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Albert Eickhoff: Der Mann, der Versace entdeckte

„Gute Geschäfte leben nur vordergründig vom Austausch Geld gegen Ware.“ Dieser Satz von Albert Eickhoff anlässlich des Jubiläums 50 Jahre Eickhoff sagt viel aus über einen Mann, der die Mode der Welt nach Düsseldorf brachte und die Reichen und Prominenten in die Stadt lockte. Eickhoff trägt einen großen Anteil an der Anziehungskraft der Königsallee. 

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Das Ehepaar Albert und Brigitte Eickhoff startete in der Provinz. Trotzdem setzen die beiden vom ersten Tag an konsequent auf besondere Kollektionen. Dabei ist Albert Eickhoff gerade erst 25 Jahre jung, als er den kleinen Modesalon in Lippstadt eröffnet. Seine Frau Brigitte hat gerade den 21. Geburtstag gefeiert. Der Mut des Paares wird belohnt. Das Geschäft entwickelt sich nach dem Start 1961 schnell zum Magneten für Prominente und für die Damen der Gesellschaft. Die Frauen reisten in die Provinz, um sich dort mit Mode einzudecken. 

Der Erfolg der Eickhoffs liegt wohl in der außergewöhnlich guten Fähigkeit, den Geschmack ihrer Kundinnen zu treffen. „Mein Vater hatte von jung an ein sehr, sehr gutes Gespür für Mode“, erzählt Susanne Asbrand-Eickhoff, „so etwas kann man nicht lernen, das ist Intuition.“ Der so gelobte Kaufmann formuliert seine Strategie viel einfacher: „Ich habe immer nach dem Ausgefallensten und Schönsten gesucht“, sagt er. Albert Eickhoff erkennt Talente, wie das von Gianni Versace. Die erste eigene Fashion-Show des späteren Star-Designers fand nicht etwa in Paris oder Mailand statt, sondern im Januar 1978 auf Einladung von Eickhoff im Stadttheater von Lippstadt. Eickhoffs Erfolg ist die Kombination seines guten Geschmacks mit Hartnäckigkeit und Disziplin. Versace entdeckt er in Florenz bei einem seiner Streifzüge durch die Hotels, in denen damals neue Designer ihre Ideen zeigten, während viele Berufskollegen am Ende einer Messe bereits die Schönheiten Italiens genossen. Eickhoff suchte weiter nach dem Besonderen – und fand Versace. 

Ich habe immer nach dem Ausgefallensten und Schönsten gesucht.

Dass die Familie im Januar 1981 das neue Geschäft in Düsseldorf eröffnet und nicht in Köln, Hamburg oder München, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken. „Wir bekamen über einen Freund das Angebot, es wird ein Geschäft auf der Kö frei“, erzählt Susanne Asbrand-Eickhoff. „Düsseldorf war damals – und ist es heute noch – ein wahnsinnig umkämpfter Platz“, berichtet Stefan Asbrand-Eickhoff. „Denn hier wird nicht nur viel Geld verdient, sondern auch viel Geld ausgegeben“, ergänzt er.

Auf der Königsallee erwartet das Ehepaar eine stärkere Konkurrenz. Trotzdem setzt sich der Erfolg des Familienunternehmens am Rhein fort. „In Lippstadt hatten wir für unsere Kundinnen komplette Kombinationen vorbereitet: sportliche und extravagante Outfits, Businessmode, Cocktail- und Abendkleider“, erinnert sich Susanne Asbrand-Eickhoff. Die Kundinnen konnten sich an einem Tag für alle Lebenslagen einkleiden. „Das brachten wir mit nach Düsseldorf, das kannte man hier nicht: ein Konzept für eine Kundin zusammenstellen“, sagt sie. 

Mode ist in unserem Haus wie ein Wettrennen, da können nur die Besten mithalten.

Die Eickhoffs setzen ihren eigenen Rhythmus für die Präsentation der Kollektion für die nächste Jahreszeit. Wem das Geld für den Einkauf fehlt, der darf sich an den außergewöhnlich komponierten Schaufenstern der Boutique erfreuen, die sogar als Tipp im Reiseführer genannt werden. „Wir haben immer viel Geld und Aufwand in die Schaufenster investiert, denn sie sollten das, was die Königsallee verkörpert, auch nach außen zeigen“, erklärt Susanne Asbrand-Eickhoff.

Die Eickhoffs bringen spätere Luxusmarken wie Gucci, Prada, Armani, Cavalli und Michael Kors als Erste nach Deutschland – und zwar in ihr Haus an der Kö. Sie reaktivieren Dior für den deutschen Markt. Diese Aufzählung lässt sich beliebig fortsetzen. In den besten Zeiten führt das Geschäft mehr als 120 Luxusmarken. Für ihn komme aber nicht jedes Label infrage, erklärt Albert Eickhoff in einem Interview mit dem Magazin Textilwirtschaft: „Wir sind keine Markensammler. Mode ist in unserem Haus wie ein Wettrennen, da können nur die Besten mithalten.“ 

Auch das Thema Kundenbindung hat der Modehändler bereits früh im Blick. Die Mitarbeiter stehen in direktem Kontakt mit ihren Kundinnen und informieren diese über neue Trendteile. Eickhoff lässt für seine Kunden eigene Fashion-Journale auf internationalem Niveau produzieren, organisiert anspruchsvolle Events und hochkarätige Modenschauen. Die Familie inszeniert sich als einer der ersten Einzelhändler in Deutschland als eine eigene Marke.

