”A GOOD EVENT HAS TO SPARK SOMETHING IN PEOPLE“

KUNST MEETS PETRA SCHLIETER GROPP

Seit mehr als zwei Jahrzehnten entwickelt Petra Schlieter-Gropp mit Schlieter & Friends Events, die Menschen zusammenbringen – vom Lovebird-Festival über Corporate Events bis hin zu neuen Festivalformaten. VIVID-Herausgeber Rainer Kunst spricht mit der Eventmanagerin über gute Ideen, das Arbeiten als Ehepaar, Krisen als Chance, die Bedeutung der Düsseldorfer Kreativwirtschaft und die Frage, warum persönliche Begegnungen in digitalen Zeiten wieder wichtiger werden.


Petra, was macht eigentlich ein gutes Event aus?
Ein gutes Event muss etwas in Menschen auslösen. Es geht nicht darum, ob die Bühne perfekt oder die Dekoration spektakulär ist. Natürlich muss alles professionell sein und zusammenpassen. Aber entscheidend ist, dass etwas passiert: Menschen werden berührt, haben Freude, kommen miteinander ins Gespräch und erinnern sich später gerne daran.

Das klingt fast nach Emotionsmanagement.
Das gehört für mich dazu. Du kannst die beste Technik und die schönste Location haben, aber wenn keine Atmosphäre entsteht, fehlt etwas. Ein Event lebt von den Menschen. Wir schaffen einen Rahmen, in dem Begegnungen möglich werden.

Wie bist du vor rund 26 Jahren in die Selbstständigkeit gekommen?
Die Agenturlandschaft war damals ein Haifischbecken und ich war Projektleiterin in einer anderen Eventagentur. Dort lief einiges nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Irgendwann dachte ich: Das kann ich anders machen. Mein heutiger Geschäftspartner Nils, der damals Praktikant in der Agentur war, hat mich darin bestärkt. Also habe ich angefangen.


Und Schlieter & Friends war geboren?
Ja, wir haben klein angefangen und unsere Briefmarken noch selbst aufgeklebt. Aber wir hatten schon tolle Kunden wie Henkel und BMW. So ist das Unternehmen gewachsen.

Du und Nils seid nicht nur Geschäftspartner, sondern auch verheiratet. Wie funktioniert das?
Natürlich ist es nicht selbstverständlich, gemeinsam zu arbeiten, eine Familie zu haben und sich trotzdem gut zu verstehen. Respekt und Wertschätzung sind entscheidend. Man muss dieses Glück ein bisschen in Watte packen und immer wieder sehr dankbar sein, dass das funktioniert. Wir arbeiten aber auch in unterschiedlichen Bereichen und ergänzen uns da gut: Ich mache Strategie, Finanzen, Personal und Netzwerken, und Nils ist der kreative Part.

Woher nimmst du nach so vielen Jahren noch die Energie?
Ich liebe, was ich tue. Organisieren, Netzwerken, Dinge entstehen sehen – das ist meine Leidenschaft. Und natürlich gibt mir meine Familie sehr viel Energie. Außerdem bin ich eine unverbesserliche Optimistin. Das Schönste ist der Moment, wenn du ein Projekt manchmal ein ganzes Jahr vorbereitest und dann in einer Halle stehst, in der Hunderte oder Tausende Menschen glücklich sind. Du siehst die Gesichter und weißt: Dafür haben wir gearbeitet.


„Das Schönste ist der Moment, wenn du ein Projekt manchmal ein ganzes Jahr vorbereitest und dann in einer Halle stehst, in der Hunderte oder Tausende Menschen glücklich sind. Du siehst die Gesichter und weisst: Dafür haben wir gearbeitet.“


So wie bei Eurem neuen Lovebird Festival.
Genau. Da haben wir unsere über Jahrzehnte aufgebauten Kontakte zu Künstler:innen, Booking Agenturen und Partnern genutzt, um etwas Neues zu entwickeln mit unserer eigenen kulturellen Perspektive. Das Lovebird Festival ist ein Treffpunkt für alle Generationen und Gesellschaftsschichten, um gemeinsam Musik zu genießen. Es gibt zum Beispiel auch Poetry Slams, Rundgänge, Karaoke im Theatermuseum, Stadtführungen und weitere Kooperationen. Wir wollen unterschiedliche Menschen über verschiedene Zugänge zusammenbringen.

Das habt ihr sogar während der Corona-Zeit geschafft.
Ja! Corona war natürlich zunächst ein Schock. Innerhalb von zwei Wochen waren praktisch alle Jobs für das laufende Jahr weg. Wir haben uns mit dem Team zusammengesetzt und überlegt: Was können wir stattdessen machen? So entstanden die „Hofkonzerte for Friends“. Wir holten Bands in Innenhöfe, streamten die Konzerte und ermöglichten den Künstler:innen zumindest Auftritte und Gagen. In einem Innenhof hatten wir rund 200 Balkone. Die Menschen standen dort abends und klatschten. Nach dem letzten Lied kam von einem Balkon: „Thank you for the music.“ Solche Momente vergisst du nicht.

