründung des Unternehmens 2007 – das feiert auxmoney Anfang August 2018. In den vergangenen Monaten hat sich das Wachstum stark beschleunigt. Allein im ersten Halbjahr 2018 waren es rund 33.000 neue Kredite mit einem Volumen von 255 Millionen Euro. Bis Ende 2019 hat CEO Raffael Johnen die nächste Milliarde im Visier. Es läuft.

Wir wollten eine Lösung finden, an Geld zu kommen – ohne eine Bank, nur mithilfe von Technologie

Elf Jahre ist es her, dass Raffael Johnen, Philipp Kriependorf und Philip Kamp Auxmoney gründeten. „Philip Kamp, den ich schon seit der Grundschule kenne, ist damals zur Bank gegangen, weil er einen Kredit benötigte“, erzählt Philipp Kriependorf. Trotz drei Jahren Erfahrung im Unternehmertum sei es für ihn als Selbstständigen schwer gewesen, einen Kredit zu bekommen. „Wir haben beschlossen: Das muss anders gehen. Wir wollten eine Lösung finden, an Geld zu kommen – ohne eine Bank, nur mithilfe von Technologie“, so Kriependorf. Die Idee eines digitalen Marktplatzes, auf dem Kreditnehmer und Anleger zusammenkommen, war geschaffen, auch wenn das Ziel, es ohne Bank zu schaffen, nicht ganz klappt. Seit Beginn kooperiert Auxmoney mit der SWK Bank, die die Kreditabwicklung zwischen dem Kreditsuchenden und den Anlegern übernimmt.

Die erste Webseite entsteht innerhalb von einer Woche. „Den ersten Kredit hat Philip selbst aufgenommen, weil er kaum glauben konnte, dass es tatsächlich funktioniert“, sagt Kriependorf. Doch ganz so einfach war der Start nicht: „Zu Beginn haben wir viele Kreditanfragen von Menschen erhalten, die dringend Geld benötigten. Da lernt man sehr schnell sehr viel darüber, wie man die Kreditwürdigkeit von Menschen bewertet, die Schwierigkeiten haben, einen Kredit bei der Bank zu bekommen“, so Kriependorf. Doch auch auf der Anlegerseite war es nicht so einfach: „Die häufigste Frage war: ‚Ist das legal?‘ Unser Angebot war zur damaligen Zeit noch ziemlich erklärungsbedürftig.“

Nach drei Jahren in Hilden entscheidet das Team, nach Düsseldorf umzuziehen. „Wir waren ein kleines Start-up, das schon ein bisschen was vorzuweisen hatte, aber für uns war es fast unmöglich, gute Leute nach Hilden zu holen“, erzählt Kriependorf. Seit 2014 hat auxmoney seinen Sitz in der dritten Etage der Kö-Galerie. „Wir wollten eine Immobilie, in der wir viele Mitarbeiter auf einer Ebene unterbringen konnten, wir wollten nah beieinandersitzen – das zu finden war nicht einfach. Gleichzeitig stand die Frage im Raum, ob es opportun sei, als Start-up auf die Königsallee zu ziehen“, so Kriependorf.

Eine Milliarde Euro ausgezahlte Kredite – innerhalb von elf Jahren. Das klingt auf den ersten Blick nicht nach ganz so viel, auch angesichts des Gesamtmarkts der in Deutschland ausgezahlten Konsumentenkredite von 102 Milliarden Euro in 2017. Doch hatten viele Branchenkenner nicht damit gerechnet, dass auxmoney gerade jetzt so viel Fahrt aufnimmt und ins Feld der relevanten Player am Markt rückt. Zum Vergleich: Die Commerzbank verleiht pro Jahr Konsumentenkredite zwischen zwei und 2,5 Milliarden Euro.

Für die Gründer ist das die Konsequenz ihrer Arbeit. „2012 haben wir angefangen, unser eigenes Scoring zu entwickeln, um mithilfe von Daten und Technologie die Kreditwürdigkeit der Kunden besser beurteilen zu können“, erzählt Kriependorf. „Wir sind in der Lage, anders und vor allem besser als Banken zu beurteilen, wer einen Kredit bekommen kann und zu welchen Konditionen das geht.“ 2016 ermittelte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC, dass mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland zu Unrecht keinen Kredit erhalten – ein Gesamtmarkt von rund 22 Milliarden Euro. Diese Menschen hat das Fintech unter anderem im Visier: „Zu den klassischen Daten von Auskunfteien kommen weitere hinzu: Neben Anmeldedaten analysieren wir auch Verhaltens- und Webdaten, die wir auf intelligente Weise miteinander verbinden und so Rückschlüsse auf die Kreditwürdigkeit ziehen können. Wie genau – das ist unsere Coca-Cola-Formel“, so Kriependorf

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„Wir haben gezeigt, dass mit diesem Geschäft Geld zu verdienen ist.“

Das Modell funktioniert schon bald so gut, dass es auxmoney gelingt, auch institutionelle Investoren zu gewinnen, darunter große Venture-Capital-Geber wie Index Ventures, Union Square Ventures, Foundation Capital und Partech Ventures. Anfang 2017 entsteht die Partnerschaft mit dem niederländischen Versicherer Aegon, der 1,5 Milliarden Euro in Kredite auf dem Marktplatz investieren will. Weitere Wachstumstreiber sind die Partnerschaften mit Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken wie beispielsweise N26. „Am Anfang wollten klassische Banken mit uns nichts zu tun haben, mittlerweile wollen viele von ihnen mit uns kooperieren“, so Kriependorf nicht ohne Stolz. Und mittlerweile sind die Konditionen von auxmoney konkurrenzfähig.

