DÜSSELDORF GOES LIVE
Zehn Konzerte der Backstreet Boys, Invictus Games Germany, Japan-Tag und WM im Eishockey: Wie D.LIVE Geschäftsführer Michael Brill und sein Team es geschafft haben, Düsseldorf zu einem der wichtigsten Veranstaltungsorte Europas zu machen, erzählte er VIVID in einem Gespräch.
Michael, Du bist seit 2018 Geschäftsführer von D.LIVE. Wie kam es zur Gründung?
Ich mache seit 35 Jahren Live Entertainment, habe u.a. die Arena Oberhausen mit aufgezogen und in Breslau im Rahmen der Fußball-EM 2012 das Stadion geplant und betrieben. 2016 rief mich Stadtdirektor Burkhard Hintzsche an und fragte, ob ich Interesse hätte, das Thema Live Entertainment in Düsseldorf neu zu denken. Im August 2018 gründeten wir D.LIVE mit der Stadt Düsseldorf als hundertprozentigem Gesellschafter und wagten damit einen vollständigen Neustart in den Bereichen Musik, Sport und Modern Culture. Inzwischen betreiben wir neun Veranstaltungsstätten, haben 182 Mitarbeitende, seit der Gründung unseren Umsatz verdreifacht und die Veranstaltungsqualität und -dichte sowie das Besucher:innenerlebnis fundamental verändert.
Ihr bespielt nicht nur die großen, sondern auch kleine Veranstaltungsorte. Dazu gehören zwei der wohl ikonischsten Locations Düsseldorfs: der Ratinger Hof und die Rheinterrasse. Wie kam es dazu?
Die Glaubwürdigkeit und die Entwicklung eines kulturellen Standortes haben viel damit zu tun, was bei den sogenannten Grassroots passiert: Wenn wir nicht dafür sorgen, dass Düsseldorf die Voraussetzungen bietet, dass Musik auch von unten entstehen kann, verpufft zu viel des Potenzials. Wir bewegen uns inzwischen an der Spitze der großen deutschen Konzertstandorte. Die Übernahme des Ratinger Hofs war daher eine absolut logische Konsequenz, denn nur mit einer starken Clubszene sind wir auch glaubwürdig für die großen Shows.
Ihr habt als Betreiber des Ratinger Hofs einen Protagonisten der Düsseldorfer Musikszene installiert.
Nicht jede Stadt verfügt über eine innenstadtnahe Versammlungsstätte in so toller Lage wie die Rheinterrasse, der D.LIVE nun neues Leben eingehaucht hat.
Wir haben die Rahmenbedingungen geschaffen, mit denen der Betreiber Bernie Lewkowicz und sein concertteam nrw gut arbeiten können. Das Clubsterben hat viel mit hohen Mieten und gestiegenen Lohnkosten zu tun. Hinzu kommen behördliche Auflagen, von denen wir viele übernommen haben; zudem unterstützen wir den Hof wirtschaftlich.
Wie war das bei der Rheinterrasse?
Für uns ist die Rheinterrasse das ikonischste Veranstaltungsgebäude Düsseldorfs. Nicht jede Stadt verfügt über eine innenstadtnahe Versammlungsstätte in so toller Lage, die eine 100-jährige Geschichte und viel Glamour zu bieten hat. Wir haben sie angepachtet, um neue Wege zu gehen und die Rheinterrassen wiederzubeleben. Und das ist uns gut gelungen.
Welche Art Programm kann man in der Rheinterrasse erwarten?
Die Rheinterrasse ist in erster Linie für gesellschaftliche Anlässe und Firmenveranstaltungen geeignet. Wir wollen dort aber auch Iconic Events aus dem Kulturbereich installieren wie den „Preis für Popkultur“, den wir im letzten Jahr aus Berlin nach Düsseldorf bringen konnten. Es wird sicherlich noch andere Award Shows mit überregionaler Reichweite in den unterschiedlichen Genres geben.
Lass uns auf die großen Venues kommen, die Ihr betreibt: In diesem Jahr wird es zehn Gigs der Backstreet Boys geben, die einzigen Auftritte in ganz Europa, Robbie Williams einziges Deutschlandkonzert, System of A Down spielen Open Air … Wie habt Ihr es geschafft, diese großen Namen nach Düsseldorf zu holen?
Mit drei ausverkauften Shows im letzten Jahr bricht Ed Sheeran mit insgesamt rund 195.000 Besucher:innen einen Zuschauerrekord: Noch nie waren so viele Besucher:innen bei einem Einzelkonzert in der MERKUR SPIEL-ARENA zu Gast.
Das ist das Ergebnis einer klaren Strategie. Wir betreiben inzwischen 18 Fachabteilungen mit hochqualifizierten Mitarbeitenden – von Sicherheit, Gebäudemanagement, Vermarktung bis zur Umsetzung der Veranstaltungsproduktion. Wir haben zudem neun Veranstaltungsstätten im Portfolio und sind damit in der Lage, allen Kund:innen unterschiedlichste Leistungen anbieten zu können und gemeinsam zu überlegen, wo wir Künstler:innen am besten platzieren. In allen Locations bedienen wir die komplette Veranstaltung inklusive des technischen Personals, haben eine große Risikobereitschaft und Flexibilität. All das hat uns zu einem starken Player gemacht.
