FROM DÜSSELDORF TO THE WHOLE WORLD

Die Region Düsseldorf ist europaweit zu einem wichtigen Standort für innovative Unternehmen geworden und verfügt über eine dynamische Startup-Szene. Einige der hier gegründeten Firmen haben sich zudem zu äußerst erfolgreichen Scaleups entwickelt. VIVID erzählt zwei Wachstumsgeschichten.


Am Anfang stand die Idee, einen Teddybären zum Sprechen zu bringen: Sascha Poggemann arbeitete im Bereich Smart Home, als er mit den ersten Prototypen von Sprachassistenten wie Alexa von Amazon in Berührung kommt. „Das hat mich auf Anhieb interessiert“, erzählt der Co-Gründer von Cognigy. Im Jahr 2016 sei er nach Düsseldorf gezogen und habe dort Philipp Heltewig kennengelernt. Der Technikfan arbeitet seinerzeit als CIO im Bereich Content-Management-Systeme. „Wir taten uns zusammen, gründeten unser Unternehmen Cognigy und überlegten, was man mit sprechenden Geräten anfangen könnte – z. B. einen Teddybären zu entwickeln“, so Philipp Heltewig weiter. Das Ziel: den Teddy nicht nur reden, sondern auch interagieren und sich Dinge merken zu lassen. „Es zeigte sich schnell, dass wir das Ergebnis nutzen konnten – zwar nicht für einen sprechenden Teddy, aber für eine Plattform die sog. Voice- und Chatbots entwickelt, die von Unternehmen genutzt werden“, erklären die beiden.

Zu Beginn programmieren sie sprachbasierte Systeme, die mit Nutzer:innen in Interaktion treten können, in den Folgejahren kommt Sascha Poggemann und Philipp Heltewig die rasant voranschreitende technische Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz zugute. „Wir konnten die Kommunikationsfähigkeit unserer Bots immer weiter verbessern und gleichzeitig ein sehr spannendes Unternehmen aufbauen. Wir trafen schnell die Entscheidung, uns auf Großprojekte zu konzentrieren – das war ein Wachstumsbeschleuniger.“

Cognigy gelingt es, Top-Investoren aus Europa und den USA sowie viele Kund:innen und Analyst:innen für sich zu gewinnen. Bereits ein Jahr nach Gründung gehen sie auch auf den amerikanischen Markt und bauen ein eigenes Team in San Francisco auf. „Seinerzeit fuhren sehr viele deutsche Manager ins Silicon Valley, um sich hochinnovative Technologien anzugucken. Wir hatten unsere Netzwerke schon vor Ort, so dass wir in diesen Kreisen pitchen konnten. Viele Innovationsträger und Investoren waren damals sehr überrascht, dass Spitzentechnologie auch aus Deutschland kommen kann“, erzählt Sascha Poggemann.


Wir haben unseren Standort massiv gestärkt und stellen aktuell viel Personal in ganz Europa ein

Das Gründerteam von Cognigy: Benjamin Mayr, Philipp Heltewig und Sascha Poggemann halten Düsseldorf für einen perfekten Standort für Startups.

Den bisher wichtigsten Meilenstein erreichte Cognigy im letzten Jahr: der Verkauf an den US-amerikanischen KI-Dienstleister NiCE für 955 Millionen Dollar. Dieses transformiert aktuell zu einem KI-Unternehmen. Neben der Zusammenführung der Produkte beider Firmen zu einer AI-Plattform, stellt sich NiCE in Europa noch stärker im Kundensegment auf – einer der Gründe für einen strategischen Aufkauf des Düsseldorfer Unternehmens, bei dem die beiden Cognigy-Gründer weiterhin in Entscheiderpositionen bleiben.

Wenn immer häufiger German Engineering in die USA verkauft wird – haben die beiden keine Sorge, dass zu viel Know-how nach Übersee abwandert, insbesondere, wenn es um die Entwicklung von KI geht? „Genau das Gegenteil ist der Fall. Wir haben unseren Standort massiv gestärkt und stellen aktuell viel Personal in ganz Europa ein. Das Know-how ist also nicht weg, Nice investiert vielmehr stark in die hier ansässigen Entwicklerteams.“

Düsseldorf und die gesamte Region sehen Sascha Poggemann und Philipp Hertewig als perfekten Standort für Startups, auch durch die hervorragenden Universitäten in ganz NRW. „Man kann in der Region sehr gute Leute rekrutieren. Je mehr wir daran arbeiten, eine gute Basis zu schaffen, umso erfolgreichere Unternehmen werden hier ansässig. Wir haben in Europa sehr starke Venture- Capital-Finanzierung“, sind sich die Gründer sicher.