Ende 2017 konnte auxmoney erstmals schwarze Zahlen schreiben. Doch die Baustellen sind angesichts der guten Nachrichten nicht weniger geworden. „Wir arbeiten gerade sehr intensiv daran, dass unsere Unternehmenskultur erhalten bleibt“, so Kriependorf. Aufgrund des starken Wachstums auf der Plattform ist auch die Zahl der Mitarbeiter in den vergangenen Monaten stark gewachsen. Allein in den vergangenen zwölf Monaten wurden über 100 neue Mitarbeiter eingestellt. Noch immer sind 30 Stellen ausgeschrieben. Eine zweite Baustelle ist die ständige Verbesserung der bestehenden Produkte: „Wir wollen noch besser werden: noch schneller, noch komfortabler, mit noch besseren Vorhersagen und Datenquellen.“ Die dritte Baustelle ist die geplante Erweiterung des Produktportfolios. Kriependorf und Co. sind überzeugt, dass sie mehr können, als nur eine Plattform für die Vermittlung von Konsumentenkrediten zu sein. Ihre Fähigkeit, Informationen zu bewerten, der Umgang mit Technologie, gepaart mit dem Know-how im Finanzbereich – man muss nicht lange nachdenken, um daraufzukommen, dass eine so ausgeklügelte Bewertungsmatrix auch für andere Branchen, beispielsweise die Versicherungsbranche, interessant sein könnte.

Bei der Investorenstruktur läge ein Börsengang doch eigentlich nahe. „Da wir venture-finanziert sind, steht möglicherweise irgendwann ein Exit an. Wie der allerdings aussehen könnte, dafür gibt es viele Szenarien“, so Kriependorf: „Wir haben gezeigt, dass profitables Wachstum mit unserem Geschäftsmodell möglich ist. Aber bevor wir über einen Exit nachdenken, wollen wir zeigen, dass wir auch in weiteren Segmenten erfolgreich sein können.“ Derzeit sieht es nicht so aus, als ob sie jemand stoppen könnte. ●

Firma auxmoney
Unternehmenssitz Düsseldorf
CEO Raffael Johnen
Auszahlungsvolumen (2017) 315 Mio. €
www.auxmoney.com


Text: Franziska Bluhm

Gründer mit gutem Gewissen

Wie kann die Welt zu einem besseren Ort werden? Diese Frage stellten sich auch Düsseldorfer Gründer. Sie kämpfen gegen Müll, Lebensmittelverschwendung und für Trinkwasser für alle.

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BESSERE BECHER

CUPFORCUP

„Irgendwann gibt es einfach keine Pappbecher mehr“

„Ich stand mit Sven Hennebach und unseren Kindern auf dem Spielplatz und wir haben uns wieder einmal darüber aufgeregt, dass überall diese Wegwerfbecher rumfliegen“, erinnert sich Cupforcup-Gründer Franziskus von Boeselager. Zusammen mit Freund und Geschäftspartner Sven Hennebach entwickelt er daraufhin ein Mehrwegsystem für Coffee-to-go-Becher. Im Winter 2016 klappern sie die Düsseldorfer Café- und Bäckereiszene ab, um potenzielle Kunden zu gewinnen.

Ihre Idee: Die Becher sollten dort verkauft werden – anstatt weiterhin auf die nicht wiederzuverwertende Variante zu setzen. Das Interesse ist da, der Becher aus 100 Prozent recycelbarem Polypropylen wird entwickelt und im Mai 2017 nehmen Cupforcup ihren Betrieb auf. „Alle teilnehmenden Partner unseres Mehrwegbechersystems zahlen einen monatlichen Beitrag für die Bereitstellung unseres Bechers.

Die angeschlossenen Teilnehmer leisten nicht nur einen Beitrag zur Müllvermeidung und zum Ressourcenschutz, sondern können dabei auch Geld sparen durch weniger Wegwerfbecher“, erklärt von Boeselager im Kaffeehandwerk in Flingern. Mittlerweile arbeiten sie in NRW mit mehr als 100 Partnern zusammen, 20.000 Becher sind im Umlauf. Der Kunde zahlt einen Euro Pfand pro Becher und kann diesen bei jedem Cupforcup-Partner wieder abgeben. „Wir versuchen damit, bei den Leuten etwas auszulösen. Wie viel Müll verursache ich eigentlich täglich? Hier ist die Verwendung des Mehrwegbechers in unserem Pfandsystem eine kleine Umstellung mit großer Wirkung“, schwärmt der Gründer. Davon leben können sie noch nicht, aber sie sind guter Dinge, dass sich das bald ändert. Letztes Jahr haben die beiden den Düsseldorfer Umweltpreis gewonnen. „In fünf Jahren kann der ‚Good Cup‘ europaweit gekauft und zurückgegeben werden und der Wegwerfbecher gehört der Vergangenheit an“, wünscht sich von Boeselager für die Zukunft seiner Firma. ●


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ALLES BANANE

NEUE WERTE

Die Düsseldorfer Studenten Lars Peters und Sven Eul wohnten eine Zeit lang in Sydney. Dort lernen sie Bananenbrot kennen und lieben. Fünf Jahre später haben sie ein eigenes Unternehmen und verbacken circa zehn Tonnen, das sind ungefähr 70.000 Bananen im Monat.

