THE SUNDAY EFFECT

Manche Unternehmensgeschichten beginnen mit einem Businessplan, andere mit einer Finanzierungsrunde oder einem perfekt orchestrierten Launch. Und dann gibt es Another Cotton Lab. Die Erfolgs-story der Düsseldorfer Modemarke begann mit einem einfachen TShirt. Und mit einem Tag, an dem sonst vieles stillsteht: Sonntag. Heute ist daraus eine der spannendsten deutschen Markenstorys geworden – und ein Lehrstück in Sachen Communitybuilding.

Aus einem Rückenprint wurde eine Bewegung: Der Sunday Running Club von Another Cotton Lab bringt jeden Sonntag tausende Menschen zusammen.


Erst war da nur ein Rückenprint. Groß, plakativ, kaum zu übersehen: „Sunday Running Club“. Entworfen hatte ihn Art Director und Co-Founder Niklas Janik vor drei Jahren für Another Cotton Lab. Einen solchen Club gab es damals noch nicht. Der Print traf trotzdem einen Nerv, das T-Shirt wurde zum Bestseller und tauchte plötzlich bei Menschen auf, die dieses neue Lebensgefühl zwischen Laufschuh und Kaffeekultur, Weinbar und Wochenendroutine verstanden. Als das Shirt immer sichtbarer wurde, kam plötzlich die Idee: Wenn die Idee eines Running Club so gut funktioniert, warum ihn nicht gleich gründen? Gesagt, getan. Bei den ersten Läufen in Düsseldorf wurden die Shirts verschenkt und aus einem Print wurde Präsenz: auf den Straßen der Stadt, in Social-Media-Storys und auf den Rücken einer Community, die sich gerade selbst formte. Aus der kleinen Laufrunde wurde schnell eine Bewegung: erst kamen rund hundert Läufer, später bei besonderen Runs Tausende. Bis heute ist keinSonntag ausgefallen.


Vier Köpfe, eine Vision: Niklas Janik, Felix Adams, David Ebisch und Franziska Ebisch (v.l.n.r.) formten aus Another Cotton Lab eine der spannendsten deutschen Lifestyle-Marken.

Vom Print zur Bewegung
Hinter Another Cotton Lab steht die 2016 gegründete Yarn Studios GmbH aus Hilden. Sieben Jahre lang baute das Team rund um Gründer David und Franziska Ebisch Lifestylebrands für andere auf und entwickelte Designs, Textilien und Kampagnen. 2023 kam der Moment, an dem sie die eigene Erfahrung nicht länger nur in fremde Projekte stecken wollten. Gemeinsam mit Creative & Art Director Niklas Janik und Brand Manager Felix Adams formten sie eine eigene Brand: Another Cotton Lab. „Wir haben uns gefragt, wieso wir unsere Ressourcen immer für andere hergeben, anstelle einer eigenen Marke, die uns repräsentiert und auf die wir Bock haben“, erinnert sich Niklas Janik. Das war der Startschuss.

Seitdem ist aus der jungen Düsseldorfer Brand in kürzester Zeit ein Unternehmen mit internationaler Kundschaft, regelmäßig ausverkauften Kollektionen und zweistelligem Millionenumsatz geworden. Parallel ist auch der Sunday Running Club zu Europas größtem Running Club gewachsen: aus Düsseldorf heraus nach Hamburg, Berlin, München und Köln. Jeden Sonntag gibt es dort jeweils eine Fünf- und eine Zehn-Kilometer-Runde, damit alle mitlaufen können. „Es geht nicht um Bestzeit, sondern darum, die beste Zeit zu haben“, sagt Brand Manager Felix Adams. Wer dabei ist, wird Teil der Community und nimmt aus jeder Stadt ein eigenes Special Shirt mit, das man nur bekommt, wenn man dort läuft.

Livestyle als Sport
Dass das Communitybuilding so gut funktioniert, liegt daran, dass Another Cotton Lab Sport als Kultur begreift – und Kleidung als deren Erkennungszeichen. Rund um die Marke sind Events entstanden, die den Running Club zu mehr machen als einem Lauftreff: etwa die Abendrunde „7 after 7“, bei der sieben Kilometer durch Düsseldorf gelaufen wurde, mit Zieleinlauf in wechselnden Bars und Clubs und anschließenden Partys. Es geht um Bewegung, aber genauso um Begegnung. „Wir leben maximale Inklusivität und Demokratie“, sagt Felix Adams. Wer zum ersten Mal dabei ist, habe denselben Stellenwert wie jemand, der seit einem Jahr mitläuft oder langjähriger Kunde ist: „Community, Laufen und Sport gehört allen. Es gibt kein Gegeneinander, es ist Platz für alle da.“

