HOW DÜSSELDORF’S INDUSTRY SECURES ITS FUTURE

Industrie ist ein tragender Pfeiler der Düsseldorfer Wirtschaft. Um ihre Zukunft erfolgreich zu sichern, wird eine starke Strategie – der 2011 initiierte Masterplan Industrie – von allen beteiligten Partnern gemeinsam fortgeschrieben. Gleichzeitig gilt: Arbeiten und Leben in Düsseldorf in Balance halten!


Andreas Schmitz, President Düsseldorf, Chamber of Industry and Commerce

„Schreibtisch des Ruhrgebiets“: Diese Metapher stammt aus den 1950er-/60er-Jahren, als viele produzierende Firmen aus dem Ruhrgebiet in Düsseldorf ihren Verwaltungssitz eröffneten. Und in der Tat hat die Stadt auch heute bundesweit eine der höchsten Dienstleistungsquoten. Was viele Menschen aber nicht unbedingt vermuten würden: Düsseldorf ist ebenso einer der stärksten Industriestandorte in NRW! „Gerade in urbanen Räumen hat sich das produzierende Gewerbe zu einem „Netzwerk Industrie“ entwickelt – aus produzierenden Unternehmen, industrienahen Dienstleistern und zunehmend technologieorientierten Gründungen. Eine aktuelle Erhebung beziffert die Größenordnung auf rund 100.000 Arbeitsplätze. Damit ist Industrie in Düsseldorf ein tragender Pfeiler des wirtschaftlichen Kerns der Stadt“, erklärt Andreas Schmitz, Präsident der IHK Düsseldorf.


Dr. Stephan Keller, Lord Mayor, City of Düsseldorf

Um diesen Kern langfristig zu stärken und zu entwickeln, haben die Stadt, Industrieunternehmen, Verbände und die IHK Düsseldorf bereits 2011 den Masterplan Industrie ins Leben gerufen. Als strategisches Instrument soll er konkurrierende Nutzungsansprüche aus Arbeiten, Wohnen, Freizeit und Verkehr ausbalancieren, Technologietransfer von Wissenschaft in die Industrie ermöglichen, für eine nachhaltige und günstige Energieversorgung und letztendlich für Industriesichtbarkeit und -akzeptanz in der Stadt sorgen. Im Vergleich mit anderen deutschen Städten, wo Industrie und Gewerbe unter Verdrängungsdruck geraten, ist das durchaus etwas Besonderes: „Düsseldorf setzt bewusst ein Zeichen und bekennt sich seit nunmehr 15 Jahren zur Industrie und gewerblichen Produktion als ein zentraler Pfeiler von Wertschöpfung, Innovation und Beschäftigung. Industrie ist in Düsseldorf kein Randthema der Stadtentwicklung, sondern Teil einer zukunftsfähigen Stadt“, sagt Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller.


INDUSTRIE IST IN DÜSSELDORF KEIN RANDTHEMA DER STADTENTWICKLUNG, SONDERN TEIL EINER ZUKUNFTSFÄHIGEN STADT

Die sogenannte Kernzonenkarte spielt dabei eine Schlüsselrolle: Sie definiert klar, welche Flächen für Industrie und produzierendes Gewerbe gesichert werden. „Damit wird Planungssicherheit für Unternehmen geschaffen und diese Bereiche werden vor konkurrierenden Nutzungen geschützt“, ergänzt er. Dass Stadtplanung und Wirtschaftsförderung dabei Hand in Hand arbeiten, verdeutlicht den Stellenwert Auch der IHK-Präsident betont das starke Signal durch den Masterplan: „Düsseldorf ist und bleibt ein Standort, an dem bestehende Unternehmen wachsen können – und an dem industrielle Ansiedlungen ausdrücklich willkommen sind.“

Erfolgreiche Beispiele dafür gibt es einige. Etwa im Düsseldorfer Süden, wo auf der früheren Vallourec-Fläche das Projekt „the Tube“ entstanden ist. Oder im Düsseldorfer Norden, wo aktuell die Gewerbefläche des ehemaligen Röhrenwerkes an der Theodorstraße entwickelt wird. Auch im Segro-Park in Flingern werden frühere Industrieflächen effektiv und zeitgemäß genutzt. „Diese Entwicklungen finden allesamt auf Flächen statt, die innerhalb der Kernzonen liegen und zeigen damit, dass zuvor gewerblich-industriell genutzte Flächen auch zukünftig Standorte für Gewebe- und Industrieunternehmen in Düsseldorf sind“, erklärt der Oberbürgermeister.