Claudia Lührs, General Manager DACH bei tonies: "Mit der Toniebox 2 und Tonieplay haben wir eine neue Kategorie geschaffen: interaktive, bildschirmfreie Spiele, Quizzes und Abenteuer, die Kindern eine völlig neue Art des Spielens bieten."

Nicht mit einem sprechenden Teddy, aber mit einer mindestens ebenso spannenden Innovation für das Kinderzimmer begann die Erfolgsgeschichte des Düsseldorfer Scaleups tonies: Die Gründer Patric Faßbender und Marcus Stahl wollten es vor rund zehn Jahren ihren Kindern ermöglichen, ganz selbstständig Geschichten zu hören. Also ersetzten sie zerbrechliche CDs durch robuste, interaktive Figuren, eine Idee, die mal eben die komplette Hörspiel-Industrie revolutionierte – mit einer Box. „Stellt ein Kind eine Tonie-Figur auf diese Box, startet automatisch das dazugehörige Hörbuch, die passende Musik oder, seit Einführung der Toniebox 2, das gewünschte Spiel – intuitiv, haptisch und ohne Bildschirm“, erklärt Claudia Lührs, General Manager DACH bei tonies. Inzwischen umfasst das Angebot etwa 1.500 Tonie-Figuren und mehr als 3.500 digitale Titel, darunter eigene Produktionen, aber vor allem Inhalte von rund 460 Lizenzpartnern weltweit, darunter Disney, Warner oder Marvel. „Die Toniebox läuft mittlerweile in über 100 Ländern, und im DACH-Markt haben wir eine gestützte Markenbekanntheit von über 80 Prozent“, freut sich Claudia Lührs. „Weil das Prinzip so intuitiv ist, begeistert es Familien in Düsseldorf genauso wie in New York oder Sydney.“ Mit dem neuen Produkt Toniebox 2 konnte tonies zudem seine Zielgruppe deutlich erweitern und möchte nun Kinder von 1 bis zu 9 Jahren und aufwärts erreichen.

Im Geschäftsjahr 2025 hat das Düsseldorfer Scaleup einen Konzernumsatz von 630 Millionen Euro erzielt – ein Wachstum von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen mehr als 630 Mitarbeiter:innen. Bereits im Jahr 2021 ging tonies an die Frankfurter Börse, was dem Unternehmen den Weg vom Nischenprodukt zum globalen Bestseller ebnete. „Das ist hochemotional – und soll es auch bleiben. Wir haben uns bei allem Wachstum den Erfindergeist bewahrt, der tonies von Anfang an ausgemacht hat.“ Claudia Lührs ist selbst Mutter und schaut genau hin, wie ihre Kinder mit den Tonieprodukten spielen und welche Bedürfnisse sie dabei haben. Zudem investiert man bei tonies in Forschung und Entwicklung – wie die der Toniebox 2 und Tonieplay. Gemeinsam mit Hasbro werden im Sommer Tonieplay-Versionen von Brettspielklassikern wie Monopoly herausgekommen. In Kooperation mit der Deutschen Fußball Liga ist vor Kurzem bereits das neue Spiel „Stadion Duell Bundesliga“ erschienen. „Natürlich gibt es auch Angebote für die ganz Kleinen. Mit My First Tonies haben wir Produkte entwickelt, die Babys und Kleinkinder ab einem Jahr beim Spracherwerb über ein audio-taktiles Erlebnis begleiten“, so Lührs. Das große Ziel ist es, tonies zu einer ikonischen Marke zu entwickeln, ähnlich wie LEGO oder Disney. „Das ist kein bescheidenes Ziel, aber wir haben die Grundlage dafür gelegt und sind auf dem richtigen Weg dorthin. Dabei bleiben wir unseren Werten treu. Wir werden Kindern immer altersgerechte Hör- und Spielerlebnisse bieten, die Fantasie und Selbstständigkeit fördern. Das war die Idee am Anfang – und daran messen wir uns noch heute jeden Tag.“•


Weil das Prinzip so intuitiv ist, begeistert es Familien in Düsseldorf genauso wie in New York oder Sydney

Text: Katja Vaders
Pictures: tonies SE, Fiona Egan

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