„In jedem Rezept stand: ,Je reifer die Banane, desto besser schmeckt das Brot‘ und zeitgleich haben wir einen Artikel gelesen, dass die Banane von einer unglaublichen Verschwendung betroffen ist“, erzählt Lars Peters. Zurück in Deutschland nehmen sie Kontakt zu Bananenreifereien auf. Diese haben die Aufgabe, die Bananen chemisch auf den richtigen Reifegrad für die Supermärkte zu bringen. Ungefähr ein bis zwei Prozent der Ware erfüllen nicht die optischen Kriterien für den Einzelhandel. Hört sich wenig an, ist aber eine gigantische Masse. Diese Ware, die sonst im Mülleimer landen würde, kaufen die Jungs und verarbeiten sie gemeinsam mit der Bäckerei Schüren zu 15 verschiedenen Bananenbroten. „Man kann die Brote in 
allen Schüren-Filialen und auf unserer Website kaufen. Das Hauptvertriebskonzept ist B2B. Wir verkaufen auch an Cafés und Restaurants. Die Universitäten in NRW nehmen auch riesige Mengen ab und haben unser Konzept gegen Lebensmittelverschwendung an die Studierenden kommuniziert“, sagt Lars. Seit zwei Jahren leben die beiden davon, arbeiten 60 bis 70 Stunden die Woche. Doch mittlerweile machen sie nicht nur in Bananen. Denn in den Hallen der Tropenfruchtimporteure gibt es auch Kiwis, Mangos und Avocados, die wegen ihrer Optik aussortiert werden. Deshalb bieten die Düsseldorfer in Zukunft auch Avocadobrot, Mango- und Kiwichutney an. Das nächste Ziel: die ebenfalls gesichteten Süßkartoffeln, Zitronen und Limetten kulinarisch aufzubereiten. „Wir würden gerne in den stationären Handel einsteigen und eigene Stores aufmachen. Dort bekommt man dann unsere Produkte und die Rohstoffe, die wir verarbeiten. Die Stores sind aufgebaut wie kleine Tante-Emma-Läden“, sagt Lars Peters. ●


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TRINKWASSER
FÜR ALLE

KUMANGA

Seit einiger Zeit schenken alle Woyton-Cafés und die Rösterei Vier in ihren Filialen gefiltertes Leitungswasser aus. Lange haben sie überlegt, wie sie ihre Nachhaltigkeitsvision an ihre Kundschaft weitertragen können. „Wir wollen unser nachhaltiges Konzept ja auch kommunizieren – daraus ist die Idee entstanden, dass es zum kostenlosen Wasser eine schön gestaltete Flasche mit Botschaft gibt“, erzählt uns Tim Bellack bei einem Cappuccino in der Rösterei Vier.

Die Glasflasche kann in allen Filialen für 1,50 Euro Pfand erworben werden und auch wieder abgegeben werden. Oder man benutzt sie zu Hause für Leitungswasser. Das Geld, das der Kunde einspart, kann er spenden. Ziel: Alle Menschen sollen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. 100 Prozent der Spenden gehen an den Verein Kumanga e. V., der von Woyton-Inhaber Martin Schäfer, Tim Bellack und anderen Mitarbeitern gegründet wurde. Kumanga e.V. baut Brunnen im afrikanischen Malawi, um die Menschen dort mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. „Was wir hier für selbstverständlich halten, ist für mehr als 600 Millionen Menschen weltweit ein Luxusgut. Wir haben die Aktion mit den Flaschen im September 2016 gestartet. Seitdem geht unser Projekt durch die Decke. Wir haben schon rund 7.000 bis 8.000 Flaschen an den Mann gebracht“, berichtet Bellack. Er studiert internationales Management in Düsseldorf und wünscht sich, dass die Kumanga-Flasche bald auch in Unibibliotheken, Flughäfen und Bahnhöfen erhältlich ist. Kumanga bedeutet in der malawischen Landessprache Chichewa „bauen“. Der Verein hat gerade wieder genug Spenden gesammelt, um vier weitere Brunnen in Malawi zu errichten. ●

„Leitungswasser ist 
das am stärksten 
kontrollierte Lebens­mittel, trotzdem kaufen 
wir Wasser – Was für 
eine Verschwendung“


Text: Britt Wandhöfer

Gründer mit großen Visionen

Mehr als 250 Start-ups sind in und um Düsseldorf zu Hause. Zwischen Hellerhof und Angermund 
bietet die Szene große Expertise in vielen Branchen. Die Szene ist vielfältig: Drei Stadtteile, drei Branchen und drei Ideen, die gerade ordentlich Rückenwind verspüren.


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1. Revolution in
der Werbung

WELECT

Es ist eine ZaIn Derendorf am Platz der Ideen wollen Olaf Peters-Kim und Philipp Dommers mit Welect nicht weniger erreichen als eine Revolution in der Werbung. 2016 entschieden sie sich im eigenen Start-up Werbung neu zu denken.

