DEFENCE TECH AS STARTUP OPPORTUNITY

In der aktuellen „Zeitenwende“ will sich Europa verteidigungstechnisch neu positionieren. In Düsseldorf bringt dafür seit kurzem der DefenseTech-Inkubator.NRW Start-ups, Industrieunternehmen und Forschung zusammen, um neue Technologien und Anwendungen zu entwickeln. Technologien, die Konflikte verhindern sowie Schutz und Resilienz fördern sollen.

Dr. Klemens Gaida und Peter Hornik auf der Auftaktveranstaltung des DefenseTech-Inkubator.NRW Anfang Januar 2026.

Jahrzehntelang waren die Europäer:innen geordnete Machtverhältnisse und geopolitische Stabilität gewohnt. Vor allem dank ihres NATO-Partners USA hatten sie sogar ein ausgeprägtes Sicherheitsgefühl. Spätestens mit der zweiten Amtszeit Donald Trumps, gepaart mit einem nun über vier Jahre andauernden Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und ganz aktuell dem amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran hat sich das spürbar geändert. Und damit auch das Bewusstsein für die eigene Verteidigungsfähigkeit. Auf der Münchener Sicherheitskonferenz im Februar 2026 sagte Mona Neubaur, die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin, anlässlich der Vorstellung eines neuen Technologie- und Entwicklungszentrums für Defence (siehe Info-Kasten): „Zeitenwende ist für uns kein Schlagwort, sondern Arbeitsauftrag. Wir wissen: Um den Frieden zu wahren, müssen wir wieder gezielter in unsere Verteidigungsfähigkeit investieren. Das Fundament dafür wird heute in Forschungslaboren, Fabrikhallen und Innovationszentren gelegt. Nordrhein-Westfalen hat die industrielle Stärke, die klugen Köpfe und den Willen, genau hier Verantwortung zu übernehmen.“

Dieser Ansicht sind auch Dr. Klemens Gaida und Peter Hornik. Die beiden früheren Gesch.ftsführer des Digital Innovation Hub Düsseldorf/Rheinland haben zusammen mit weiteren Expert:innen im Laufe des letzten Jahres den DefenseTech-Inkubator.NRW aus der Taufe gehoben. Am 8. Januar 2026 fand unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Hendrik Wüst schließlich das offizielle Auftakt-Event in der NRW.BANK statt. „Als erster Inkubator in NRW fördern wir innovative Startups und Spinoffs bei der Entwicklung von Verteidigungstechnologien. Das umfasst auch sogenannte Dual-Use-Lösungen, also Technologien, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können“, erklärt Peter Hornik. Die Vision ist ein innovationsstarker Hightech-Mittelstand in NRW, der durch besagte Technologien dazu beiträgt, Freiheit, Frieden und Sicherheit zu schützen – ohne dabei den humanitären Kompass zu verlieren. Es geht nicht um Aufrüstung im herkömmlichen Sinn, sondern um Schutz, Resilienz und die Fähigkeit, Gewalt zu verhindern, bevor sie entsteht.


ZEITENWENDE IST FÜR UNS KEIN SCHLAGWORT, SONDERN ARBEITSAUFTRAG

Der Schirmherr des DefenseTech-Inkubator.NRW Hendrik Wüst, Ministerpräsident von NRW, macht sich ein Bild von innovativer Verteidigungstechnologie.

In regelmäßigen sechsmonatigen Programmen, sogenannten Batches, bietet der Inkubator ausgewählten Startups fortan umfassende Unterstützung: Mentoring, Peer-to-Peer-Learning, Zugang zu Militäreinrichtungen, Industrieunternehmen und Venture Capital-Gebern, Präsenz auf Events und Messen (siehe Info-Kasten Xponential) oder Co-Working Spaces zählen dazu. „Wir sehen den Inkubator als Brückenbauer. In einem bisher komplexen, stark regulierten Marktumfeld bieten wir Markt-Knowhow, Finanzierungsmöglichkeiten und ein Netzwerk, das junge Unternehmen im Defence-Sektor in NRW vorher so nicht hatten“, ergänzt Klemens Gaida.

Um sich einen Überblick über das Potenzial des NRWMarktes zu verschaffen, startete das Inkubator-Team im Sommer 2025 eine umfassende Umfrage. Rund 80 DefenseTech- Startups aus ganz unterschiedlichen Bereichen machten mit. „Dabei kam unter anderem heraus, dass sich wie vermutet die meisten Startups in einem sehr frühen Stadium befinden. Aber interessanterweise gibt es auch ein paar größere etablierte Startups, die schon im Zivilsektor aktiv sind. Und die sich jetzt bewusst im Sinne von Dual-Use auch in den Defence-Markt erweitern wollen“, erklärt Klemens Gaida. Interessant sind auch die Motive dafür. Neben der Nutzung bestehender Technologien in einem neuem Marktumfeld (59 Prozent der Befragten) und Zugang zu neuen Märkten und Kunden (54 Prozent) gaben 53 Prozent der Startups in der Umfrage an: Sie möchten einen eigenen aktiven Beitrag zur Sicherung unserer Demokratie leisten! Derzeit läuft das erste Startup-Batch – und bereits das strotzt vor Vielfalt: Mit dabei sind zum Beispiel Jungunternehmen aus den Bereichen Autonome Fahrzeuge, Cyber Security, Drohnenabwehr oder Darknet Monitoring. Eines der Startups stellt Sonden her, die man unter das arktische Eis schießen kann, um auch dort Beobachtungen anzustellen.