Entscheidungsfreiheit war uns immer sehr wichtig.

„Eickhoff war immer ein Trendsetter und für die Branche ein Gradmesser dessen, was modemäßig geht“, sagt Stefan Asbrand-Eickhoff. Albert Eickhoff hat alle Superlative über sich gelesen. Er sei ein „Magier der Mode“, der „Tempomacher der Branche“, ein „Frauenflüsterer“, „Mister Goldfinger“, das „Gesicht der Kö“. Er habe einen „Logenplatz auf dem Olymp der Modebranche“.  

Doch dann ist plötzlich Schluss. Im November 2013 schließt die Familie nach 32 Jahren ihr inzwischen eigenes Haus auf der Kö, obwohl Umsatz und Gewinn stimmen. In den Geschäftsräumen residiert heute das Modehaus Dior.

Die Gründe für das Aus sind vielseitig. Einer davon ist, dass der Pionier der Modebranche langsam die geschäftliche Freude am Kauf von Mode verlor. „Die Auflagen und Restriktionen bei der Belieferung durch die Markenfirmen wurden immer größer“, berichtet Susanne Asbrand-Eickhoff. „Für uns war die Entscheidungsfreiheit als Unternehmer immer sehr wichtig, aber wir haben bemerkt, dass das nur noch bedingt durchsetzbar war“, ergänzt ihr Ehemann. Teilweise wollten die Firmen sogar vorschreiben, was und in welcher Stückzahl die Eickhoffs – und andere Einzelhändler auch – bestellen sollten.

Zudem hat sich auch die Kö verändert. Die Beobachtung, dass viele mittelständische Unternehmen ihre Läden geschlossen haben, ist für Asbrand-Eickhoff ein „Zeichen unserer Zeit, ein ganz natürlicher wirtschaftlicher Veränderungsprozess“. Als Albert Eickhoff sein Geschäft eröffnete, prägten Teppichgeschäfte, Antiquitätenläden sowie Fachgeschäfte für Pelze und Taschen die Düsseldorfer Prachtstraße. Heute machen Ketten wie H&M oder Zara die Kö auch für ein jüngeres Publikum attraktiv. „Was auf der Kö passiert, passiert so auf der ganzen Welt“, erklärt Stefan Asbrand-Eickhoff. Eine prägende Rolle spielt die wachsende Zahl der Monostores der großen Marken, die den lokalen Einzelhandel kaum noch beliefern, obwohl sie einst vom mittelständischen Facheinzelhandel dieser Läden aufgebaut wurden. Auch die Familie Eickhoff machte diese Erfahrung. 

Die Branche hat sich radikal verändert. Viele hochkarätige Marken machen nach Branchenangaben mit der Konfektion nur noch maximal ein Viertel ihres Umsatzes. Die Mode ist der Türöffner für den Verkauf von Taschen, Gürteln, Sonnenbrillen, Parfums und Kosmetika. Auch das Kundenverhalten ändert sich: Im Jahr 2017 macht der Onlinehandel im Bereich Textilien und Accessoires in Deutschland 15,7 Milliarden Euro Umsatz. „Dieses Geld fehlt allen Innenstädten dieser Republik“, sagt Asbrand-Eickhoff, „und dabei sprechen wir nur von dem Verlust im stationären Modehandel.

Die KÖ ist ein Sehnsuchtsort.

„Die Königsallee wird trotz aller Veränderung immer ein Statement für Luxus, für Stil und für Anspruch bleiben“, sagt Asbrand-Eickhoff. Die Stadt müsse sich mehr um diesen Anziehungspunkt für Lifestyle und modeaffine Besucher kümmern. „Die Kö ist mit ihrer Ansammlung der großen Marken für viele Menschen ein Sehnsuchtsort“, ergänzt er. 

Und Düsseldorf bleibt nach Ansicht der Eickhoffs ein bedeutender Modestandort für Deutschland. Obwohl seit 2007 die Fashion Week die Vertreter der Branche nach Berlin lockt. „Berlin ist eine experimentelle Stadt, das kulturelle Potenzial und die Aufbruchstimmung waren und sind dort so groß, dass man einfach dorthin wollte“, kommentiert Asbrand-Eickhoff diese Entwicklung. Für viele Firmen sei der Auftritt dort eine Prestigefrage. Die Fashion Week habe einen anderen Charakter als die hiesigen Messen und Showrooms. „In Düsseldorf werden die Geschäfte abgeschlossen, viel mehr als in Berlin“, berichtet Asbrand-Eickhoff. „Und Modeimpulse sind von Berlin bisher nicht ausgegangen“, ergänzt er. •


Text: Rainer Kurlemann

Fotos: Familie Eickhoff