Heute fühlen sich mehr und mehr Menschen von Werbung nur noch gestört. „Dabei haben Menschen jeden Tag durch die Werbung ganz persönliche Vorteile: Ich muss nicht so viel für die Zeitung zahlen, kann kostenlos fernsehen und benutze zwanzig Mal die Google-Suche, ohne irgendetwas dafür zu zahlen“, sagt Olaf Peters-Kim. Hier setzt das Start-up an: Nutzen Firmen Welect, können Kunden sich aus mehreren Werbungen, diejenige aussuchen, die sie am meisten interessiert. Ist die gesehen, gibt es etwas kostenlos. Das Konzept hat sich schon 2016 bei einem Projekt mit der Rheinbahn bewiesen: Wer sich über Welect eine Werbung auf dem Smartphone ansah, bekam ein kostenloses Ticket. Das schlug ein: Außer eines Facebook-Posts machte das Start-up keinerlei Werbung. Trotzdem waren die Tickets in kürzester Zeit weg. Dieser Erfolg zeigte: Die Idee geht auf. Nun arbeiten Peters-Kim und Dommers daran, Verlage für sich zu gewinnen. Mit der Rheinischen Post ist bereits ein Partner im Boot: Wer vor der Bezahlsperre des Verlags landet, kann sich ein Werbevideo von Welect aussuchen und dann den Artikel kostenlos lesen. Zahlen möchte man von Verlagsseite nicht öffentlich machen, „aber die Leser nehmen unseren Dienst seit dem ersten Tag in Anspruch“, sagt Peters-Kim. Derzeit laufen Verhandlungen mit weiteren Verlagshäusern. Die Welect-Gründer wetten auf die Zukunft: „In ein paar Jahren könnte es sein, dass ich sage: Wir haben komplett falsch gelegen“, sagt Peters-Kim. „Oder wir schaffen es, die Branche zu verändern.“ ●


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2. Prototypen für alle

IOX LAB

Im Medienhafen ist der Startplatz das Zentrum der Start-up-Szene. Im vierten Stock, in den Räumen von IOX Lab, dreht sich seit 2015 alles um das Internet der Dinge (IoT). In der Ideenwerkstatt von Robert Jänisch und Andreas Bell treffen Industriedesign, 3D-Druck, Elektrotechnik und Künstliche Intelligenz aufeinander. Konzerne wie E.ON und Henkel haben schon mit der Tüftlerwerkstatt zusammengearbeitet. Im Herbst erhielt IOX Lab den Gründerpreis NRW.

Das Geschäftsmodell des IOX Lab klingt einfach: Kunden haben eine Idee für ein IoT-Projekt und das Lab entwickelt einen Prototyp. „Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass wir Projekte als Prototyp schneller umsetzen können, als der Kunde seine Power-Point-Präsentation abgestimmt hat“, sagt Gründer Jänisch. Das zeige gerade die Arbeit mit einer großen Automotive-Marke: „Mit dem Kunden durchlaufen wir gerade einen Prozess, für den die intern aufgrund ihrer Strukturen zwei bis drei Jahre brauchen würden. Wir brauchen etwa drei Monate“, sagt Jänisch. „Damit setzen wir ganz neue Maßstäbe.“ Das IOX Lab bietet Unternehmen neben IoT-Fachwissen und Tüftlerstimmung vor allem Schnelligkeit und Agilität. Das kommt offenbar an: Während Bell und Jänisch vor zwei Jahren noch allein Ideen brainstormten, arbeiten heute fast 20 Mitarbeiter für sie – zum Jahresende sollen es 30 sein. 2018 könnte für IOX Lab entscheidend werden. Ein Produkt, der C-Ring, soll ausgegründet werden. Das Gerät, das an Laternen befestigt wird, kann Umweltdaten, das Verkehrsaufkommen oder die entsprechende Feinstaubbelastung messen und nebenbei noch als WLAN-Hotspot dienen. Außerdem kommt mit einem Chatbot das erste IOX Lab-Serviceprodukt auf den Markt. Das langfristige Ziel der Gründer ist anspruchsvoll: „Wir wollen das Rocket Internet der IoT-Branche werden und so viele Ausgründungen auf den Markt bringen wie 
möglich.“ ●


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3. Finanzpartner

für den Mittelstand

COMPEO

Auf dem Wehrhahn ist Compeon zu Hause – ein Fintech für den Mittelstand. Das Start-up hat gerade im Herbst bei Investoren zwölf Millionen Euro eingesammelt und legt derzeit mit 75 Mitarbeitern ein rasantes Wachstum hin. Nico Peters, Frank Wüller und Kai Böringschulte hatten 2015 die Idee zu einer Art Interhyp für Mittelständler: Einer Plattform, die – ähnlich wie der Immobilienkreditvermittler für Privatpersonen – kostenlos und unkompliziert Finanzierungsoptionen für kleine und mittelständische Unternehmen vermittelt.

„Wir wollten ein ähnliches Angebot für den Unternehmer schaffen, wie es das für den Selbstständigen und die Privatperson schon längst gab“, sagt Peters. „Unser Zielkunde war der Unternehmer, der seine Immobilienfinanzierung über Interhyp erledigt und vielleicht über Check24 sein Tagesgeldkonto ausgesucht hat und jetzt auf einem ähnlichen Weg seine nächste Baumaschine finanzieren möchte.“ Und das funktioniert: Schon 2016 vermittelte Compeon Finanzierungen von insgesamt 2,5 Milliarden Euro. 2017 erreichte das Gesamtvolumen 3,5 Milliarden Euro. Eine Entwicklung, die selbst die Compeon-Chefs überrascht hat. Vor allem mit den sehr großen Auftragsvolumina hatten sie so nicht gerechnet: „Unsere Fallbeispiele waren eher der Handwerker, der seinen Sprinter, oder das produzierende Unternehmen, das einen Gabelstapler finanzieren möchte“, sagt Peters. Die Gründer kalkulierten damals mit einer durchschnittlichen Finanzierungssumme von rund 80.000 Euro. Eine durchschnittliche Compeon-Finanzierung liegt heute allerdings bei rund 700.000 Euro. Compeons Pläne für 2018: mehr von allem. Dazu gehört weiteres Wachstum, neue Mitarbeiter und der weitere Ausbau der Kooperationen. ●


Düsseldorf: Startup City

“Düsseldorf hat das Potenzial, eine bedeutende Start-up-Metropole zu werden.“ Die Worte von Thomas Geisel hallen auch dreieinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt als Oberbürgermeister nach.

