The office of the future…

Wie sieht der „Schreibtisch der Zukunft“ aus? Und wie können Konzepte wie Coworking auch in Krisenzeiten funktionieren und den Teamgedanken fördern? Experten aus der Wirtschaft haben uns ihre Einschätzung gegeben.

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Markus Albers Mitgründer und Geschäftsführer der Agentur Rethink, Mitgründer des Beratungsunternehmens Neuwork und Experte für neues Arbeiten und digitale Transformation

Mobiles und flexibles Arbeiten war in deutschen Unternehmen bis vor kurzem noch die Ausnahme. Es wurde von Mitarbeitenden verlangt, mithilfe aktueller Tools digital zu kollaborieren und nahezu permanent erreichbar zu sein – aber trotzdem am nächsten Tag wieder pünktlich im Büro zu sitzen. Beides zusammen hat die Menschen ausgelaugt, teils krank gemacht und war nicht produktiv. Durch Corona fiel erstmals der zweite Teil, also die Präsenzkultur, weg. Und wir haben gemerkt: Arbeit funktioniert verblüffend oft auch remote. Manchmal sogar besser. Davon wird auch nach Corona vieles bleiben. Der Schreibtisch der Zukunft wird also endlich überall stehen: zu Hause, im Park oder Garten, im Café oder auch mal im Büro. Büros werden ihre Funktion verändern. Sie sind dann endgültig nicht mehr Orte, an die ich fahre, um auf einen Bildschirm zu schauen – das kann ich überall. Sondern Orte für Austausch, Kreativität, Kommunikation. Sie werden kleiner, zentraler und noch mehr wie Hotellobbys oder Wohnzimmer aussehen: mit Sofas, offenen Küchen, Espressomaschinen. Coworking ist schon heute die anschauliche Umsetzung des beschriebenen Prinzips. Wenn wir zum Arbeiten nicht mehr nur ins Büro fahren, brauchen wir wechselnde dritte Orte neben dem Zuhause und dem Büro, an denen wir alleine konzentriert oder kollaborativ mit anderen arbeiten können. Coworking Spaces leisten das schon heute und werden das in Zukunft noch mehr tun.

In den letzten Jahren gab es Appelle für mehr „Digitale Transformation“, „Disruption“ und „Change“. Für viele blieben das aber blutleere Schlagworte: Veränderung – wohin? Change – warum? Im Corona-Lockdown war das plötzlich anders. Nun musste Arbeit über Plattformen wie Zoom, Teams und Google-Docs laufen. Und siehe da: Es ging. Menschen lernen sehr schnell, sich auf Neues einzustellen, wenn sie müssen. Dazu braucht es dann keine Trainings, Seminare oder Appelle der Geschäftsführung. Unternehmen und Menschen haben in der Coronakrise bewiesen, dass sie die heute vielbeschworene Resilienz durchaus besitzen. Nun fragen sich alle, ob sie zum alten Arbeitsleben zurückwollen oder welche Aspekte der neu eingeübten Arbeitsstile sie bewahren wollen. Das ist eine gesunde Diskussion, aus der eine grundlegend veränderte Arbeitswelt hervorgehen wird. •

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Jørn Rings Gründer und Geschäftsführer des Düsseldorfer New Work Lab „Zur Goldenen Idee“ und Spezialist für Ideen- und Innovationskultur

Der feste Schreibtisch hat ausgedient. In Zukunft werden wir unsere Dokumente digital im Gepäck und die ein oder andere Papiernotiz in der Tasche haben. Ein fixer Ort, an dem wir Akten stapeln oder eine Stiftsammlung im Rollschrank aufbewahren, ist schon jetzt nur noch Statussymbol. Viel wichtiger werden Zonen für Austausch und situativen Rückzug sein. Mit unserem „leichten Gepäck“ können wir von überall arbeiten – und das können in einem Gebäude ganz unterschiedliche Orte sein: Teamarbeitsräume, Workshop-Räume, „Bibliotheken“ für konzentriertes Arbeiten oder Work-Cafés, in denen man sich mit Kollegen auf einen Besprechungs-Kaffee trifft. Das Homeoffice ist dabei natürlich ein gleichberechtigter Ort. Flexibles Arbeiten an unterschiedlichen Orten wird aber nur dann hundertprozentig funktionieren, wenn die Technik zuverlässig und leicht zu bedienen ist und wenn ausreichend Rückzugsorte vorhanden sind. Außerdem muss die Unternehmenskultur entsprechend entwickelt sein. Nur wenn es akzeptiert und verstanden wird, dass sich die Kollegin zum Nachdenken aus dem Open Office in die Hängematte verzieht, lässt sich druckfrei und entspannt arbeiten.