Another Cotton Lab steht heute für urbane Styles an der Schnittstelle von Sport und Mode: T-Shirts und Hoodies, aber längst auch Jacken, Hosen, Caps, Accessoires und eigene Linien für Frauen und Männer. Dazu kommt Performancewear, mit der die Marke auch Athlet:innen abdeckt. Die Ästhetik: oversized, clean und performativ. „Wir schaffen es, sportlicher zu sein als Lifestyle-Brands und lifestyliger als Sportbrands“, sagt Felix Adams. „Wir bewegen uns genau dazwischen.“ Genau darin liegt die Glaubwürdigkeit der Marke. „Das, was wir machen, kommt immer von innen heraus. Kein Trend, sondern ehrlich das, was uns bewegt. Das merkt unsere Community.“ Reines Wachstum war nie der alleinige Antrieb von Another Cotton Lab. „Uns treibt an, was uns gefällt und bewegt. Ob kreativ, sportlich oder aus anderen Lebensbereichen“, betont Felix Adams. Entscheidend sei gewesen, die jahrelang aufgebaute Expertise in etwas Eigenes zu übersetzen: in eine Marke, die nicht nur Produkte verkauft, sondern ein ganzes Lebensgefühl.



Ein Clubhaus in der Carlstadt
Was mit dem Sunday Running Club begann, wurde Schritt für Schritt weitergedacht. Franziska Ebisch hat mittlerweile ein Pendant für die Pilates-Community ins Leben gerufen und erweitert damit den Kosmos der Marke. Im Mai 2025 eröffnete Another Cotton Lab neben ihrer Online-Präsenz den ersten Flagship Store in der Düsseldorfer Carlstadt. Das Geschäft ist weit mehr als eine Verkaufsfläche: Es ist Community Clubhouse, Treffpunkt für die Sunday Running Clubs und physische Bühne für eine Marke, die über Social Media groß geworden ist, aber in der echten Welt Menschen zusammenbringt. Die Kollektionen sind zudem auch über Plattformen wie Zalando, Breuninger und P&C erhältlich. Dazu kommen ausverkaufte Kollaborationen, unter anderem mit Motel a Miio und Fortuna Düsseldorf. Die Kollektionen waren innerhalb von drei Minuten ausverkauft. Bei einem gemeinsamen Lauf mit der Fortuna ging es aus der Innenstadt zur Merkur Spiel-Arena, mehr als 1.000 Menschen meldeten sich an, anschließend wurde zusammen das Heimspiel verfolgt. Es zeigt, wie sehr Another Cotton Lab lokale Kultur mitprägt: In Düsseldorf poppen immer neue Running Clubs auf und auf Plattformen wie Strava wird sichtbar, wie stark die Laufkultur in der Stadt gewachsen ist.

Kurs: International
Die nächste Etappe ist längst eingeläutet. Bei den großen deutschen Marathons in Köln, München, Hamburg und Berlin ist Another Cotton Lab präsent, vor allem der Berlin-Marathon soll ein großer Markenmoment werden. Bestellungen gehen nach Europa, in die USA und darüber hinaus. In New York trifft sich die Community alle drei Monate zum Sunday Running Club. Ende des Jahres steht zudem eine Kollaboration an, die nach Aussage von Felix Adams in der Mode- und Laufwelt einiges verändern und Another Cotton Lab global einen großen Schritt weiterbringen soll. Auch der nächste Store ist in Planung, und das außerhalb Deutschlands. Für die kommenden Jahre formuliert das Team den Anspruch entsprechend selbstbewusst. Another Cotton Lab soll eine feste Größe im Sport- und Lifestylemarkt werden, eine ernstzunehmende Alternative zu den bestehenden globalen Sportmarken. „Wir wollen, dass jeder Mensch in Europa, der gerne Sport macht, mindestens eins unserer Lifestyle Pieces im Schrank hat“, sagt Felix Adams. Dass dieser Anspruch nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigen Zahlen und Tempo: Im Gründungsjahr 2023 lag der Umsatz bei rund einer Million Euro, ein Jahr später waren es bereits mehr als zehn Millionen Euro. Aus einem Rückenprint wurde eine Marke mit riesiger Community, eigenem Store und internationaler Expansion. Vielleicht ist genau das der Kern dieser Geschichte: Another Cotton Lab verkauft nicht nur Mode, sondern ein Gefühl, das viele gerade suchen: Zugehörigkeit. •


Text: Karolina Landowski
Pictures: Another Cotton Lab

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