Was hast du aus dieser Zeit gelernt?
Unsere Haltung war immer: Wir stecken nicht den Kopf in den Sand. Wenn etwas nicht funktioniert, müssen wir überlegen, was stattdessen möglich ist. Es gibt fast immer einen Weg oder sogar mehrere. So entstanden auch Formate wie das Chance Festival, das frankophone Festival für Musik, Vielfalt und Demokratie, oder das „Liebe-das-Leben-Festival“ in Pempelfort.

Die Branche verändert sich durch KI und Digitalisierung. Wie geht ihr damit um?
Natürlich nutzen wir KI. Sie kann Prozesse vereinfachen, bei Präsentationen helfen und uns in der Konzeption unterstützen. Es wäre verrückt, sich davor zu verschließen. Aber gleichzeitig glaube ich: Je digitaler die Welt wird, desto größer wird das Bedürfnis nach echten Begegnungen. KI kann Prozesse unterstützen. Beziehungen aufbauen, Menschen zusammenbringen und Atmosphäre schaffen – das bleibt menschlich.


ABOUT PETRA SCHLIETER GROPP

• born in Trier, grew up in Düsseldorf

• after completing a banking apprenticeship, she studied event management, including a period abroad

• in between and afterwards, she held positions at Stadtsparkasse Düsseldorf, the CDU NRW Economic Association and Heidrick & Struggles, before finally ‘ending up’ in the events industry

• in 2000, she founded Schlieter & friends: developing and organising events and formats at the intersection of business, culture and urban society

• in her spare time, she draws strength from her family and her dog Josi; she loves flowers and her garden, and also finds relaxation through yoga and Pilates


Du engagierst dich außerdem ehrenamtlich als Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung, zum Beispiel für „Einmal Gastgeber sein“. Was steckt dahinter?
Wir geben Grundschulkindern die Möglichkeit, einen Tag lang Gastgeber zu sein. Sie werden in ein großes Hotel eingeladen, kochen mit dem Küchenchef, lernen Tischdecken und Service. Abends servieren sie bei einem Galaabend tatsächlich den Gästen das Essen und die Getränke. Viele dieser Kinder kommen aus Brennpunktschulen und haben ein solches Hotel vorher vielleicht noch nie von innen gesehen. Wir wollen ihnen aber keine Welt zeigen, die ihnen scheinbar nicht offensteht. Sie sollen mittendrin sein und merken: Ich kann das. Bei einer Generalprobe erzählte der Restaurantleiter, dass er selbst einmal als Aushilfe angefangen hatte. Einer der Jungs sagte sofort: „Ich will hier auch arbeiten.“ Da weißt du, warum du das machst.

Das ist wieder die Verbindung zu deiner Definition eines guten Events.
Genau. Ein gutes Event muss etwas in Menschen auslösen. Du bist ja auch Mitglied im Kreativwirtschaft Düsseldorf e.V. Wenn du dir für die Kreativen in der Stadt etwas wünschen dürftest, was wäre das? Die Stimme der Kreativwirtschaft muss lauter werden! Wir brauchen mehr Leute, die gehört werden, wir müssen aber auch gehört werden. Man muss uns ernst nehmen und den Raum geben, miteinander sprechen zu können. Und das wünsche ich mir, dass wir eine noch größere Akzeptanz innerhalb der Stadtpolitik und Stadtgesellschaft bekommen.

Fällt dir das Loslassen schwer, wenn dein Team inzwischen auch ohne dich Veranstaltungen stemmen kann?
Ja, sehr. Ich bin eigentlich am liebsten überall selbst dabei. Aber ich lerne gerade, loszulassen. Wir haben ein tolles Team, und dem vertraue ich sehr. Ich war in diesem Jahr zum ersten Mal bei einem wichtigen Festival nicht dabei und das Team hat es hervorragend gemacht. Schlieter & Friends ist sehr stark verwurzelt in Düsseldorf.

So ein Netzwerk baut man nicht so einfach in einer anderen Stadt auf, oder?
Absolut richtig. Eventgeschäft ist People Business und viele gute Ideen entstehen, weil man Menschen kennt und sich mit ihnen austauscht. Ich glaube, das macht den Standort Düsseldorf so besonders, dass wir hier so gut vernetzt sind. Das würde in einer anderen Stadt für Nils und mich so nicht funktionieren, glaube ich. •


Text: Tom Corrinth, Interview: Rainer Kunst
Pictures: Andreas Endermann

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