TRADING TOMORROW
Ob digitale Lieferlogistik aus den Niederlanden, IT-Ökosysteme eines europäischen Großhändlers oder die Premiere einer Weltleitmesse am Persischen Golf: Akteure aus der Region zeigen, dass Handel weit mehr ist als Warentransfer. Er ist ein integratives System aus Innovation und Kooperation – und Düsseldorf steht dabei im Zentrum.
Die schöne neue bunte Welt des Handels – zu erleben auf der EuroShop in Düsseldorf, die 2026 ihr 60-jähriges Bestehen feiert.
Aus den Niederlanden nach Deutschland: Picnic liefert Lebensmittel direkt nach Hause – und das mehr und mehr automatisiert
NACHBARSCHAFT ALS NÄHRBODEN FÜR INNOVATION
Zwischen Rhein und Niederlanden beginnt diese Geschichte fast beiläufig, mit einem Milcheimer voller Daten. Der Lebensmittellieferdienst Picnic, 2015 in den Niederlanden gegründet, hat das Modell des modernen Milchmanns so präzise digitalisiert, dass aus einer Dienstleistung eine umfangreiche Plattformlogistik wurde. Bereits die ersten Schritte nach Deutschland führten das Unternehmen über Kaarst, Neuss und Meerbusch direkt in den Großraum Düsseldorf. Die Grundidee blieb unverändert: volle Sortimente zu Supermarktpreisen, feste Routen, ein 20-Minuten-Zeitfenster und eine rein elektrische Flotte, deren Wege auf Algorithmen basieren. Die Nähe zur niederländischen Heimat, die dichte urbane Struktur und die Lieferbereitschaft der Konsument:innen machten NRW zum logischen Startpunkt. „NRW ist unser größter Markt und Herzstück unserer Expansion“, sagt Frederic Knaudt aus dem Gründerteam von Picnic Deutschland. „Der Kern – große Auswahl, Supermarktpreise, kostenfreie Lieferung mit festen Routen und 100% E-Fahrzeuge – funktioniert auch hier sehr gut.“ Zugleich mussten Anpassungen erfolgen, etwa bei Sortimenten und Preissensibilität, denn „deutsche Kunden sind besonders preissensibel“, wie er betont. Auch in der Logistik verschieben sich die Grenzen: „Das größte Innovationspotenzial liegt in der weiteren Automatisierung unserer Prozesse.“ Den sichtbarsten Ausdruck dieser Entwicklung setzte Picnic 2025 mit dem robotisierten Fulfillment-Center in Oberhausen. 1.500 Hochleistungsroboter, drei Klimazonen und eine eigenentwickelte Software-Plattform schaffen dort Kapazitäten für über 150.000 Haushalte pro Woche. Das zeigt, welche Innovationskraft die niederländischdeutsche Nachbarschaft entfalten kann, wenn Technologie und Marktverständnis nahtlos ineinandergreifen.
Technologien wie das Target Operating Model unterstützen Kerngeschäft und Internationalisierung der METRO AG.
METRO VERNETZT MÄRKTE UND MENSCHEN
Ein anderes Kapitel des Handels entsteht mitten in Düsseldorf bei der METRO AG. Der internationale Großhändler richtet sich im Herzen Europas technologisch neu aus – mit einem Ansatz, der das Zusammenspiel von Märkten und Daten professioneller ordnet. Das neue Target Operating Model (TOM) ist für METRO ein struktureller Wendepunkt, der Entscheidungswege verkürzt, Plattformen vereinfacht und Produktverantwortungen klarer verteilt. CIO Dr. Khaled Bagban beschreibt diesen Wandel präzise: „Im Großhandel geht es heute vor allem darum, komplexe Prozesse über Länder hinweg verlässlich zu steuern. Wir sind ein Lebensmittelgroßhändler, der vor allem Kunden aus dem Hotel- und Gastgewerbe bedient, und die Essgewohnheiten unterscheiden sich kulturell sehr, wenn man unsere Länderpräsenzen von Portugal bis hin nach Pakistan ansieht.“ Der Großhandel sei ein streckenweise komplexes Geschäft, insbesondere weil METRO zu einem großen Teil mit frischen Produkten handle, die nicht unbegrenzt gelagert werden könnten. Um diese Prozesse optimal zu steuern, setze das Unternehmen zunehmend auf Künstliche Intelligenz – etwa, um Bedarfe präziser vorherzusagen oder Lieferketten effizienter zu gestalten. In Kombination mit flexiblen IT-Plattformen könne es so schneller reagieren und Kunden genau das bereitstellen, was sie benötigten – in gleichbleibend hoher Qualität. „Technologie unterstützt unser Kerngeschäft, sie schafft Klarheit, Tempo und Verlässlichkeit im internationalen Handel“, sagt Bagban. Damit macht das Unternehmen sichtbar, wie digitale Systeme nicht als Zusatz, sondern als Rückgrat des internationalen Großhandels fungieren – und wie Düsseldorf zum Steuerungszentrum dieser Transformation wird. INTERNATIONAL BUSINESS: EUROPE, MIDDLE EAST, AFRICA 18
„Im Grosshandel geht es heute vor allem darum, komplexe Prozesse über Länder hinweg verlässlich zu steuern“
Handel verbindet – auf der Euroshop in Düsseldorf werden weltweite Retail Trends und Innovationen erlebbar.
