LEVEL UP!
Wie lässt sich auch zukünftig gut arbeiten und leben im stark wachsenden Düsseldorf? Ein Blick auf die Immobilienwirtschaft und den Stadttourismus zeigen vielversprechende Lösungen.
Dr. Stephan Keller, Oberbürgermeister Düsseldorf
Düsseldorf wächst. Wurde im Jahr 2010 laut Statistikamt die 600.000-Einwohner:innen-Grenze geknackt, lebten zum Jahreswechsel 2025/2026 schon rund 660.000 Menschen – also 10 Prozent mehr! – in dem vergleichsweise kleinen Stadtgebiet. In ein paar Jahren könnte auch die 700.000er-Grenze geknackt werden. Hinzu kommen täglich zig Tausend Pendler:innen sowie Tourist:innen. Vor allem junge Menschen zieht es in die Metropole, um hier zu arbeiten, zu leben oder etwas zu erleben. Und natürlich ist Düsseldorf auch ein gefragter Ort für Unternehmen zum Wachsen und für Startups zum Skalieren.
Wie schafft man es vor diesem Hintergrund, auch in Zukunft Infrastruktur, Wohn- und Arbeitsraum sowie Freizeitmöglichkeiten in einem ausgewogenen Verhältnis zusammenzubringen, kurzum „smart“ zu planen? Indem Wachstum vor allem qualitativ und nachhaltig gedacht und begleitet wird. Wie das aus immobilienwirtschaftlicher Sicht funktionieren kann, damit befasste sich Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller im März in seiner Präsentation auf der internationalen Immobilienmesse MIPIM in Cannes. Unter dem Titel „From Spaces to Places“ zeigte er, wie Düsseldorf bestehende Räume weiterentwickelt und neue Orte von langfristiger wirtschaftlicher und städtebaulicher Qualität schafft. „Wer heute in Immobilien investiert, investiert nicht nur in Quadratmeter. Er investiert in Stabilität, in Zukunftsfähigkeit und in langfristige Wertentwicklung. Das bedeutet, zentrale Lagen in qualitätsvolle Orte zu verwandeln. Gebäude zu entwickeln, die über Jahrzehnte wertbeständig bleiben. Industrielle Stärke als Rückgrat der Stadt zu sichern. Infrastruktur und Mobilität als Werttreiber zu nutzen und gemischt genutzte Quartiere zu schaffen, die ökonomisch wie gesellschaftlich funktionieren."
Wachstum: Im klassischen Business-Sinn bedeutet: Bei einem bestimmten Einsatz von Ressourcen wie Geld und Personal wächst der Umsatz in einem relativ proportionalen Rahmen mit. Um noch mehr Umsatz zu machen, muss man noch mehr Aufwand reinstecken. Beispiel: Eine Supermarktkette baut zusätzliche Filialen, damit noch mehr Menschen die Produkte kaufen und steigert dadurch den Umsatz und die Kundenbindung.
Skalierung: Skalierung bedeutet dagegen: Umsätze steigen ohne oder mit minimal zusätzlichem Aufwand. Vor allem Digitalisierung, KI und Automatisierung ermöglichen diesen Effekt. Ein Beispiel: Streamingdienste, die Millionen von Menschen Filme und Serien anbieten, ohne dafür viele Ressourcen zu benötigen. Der sogenannte Hockey-Stick-Effekt beschreibt die exponentielle Wachstumskurve (vor allem bei Startups): Ähnlich der Form eines Hockeyschlägers steigt die Kurve nach anfänglichen Herausforderungen steil an.
Jens Ihsen, Managing Director, Visit Düsseldorf
Wie diese fünf Handlungsfelder umgesetzt werden, veranschaulichte er an konkreten Projekt-Beispielen: Das reichte von Leuchtturmprojekten der Innenstadt wie die Tuchtinsel (Midstad) oder das Mixed-Use-Projekt Kreuzstraße/Steinstraße (B&L Group/Architekturbüro ingenhoven associates) bis hin zu den Wohnentwicklungen Benrather Gärten (Instone Real Estate Group SE). Der Oberbürgermeister resümierte: „Wir transformieren Flächen in funktionierende Stadtbausteine und entwickeln Gebäude zu urbanen Ankerpunkten. Wir verbinden Infrastruktur mit Lebensqualität und sichern Wertschöpfung durch nachhaltige Qualität. Wir geben Flächen Bedeutung. Düsseldorf wächst, investiert und entwickelt sich weiter – mit einem klaren Bild davon, was eine zukunftsfähige Stadt ausmacht."