Seitdem hat sich einiges getan. Längst reichen beide Hände nicht aus, um die unterschiedlichen Initiativen an den Fingern abzuzählen. Die Gründung der Start-up-Unit in der Wirtschaftsförderung, die Gründung des Digihubs mit seinem Fokus, Start-ups mit dem breit aufgestellten Mittelstand und den international aufgestellten Corporates vor Ort zu vernetzen. Das große Angebot an Coworking-Spaces und Business Center. Nicht nur Startplatz, Super7000 und Factory haben sich etabliert, es scheint sogar Platz für weitere Anbieter zu sein, Tribes will den Graf-Adolf-Platz erobern, SPACES das Andreasquartier.

Die Initiativen zur Vernetzung des Nachwuchses: „Wenn die Betriebswirte der WHU mit den Biowissenschaftlern der Heinrich-Heine-Universität und den Designern der Hochschule Düsseldorf zusammentreffen, können großartige Innovationen entstehen“, ist Uwe Kerkmann, Chef der Wirtschaftsförderung, überzeugt. Stellvertretend für die Fülle an unterschiedlichen Veranstaltungen in der Stadt sei die Startup-Woche erwähnt, die 2018 in die dritte Runde geht. Auch hier liegt der Schwerpunkt auf der Vernetzung von Groß und Klein. Düsseldorfs großer Vorteil im Vergleich zu Berlin: Hier gibt es die Möglichkeit, wirklich Business zu machen, weil hier die großen Wirtschaftspartner sitzen.

Es tut sich was in Düsseldorf. Ideen werden verfolgt und kommen ans Laufen, wie die Beispiele IOX Lab, Welect oder Compeon zeigen (Seite 10), ansässige Konzerne wie beispielsweise Henkel bauen Netzwerke auf (Seite 14) und der Oberbürgermeister denkt nicht daran, sich auf dem Erreichten auszuruhen (Seite 18).

Und auch wenn die Statistikzahlen für sich sprechen – so stieg die Zahl der Start-ups von 135 in 2015 auf zuletzt rund 300, 3.760 Arbeitsplätze sind in diesem Segment angesiedelt, 2016 waren es noch 3.008 – es gibt noch ein paar Baustellen.


Finanzierung
Zwar gibt es dank der ansässigen NRW.Bank und Stadtsparkasse viele Finanzierungsangebote, gerade für Neugründer. Trotzdem nutzt Oberbürgermeister Thomas Geisel immer wieder die Gelegenheit, um an deren Investitionsbereitschaft zu appellieren. „Ich sehe, dass wir uns viel mehr mit dem Thema Acceleration beschäftigen müssen“, so Kerkmann.

Vernetzung
Zwar scheint sich so langsam der Gedanke durchzusetzen, dass das gesamte Rhein-Ruhr-Gebiet gewinnen würde, wenn es überall boomt. Immerhin leben im Umkreis von 100 Kilometern mehr als elf Millionen Menschen. Gleichzeitig profitieren Städte und Unternehmen in Nordrhein-Westfalen gleichermaßen von jedem Talent an den Standorten Düsseldorf, Aachen, Duisburg, Essen, Dortmund oder Köln, das nicht aus NRW abwandert. Doch echte Vernetzung der Städte untereinander und ein gemeinsamer Auftritt nach außen laufen nur langsam an. Zählt bei allen Aktivitäten am Ende doch immer noch, was in der eigenen Tasche landet.

Spezialisierung
Bisher zielten alle Aktivitäten der Stadt darauf ab, den Standort grundsätzlich zu stärken. Doch für was steht die Start-up-City neben dem Vernetzungsgedanken und „Business“ machen zu können? „Wir haben hier eine so große Schnittmenge von Handwerk, Start-ups und herstellender Industrie, ich würde mir wünschen, wenn Düsseldorf zu einem Zentrum fürs ‚Doing‘ wird. Prototyping, Maker Spaces im größeren Stil und so, dass alle davon profitieren können“, wünscht sich Kerkmann.


Von heute auf morgen wird das nicht zu leisten sein. Denn die paar Jahre Vollgas schaffen längst noch kein funktionierendes Ökosystem. Allerdings: Erste Pflänzchen sind gesät. Wir von VIVID werden in den nächsten Ausgaben berichten, ob daraus Bäume werden. ●


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Warum Frank Schrader, Chef der Düsseldorf Marketing, auf den Claim „Nähe trifft Freiheit“ setzt: drei Fragen, drei Antworten.

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Warum braucht Düsseldorf den Claim „Nähe trifft Freiheit“?
Mit „Nähe“ und „Freiheit“ bilden zwei Aspekte den Kern der Stadtmarke, die unsere Stadt und das Lebensgefühl in ihr seit Jahrhunderten tatsächlich prägen. Ihr Zusammenwirken ist einzigartig und lässt eine Stadt entstehen, in der man sich immer und sofort verbunden fühlt, mit der Welt und miteinander. Für Menschen ist diese Positionierung sympathisch und relevant. Zudem ist sie noch frei und wird nicht von anderen Großstädten besetzt.