Düsseldorf bekommt zudem eine neue Open-Air-Location, die in diesem Sommer eröffnet: den OPEN AIR PARK DÜSSELDORF, eine flexible, hochmoderne Veranstaltungsfläche für bis zu 80.000 Besucher:innen. Das Eröffnungskonzert im Juli spielen System Of A Down mit Queens Of The Stone Age und Acid Bath – ein absolutes Highlight!
Düsseldorf ist die einzige Stadt Deutschlands, die eine dauerhaft für den Spielbetrieb von Großveranstaltungen ausgelegte Fläche anbieten kann. Wir haben mit der Location ein voll erschlossenes und damit nachhaltiges Open-Air-Gelände ohne Dieselaggregate oder Dixie Klos, entscheidend ist aber seine Kapazität von 80.000 Besucher:innen. Damit gelangen wir natürlich in den Blickwinkel der großen Konzertveranstalter:innen. System Of A Down, werden dieses Jahr zum ersten Mal die ganze Fläche bespielen. Auch dadurch erhalten wir als Stadt Aufmerksamkeit und eine völlig neue Position – auch beim Publikum und bei Künstler:innen.
Was ist Eure Vision bei D.LIVE? Wollt Ihr Düsseldorf den alten Glanz als Musikstadt zurückgeben, den es in Zeiten des Creamcheese, von Kraftwerk und des alten Ratinger Hofs hatte?
Ich glaube, dass der neue Glanz mindestens genauso hell scheint wie der alte. Wir sind ein Standort geworden, der Selbstbewusstsein ausstrahlt, weil er eine Transformation durchlebt hat: Musik, moderne Kultur und Live-Entertainment haben eine hohe Priorität bekommen – und so etwas kann man nicht herbeireden. Nur wenn hier tolle, große Veranstaltungen stattfinden, wird auch die Szene auf uns aufmerksam. Wir haben die Infrastruktur, das Verständnis, die Möglichkeiten; daher steigt die Zahl der Produzent:innen und Kreativen in Düsseldorf Jahr für Jahr.
ABOUT D.LIVE
• 9 venues: OPEN AIR PARK, MERKUR SPIEL-ARENA, PSD BANK DOME, Mitsubishi Electric HALLE, CASTELLO Düsseldorf, Club MTV, alltours Kino am Rhein, Rheinterrasse and Ratinger Hof.
• With capacities ranging from 400 to 80,000 guests
• More than 9 million visitors
• More than 500 events
• As one of Germany's leading live entertainment providers, D.LIVE organises and produces the city's most important major events – from Japan Day and the Düsseldorf Christmas markets to the fan zones during UEFA EURO 2024.
• With D.SPORTS, D.LIVE also aims to showcase sport in all its facets and is an organiser, partner and sponsor of top-class and popular sports as well as individual sports clubs in Düsseldorf.
Wir haben jetzt vor allem über Musik gesprochen – wie sieht es mit Live-Sport in Düsseldorf aus?
Sport ist genauso wichtig wie Live-Entertainment und Musik, und Düsseldorf ist inzwischen zu einer echten Sportstadt geworden. Auch hier brauchen wir Leuchtturmprojekte wie den Grand Depart der Tour de France, die EURO 2024 oder die Weltmeisterschaft im Eishockey in 2027.
Welche weiteren Veranstaltungs-Highlights wird es geben?
Wir haben den Zuschlag für die EM im Frauenfußball 2029 bekommen. Du siehst also, dass wir es geschafft haben, fast alle großen Sportereignisse, ob im Fußball, Handball oder Eishockey, nach Düsseldorf zu bringen. Auch hier greift, dass wir mit D.SPORTS organisatorisch alles aus einer Hand anbieten können – wie beim Düsseldorf Marathon, ein Event mit 25.000 Menschen, das wir komplett selbst durchführen.
„Wir bewegen uns inzwischen an der Spitze der grossen deutschen Konzertstandorte“
Ein Klacks verglichen mit dem Japan-Tag, den Ihr auch organisiert …
… und der schon 650.000 Besucher:innen hatte. Außerdem sind wir verantwortlich für die Düsseldorfer Weihnachtsmärkte, die Hofgartenkonzerte und entwickeln stetig weitere Konzepte. Ein Beispiel ist Invictus Germany, das wir in eigener Verantwortung gegründet haben. Es ist eine sehr wertvolle Arbeit, sich für kriegsversehrte Soldat:innen zu engagieren, die im Januar von Verteidigungsminister Boris Pistorius mit dem Preis für „Bundeswehr und Gesellschaft“ ausgezeichnet wurde.
Bei so viel Erfolg: Was kann da jetzt noch kommen?
Eine Menge! Jeden Tag kommen viele Menschen in unsere Stadt, für die wir etwas bewegen möchten. In Zeiten, in denen wir mit vielen Sorgen, Ängsten und Unsicherheiten durch den Alltag kommen müssen, werden Kultur und Sport eine immer größere Rolle spielen. Dementsprechend gibt es von D.LIVE garantiert noch viel zu erwarten! •
Words: Katja Vaders
Pictures: D.LIVE/ Norman Keutgen, Ed Sheeran: D.LIVE/ Kai Kuczera, D.LIVE/ Peter Weihs