Düsseldorf wächst nicht nur als Wohn- und Wirtschaftsstandort, sondern auch als Tourismusdestination: Nach 5,4 Millionen Übernachtungen im Jahr 2023 und 5,54 Millionen im Jahr 2024 verzeichnete die Stadt 2025 mit 5,67 Millionen Übernachtungen einen neuen Rekordwert. „Wir hatten nach der Fußball-Europameisterschaft UEFA Euro 2024 eigentlich mit einer Delle gerechnet“, sagt Jens Ihsen, Geschäftsführer von Visit Düsseldorf, der städtischen Tourismusorganisation. „Aber tatsächlich ist unsere Strategie aufgegangen, den deutschen Markt gezielt zu aktivieren und erneut zu wachsen – und zwar über dem NRWNiveau.“ Mit einer Bruttowertschöpfung von zuletzt rund 2,95 Milliarden Euro hat sich der Tourismus zu einem relevanten Wirtschaftsfaktor in der Stadt entwickelt, auch jenseits klassischer Messe- und Eventeffekte.
„Nicht mehr Menschen, sondern längere und intensivere Aufenthalte schaffen die größere Wertschöpfung“, betont Ihsen. „Anlass plus Erlebnis = Wertschöpfung. Deswegen wollen wir aus Anlassgästen Aufenthaltsgäste machen.“ Bisher sind rund 70 Prozent der Übernachtungsgäste aus Business-Gründen vor Ort und die durchschnittliche Übernachtungsdauer aller Gäste beläuft sich auf etwa 1,6 Nächte. Perspektivisch sollen daraus mindestens durchschnittlich 2 Nächte werden. Erreichen will Visit Düsseldorf dies, indem die Anlässe, zu denen die Menschen nach Düsseldorf kommen, mit Erlebnissen gekoppelt werden. Zum Beispiel durch noch mehr maßgeschneiderte Begleitangebote für Messe- und Kongressgäste vor Ort.
Die Herausforderung besteht darin, die Besuchenden emotional stärker an Düsseldorf zu binden. „‘The vibe in the city is amazing’ – das haben wir während der UEFA Euro 2024 immer wieder gehört“, sagt Ihsen. Düsseldorf punkte mit Internationalität, großer Vielfalt, kurzen Wegen und einer besonderen urbanen Atmosphäre. Bei einer Befragung während der Fußball- EM gaben 84 Prozent der befragten Gäste an, dass sie wiederkommen wollen, fast 90 Prozent würden demnach ihrer Familie und Freunden einen Düsseldorf-Besuch empfehlen. „Solche Weiterempfehlungen sind ein Hauptgrund für Städtetrips. Für uns bedeuten diese Zahlen zudem skalierbares Potenzial“, so der Geschäftsführer. Auch die Verknüpfung eines Düsseldorf-Aufenthaltes mit weiteren rabattierten Aktivitäten im Umland – etwa durch die DüsseldorfCard Plus – soll noch stärker gefördert werden. Nach dem Motto: Komm nach Düsseldorf – und erlebe von hier aus zusätzlich NRW! Mit Blick in die Zukunft kommt es auch beim Stadttourismus auf nachhaltiges Wachstum an. Ziel ist ein Tourismus, der sowohl wirtschaftlich erfolgreich als auch mit der Stadtgesellschaft vereinbar bleibt. „Unsere stadtweite Tourismusakzeptanzbefragung hat gezeigt, dass die allermeisten Düsseldorfer:innen die Anzahl der Touristen und die Auswirkungen des Tourismus auf sich und die Stadt als überwiegend positiv bewerten. Dieses Gleichgewicht wollen wir unbedingt bewahren“, resümiert Ihsen.
Text: Tom Corrinth
Pictures: Michael Lübke, Visit Düsseldorf