NEXT-LEVEL GROWTH

Scaleup-Programme unterstützen junge Unternehmen, die den Sprung in die nächste Wachstumsphase schaffen wollen: mit Kapitalzugang, Mentoring, Netzwerken und strategischer Begleitung. In NRW gilt Scale-up.NRW als Königsprogramm und Düsseldorf spielt dabei eine zentrale Rolle.

Dr. Anna Lukasson-Herzig, Founder & CEO von nyris, bei der Scale-up.NRW Graduation Night.


Aus einem erfolgreichen Startup wird nicht automatisch ein stark wachsendes Unternehmen. Wer neue Märkte erschließen und größere Finanzierungsrunden stemmen will, braucht mehr als ein gutes Produkt: tragfähige Strukturen, klare Prozesse, Vertriebskraft und ein starkes Netzwerk. Genau hier setzen Scaleup-Programme an. Sie begleiten Unternehmen, die die frühe Gründungsphase hinter sich haben und Wachstum nun professionell organisieren müssen. Im Zentrum dieses Ökosystems steht Scale-up.NRW, das Skalierungsprogramm des Landes NRW. Es wurde 2021 vom Wirtschaftsministerium initiiert, um eine Lücke zu schließen: Während es viele Angebote für junge Startups gibt, fehlte lange gezielte Unterstützung für die Wachstumsphase. „Wir haben damit eine sehr gute Grundlage geschaffen, damit Startups sich zu Scaleups entwickeln können“, sagt Senior Scaleup Manager Dr. Christopher Smolka. Das Programm sei in Deutschland „alleinstehend, was die dezidierte Skalierungsförderung angeht“. Sein Kern: eine Community, die Gründer:innen mit erfahrenen Scaleup Entrepreneurs und Investor:innen zusammenbringt und so Skalierungswissen, Kapitalzugang und Wachstumsperspektiven bündelt.


Wachstum braucht Planung: Für Scaleups geht es nicht nur um gute Ideen, sondern auch um klare Strukturen, Finanzierung und den nächsten strategischen Schritt.

Wachstum braucht Struktur
Das Programm, umgesetzt vom digihub Düsseldorf/Rheinland und der Start2 Group, richtet sich an Startups, die deutlich über die Frühphase hinaus sind. Typische Kriterien sind eine Finanzierung von mindestens einer Million Euro, rund 500.000 Euro Jahresumsatz und ein Team von mindestens 15 Vollzeitstellen. Aus über 80 Bewerbungen werden pro Batch 10 bis 14 Teams ausgewählt. Branchenvorgaben gibt es nicht: B2B-Software trifft auf Hardware, MedTech auf Nachhaltigkeit, Deep Tech auf Plattformmodelle. Die Förderung läuft über 18 Monate. Nach einer Deep-Dive-Phase folgen Mentoring, Workshops, Peer-to- Peer-Sessions, Investorenformate und Netzwerkevents. „Es gibt keinen Standardweg zur Skalierung. Jedes Startup muss seinen eigenen Weg finden“, sagt Smolka.

Was für ihn erfolgreiche Scaleups auszeichnet? Das Mindset. Die besten Teams beschäftigten sich früh damit, wie sie sich skalierbar aufstellen und nicht erst, wenn das Wachstum sie überrollt. Viele Gründer:innen seien lange in der Lage, zu improvisieren. Doch irgendwann reiche das „Durchwursteln“ nicht mehr. Dann brauche es Prozesse, Verantwortlichkeiten und ein belastbares Organigramm. Genau deshalb setzt Scaleup. NRW auf Erfahrungsaustausch und bringt Gründer:innen mit Menschen zusammen, die ähnliche Wachstumsphasen bereits durchlaufen haben. Die Community umfasst 49 Startups, mehr als 160 Gründer:innen und rund 500 Mentor:innen. Wie stark der Austausch ist, zeigen die Stimmen der teilnehmenden Teams. Für Retraced, eine Düsseldorfer Plattform für Lieferkettentransparenz in der Textilbranche, war Scale-up.NRW „von unschätzbarem Wert“, sagt Gründer Lukas Pünder.

Besonders die Kombination aus Expertenwissen und Austausch mit anderen Scaleups habe die Internationalisierung schneller und kosteneffizienter gemacht. Auch Oscar Schäfer, Founders Associate und Strategic Projects Lead der Düsseldorfer Ticketing- Plattform vivenu, stellt den Austausch mit anderen Gründerteams in identischen Wachstumsphasen als größten Mehrwert heraus. „Von Sympathie über Kompetenz bis hin zu tollen Events. Das Programm steht für Qualität“, resümiert Caesar van Heyningen, CEO des MedTech-Startup CUREosity.


Märkte öffnen:
Neben dem landesweiten Programm entstehen auch bei Corporates eigene Scaleup-Angebote. In Düsseldorf zeigt ERGO mit seinem Accelerator Programm ERGO ScaleHub, wie Unternehmen Startups Zugang zu Märkten, Kunden und internationalen Vertriebsstrukturen ebenso wie zu Branchenwissen und regulatorischer Expertise geben können. Lösungen werden dort in Unternehmensprozessen pilotiert, validiert und im besten Fall über Business Units oder Ländereinheiten hinweg skaliert. Gleichzeitig kennt die Corporate-Welt eigene Hürden: unterschiedliche Geschwindigkeiten, komplexe Einkaufs- und Compliance-Prozesse oder Pilotprojekte ohne klare Skalierungsperspektive. Entscheidend ist daher ein Programm, das echte geschäftliche Bedarfe adressiert, klare Ownership auf Unternehmensseite schafft und Kooperationen von Anfang an mit Blick auf messbaren Mehrwert, Skalierung und langfristige Zusammenarbeit denkt.


Johanna Antonie Tjaden-Schulte, Member of the Board, NRW.BANK

Die Kapitalfrage:
Doch so wichtig Programme, Netzwerke und Mentoring sind: Am Ende entscheidet oft die Finanzierung über Wachstum. Johanna Antonie Tjaden-Schulte, Mitglied des Vorstands der NRW. BANK, sieht den Unterschied zwischen Startups und Scaleups vor allem in der Größenordnung. Während frühe Startups Technologien entwickeln und erproben, gehe es bei Scaleups darum, sie in den industriellen Maßstab zu überführen. „Dieser Schritt ist oft enorm kapitalintensiv und reicht bis zum Aufbau ganzer Fabrikanlagen mit entsprechenden Investitionen in Personal, Maschinen und Anlagen“, sagt sie. In Deutschland und Europa dauere es oft noch zu lange, Kapitalgeber für größere Tickets zusammenzubringen. Förderbanken wie die NRW.BANK könnten hier als Co-Investoren wirken: Die Bank investiere gemeinsam mit privaten Investoren und hebele so privates Kapital, laut Tjaden-Schulte mit einem Faktor zwischen zwei und sieben. So verfügen Düsseldorf und NRW über ein dichtes Unterstützungsnetz: Pre-Scaler-Programme bereiten vor, Corporate-Programme öffnen Märkte, Scale-up.NRW bündelt Mentoring und Community und Finanzierungspartner wie die NRW.BANK helfen, Wachstumskapital zu mobilisieren. Denn Scaleups sind nicht einfach größere Startups. Sie sind Unternehmen in einer fragilen Übergangsphase – mit dem Potenzial, Arbeitsplätze, Wertschöpfung und internationale Sichtbarkeit nach NRW zu bringen. •


Text: Karolina Landowski
Pictures: Scale-up.NRW / paint the town studios, Retraced, NRW.BANK / Christian Lord Otto

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