TRADITION AND TRANSFORMATION
GEA ist einer der größten Systemanbieter für die Nahrungsmittel-, Getränke- und Pharmaindustrie weltweit. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Konzern in Frankfurt gegründet, inzwischen sitzt er in Düsseldorf-Derendorf und gehört zu den 40 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands.
Vom Melkroboter bis zur Molkerei-Linie: Ein Viertel der verarbeiteten Milch läuft durch GEA-Anlagen wie hier in der Produktion der Molkerei Hochwald in Mechernich.
Dr. Nadine Sterley, Chief People & Sustainability Officer, GEA
Die traditionsreiche Geschichte von GEA geht bis ins Jahr 1881 zurück: Seinerzeit wurde das Unternehmen als Metallgesellschaft AG (MG) in Frankfurt a.M. gegründet, erweiterte aber schnell sein Portfolio, handelte mit Chemikalien und errichtete Anlagen, um Eisen aufzubereiten und Nichteisenmetalle zu gewinnen. Als der Metallbedarf in Deutschland stieg, machte die MG vermehrt Geschäfte im und mit dem Ausland, gründete eine eigene Bank und stieg in den 1920er-Jahren zudem ins Reedereigeschäft ein. Der Grundstein für einen global agierenden Konzern war gelegt, der in den folgenden Jahrzehnten einige historische und wirtschaftliche Krisen, Umbrüche sowie interne Umstrukturierungen überstand und dennoch seine Dienstleitungen und Produktpalette stetig weiterentwickelte. Im Jahr 1999 schloss sich die MG schließlich mit GEA zusammen, einem stark expandierenden Konzern aus Bochum, der später auch Namensgeber wurde. Aus dieser Fusion entstand ein globales Maschinenbauunternehmen, das Kund:innen in den unterschiedlichsten Branchen mit Maschinen- und Anlagentechnik versorgt. Im September 2025 gelang GEA der Sprung in den DAX. Inzwischen gehört es zu den 40 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands mit mehr als 18.000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von über fünf Milliarden Euro in mehr als 150 Ländern.
Das Portfolio des Konzerns, der seit 2011 seinen Hauptsitz in Düsseldorf unterhält, beinhaltet neben Maschinen und Anlagen – von Homogenisatoren, Mischern, Pumpen, Sprühtrocknern bis zu Tablettenpressen – moderne Prozesstechnik, Komponenten sowie Dienstleistungen, die vor allem in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie zum Einsatz kommen. „Viele Menschen kennen unseren Namen nicht aus dem Alltag – aber sie begegnen unserer Technologie ständig hinter den Kulissen. Zum Beispiel wird jede vierte Nudelpackung und jeder zweite Liter Bier weltweit mit Hilfe von GEATechnologie hergestellt. Auch jeder zweite Pharmaseparator für essenzielle Gesundheitsprodukte wie Impfstoffe oder neuartige Biopharmazeutika stammt von uns“, erklärt Dr. Nadine Sterley, Chief People & Sustainability Officer und seit dem 1. Januar 2026 Vorstandsmitglied bei GEA. „In der Lebensmittel- und Getränkewelt entscheiden Energie, Wasser, Rohstoffe und Abfall heute direkt über Wettbewerbsfähigkeit“, so Sterley weiter. Nachhaltigkeit sei kein Add-on, sondern messbare Wirkung im Betrieb.
„Viele Menschen kennen unseren Namen nicht aus dem Alltag – aber sie begegnen unserer Technologie ständig hinter den Kulissen“
Im letzten Jahr ist GEA mit der neuen Unternehmenszentrale nach Düsseldorf-Derendorf gezogen. Die Dachterrasse ist ein grüner Rückzugsort mit tollem Ausblick.
Aber auch intern legt GEA einen Schwerpunkt auf das Thema und möchte einen positiven Beitrag für Gesellschaft und Umwelt leisten. „Unser Klimaziel heißt Netto-Null bis 2040. Dafür haben wir unseren Klimaplan 2040 mit klaren Hebeln und Maßnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufgesetzt.“ Das fange damit an, die eigenen Emissionen konsequent zu senken. „Wir investieren dafür bis 2040 rund 175 Millionen Euro in die Dekarbonisierung unserer Standorte, steigen aus fossilen Brennstoffen aus, elektrifizieren die Fahrzeugflotte, bauen erneuerbare Eigenproduktion aus und steigern die Energieeffizienz von Produktion und Gebäuden“, erklärt Nadine Sterley. Dabei nimmt man bei GEA auch die Lieferkette und Partner:innen mit.