Was bedeutet der Claim für die Düsseldorfer Wirtschaft?
Die derzeitige Lage in der Welt führt uns die Bedeutung der Freiheit für Wachstum und Fortschritt eindrucksvoll vor Augen. Das gilt nicht nur für freien Handel und freies Wirtschaften. Das gilt auch und vor allem für die Freiheit des Geistes in der Wirtschaft und der Kultur. Das Thema Nähe schließt darüber hinaus weit mehr Faktoren ein als die zentr­ale geografische Lage Düsseldorfs in Deutschland und Europa. Besonders für Unternehmen kann es sehr positiv wirken, denn sie können konstruktiv die eigenen Unternehmensziele unterstützen.

Glauben Sie, dass sich auch Gründer und Start-ups angesprochen fühlen?
Die Positionierung Düsseldorfs ist für sie sehr attraktiv. Denn sie beschreibt einen realen Standort, an dem kreative und progressive Persönlichkeiten alle Freiheiten finden, sich zu entfalten. Ein Standort, an dem es leicht fällt, Netzwerke aufzubauen. Kurz gesagt: Düsseldorf ist eine Zukunftsstadt, die vernetzt und innovative Projekte gedeihen lässt. ● 

Die Innovationsmacher

Digitale Hörspiele für Kinder, ein Rundum-Service für Medikamente, ein bargeldloses Bezahlsystem fürs Parken: Das sind nur einige der Ideen, mit denen junge Unternehmenin Düsseldorf den Alltag ihrer Kunden erleichtern. Wir stellen sechs vor.

  1. Pillbox

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Rundum-Service
für Medikamente

PILLBOX
ERKRATHER STRASSE 401, 40231 DÜSSELDORF
GRÜNDER PASCAL EVECEK, CHRISTIAN LENSKI

SEIT 2016

WWW.PILLBOXGO.DE


Es ist eine Zahl, die durchaus erschreckt: „Bis zu 500.000 Menschen müssen jedes Jahr wegen vermeidbarer Medikamentenfehler ins Krankenhaus“, sagt Pascal Evecek. Unter anderem deshalb hat er vor zwei Jahren mit seinem Geschäftspartner Christian Lenski das Unternehmen Pillbox gegründet. Die Idee: Patienten bekommen einmal im Monat für einen Festpreis von 19,95 Euro alle Medikamente, die sie benötigen, vorsortiert nach Hause geliefert. Pillbox arbeitet eng mit ausgesuchten Apotheken und den Ärzten der Patienten zusammen, um Risiken durch mögliche Wechselwirkungen und Unverträglichkeiten auszuschließen. „Obwohl es um ein so zentrales Thema wie die Gesundheit geht, hapert es oft an der Kommunikation zwischen Patienten, Ärzten und Apothekern. Hier setzen wir mit unserem ganzheitlichen Konzept an. Unsere Kunden bekommen alle 28 Tage ihre Lieferung und können absolut sicher sein, dass diese alles beinhaltet, was sie brauchen“, sagt Evecek.

Im Herbst 2016 erhielten die ersten Patienten in Düsseldorf ihre auf sie zugeschnittene Medikamentenbox, inzwischen arbeitet Pillbox bundesweit. „Am Anfang sind wir noch selbst gefahren, nun arbeiten wir mit UPS zusammen“, erzählt der Gründer. Er erlebe immer wieder, welch eine Entlastung es für die Kunden sei, sich nicht mehr um jedes Rezept selbst kümmern zu müssen. „Häufig sind es Angehörige, die uns beauftragen, um ihre Eltern zu versorgen und sich auch selbst zu entlasten. Aber auch Berufstätige, die an einer chronischen Krankheit leiden und Zeit und Nerven sparen wollen, weil sie sich nicht mehr um die Rezepte oder den Gang zum Apotheker kümmern müssen, nutzen unseren Service.“ Das Team von Pascal Evecek besteht inzwischen aus fünf Leuten. „Unser nächstes Ziel ist es, unsere IT zu verbessern, sodass wir noch mehr Vorgänge automatisieren können.“

2. Boxine

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Hörspiele


aus dem
Würfel

BOXINE
GRAFENBERGER ALLEE 120, 40237 DÜSSELDORF
GRÜNDER PATRIC FASSBENDER, MARCUS STAHL

SEIT 2013

WWW.TONIES.DE

Vor einigen Jahren merkte Patric Faßbender, dass in deutschen Kinderzimmern etwas fehlt: ein passendes Medium für Musik und Hörspiele. „Anfang 2013 realisierte ich bei meinen Töchtern (damals drei und fünf Jahre alt), dass CDs ein denkbar ungünstiges Medium für kleine Kinder sind, da sie schnell zerkratzen. Auf der Suche nach einer Alternative erkannte ich, dass es eigentlich kein wirklich kindgerechtes Audiosystem gibt, und entschied, es einfach selbst zu machen.“ Gemeinsam mit seinem Co-Geschäftsführer Marcus Stahl gründete er die GmbH „Boxine“, die eine Art digitales Abspielgerät samt Zubehör fernab von CD-Playern und alten Kassettenrekordern bietet. Das Abspielgerät ist die sogenannte Toniebox, ein würfelförmiges Gerät, das sich einfach bedienen lässt, per Akku aufladbar ist und als bunter Quader in verschiedenen Farben in jedes Kinderzimmer passt.