„Düsseldorf setzt auch in den kommenden Jahren konsequent auf Flächensicherung, verlässliche Planung und enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Wir als Stadt sichern damit nachhaltig Gewerbe- und Industrieflächen und betreiben ein aktives Flächenmanagement, um vorhandene Potenziale besser zu nutzen. Zudem sorgen wir für transparente und verlässliche Genehmigungsverfahren“, ergänzt er. Gleichzeitig stärkt die Stadt industrielle Netzwerke, Innovations- und Technologiecluster sowie den Austausch mit Hochschulen (siehe Info-Kasten). Auch der kontinuierliche Ausbau der Verkehrs- und digitalen Infrastruktur wird dafür vorangetrieben.

„Für die Zukunft des Industriestandorts ist für uns zentral, Innovationen zu ermöglichen – und zwar konkret am Standort. Wir sehen substanzielle Investitionen in hochinnovative Felder, und zwar branchenübergreifend von Schlüsseltechnologien bis hin zu modernen Produktions- und Dienstleistungsmodellen“, sagt IHK-Präsident Schmitz. Entscheidend sei dabei die Zusammenarbeit in Gremien und Netzwerken wie dem IHK-Industrieausschuss, dem Industriekreis Düsseldorf, dem Masterplan-Industrie-Prozess sowie „Zukunft durch Industrie“. „Genau diese Form der Kooperation stärkt die Wettbewerbsfähigkeit Düsseldorfs nachhaltig“, ergänzt er.


SO GEHT TECH- UND KNOWHOW-TRANSFER IN DER INDUSTRIE

·     Die Landeshauptstadt Düsseldorf unterstützt, indem sie Innovationszentren, Transferstellen der Hochschulen sowie spezialisierte Netzwerke und Veranstaltungsformate nutzt. Das initiiert Kooperationen und erleichtert den Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse in die wirtschaftliche Praxis.

·      Die Heinrich-Heine-Universität und die Hochschule Düsseldorf verfügen über eigene Stellen für den Technologie- und Wissenstransfer. Ein schönes Beispiel ist die Zusammenarbeit der Wirtschaftsförderung mit dem ZDD (Zentrum für Digitalisierung und Digitalität) der Hochschule Düsseldorf. Gemeinsam werden Formate für die Wirtschaft angeboten, um Einblicke zu ermöglichen, Innovationsimpulse zu setzen und Kooperationen anzubahnen.

·      Auf dem EUREF-Campus Düsseldorf tragen praxisnahe Studienangebote, Reallabore und Innovationspartnerschaften dazu bei, Forschungsergebnisse in den Bereichen Energie, Mobilität und Nachhaltigkeit zügig in marktfähige Lösungen zu überführen. „Wir als Stadt möchten das lokale Ökosystem hierbei unterstützen und mit den entsprechenden Rahmenbedingungen den Austausch untereinander fördern“, so Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller.


Annette Karsten, Managing Director, Zukunft durch Industrie e.V.

Wie das funktioniert, zeigt exemplarisch der Verein Zukunft durch Industrie (ZdI). Zu seinen über 100 Mitgliedern gehören KMUs, Konzerne, IHKs aus dem ganzen Rheinland, Hochschulen und auch einige Privatpersonen. „Zukunft durch Industrie versteht sich als Brücke zwischen Industrie und Gesellschaft. Wir zeigen, warum eine starke, innovative und nachhaltige Industrie zentral für Wohlstand, Klimaschutz und technologischen Fortschritt ist“, sagt Geschäftsführerin Annette Karsten. Die Vereinsarbeit bündelt sich in vier Feldern: Dialog fördern, Industrie sichtbar und erlebbar machen, Nachwuchs für die Berufswelt der Industrie begeistern und Akteure aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Bildung vernetzen. Ziel ist es, Industrie verständlich zu machen und Vertrauen aufzubauen, den Blick auf die Chancen zu richten.

„Viele junge Menschen haben kaum Berührungspunkte mit Industrie. Deshalb schaffen wir frühe Begegnungen mit den Unternehmen und ermöglichen direkte Einblicke in moderne Produktionswelten“, erklärt Annette Karsten. „So wird die Botschaft transportiert: Wer in der Industrie arbeitet, gestaltet Zukunftsthemen wie Energiewende, Mobilität und Digitalisierung aktiv mit.“ Ein aktuelles Beispiel ist das Schulprojekt „Industriekoffer“: ein mit pädagogischer Expertise entwickelter Methodenkoffer, mit dem Lehrkräfte ihren Schüler:innen Industrie anschaulich und praxisorientiert näherbringen können. Mitgliedsunternehmen des ZdI bringen dafür konkrete Problemstellungen ein, die die Schüler:innen in Pitches bearbeiten. Spannend für junge Menschen – aber nicht nur für diese – ist auch das seit 2010 stattfindende Flagship-Event Lange Nacht der Industrie. Das Prinzip dabei: An einem Abend öffnen zahlreiche Industrieunternehmen ihre Werkstore und ermöglichen Besucher:innen einen tiefen Einblick, den es sonst so nicht gibt: Was wird hier produziert? Wie wird produziert? Und welche Bedeutung hat dieser Standort? „So entstehen Verständnis, Nähe und oft auch neues Interesse an industriellen Berufen“, so Karsten. In diesem Jahr findet die Lange Nacht der Industrie am 24. November statt und bildet erstmalig den Auftakt zum Handelsblatt Industriegipfel. „Unternehmen, die noch an dem Event teilnehmen möchten, können sich gerne bei mir melden“, lädt die Geschäftsführerin ein.


