HOW CAN GERMANY’S ECONOMY GROW AGAIN?

Mit dieser enorm wichtigen Frage beschäftigt sich Jens Südekum, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, ziemlich intensiv: Seit Mai 2025 ist er persönlicher Beauftragter für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. Er gehört zu den Mitimpulsgebern des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität über 500 Mrd. Euro.


Herr Professor Südekum, welche Wachstumsimpulse erwarten Sie durch die 500 Mrd. Euro Sondervermögen in den nächsten Jahren? Und woran müsste man seine Wirkung messen, jenseits einer reinen Mittelabflussstatistik?
Insgesamt wurden die Wachstumsprognosen ja wegen des Irankriegs nach unten korrigiert. Doch das Sondervermögen ist weiterhin ein Treiber. Die konjunkturellen Effekte dadurch wurden allein im Jahr 2026 auf rund 0,5 Prozent geschätzt. Entscheidend ist, dass daraus konkrete Modernisierung entsteht: sanierte Brücken, leistungsfähigere Bahnstrecken, digitale Infrastruktur, modernisierte Schulen und Kitas. Allein für die derzeit rund 400 akut sanierungsbedürftigen Autobahnbrücken in Deutschland ist nun erstmals verbindlich Geld eingeplant. Der Erfolg sollte deshalb nicht am Mittelabfluss gemessen werden, sondern daran, ob Projekte schneller umgesetzt werden, Engpässe verschwinden und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland spürbar steigt.

Beim Düsseldorfer Immobiliendialog Heuer im Jahr 2025 forderten Sie ein engmaschiges Monitoring für diesen Mittelabfluss. Wie sieht das heute aus?
Bisher liefen Informationen zu Infrastrukturprojekten oft getrennt in einzelnen Ressorts oder bei Ländern und Kommunen zusammen. Der Bund stellte das Geld bereit, hatte aber keinen zentralen Überblick darüber, welche konkreten Projekte umgesetzt wurden und welche Effekte daraus entstanden sind. Genau das ändert sich jetzt durch den aktuellen Aufbau des Monitorings. Im Finanzministerium werden erstmals Daten gebündelt: Welche Projekte wurden finanziert, wie weit sind sie, welche volkswirtschaftlichen Effekte wie zum Beispiel die Reduktion von Stau oder in dem Zusammenhang auch von CO2-Emissionen lassen sich erzielen? Erste Übersichten mit hunderten konkreten Projekten gibt es bereits auf der Ministeriums-Homepage zu sehen.

Studien zeigen allerdings, dass die Transformation in deutschen Regionen sehr unterschiedlich verläuft. Warum ist das so?
Weil ein großer Teil der öffentlichen Infrastruktur in der Verantwortung der Kommunen liegt. Von den 500 Milliarden Euro sind 100 Milliarden für Länder und Kommunen vorgesehen, allein rund 22 Milliarden für NRW. Dort geht es um Schulen, Kitas, Straßen oder öffentliche Gebäude – also genau die Infrastruktur, die Menschen im Alltag unmittelbar erleben. Ob die Investitionsoffensive als Erfolg wahrgenommen wird, zeigt sich eben daran, ob vor Ort Schulen modernisiert, Brücken saniert oder digitale Angebote verbessert werden.

Energieintensive Industrien und neue Großverbraucher wie Hyperscaler entscheiden gerade jetzt, wo sie investieren. Was muss die Metropolregion Rheinland bieten, um in diesem Wettbewerb zu bestehen?
Im Wettbewerb um energieintensive Industrien oder Hyperscaler zählt weit mehr als nur der Strompreis. Entscheidend ist die gesamte Standortqualität der Wirtschaftsregion. Viele große Ansiedlungen brauchen Flächen und Infrastruktur, die eher im Umland entstehen – profitieren davon tut aber die gesamte Region mit Düsseldorf als Zentrum. Denn solche Investitionen bringen Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und hochqualifizierte Fachkräfte, die oft in Düsseldorf leben möchten. Dafür bietet die Region starke Argumente: eine hohe Lebensqualität, eine dichte Verkehrs- und Flughafenanbindung, kulturelle Angebote und ein großes Fachkräftepotenzial. Gleichzeitig kommt es darauf an, wie schnell und pragmatisch Politik und Verwaltung handeln. Wer Investoren zügig Flächen, Genehmigungen und Infrastruktur bereitstellt, verschafft sich im internationalen Standortwettbewerb klare Vorteile.

Welche Wachstumsimpulse sollte die Bundesregierung zusätzlich zum milliardenschweren Investitionspaket anstoßen?
Infrastruktur- und Verteidigungsinvestitionen sind wichtig, reichen aber allein nicht aus, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands langfristig zu sichern. Das bisherige Geschäftsmodell – starke Industrie, Autoexporte und globale Absatzmärkte – steht zunehmend unter Druck. Großes Potenzial sehe ich zum Beispiel in der Verbindung von Industrie und Künstlicher Intelligenz. Deutschland hat hier einen Vorteil, weil industrielle Produktionsprozesse und technische Expertise bereits vorhanden sind. Entscheidend wird sein, private Investitionen zu erleichtern, etwa durch steuerliche Anreize, schnellere Genehmigungen und eine Regulierung, die Innovation ermöglicht, statt sie frühzeitig auszubremsen. •


Text: Tom Corrinth
Picutres: Ivo Mayr

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