Um eine Audiodatei zu hören, werden auf die Box Tonies gesetzt, kindgerechte Figuren, die von der Box erkannt werden. Eine Benjamin-Blümchen-Figur sorgt dann zum Beispiel dafür, dass das Gerät eine Folge dieses Hörspielklassikers abspielt, das Ganze funktioniert per WLAN und ist in diversen Variationen möglich: Kinder-Hörspiele, Musik, Hörbücher, je nach Tonie und der auf dieser Figur gespeicherten Datei. Der Erfolg hat Patric Faßbender und Marcus Stahl, die sich über die gemeinsame Kita ihrer Kinder kennengelernt haben, überrascht. „Die Bilanz ist extrem positiv, der Umsatz lag 2017 bei rund 18 Millionen Euro. Durch das starke Wachstum der letzten Monate gilt es nun, vor allem uns als Unternehmen so aufzustellen, dass wir die Herausforderungen und Ideen, die vor uns liegen, auch stemmen können. Wir sind in recht kurzer Zeit auf über 70 Mitarbeiter angewachsen“, sagt Patric Faßbender.

3. Mapudo

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Marktplatz
für
Stahl

MAPUDO
ERKRATHER STRASSE 162 40233 DÜSSELDORF
GRÜNDER NIKLAS FRIEDERICHSEN,
MARTIN BALLWEG, SEBASTIAN GRETHE, MARKUS WEILAND

SEIT 2014

WWW.MAPUDO.COM

Es gibt wohl wenige Branchen, bei denen der Zusatz „traditionsreich“ besser passt als bei der Stahlindustrie. Bis vor wenigen Jahren war sie sogar so traditionsreich, dass es nicht möglich war, Werkstoffe online zu bestellen.Vier Brancheninsider aus Düsseldorf haben diesen Mangel erkannt. „Wir haben festgestellt, dass es für kleinere Bestellungen keine effizienten Vertriebswege gab. Der Markt war intransparent, und die Interessenten mussten sich ihre Werkstoffe mühsam zusammensuchen und telefonisch oder per Fax bestellen“, sagt Niklas Friederichsen, Wirtschaftsingenieur und einer der beiden Geschäftsführer von Mapudo.

Auf ihrer Plattform gibt es nun anbieterübergreifend ein breites Angebot an Materialien rund um Stahl, das besonders kleinen und mittelständischen Unternehmen die Möglichkeit bietet, sich ihren individuellen Werkstoff-Warenkorb zusammenzustellen. „Mapudo verbindet als Online-Marktplatz eine klassische Branche wie den Stahlhandel mit den modernen Möglichkeiten der Digitalisierung“, sagt Peter Güllmann, Bereichsleiter Unternehmens- und Infrastrukturfinanzierung der NRW.BANK, die zu den Investoren des Start-ups gehört. Das 2014 gegründete Unternehmen hat inzwischen15 Mitarbeiter.

4. Evopark

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Bargeldlos
parken

EVOPARK
SEDANSTRASSE 31–33, 50668 KÖLN
GRÜNDER MARIK HERRMANN, SVEN LACKINGER, MAXIMILIAN MESSING, TOBIAS WEIPER

SEIT 2014

WWW.EVOPARK.DE

Sie hatten eine Vision, und wo ließe die sich besser umsetzen als in der Einkaufsstadt Düsseldorf? „Wir wollten den Parkvorgang digitalisieren und damit vereinfachen, sowohl für den Kunden als auch den Parkhausbetreiber“, sagt Marik Herrmann, Geschäftsführer des Unternehmens Evopark. Autofahrer können eine Parkkarte für die berührungslose Einfahrt und das bargeldlose Parken nutzen. „Wir sind eigentlich eine Kölner Firma, hatten zu dem Thema aber so viele Anfragen aus Düsseldorf, dass wir das System dort zuerst eingeführt haben“, sagt Herrmann. Inzwischen hat sich der Fokus vom Endkunden auf die Parkhausbetreiber selbst und Anbieter wie Porsche oder Mercedes verlagert. „Wir bieten nun ausschließlich B2B-Lösungen an. Die Parkhausbetreiber erhalten unsere Software, ähnlich wie Microsoft Office, und sie können ihre Vorgänge digitalisieren. Ein anderer Geschäftszweig sind Kooperationen mit Unternehmen wie zum Beispiel Porsche. Im neuen Cayenne ist unsere Software bereits integriert, und der Fahrer kann mit der Parkkarte Parkhäuser anfahren und dort bargeldlos parken.“ In Düsseldorf machen inzwischen 21 Parkhäuser mit, darunter Häuser an Carlsplatz, Schadow-Arkaden, Medienhafen, Kö und Flughafen.