In den ersten Wochen der Coronakrise haben sich die Arbeitsbedingungen für die meisten Beschäftigten stärker verändert als in den fünf Jahren davor. Für viele beginnt jetzt die Suche nach ihrer neuen Arbeitswelt – denn kaum einer will 1:1 zu dem zurück, was er vorher hatte. Für Unternehmen ist das eine Riesenchance – die allerdings in einem Jahr wieder vorbei sein wird, wenn sich eine „neue Normalität“ eingeschlichen hat. Wer dann noch mal Veränderung will, hat es deutlich schwerer als jetzt. 

Insbesondere wie nachhaltig Homeoffice sein kann, haben wir in den ersten Corona-Wochen gesehen: leere Züge, ausgefallene Flüge und fast keine Staus auf den Straßen. Kinder konnten teilweise in der Stadt wieder vor der Tür spielen. Massiven Einfluss auf die Umwelt hat auch die Digitalisierung von Kommunikation. So kann eine Videokonferenz oft Reisen zwischen Standorten oder sogar Ländern ersetzen. Allerdings: Manche Dinge lassen sich wohl nur bei einer Tasse Kaffee im persönlichen Gespräch lösen. Da ist es von Vorteil, wenn Wege kurz sind und man sich vielleicht auch einfach im Café um die Ecke statt in der Firmenzentrale treffen kann. •

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Britta von Lackum Innenarchitektin und Workplace Development Specialist beim Möbelspezialisten Vitra

Die Covid-19-Pandemie hat gezeigt, dass das Homeoffice funktioniert und sich durchsetzen wird. Das beweisen auch viele Mitarbeiterbefragungen. Dadurch erleben Mitarbeiter eine neue Work-Life-Balance: Der Weg zur Arbeit entfällt, es bleibt mehr Zeit für Familie und Hobbies. Die Unternehmen verringern dadurch ihren ökologischen Fußabdruck. Jedes Homeoffice ist billiger und besser als schlecht gestaltete Büroräume. Daher wird das Homeoffice das klassische Zellenbüro ersetzen. Das eigentliche Büro im Unternehmen bekommt damit eine neue Bedeutung: Wenn Mitarbeiter weiter von zu Hause arbeiten können, benötigt das Büro weniger Fläche, muss aber zeitgleich Anreize schaffen. Es wird zum „Lagerfeuer“ für die Kollegen. Der Fokus der Angebote wird umso mehr auf Austausch, kreativer Kollaboration, Projektarbeit und dem Vermitteln eines Heimatgefühls für die Kollegen sein. Gleichzeitig bietet das Homeoffice die Möglichkeit, Markenbotschafter für Unternehmen zu sein, indem diese ihre Mitarbeiter gezielt bei der Einrichtung und technischen Ausstattung unterstützen. 

Auch Coworking bekommt mehr Bedeutung: Menschen werden es verstärkt nutzen, auch um die tägliche Anfahrt ins Büro zu umgehen. Das Angebot von Coworking Spaces muss daher verdichtet werden. Das betrifft nicht nur Städte, sondern auch ländliche Gebiete. In den letzten Jahren haben wir von Vitra beobachtet, dass Arbeitsorte mehr und mehr wie Wohnorte ausgestattet wurden und so eine neue Behaglichkeit in die Büros eingezogen ist. Nun gilt es Wohnorte zu schaffen, in die sich auch Arbeitsorte funktional und ästhetisch integrieren. •

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Words: Elena Winter 
Pictures: PR