NEUE KLIMAKOOPERATION HENKEL UND STADTWERKE

Im April 2026 geht ein Düsseldorfer Leuchtturmprojekt an den Start: die neue Energiezentrale der Stadtwerke Düsseldorf auf dem Betriebsgelände von Henkel im Stadtteil Holthausen. Bislang ungenutzte industrielle Abwärme und Wärme aus Kraft-Wärme-Kopplung werden dann in das Fernwärmenetz der Stadtwerke integriert.
So können künftig 35 Prozent der Wärme für Garath und Benrath gedeckt werden. Das reduziert die CO₂-Emissionen der Stadt um etwa 6.500 Tonnen pro Jahr.Die Klima-Kooperation von Henkel und den Stadtwerken ist beispielgebend für das Zusammenspiel von Industrie, Versorger, Stadt und Politik.
Für Henkel ist die Kooperation ein Beitrag zur eigenen Nachhaltigkeit, für die Landeshauptstadt und das Land NRW ein wichtiger Schritt zum Erreichen der Klimaziele, für die Stadtwerke ein Meilenstein zur weiteren Dekarbonisierung der Fernwärme und zur Versorgungssicherheit. Sie macht die Stadt unabhängiger von geopolitischen Herausforderungen, weil weniger Gas importiert werden muss.


Das ergänzende Format „Erlebnis Industrie” richtet sich an die Lokalpolitik und bietet auch hier gezielt Einblicke in industrielle Prozesse und relevante Zukunftsthemen. „So möchten wir die Politik für wirtschaftliche Herausforderungen sensibilisieren, und den Dialog zwischen Unternehmen und Entscheidungsträgern stärken. Beide Formate stoßen auf sehr positive Resonanz: sie schaffen Interesse, Akzeptanz und einen praxisnahen Austausch zwischen Industrie, Politik und Gesellschaft“, würdigt Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller.

Um mit Blick in die Zukunft noch mehr Transparenz für Entscheidungen zu haben, will die IHK Düsseldorf in diesem Jahr eine Industrie-Studie vorlegen. „Diese soll vor dem Hintergrund konjunktureller Unsicherheiten sowie der Weiterentwicklung des Masterplans Industrie und der Kernzonen für Industrie und Gewerbe einen datenbasierten Beitrag zur Standortdebatte leisten. Ziel ist es, die Bedeutung der Industrie am Standort anhand von Kennzahlen, Trends und Treibern präzise zu quantifizieren, konkrete Zukunftsszenarien abzuleiten und konkrete, umsetzungsorientierte Handlungsempfehlungen zu entwickeln“, erklärt Andreas Schmitz. Die Ergebnisse werden dann in kompakten Szenarien für die Zukunft und Empfehlungen für die Kommunalpolitik einfließen. Auch das zeigt wieder: Das Netzwerk Industrie in Düsseldorf ist ständig in Bewegung! •


KLIMAPARTNER AUS DER INDUSTRIE

Erst wenige Jahre ist der „Düsseldorfer Klimapakt mit der Wirtschaft“ alt – und schon wurde der Meilenstein von 100 Mitgliedern, Klimapartner genannt, erreicht. Die Initiative unterstützt Unternehmen dabei, ihren Energieverbrauch zu senken und eigene Klimaschutzziele zu erreichen. Auch aus der Industrie machen zahlreiche Unternehmen bereits mit:

·       Teekanne

·       Weiss Stahl- und Metallbau

·       Weiqiao Germany

·       Fortin Mühlenwerke

·       Kiepe Electric

·       Siemens

·       Henkel

·       BASF

·       Konecranes

·       Mercedes-Benz Werk Düsseldorf

·       Dillenberg

·       Schulz & Sohn Chemie-Erzeugnisse


Words: Tom Corrinth
Pictures: IHK Düsseldorf_M.Valk, Landeshauptstadt Düsseldorf_Michael Lübke, Zdl, Stadtwerke Düsseldorf / Udo Geisler,

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