5. NEU - Gesellschaft für Innovation

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Die
Ideenmacher

NEU – GESELLSCHAFT FÜR INNOVATION
HOFFELDSTRASSE 88, 40235 DÜSSELDORF
GRÜNDER SABINE RINGS, JØRN RINGS

SEIT 2014

WWW.NEU-INNOVATION.DE

Nach mehr als 20 Jahren Berufserfahrung mit der eigenen Kommunikationsagentur war für Sabine Rings klar: Am besten funktionieren Ideen, wenn sie in den Unternehmen selbst entstehen und nicht von außen an sie herangetragen werden. „Wir haben es mehr als einmal erlebt, dass Ideen von externen Partnern im Unternehmen gescheitert sind. Deshalb haben wir beschlossen, unser Know-how zu bündeln und damit die Unternehmen zu befähigen, eigene Ideen zu entwickeln.“ Diese „Werkzeuge für Ideenkultur“ können ganz unterschiedlicher Art sein. Zum einen gibt es Workshops und Seminare, um die Mitarbeiter zu ermutigen, die eigene Kreativität besser zu nutzen, zum anderen diverse Hilfsmittel, die sich einfach in den Büroalltag integrieren lassen.„Um kreatives Denken ins Tagesgeschäft der Unternehmen zu bringen, setzen wir ein von uns entwickeltes Baukastensystem ein. Die einzelnen Bausteine basieren auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen zur Ideenentwicklung. Einfach gesagt: Wir übertragen den Ideenprozess, der im Gehirn stattfindet, auf Abläufe und Arbeitsumgebungen im Unternehmen“, erklärt Sabine Rings. Dabei setzt NEU auf haptische Werkzeuge wie etwa ein White Board auf Rollen, magnethaftende Gegenstände oder Sitzsack und Hängematte. „Natürlich analysieren wir immer erst, was für eine Kultur in dem jeweiligen Unternehmen herrscht und was die Branche aufrütteln könnte“, sagt Rings, die zusammen mit ihrem Mann ein vierköpfiges Team führt.

6. Projektschmiede

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Architektonische


Visionen

DIE PROJEKTSCHMIEDE
AM KALDENBERG 6, 40489 DÜSSELDORF
GRÜNDER JAN HINNERK MEYER, HAGEN LIPPE-WEISSENFELD

SEIT 2017

WWW.PROJEKTSCHMIEDE.GMBH

Stadt muss sich also stetig neu erfinden? Wovon braucht sie mehr und wovon braucht sie weniger? Sie muss flexibel, aber auch funktional sein. Angemessener Wohnraum ist essenziell. Es braucht Grünflächen, kulturelle Begegnungsstätten und Naherholungsgebiete. Schaut man auf Düsseldorf, dann war der Stadtstrand „Monkey Island“ so eine Oase in der Stadt. 2006 musste es wegen des Hyatt-Hotels weichen. Noch heute wünschen sich die Düsseldorfer ihren Strand im Medienhafen zurück.

Und da kommt die Projektschmiede ins Spiel. Architekt Jan Hinnerk Meyer und Hagen Lippe-Weißenfeld verstehen sich als Berater und Dienstleister. Ihr erklärtes Ziel: die Stadt verschönern. Hauptberuflich leiten Meyer und Lippe-Weißenfeld ein Architekturbüro mit mehr als 50 Angestellten. Lippe-Weißenfeld war früher kaufmännischer Direktor der Kunstsammlung NRW, kennt sich also im kulturellen Bereich bestens aus. Mit der Projektschmiede möchten beide als Ideengeber fungieren und mit ihren Entwürfen Diskussionen anstoßen – Diskussionen darüber, wie Düsseldorf sich architektonisch weiterentwickeln kann.

Visualisiert hat die Initiative mittlerweile vier Projekte: einen neuen Stadtstrand, eine neue Oper, ein gastronomischer Pavillon am Schwanenspiegel und ein Fotozentrum. Die Vision der Projektschmiede beschreibt Hagen Lippe-Weißenfeld wie folgt: „Gutes im Sinne der Tradition bewahren, Neues im Sinne der Zukunft ermöglichen.“ Da wäre zum Beispiel die Skizze für ein neues Opernhaus im Medienhafen. Die Oper an der Heinrich-Heine-Allee ist in die Jahre gekommen. Ein „Fass ohne Boden“, eine Sanierung würde Millionen kosten und das Gebäude trotzdem nicht retten können.

„Architektur ist immer der Raum, die Hülle, die große Kunst umgibt. Das zeigen doch prominente Beispiele wie das Guggenheim Bilbao, die Elbphilharmonie oder die Kopenhagener Oper. Architektur dient der Kunst zur Nutzung, hat aber seit alters her auch repräsentative, stadtbildprägende Strahlkraft“, sagt Lippe-Weißenfeld. Deshalb auch die Idee für ein Fotozentrum, das, geht es nach der Projektschmiede, gegenüber dem NRW-Forum auf dem Betriebshofgelände des Gartenamts entstehen könnte.

Die Düsseldorfer Fotoschule genießt weltweit einen exzellenten Ruf, doch es fehlt ein Ort, der das verdeutlicht und diese Kunst festhält. Anfang des Jahres luden Meyer und Lippe-Weißenfeld zum Gespräch in den Malkasten ein, um die Stadt daran zu erinnern, dass ein Fotozentrum gut für Düsseldorf ist. Es soll das Erbe der Düsseldorfer Fotokünstler in der Stadt halten, da Sammlungen schon in andere Städte abgewandert sind. „Die Visualisierungen der Projektschmiede sind sehr inspirierend“, erklärte die Leiterin des Stadtplanungsamtes Ruth Orzessek-Kruppa. Aber die Umsetzung liegt ja nicht alleine in Händen der Stadt. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle.

Es geht zunächst um die Vision und darum, das Gespräch darüber aufrechtzuerhalten: „Wir erfassen Bedarfe und erwirken durch unsere Lösungen Verbesserungen für Städte und Kommunen, für Institutionen aus Bildung, Wissenschaft, Kultur und Soziales. Und natürlich für unsere Investoren, denen wir neben einer sehr guten Rendite einen echten Social Impact und damit ein wirklich nachhaltiges Investment ermöglichen“, so die Projektschmiede.

Text: Gesa von der Meyden & Britt Wandhöfer