EUROSHOP – BÜHNE DES GLOBALEN HANDELS
Parallel dazu öffnet die Messe Düsseldorf der globalen Handelswelt seit Jahrzehnten mit einer zentralen Plattform die Türen. 2026 feiert die EuroShop ihren 60. Geburtstag und setzt ihren Internationalisierungskurs fort. Alle drei Jahre treffen sich hier die wichtigsten Akteure im Retail – sowohl Brands und Händler als auch etwa 1.900 Aussteller aus über 60 Ländern. „Künstliche Intelligenz ist sicher der stärkste Innovationstreiber im Handel, der alle Bereiche verändert, von der Automatisierung von Prozessen bis hin zur Kommunikation mit Kunden. Neben der Technologie ist aber Menschlichkeit ein wichtiger Faktor. Stores werden immer mehr zu Erlebnisflächen, in denen sich Communities treffen können und wo Lokalität und Personalisierung Raum finden“ beschreibt Elke Moebius, Director EuroShop und Global Head of Retail, die aktuellen Entwicklungen. Mit der neuen Euro- Shop Middle East, die im Oktober 2026 erstmals in Dubai stattfinden wird, entsteht ein ergänzender Pulsgeber im Nahen Osten, organisiert vom neuen Messe Düsseldorf Gulf Office. „Wir kombinieren das bewährte EuroShop- Konzept mit lokalem Know-how – ein ideales Fundament für nachhaltigen Erfolg“, betont Elke Moebius. Dubai is considered a global hub for trade and innovation, boasting first-class infrastructure, a robust retail sector, and favourable conditions for international business. For Düsseldorf, this means expanding its trade radius, and for companies it means gaining access to a region that is one of the most dynamic economic areas, with mega-projects, GreenTech investments, and rapid population growth. Messe Düsseldorf now has eleven of its twenty world-leading trade fairs represented in the Middle East. 'We have brought more than half of our portfolio to the Gulf region, and more trade fairs will follow,' says Wolfram N. Diener, Chairman of the Management Board at Messe Düsseldorf.
HANDEL KENNT KEINE GRENZEN
Dass solche Verbindungen funktionieren, zeigt auch der Blick auf die Luftverkehrsachsen. Düsseldorf ist durch tägliche Langstreckenflüge von Emirates nach Dubai und Qatar Airways nach Doha eng mit Asien und dem Mittleren Osten verflochten. Seit Dezember 2025 ergänzt Eurowings die Route mit zusätzlichen Direktflügen nach Dubai. Düsseldorf steht damit für einen Mobilitätsvorteil und einen Handelsbegriff, der breiter geworden ist – durch vernetzte Ökosysteme. Zwischen Nachbarschaft, europäischer IT-Kompetenz und neuen Märkten im Mittleren Osten wächst ein zusammenhängender Raum, in dem Innovationen gedeihen. Handel war schon immer verbindend, heute verknüpft er immer mehr Technologien. In Düsseldorf zeigt sich, wie daraus Zukunft wird. •
Words: Karolina Landowski
Pictures: EuroShop by www.mateusztondel.com, Picnic, Metro, EuroShop by www.mateusztondel.com