Fachliches Know-how hat sich der Inkubator auf verschiedene Weise an Bord geholt. So gehören zum Kernteam zwei ehemalige Bundeswehroffiziere. Ausgewählte Partnerunternehmen wie zum Beispiel CGI Deutschland (IT- und Businessberatung), die Wirtschaftskanzlei Heuking oder Spie (multitechnische Dienstleistungen) unterstützen mit technologischer sowie juristischer Expertise und bestimmten Services, die im Defence-Sektor relevant sind. Komplettiert wird das Ganze durch einen achtköpfigen Fachbeirat, zu dem auch Christian Ziach vom High Tech Gründerfonds in Bonn gehört. Der ehemalige Luftwaffenoffizier, Raumfahrtingenieur und erfahrene Deep-Tech-Investor sieht großes Potenzial für moderne, vernetzte Verteidigungstechnologien in NRW: „Die zivile Wirtschaft profitiert von gestiegenen Bedarfen und schnelleren Entwicklungszyklen, während Dual Use Lösungen aus DefenseTech Impulse für Effizienz und Skalierung in zivilen Anwendungen liefern – ein wechselseitiger Innovationstreiber. Wenn wir die aktuell erhöhten Sicherheits und Verteidigungsbudgets klug mit Forschung, Testfeldern und Beschaffung verzahnen, können wir nicht nur Fühigkeitslücken schließen, sondern auch die Produktivität der Industrie steigern und so aus der Flaute herauswachsen. Das ist entscheidend, um Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern.“


IN EINEM BISHER KOMPLEXEN, STARK REGULIERTEN MARKTUMFELD BIETEN WIR MARKT KNOW-HOW, FINANZIERUNGSMÖGLICHKEITEN UND EIN NETZWERK

NEW NRW TECHNOLOGY AND DEVELOPMENT CENTER STRENGTHENS DEFENCE CAPABILITIES

Auf der Münchener Sicherheitskonferenz 2026 unterzeichnete die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubaur einen Letter of Intent für das Production Launch Centre Defence (PLCD). Ziel des geplanten Technologie- und Entwicklungszentrums ist es, Wirtschaft, Forschung und Innovationscluster in Nordrhein-Westfalen enger zu vernetzen und die industrielle sowie technologische Basis für Sicherheit und Resilienz in Deutschland und Europa zu stärken. Erste Kernpartner sind der Düsseldorfer Rüstungs- und Technologiekonzern Rheinmetall, der Leichtbauspezialist Mubea und Lockheed Martin, ein globales Technologieunternehmen für Luftfahrt und Verteidigung. Auch der DefenseTech-Inkubator. NRW profitiert davon: „Das PLCD wird eine perfekte Anlaufstelle für unsere Inkubator-Startups sein", sagt Peter Hornik.


Wohlwissend, dass es sich bei DefenseTech ziemlich sicher um keinen kurzfristigen Trend handelt, hat das Team um Peter Hornik und Klemens Gaida einiges vor in den nächsten Jahren: Bis 2028 sollen mindestens 50 Startups und Spin-offs aus NRW fit für die Zukunft gemacht werden, auch mithilfe von über 20 realisierten Venture-Capital-Finanzierungen. Wenn noch mehr Partnerunternehmen und Finanzierer mitmachen, ist entsprechend auch noch mehr möglich. Die Chancen stehen sehr gut, dass NRW neben Bayern dann zum zweiten deutschen DefenceTech-Hotspot avanciert. Letztendlich geht es aber um den Aufbau einer vernetzten europäischen Community. „Wir plädieren für Open Innovation und für Vielfalt in den Märkten, denn das hilft der deutschen und europäischen Volkswirtschaft. Dabei müssen wir darauf achten, dass keine Oligopole im Defence-Markt entstehen“, sagt Klemens Gaida. Und Peter Hornik ergänzt: „Ich glaube, dass wir als Gesellschaft jetzt die Weichen stellen für ein Europa der kommenden Jahrzehnte – und der Inkubator ist ein kleiner Teil davon. Am Ende geht es tatsächlich darum, dass wir in Freiheit und Frieden in den kommenden Jahrzehnten leben können wie zuvor auch.“ •


SECOND EDITION OF XPONENTIAL EUROPE

Vom 24. bis 26. März 2026 präsentierten rund 360 Aussteller aus 43 Nationen autonome Systeme und Robotik auf dem Messegelände in Düsseldorf. Im Mittelpunkt der XPONENTIAL Europe standen: Drohnen, die militärisch wie zivil zum Einsatz kommen, der Schutz kritischer Infrastruktur und die Integration von autonomen Systemen, Robotik und Cybersecurity in Produktion, Mobilität, Logistik und vielen weiteren industriellen Anwendungsfeldern. Zahlreiche Aussteller nutzten die Fachmesse gezielt, um Nordrhein-Westfalen als leistungsfähigen Standort für autonome Technologien sichtbar zu machen. Mehr Infos unter
xponential-europe.de


Words: Tom Corrinth
Pictures: Paul Caruso

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