Ebenso wichtig ist dem Konzern seine soziale Verantwortung. „Ein börsennotiertes Unternehmen trägt diese auf mehreren Ebenen: für Mitarbeitende, Standorte, Lieferketten und die Gesellschaft. Für mich beginnt das im eigenen Haus – mit guter Arbeit, Sicherheit, Entwicklungsmöglichkeiten und einem klaren Anspruch an Integrität“, so Nadine Sterley. Gleichzeitig möchte man mit dem Thema Social Responsibility natürlich auch eine gewisse Außenwirkung erzielen, wie mit der GEA Foundation, die jährlich ein Prozent des Konzernergebnisses für MINT-Bildung, Kinder in Not, Infrastrukturzugang und Katastrophenhilfe spenden will.
Dabei soll auch die Wirtschaftlichkeit nicht zu kurz kommen. Mit „Mission 30“ hat GEA eine entsprechende Strategie ins Leben gerufen. Das Ziel: Wachstum, Profitabilität – und deutlich mehr Wirkung. „Ein zentraler Indikator ist, dass der Umsatzanteil unserer nachhaltigen Lösungen bis 2030 auf über 60 Prozent steigen soll – von 41,5 Prozent im Jahr 2023“, so Nadine Sterley.
Weitere zentrale Themen für ein modernes Unternehmen sind dieser Tage Digitalisierung und vor allem KI. „Sie machen Anlagen und Prozesse im Alltag besser steuerbar – mit weniger Stillstand, stabilerer Qualität und geringerem Ressourcenverbrauch.“ Ein entscheidender Schritt ist für Nadine Sterley dabei die Vernetzung – bis 2030 will GEA rund 80 Prozent seiner servicefähigen, installierten Basis verbinden, was mehr als 35.000 Maschinen entspricht. Hierbei werden Daten generiert, aus denen dann neue Services entstehen können.
Dass solche Digitalisierungsmaßnahmen Arbeitsplätze gefährden könnten, fürchtet Nadine Sterley nicht – im Gegenteil. „Digitale Systeme verändern Aufgabenprofile, das erleben wir bei Kund:innen schon heute. In vielen Produktionen ist Fachpersonal knapp; gleichzeitig werden Anlagen komplexer. Digitalisierung hilft, den Betrieb stabiler, bedienbarer und planbarer zu machen. Das entlastet Teams und unterstützt Qualifizierung, statt sie zu ersetzen“, erklärt sie.
Ein GEA Dairy Robot R9500 im Einsatz, der für einen optimalen Melkprozess sowie ein flexibleres Zeitmanagement entwickelt wurde und die Kuhgesundheit verbessert.
Eine Unternehmensphilosophie, die auf Werte setzt, ist GEA also gleich auf mehreren Ebenen wichtig, was nicht zuletzt mit seiner langen Geschichte zusammenhängt. „GEA ist historisch gewachsen. Der Wertekompass ist unsere Klammer. Er sorgt dafür, dass Entscheidungen – intern wie extern – konsistent bleiben. Verantwortung, Integrität, Diversität, Leidenschaft und Exzellenz sind dabei Erwartungen an unser tägliches Handeln“, erzählt Nadine Sterley.
Vielleicht ein Grund, warum man bei GEA an seinen Kernkompetenzen festhalten möchte. „Unsere wichtigsten Märkte sind Lebensmittel, Getränke und Pharma. Das wird auch so bleiben.“ Auch der Umzug von Bochum in die Landeshauptstadt im Jahr 2011 war eine strategische Entscheidung, seit August letztes Jahr sitzt GEA in einem neuen Hauptsitz in Derendorf. „Düsseldorf ist international gut angebunden, nah an wichtigen Netzwerken. Mit dem neuen Headquarter bringen wir zentrale Teams unter ein Dach. Das beschleunigt Abstimmungen, vereinfacht Schnittstellen und stärkt eine Kultur, die auf Dialog, Eigenverantwortung und Offenheit setzt. Genau diese Arbeitsweise brauchen wir, um schneller zu werden“, ist sich Nadine Sterley sicher. •
Words: Katja Vaders
Pictures: GEA/Mike Henning, GEA/Frank Beer, GEA/Ansgar M. van Treeck