JOINING FORCES FOR THE CITY OF TOMORROW

In vielen Kommunen ringen Stadtplanung und Wirtschaftsförderung um Flächen, Zuständigkeiten und Prioritäten. In Düsseldorf ist stattdessen daraus ein erfolgreiches Gemeinschaftsprojekt geworden.

Kai Fischer, Leiter des Stadtplanungsamtes, und Theresa Winkels, Leiterin des Wirtschaftsförderungsamtes, ziehen für Düsseldorf an einem Strang.


Herzstück ist der „Masterplan Industrie“ – ein strategischer Rahmen, an dem beide Ämter gemeinsam mitgearbeitet haben und bis heute partnerschaftlich fortschreiben. Grundlage dabei ist die sogenannte Kernzonenkarte: Sie definiert jene Flächen, die langfristig für Industrie und Gewerbe gesichert werden. In einer der am dichtesten besiedelten Großstädte Deutschlands ist das ein politisches und ökonomisches Bekenntnis. „Wir schauen nicht nur auf die nächsten zwei oder drei Jahre, sondern denken in Jahrzehnten“, betont Theresa Winkels, die Leiterin des Wirtschaftsförderungsamtes Düsseldorf. Gerade in konjunkturell schwierigen Zeiten, in denen Eigentümer:innen über alternative Nutzungen wie Wohnungsbau nachdenken, gebe dieser Rahmen Orientierung.

Statt Einzelfallentscheidungen zu treffen, setzen beide Ämter auf einen strukturierten Prozess. Ob Workshops mit Politik und Unternehmen, enge Abstimmung mit der IHK oder klare politische Beschlüsse – die Diskussion findet im System statt, nicht in Hinterzimmern. Ein Beispiel ist die Transformation der früheren Vallourec- Werke. Trotz Begehrlichkeiten für Wohnungsbau blieb die Zielrichtung gewerblich. Instrumente wie Vorkaufsrechtssatzungen und Abwendungsvereinbarungen sorgen dafür, dass städtische Entwicklungsziele und Investoreninteressen zusammenpassen. „Wer in Düsseldorf investiert, kann sich in jedem Fall auf abgestimmte Entscheidungen verlassen“, sagt Kai Fischer, der Leiter des Stadtplanungsamtes Düsseldorf.

Gleichzeitig ist das Bündnis nicht dogmatisch. Jede Fläche wird regelmäßig überprüft: Hat sich die Umgebung verändert? Gibt es heranrückende Wohnbebauung? Wo ist eine Anpassung sinnvoll? Entscheidend ist der Saldo, also wie viele industrielle und gewerbliche Flächen insgesamt erhalten bleiben. Denn Produktion funktioniert heute kompakter, mehrgeschossig, effizienter. Das eröffnet Spielräume, ohne die industrielle Basis preiszugeben. Besonders wichtig ist dabei der Schutz bestehender Betriebe. Denn neue Wohnnutzungen beispielsweise können Schutzansprüche auslösen, die Lärm- oder Verkehrsauflagen verschärfen und damit Investitionen gefährden. „Wir sichern nicht nur Flächen, sondern die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen am Standort“, so Theresa Winkels.

Die enge Verzahnung zeigt sich auch im Außenauftritt: Messepräsentationen, Immobilienformate oder andere Branchenevents werden inhaltlich gemeinsam gestaltet. Am Ende geht es um viel mehr als Flächenmanagement. „Leben und Arbeiten gehören in einer europäischen Stadt zusammen“, lautet das gemeinsame Credo. Und weiter: „Wir wollen die urbane Mischung bewahren und Nutzungskonflikte so steuern, dass Produktion, Wohnen und Freizeit dauerhaft nebeneinander funktionieren.“ Dass dieser Spagat in Düsseldorf vergleichsweise geräuschlos gelingt, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis einer Kultur der Abstimmung und eines Masterplans, der nicht nur Papier ist, sondern gelebte Praxis. •


Words: Tom Corrinth
Pictures: Landeshauptstadt Düsseldorf/ Michael Lübke

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HOW DÜSSELDORF’S INDUSTRY SECURES ITS FUTURE

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